Zurück zum Glück - Die Toten Hosen Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Cover-Design:  sehr gut
  • Klangqualität:  sehr gut

Erfahrungsbericht von tar_rgnrst

Vorwärts zum Rock

5
  • Cover-Design:  gut
  • Klangqualität:  sehr gut

Pro:

rockiger, punkiger und philosophischer

Kontra:

Viele Ähnlichkeiten mit vorherigen Alben

Empfehlung:

Ja

Nun, nach beinahe drei Jahren sind die Toten Hosen mit ihrem nagelneuen Album zurück und sie rocken wie noch nie zuvor. Die Toten Hosen entwickeln sich konsequent weiter in die härtere Richtung, doch ohne ihre Wurzeln zu verleugnen oder zu vergessen woher sie kommen. Ihre sanfte Beziehung mit der härteren Musik ziehen sie auf ihrer neuen Scheibe weiter und vermögen auch nach über 20 Jahren noch frisch zu denken (so fliessen Elemente des Metal hinein, aber die Band scheut sich auch nicht mit Cello und Geigen aufzufahren) und hätten es gar nicht nötig, sich selber zu kopieren, wie es leider hin und wieder auf diesem Album passiert ist - was jedoch nichtsdestotrotz in sehr guten Songs resultiert ist. Wer \"Unsterblich\" oder auch \"Auswärtsspiel\" mochte, wird dieses Album lieben, aber auch wer die Toten Hosen bisher nicht so mochte, der sollte zumindest in dieses Album hereinhören, denn Toten Hosen ist nicht gleich Tote Hosen!
Ihre Texte wirken philosophischer als auch schon, lyrischer ohne ins pseudo-intellektuelle abzugleiten und Auflockerungen sind dank Funny Van Dannen garantiert und dank den brutalen Emotionen des Punks liefern hier die Toten Hosen eine mehr als nur solide CD ab!

Die CD beginnt mit dem schmissigen „Kopf oder Zahl“ das nach einem guten Intro so richtig auf die Ohren dröhnt und die Hosen zeigen mit ihrem aggressiven Moto „entweder bist du mit uns oder du kannst mich mal kreuzweise“ dass sie immer noch die alten sind und keine Kompromisse mit sich machen lassen (zumindest musikalisch, denn ansonsten sind sie dank MTV schon ziemlich auf der Mainstream-Schiene).
Dann geht es gleich richtig rockig weiter „Wir sind der Weg“ ist eine Hymne auf die Hosen selbst und beschreibt ihre Philosophie treffend und hätten sie mehr Zeit, würden sie so viel gutes tun. Erst einmal tun sie Gutes genug mit diesem Stück, genau dort weitermacht wo „Kopf oder Zahl“ aufgehört hat.
Danach lockert die Ballade „Ich bin die Sehnsucht in dir“ wieder etwas auf, sie erinnert etwas an „Nur zu Besuch“ auf dem Vorgänger-Album und geht voll aufs Gemüt und es behandelt die Thematik der Liebe und Verlangen und wie jeder etwas anderes unter Sehnsucht versteht und leitet zum wieder rockigen „Weissen Rauschen“, wo die Hosen wieder richtig reindreschen und über Drogenproblematik sprechen. Abgelöst wird dann der Rock wieder von einem gemütvollen Lied „Alles wird Vorübergehen“ widerspiegelt Campinos Philosophie ein weiteres mal, man kann nichts festhalten – eine gute Zeit kann man nicht konservieren, doch eine schlechte Zeit wird irgendwann auch vorbei sein. Man sollte das Leben einfach nehmen, wie es kommt, und die glücklichen Momente würdigen.
Dann kommt der Doppler „Beten“ und „Wunder“ die nicht nur per Zufall übergangslos ineinander übergehen und hier behandelt Campino die Thematik der Religion und wie auch der moderne Mensch, der rational nicht an Gott glaubt immer wieder in die Kirche geht wenn er Trost sucht oder einfach nicht mehr weiterweiss. In „Wunder“ bekräftigen die Hosen nochmals ihre Meinung, dass Wunder möglich sind und jeden Tag passieren, wenn man nur daran glaubt!
„Herz brennt“ ist das langsame Stück vor dem Titelstück und es geht um eine Beziehung, wo keine Liebe und nur noch Gift drin ist und ist etwas sehr langsam und melodramatisch geraten, doch der nächste Titel tröstet darüber hinweg.
„Zurück zum Glück“, der Titeltrack ist sicher ein Höhepunkt des Albums und beschreibt die momentane Stimmung in Deutschland, Europa wo man doch gerne wieder an die guten alten Jahre denkt, wo alles so gut gewesen war und auch über die Definition von Glück reflektiert. Obwohl es sehr kurz ist, macht es eben gerade Lust auf mehr, welche zum Denken anregen und sicher das punkigste, das urchigste Stück auf der ganzen Scheibe, die Toten Hosen in ihrer Reinform.
Dies mag auch über das experimentierfreudige „Die Behauptung“ hinweghelfen, wo sich Campinos Stimme mit Cello und Geigen mischt; keine ideale Komposition meiner Meinung nach und besser wäre es auf einer Single als zusätzlicher Track gewesen als auf dieser CD. Sicher sehr gewöhnungsbedürftig.
Das englische „How Do You Feel“ ist wohl eine Anspielung auf die vielen Bands, welche in den Charts sinnlose Songs auf Englisch singen, damit niemand hinter deren Stupidität kommt. Doch durchaus rockiger solider Hosen-Sound.
„Freunde“ ist ein langsames, nachdenkliches Stück, das eine Beziehung einiger Freunde fürs Leben beschreibt, das sehr wohl auch auf die Hosen selber gemünzt werden kann (was sie aber nicht so verstehen) und ist etwas melancholisch konzipiert und leitet zum „Walkampf“ über, das eigentlich lustig sein sollte, aber mir gar nicht so gefallen mag, weder vom Text noch von der Musik, doch auf einem Live-Gig sicher das Highlight.
Nochmals raffen sich doch die Hosen auf, „Goldener Westen“ ist rockig und schnell, so muss der richtige Sound sein, hinterfragt unsere Kultur und unsere Gesellschaft hier lässt sich die Band nochmals wirklich gehen und bringt die CD wieder zurück in die höheren Lagen, ohne dieses Lied wäre der Schluss etwas sehr platt geworden.
Abgeschlossen wird das Album dann mit dem sehr nachdenklichen und philosophischen „Am Ende“ welches ein angenehmes Gefühl zurücklässt nachdem man die Scheibe noch einige Male im CD-Spieler drehen hört.

FAZIT
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Ein mehr als grundsolides Hosen Album, das bestimmt alle bestehenden Fans ansprechen wird, aber auch für viele geeignet ist, welchen sonst die Hosen zu weich sind und eher auf rockigere und härtere Musik stehen. Das Album hat nur wenige Schwächen und auch wenn einige platte Stücke dabei sind und manche Stücke etwas abgekupfert wirken, so ist das ganze Album doch innovativ genug um als selbständiges Werk dazustehen, das musikalisch neues Terrain erschliesst.

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