Zeit der Unschuld (DVD) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 04/2011
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Erfahrungsbericht von JerryMaguire
Zeit der Zwänge - Age Of Innocence
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Der 1993 entstandene Film von Meisterregisseur Martin Scorsese entführt das Publikum einmal mehr in die amerikanische Metropole; wieder einmal in Scorseses Stadt : New York.
Nach einem Roman von Edith Wharton lässt eine Erzählstimme das prunkvolle, sowie traditionsbewusste Leben der adligen Familien New Yorks im Jahre 1870 auferstehen und erzählt die tragische Geschichte von Menschen, die in einer von Konventionen geprägten Zeit an die Grenzen der gesellschaftlichen Tradition stoßen.
Der junge Anwalt Newland Archer (Daniel Day-Lewis) gehört zu einer der angesehensten Familien der Großstadt und führt ein Leben, dass ihn von einer gesellschaftlichen Verpflichtung zur nächsten geleitet. Sicher bewegt er sich auf diversen festlichen Empfängen, Theaterbesuchen, Opernvorführungen und exklusiven Diners, bei denen er stets die Form wahrt und seine Herkunft aus gutem Hause deutlich macht.
Verlobt ist Archer mit der reizenden May Welland (Winona Ryder), einer auf den ersten Blick naiven, mädchenhaften Schönheit, natürlich auch von adliger Herkunft, für die er jedoch offensichtlich eine liebevolle Zuneigung empfindet.
Für die New Yorker High Society, in der jeder mit jedem verwandt oder zumindest bekannt zu sein scheint, sind die beiden das Tagesgespräch, wäre ihre Vermählung doch in vielen Augen geradezu ideal.
Als die Gräfin Ellen Olenska (Michelle Pfeiffer), eine Cousine von May, gerade aus Europa zurückgekehrt und von ihrem Ehemann getrennt, auf der Bildfläche des noblen Lebens auftaucht, bringt sie das gesellschaftliche Gefüge ein wenig ins Wanken.
Galt ihre Vermählung bereits als unangemessen, scheint die von ihr nun geplante Scheidung als Peinlichkeit, die das gesamte New Yorker Adelsgeschlecht in Verruf bringen könnte. Daher schafft sie es auch nur schwer Eintritt in die exklusive Gesellschaft zu gelangen, kaum jemand möchte etwas mit der unkonventionell agierenden, selbstbestimmten Dame zu tun haben.
Ihr Versuch sich bei ihren Verwandten tatkräftige Unterstützung zu holen kommt nur schwer in Gang, da niemand ihr Ansinnen für richtig hält. Nicht einmal ihre Großmutter Mrs. Mingott (Miriam Margolyes), die eine Art „Übermutter“ der Society darstellt, hält eine Scheidung für die Lösung, ist auch ihr die peinliche Situation bewusst.
Letztlich ist es Newland Archer, der Ellen den Kontakt zur feinen Gesellschaft ermöglicht und es ist unübersehbar, dass sich beide von Beginn an in gewisser Weise zueinander hingezogen fühlen.
Fasziniert von dieser starken, emanzipierten Frau erkennt Newland, dass sie all die Dinge vereint die keine der gewöhnlichen New Yorker Adels-Damen besitzt.
Auch seine Verlobte nicht.
Ellen Olenska wird für Newland eine Art Fantasie. Ein niemals mehr zu erreichendes Ideal einer Frau, das für ihn so anders erscheint als all das was er bisher gesehen hatte.
Der Konflikt wird für Archer unausweichlich, möchte er doch auf der einen Seite den Anforderungen und Traditionen der Gesellschaft entsprechend seine Verlobte heiraten, um das Band zwischen den Adels-Familien zu stärken, doch würde dies auf der anderen Seite bedeuten, dass er sein Herz verrät und seinen Willen hinter den der Konvention stellt.
Beeindruckend ist die Art und Weise in der Scorsese das Leben des New Yorker Adels auf Zelluloid gebannt hat. Der Zuschauer erhält einen ausgesprochen detaillierten Einblick in das Innere der ehemaligen New Yorker Gesellschaft, die aus wenigen Familien bestehend eine Art eigenständige Welt darstellt. Eine Schutzmauer aus Tradition und Erziehung verhindert das weitreichende Änderungen der adligen Gesellschaft eintreffen können, man bleibt gerne unter seinesgleichen.
Ein opulentes Festmahl nach dem anderen, Bälle, Theater, es scheint so als bestehe das Leben nur noch aus Luxus und Vergnügen.
Grandios gelingt es dem deutschen Kameramann Michael Ballhaus, der zuletzt wieder bei Scorseses „Gangs Of New York“ (2002) mitarbeitete, die schlossähnlichen Häuser und deren geradezu überfrachtete Innenausstattung einzufangen.
Zahlreiche Kamerafahrten durch Salons und Arbeitszimmer vermitteln dem Zuschauer zu jedem Zeitpunkt den Eindruck, einen wahren Bestandteil des Reichtums der adeligen Familien zu sehen.
Hinzu kommt der hervorragende Schnitt von Thelma Schoonmaker, die bereits in „Wie ein wilder Stier“ (1980, und vielen weiteren Filmen von Scorsese) mit Scorsese zusammenarbeitete wofür sie auch den Academy Award gewann. Diese zwei außergewöhnlichen Künstler machen diesen Film zu einem Fest für die Augen des Betrachters, man achte nur mal auf die starken Farben, die im Film verwendet werden.
Schnitt und Kamera harmonieren nahezu perfekt und gewähren mit der detailgetreuen Ausstattung und den wunderbaren Kostümen einen tiefen Einblick in den pompösen Alltag der High Society.
Doch auch die Schauspieler tragen zu dem wunderbaren Gesamtkunstwerk bei.
Daniel Day-Lewis und Michelle Pfeiffer wirken als von Leidenschaft übermanntes Liebespaar jederzeit überzeugend. Obwohl der Film weder Haut zeigt noch in irgendeiner Form vulgär wird, herrscht im Agieren zwischen Newland Archer und Ellen Olenska eine wahrlich prickelnde Atmosphäre, die nicht mit körperlicher Leidenschaft zusammenhängt.
Man spürt, dass sich zwei Menschen gegenüberstehen, welche die gleiche Last zu tragen haben. Sie leiden beide unter der ständigen Beobachtung durch ihre Familien und das Reglement der Noblesse.
Der Kampf für ihre Liebe ist für beide auch ein Kampf für Freiheit und Selbstbestimmung, ein Hilferuf aus ihrer zum Teil unwirklichen Welt auszubrechen.
Es verwundert nicht, dass Archer das Gefühl hat „tot“ zu sein und ohnmächtig dem von seiner eigenen Familie auferlegten Schicksal entgegensieht.
Letztendlich sind beide, Archer und Olenska, aber auch nicht stark genug, um mit ihren Konventionen zu brechen. Den Weg den sie beide wählen führt für alle Beteiligten in eine Art selbstzerstörenden Prozess, da keiner den Wünschen oder Leidenschaften nachgibt, die ihn umgarnen.
Auch May Welland, die innerhalb der adeligen Gesellschaft nicht einmal das Gefühl verspürt unfrei zu sein zerstört sich im Grunde selbst, da sie sich mit einem Mann zufrieden gibt, der zwar Zuneigung für sie empfindet, sie allerdings nicht aufrichtig liebt. Obwohl ihr dieser Fakt bewusst ist, fügt sie sich in ihr vorgegebenes Schicksal. Winona Ryder spielt die naive, junge Frau mit sehr viel Zurückhaltung und schafft es den Charakter der May Welland glaubhaft darzustellen.
Martin Scorsese hat einen wirklich hervorragenden Film kreiert, der im Gegensatz zu vielen seiner anderen Werke sehr leise und langsam inszeniert ist. Der Aspekt der Selbstzerstörung, den viele von Scorseses Filmfiguren innewohnt wird diesmal nicht augenscheinlich durch die drastische Darstellung von Gewalt („Taxi Driver“, „Wie ein wilder Stier“, „GoodFellas“) porträtiert, sondern äußerst sich vielmehr in der Gestik und Mimik seiner Darsteller.
Insgesamt ein sehr zu empfehlendes Meisterwerk, das für Freunde ehrlicher Emotionen und Leidenschaften, sowie einem langsamen Erzählstil nur zu empfehlen ist!
JerryMaguire für
www.ciao.com
www.yopi.de
Nach einem Roman von Edith Wharton lässt eine Erzählstimme das prunkvolle, sowie traditionsbewusste Leben der adligen Familien New Yorks im Jahre 1870 auferstehen und erzählt die tragische Geschichte von Menschen, die in einer von Konventionen geprägten Zeit an die Grenzen der gesellschaftlichen Tradition stoßen.
Der junge Anwalt Newland Archer (Daniel Day-Lewis) gehört zu einer der angesehensten Familien der Großstadt und führt ein Leben, dass ihn von einer gesellschaftlichen Verpflichtung zur nächsten geleitet. Sicher bewegt er sich auf diversen festlichen Empfängen, Theaterbesuchen, Opernvorführungen und exklusiven Diners, bei denen er stets die Form wahrt und seine Herkunft aus gutem Hause deutlich macht.
Verlobt ist Archer mit der reizenden May Welland (Winona Ryder), einer auf den ersten Blick naiven, mädchenhaften Schönheit, natürlich auch von adliger Herkunft, für die er jedoch offensichtlich eine liebevolle Zuneigung empfindet.
Für die New Yorker High Society, in der jeder mit jedem verwandt oder zumindest bekannt zu sein scheint, sind die beiden das Tagesgespräch, wäre ihre Vermählung doch in vielen Augen geradezu ideal.
Als die Gräfin Ellen Olenska (Michelle Pfeiffer), eine Cousine von May, gerade aus Europa zurückgekehrt und von ihrem Ehemann getrennt, auf der Bildfläche des noblen Lebens auftaucht, bringt sie das gesellschaftliche Gefüge ein wenig ins Wanken.
Galt ihre Vermählung bereits als unangemessen, scheint die von ihr nun geplante Scheidung als Peinlichkeit, die das gesamte New Yorker Adelsgeschlecht in Verruf bringen könnte. Daher schafft sie es auch nur schwer Eintritt in die exklusive Gesellschaft zu gelangen, kaum jemand möchte etwas mit der unkonventionell agierenden, selbstbestimmten Dame zu tun haben.
Ihr Versuch sich bei ihren Verwandten tatkräftige Unterstützung zu holen kommt nur schwer in Gang, da niemand ihr Ansinnen für richtig hält. Nicht einmal ihre Großmutter Mrs. Mingott (Miriam Margolyes), die eine Art „Übermutter“ der Society darstellt, hält eine Scheidung für die Lösung, ist auch ihr die peinliche Situation bewusst.
Letztlich ist es Newland Archer, der Ellen den Kontakt zur feinen Gesellschaft ermöglicht und es ist unübersehbar, dass sich beide von Beginn an in gewisser Weise zueinander hingezogen fühlen.
Fasziniert von dieser starken, emanzipierten Frau erkennt Newland, dass sie all die Dinge vereint die keine der gewöhnlichen New Yorker Adels-Damen besitzt.
Auch seine Verlobte nicht.
Ellen Olenska wird für Newland eine Art Fantasie. Ein niemals mehr zu erreichendes Ideal einer Frau, das für ihn so anders erscheint als all das was er bisher gesehen hatte.
Der Konflikt wird für Archer unausweichlich, möchte er doch auf der einen Seite den Anforderungen und Traditionen der Gesellschaft entsprechend seine Verlobte heiraten, um das Band zwischen den Adels-Familien zu stärken, doch würde dies auf der anderen Seite bedeuten, dass er sein Herz verrät und seinen Willen hinter den der Konvention stellt.
Beeindruckend ist die Art und Weise in der Scorsese das Leben des New Yorker Adels auf Zelluloid gebannt hat. Der Zuschauer erhält einen ausgesprochen detaillierten Einblick in das Innere der ehemaligen New Yorker Gesellschaft, die aus wenigen Familien bestehend eine Art eigenständige Welt darstellt. Eine Schutzmauer aus Tradition und Erziehung verhindert das weitreichende Änderungen der adligen Gesellschaft eintreffen können, man bleibt gerne unter seinesgleichen.
Ein opulentes Festmahl nach dem anderen, Bälle, Theater, es scheint so als bestehe das Leben nur noch aus Luxus und Vergnügen.
Grandios gelingt es dem deutschen Kameramann Michael Ballhaus, der zuletzt wieder bei Scorseses „Gangs Of New York“ (2002) mitarbeitete, die schlossähnlichen Häuser und deren geradezu überfrachtete Innenausstattung einzufangen.
Zahlreiche Kamerafahrten durch Salons und Arbeitszimmer vermitteln dem Zuschauer zu jedem Zeitpunkt den Eindruck, einen wahren Bestandteil des Reichtums der adeligen Familien zu sehen.
Hinzu kommt der hervorragende Schnitt von Thelma Schoonmaker, die bereits in „Wie ein wilder Stier“ (1980, und vielen weiteren Filmen von Scorsese) mit Scorsese zusammenarbeitete wofür sie auch den Academy Award gewann. Diese zwei außergewöhnlichen Künstler machen diesen Film zu einem Fest für die Augen des Betrachters, man achte nur mal auf die starken Farben, die im Film verwendet werden.
Schnitt und Kamera harmonieren nahezu perfekt und gewähren mit der detailgetreuen Ausstattung und den wunderbaren Kostümen einen tiefen Einblick in den pompösen Alltag der High Society.
Doch auch die Schauspieler tragen zu dem wunderbaren Gesamtkunstwerk bei.
Daniel Day-Lewis und Michelle Pfeiffer wirken als von Leidenschaft übermanntes Liebespaar jederzeit überzeugend. Obwohl der Film weder Haut zeigt noch in irgendeiner Form vulgär wird, herrscht im Agieren zwischen Newland Archer und Ellen Olenska eine wahrlich prickelnde Atmosphäre, die nicht mit körperlicher Leidenschaft zusammenhängt.
Man spürt, dass sich zwei Menschen gegenüberstehen, welche die gleiche Last zu tragen haben. Sie leiden beide unter der ständigen Beobachtung durch ihre Familien und das Reglement der Noblesse.
Der Kampf für ihre Liebe ist für beide auch ein Kampf für Freiheit und Selbstbestimmung, ein Hilferuf aus ihrer zum Teil unwirklichen Welt auszubrechen.
Es verwundert nicht, dass Archer das Gefühl hat „tot“ zu sein und ohnmächtig dem von seiner eigenen Familie auferlegten Schicksal entgegensieht.
Letztendlich sind beide, Archer und Olenska, aber auch nicht stark genug, um mit ihren Konventionen zu brechen. Den Weg den sie beide wählen führt für alle Beteiligten in eine Art selbstzerstörenden Prozess, da keiner den Wünschen oder Leidenschaften nachgibt, die ihn umgarnen.
Auch May Welland, die innerhalb der adeligen Gesellschaft nicht einmal das Gefühl verspürt unfrei zu sein zerstört sich im Grunde selbst, da sie sich mit einem Mann zufrieden gibt, der zwar Zuneigung für sie empfindet, sie allerdings nicht aufrichtig liebt. Obwohl ihr dieser Fakt bewusst ist, fügt sie sich in ihr vorgegebenes Schicksal. Winona Ryder spielt die naive, junge Frau mit sehr viel Zurückhaltung und schafft es den Charakter der May Welland glaubhaft darzustellen.
Martin Scorsese hat einen wirklich hervorragenden Film kreiert, der im Gegensatz zu vielen seiner anderen Werke sehr leise und langsam inszeniert ist. Der Aspekt der Selbstzerstörung, den viele von Scorseses Filmfiguren innewohnt wird diesmal nicht augenscheinlich durch die drastische Darstellung von Gewalt („Taxi Driver“, „Wie ein wilder Stier“, „GoodFellas“) porträtiert, sondern äußerst sich vielmehr in der Gestik und Mimik seiner Darsteller.
Insgesamt ein sehr zu empfehlendes Meisterwerk, das für Freunde ehrlicher Emotionen und Leidenschaften, sowie einem langsamen Erzählstil nur zu empfehlen ist!
JerryMaguire für
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