7 Zwerge. Männer allein im Wald (gebundene Ausgabe) Testbericht

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ab 10,05
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Erfahrungsbericht von ZordanBodiak

...missglückte Zwergfellattacke...

Pro:

Otto kriegt dauernd eins auf die Mütze...

Kontra:

...dummerweise steht er immer wieder auf!

Empfehlung:

Nein

Es war einmal vor nicht allzu langer Zeit. Da wollte ein kleiner blonder Junge das deutsche Volk zur Erheiterung bringen. Mit lustigem Herumgezappel und selbstgedichteten Liedchen reiste er durch das Land und konnte gar sein Ziel erreichen. Die Menschen lagen ihm zu Füßen – vor Lachen versteht sich wohl von selbst. Doch der kleine blonde Junge wurde älter und älter. Die Haare ergrauten und fielen ihm langsam aus und er versuchte dem Alter zu trotzen. Immer noch stand er auf den Brettern, die die Welt bedeuten und erzählt immer noch die gleichen alten Witze. Die Menschen lagen ihm immer noch zu Füßen – leider sind sie ihm nur jetzt vor Langeweile entschlummert.

Was macht also ein kleiner „Junge“, der nicht von seinem Pfad der Volkserheiterung abweichen will? Er sucht sich andere lustige Menschen, die langsam in Vergessenheit geraten sind – und hofft, dass er mit ihnen gemeinsam wieder auf den Pfad des Erfolges zurückfinden kann. Und damit ja keiner erkennt, dass die ganze lustige Truppe eigentlich Schnee von gestern ist, bastelt man sich schnell eine Geschichte zusammen, die noch älter ist –und lenkt so von der eigenen Betagtheit ab. Und wie das so in Märchen ist, das Konzept der einstigen Kasper ging voll auf – schallend lachend lagen die Zuschauer ihnen erneut zu Füßen und dankten ihnen für diese gelungene Flucht aus der tristen Realität. Eine verrückte Welt...


Mittlerweile wieder in der Realität angekommen, muss man feststellen, dass die ganze einleitende Erzählung kein Märchen war. Otto ist nach seinem Kassengift „Otto – der Katastrofenfilm“ wieder unter den Lebenden Komikerlegenden zu verzeichnen und hat sich eine illustre Truppe zusammengesucht, um dem angestaubten Märchen des „Schneewittchens“ einer Komplettrenovierung zu unterziehen und so flüchtet auch bei den „7 Zwergen“ die traumhafte Schönheit [treffend mit Cosma Shiva Hagen besetzt] vor der grausem Königin zu den sieben Zipfelmützenträgern. Um jedoch schon zu diesem frühen Zeitpunkt etwas Geld für Special-Effects einsparen zu können, wurde sogleich das Auftreten der Zwerge gänzlich verändert. Die mangelnde Größe, die man eigentlich mit der Bezeichnung als „Zwerg“ assoziiert, wird kurzerhand zu einer alten Legende abgestempelt. Denn eigentlich leben die sowohl in vertikale als auch horizontale Richtung normalwüchsigen Kerle nur alleine im Wald, weil sie einst von den Frauen bitterböse enttäuscht worden sind.

Der weitere Verlauf der Geschichte sollte altbekannt sein – und ist somit an dieser Stelle nicht mehr von Nöten, denn obgleich Otto und seine Kalauerkönige sich die Volkserheiterung auf das Banner geschrieben haben, rütteln sie nicht am Grundgerüst und lassen die Geschichte in einem „gewohnten“ märchenhaften Happy-End gipfeln. Der Weg bis zum Finale ist jedoch steinig und wird einzig von den herrlichen Kulissen und Kostümen verschönert. Um einen märchenhaften Anschein zu erwecken, wurde die gesamte Landschaft in einem Studio hochgezogen. Die wäldliche Umgebung des mit Reisig bedeckten Zwergenhauses erscheint in satten goldgelben Tönen und wird von künstlichen Bäumen und einem herrlich schrägen Pferd, das einem Stofftierzoo hätte entspringen können, bevölkert. Ganz im Gegensatz hierzu wirkt das Schloss der bösen Königin [Nina Hagen mit netter Gesichtsakrobatik] äußerst düster und farblos. Die einzig erhellenden Faktoren scheinen der Hofnarr [Atze Schröder mit Witzen von vorgestern] und die extravaganten Kostüme und Frisuren der Königin zu sein.


Abgesehen von dieser leicht trashigen Optik, die wohl bewusst auf die Märchenverfilmungen von einst angelegt worden ist, hat „7 Zwerge“ leider nur wenig zu bieten. Die vermeintliche Story dient einzig dem Zweck die Lücken zwischen den einzelnen Gags und Witzchen aufzufüllen – dass aber bereits bei den meisten Zwerchfellattacken Langeweile entsteht, haben die Macher wohl nicht bedacht. Denn die TV-erprobten Comedians wollen auch auf der großen Leinwand ihre lustige Duftnote hinterlassen und bieten vorwiegend Pointen, die man sich bereits vor Jahren auf dem Schulhof erzählte. Da müssen ein weiteres Mal die abgehalfterten Blondinen-Witze in einer langweiligen Variation herhalten und auch die zu Beginn verschwendete Parodie auf Spielbergs Durchbruchsfilm „Jaws / der weiße Hai“ – unter der Einspielung der famosen Score John Williams’ – gab es sicherlich nicht nur in der ZAZ-Kultparodie „Airplane! / Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“, sondern auch in hunderter anderer Filmkomödien.

Und selbst wenn alle humoristischen Stricke reißen, greift die lustige Truppe mal wieder auf umhergeschmissene Pferdeäpfel zurück, die dem ein oder anderen Akteur ins Gesicht klatschen. Das hat zwar absolut kein Niveau – aber das angepeilte Publikum scheint sich auch noch nach Jahren über deplatzierte Fäkalien amüsieren zu können.


Wirklich neue Gags wird man so im Wald der „7 Zwerge“ nur schwerlich finden – vermutlich sind diese auch nur Legenden wie die Größe der Mützenträger. Zwar mag ein kurzer Auftritt Helge Schneiders als abgehalfterter Gandalf-Verschnitt oder Rüdiger Hoffmans als um den heißen Brei redender Spiegel schon zum Lachen animieren, wenn man aber ehrlich ist, muss man sich eingestehen, dass auch diese nur ihr gewohntes Bühnen-Repertoire abrufen.

Dankbar ist man aber für jeden komödiantischen Lichtblick, denn die Hauptdarsteller können für diese nur in wenigen Fällen sorgen. Überhaupt wirkt die Männer-Clique wie ein bunter Haufen zweitklassiger Komikern, bei denen nur Kalle Pohl Hausverbot bekommen hat – aber selbst für diese kleine Geste der Menschlichkeit müsste man den Produzenten großen Dank aussprechen. Denn abgesehen von dem Anführer Heinz Hoenig [Brummboss; zuvor u.a. „das Boot“ und „der Schattenmann“] und dem ewig miesepetrigen Tatort-Kommissar Boris Aljinovic [Cloudy, zuvor schon einmal schwarzhumorig in „drei Chinesin mit dem Kontrabass“ unterwegs], die wenigstens etwas schauspielerische Klasse in das Gag-Ensemble bringen, könnte man den gesamten Rest getrost in den leeren Turm von Rapunzel sperren und den Schlüssel wegwerfen.

Die Charakter sind so dünn wie das morgendliche Butterbrotpapier ausgestaltet worden, aber selbst bei diesen geringen Voraussetzungen scheitern die Komiker auf ganzer Linie. Man hat nicht irgendeinen Zwerg vor sich, sondern den Komiker und sein übliches Auftreten vor der Kamera. Zwar mag das bei den weniger beworbenen „Die dreisten Drei“-Darstellern Ralf Schmitz [als lispelnder Sunny] und Markus Majowski [der Zwergenkoch Cookie] noch nicht derartig die Nerven strapazieren – wenn aber Martin Schneider [Speedy] zum x-ten Mal die Schlaftablette der Nation gibt, ist das Humorlevel auf den Tiefpunkt gesunken. Hier regiert nicht die Innovation, sonder Stagnation.

Doch die beiden dienstältesten Lustigmänner Otto Waalkes [der leicht zurückgebliebene Bubi] und Mirco Nontschew [der aggressive Tschakko] wissen diesen enormen Nervfaktor noch zu überbieten. Otto hüpft wie gewohnt durch die märchenhafte Atmosphäre, gibt selbstgedichtete Liedchen von sich und bekommt immer mal wieder eins auf die Mütze von seinen Mit-Zwergen – schade nur, dass er jedes Mal wieder zur Besinnung kommt. In einer ähnlichen stilistischen Stagnation befindet sich offensichtlich auch Nontschew, der seit seinem ersten Auftritt vor den laufenden RTL-Kameras immer nur den wildgestikulierenden Geräuschemacher gibt. Sicherlich, vor gut zehn Jahren konnte man über beide noch herzhaft lachen. Da wirkte ihr Konzept auch noch neu und unverbraucht – im neuen Jahrtausend angekommen muss man jedoch feststellen, dass man vielleicht nicht dem Märchen einer Rundumerneuerung hätte unterziehen müssen, sondern der komödiantischen Spielereien der Hauptdarsteller.


Gibt es ansonsten vielleicht etwas Positives zu vermerken? Sicherlich, das Staraufgebot in den Nebenrollen ist famos und bietet mit Hilmi Sözer, Harald Schmidt und Christian Tramitz drei Komiker, die wenigstens etwas Farbe in die triste Phantasiewelt bringen – obgleich auch ihnen die großen Pointen verwehrt bleiben. Die zwergischen Brettspiele und der um die Aufnahme bettelnde achte Zwerg sind auf den ersten Blick äußerst amüsant – werden aber leider bis zum Erbrechen ausgereizt. Und so gibt es eigentlich nur noch den Wink des Schicksals, durch den man erfährt, wie Atze Schröder zu seiner legendär-prolligen Frisur kommt. Aber das war’s wohl auch schon mit den kleinen versteckten Qualitäten, auf die man sich während der gesamten Spielzeit von knapp fünfundneunzig Minuten freuen darf.


Fazit – Männer allein im Wald

Kann man sich wirklich noch an uralten Gags über Blondinen erfreuen? Benötigt der Kinozuschauer noch die x-tausendste Parodie auf „Jurassic Park“? Fragen über Fragen – und wenn man den Reaktionen der Kinozuschauer in den letzten Wochen Beachtung schenkt [der drittbeste Kinostart in diesem Jahr!], muss man sich wohl oder übel eingestehen, dass noch ein großer Bedarf an derartig abgestandenen Witzchen besteht.

Aber wen verwundert’s? Wenn sich schon seit Jahren Freitagsabends die Mannen um Jochen Busse durch „7 Tage – 7 Köpfe“ blödeln und dieses Erfolgskonzept scheinbar ohne jegliche neue Gags auszukommen scheint, muss man feststellen, dass das geneigte Publikum wohl leicht zu befriedigen ist. Oder vielleicht ist man als Kritiker dieser ausgelutschten Witze nur zu brummbärig und kann sich nicht mehr an die Zeiten als kleines Kind erinnern, während derer man Abend für Abend in seinem Bettchen lag und seine Eltern bat doch nur noch einmal die Geschichte von „Schneewittchen und den sieben Zwergen“ erzählt zu bekommen. Selbst wenn man sie schon zum hundertsten Mal hörte – spannend war sie ein jedes Mal.

Daher heute – ohne negativ klingen zu wollen – eine Empfehlung an alle geistig Junggebliebenen, die sich auch bei den Witzen mit den längsten Bärten herrlich amüsieren können. Hingegen sollten alle, die ihren Peter-Pan-Komplex schon vor Jahren erfolgreich bekämpft haben, den größtmöglichen Bogen um die „7 Zwerge“ machen. Scheinbar haben wir einfach das Lachen verlernt...

Wertung: (gerade noch) 2 zipfelmützige Punkte auf meiner 10er-Skala
Internet: offizielle Homepage

31 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Panda

    11.01.2005, 04:45 Uhr von Panda
    Bewertung: sehr hilfreich

    selber geschrieben, oder hier kopiert? http://www.filmbesprechungen.de/php/ausgabe.php4?FilmID=1710