A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn (DVD) Testbericht

D
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ab 6,42
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Auf yopi.de gelistet seit 05/2008

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Erfahrungsbericht von mima007

OSCAR-gekrönt: Von Mathe und Monstern

Pro:

spannend, menschlich bewegend, mysteriös, toll fotografiert und gespielt, Crowe & Connelly, Bonusmaterial

Kontra:

Bonusmaterial könnte umfangreicher sein (= man muss mehr dafür zahlen)

Empfehlung:

Ja

In "Fluch der Karibik" wundert sich Will Turner darüber, dass Genie und Dummheit oft nahe beieinander liegen. Doch auch Genie und Wahnsinn sind zwei Seiten einer Medaille. Dass man Geisteskrankheit überwinden und schließlich den Nobelpreis gewinnen kann, zeigt "A beautiful mind". (Es gibt also auch noch Hoffnung für mich.'fg')

Filminfos
°°°°°°°°°°°°°°°

O-Titel: A beautiful mind (USA, 2001; 4 OSCARs), DVD: 2002
FSK: ab 12
Länge: ca. 130 Min.
Regisseur: Ron Howard
Drehbuch: Akiva Goldsman
Musik: James Horner
Darsteller: Russell Crowe, Jennifer Connelly, Paul Bettany, Ed Harris, Christopher Plummer u.a.

Handlung
°°°°°°°°°°°°°°°

Der Film erzählt die Lebensgeschichte des Nobelpreisträgers John Nash (Crowe). Zunächst lernen wir ihn als unbeholfenen, antisozialen Mathestudenten kennen, der mit Hilfe eines Stipendiums aus dem provinziellen West Virginia herauskommt und an der renommierten Uni von Princeton darf, wo ja auch Einstein lehrte. Sein Mentor Helinger meint allerdings, dass Nashs Forschungsthema "Governing Dynamics" dem seines Stipendiums-Konkurrenten Wendell (Josh Lucas) nicht das Wasser reichen könne.

Infolge dieser Zurücksetzung fühlt sich Nash schwer unter psychischen Druck gesetzt. Der Druck lässt nach, als ein Stubenkamerad namens Charles (großartig: Paul Bettany) bei ihm einzieht, denn Charles bringt ihn wieder mit dem echten Leben in Verbindung (und sorgt für mehrere Lacher). Charles allerdings ist eine Einbildung Nashs. Allerdings bleibt der Zuschauer sehr lange im Unklaren über diesen Sachverhalt. Ein Tipp: Bevor die eingebildete Person im Bild auftaucht, hört man sie zuerst. Und der grund, warum Nash sie nicht als Einbildung wahrnimmt, ist der, dass sie ihm auf derselben Ebene begegnen, auf der er seine Ideen und Einfälle erhält. Und auf letztere will er keinesfalls verzichten. (Das wird später während der Rückfallphase relevant.)

Dann hat Nash eines Tages in der Studentenbar die Erleuchtung: kooperativer Wettbewerb, den seine Kollegen um ein wunderschönes weibliches Wesen eingehen. Das Dumme ist nur, dass er mit dieser These ungefähr 150 Jahre Wirtschaftstheorie seit Adam Smith über den Haufen wirft. Nachdem es ihm aber gelungen ist, eine wasserdichte Theorie daraus zu machen, kann ihm niemand den Doktorhut verweigern, ja sogar den Professorentitel.

Vier Jahre später tritt er zwei lukrative Stellen an: eine am berühmten Massachusetts Institute of Technology (MIT), die andere im Pentagon, wo er als Codebrecher arbeitet. Diese Fähigkeit wird eindrucksvoll demonstriert. Allerdings fühlt er sich lediglich benutzt, nicht aber eingebunden. Wiederum hilft er sich mit einer Einbildung aus der seelischen Klemme. Erstmals erblickt Nash Agent Parcher (Harris). Mathematiker haben sich in den Fünfzigern angeblich sehr für ihr Land eingesetzt. Parcher rekrutiert ihn, um gegen russische Spione zu kämpfen. Nash hat eine Vision von einem Atomangriff der Russen auf die USA - zumindest in einer unveröffentlichten Szene.

In den Lehrstunden, die er ebenfalls geben muss, lernt er in der Physikerin Alicia Larde (Connelly) nicht nur eine reizende junge Frau, sondern auch seine spätere Gattin und Lebensretterin kennen. Denn der Agent Parcher zieht Nash in eine aufreibende Cold-War-Verschwörungsgeschichte, die Nash total an die Nieren geht. Schon bald leidet Alicia unter Nashs Verfolgungswahn und konsultiert einen Nervenarzt: Dr. Rosen (Plummer). Rosens Diagnose lautet Schizophrenie. Alicia ist zunächst nur verwundert. Und auch wir zweifeln immer noch: Ist Dr. Rosen ein Psychiater oder ein Spion der Russen?

Aber wenn Charles und seine kleine Nichte Marcee eingebildet sind, auf welcher Ebene agiert dann Agent Parcher? Und falls dieser ebenfalls eingebildet sein sollte, gibt es dann jemals wieder eine Chance für Nash, seine Krankheit zu überwinden? Schließlich ist dies eine Geschichte über einen Nobelpreisträger. Zunächst sieht es nicht so aus, als ob Nash je in der Lage sein würde, diesen Preis entgegenzunehmen.

(Wie der Regisseur sagt, überleben 75 Prozent der an Schizophrenie Erkranken nicht. Sie sterben aufgrund von Unfällen, Selbstmord oder Krankheiten, die auf schlechte oder falsche Pflege zurückzuführen sind.)

Mein Eindruck: der Film
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°

Der Drehbuchautor macht es an einer Stelle seines Kommentars deutlich: Dies ist ein (auch) ein Horrorfilm über Ungeheuer. Nur mit dem Unterschied, dass die Ungeheuer genauso aussehen wie normale Menschen und sogar im Falle von Charles und Marcee sehr liebenswert sind - wohingegen Parcher eine Vaterfigur ist, die Nash in die Gesellschaft einbindet.

Dass diese Einbildungen in der Tat Horror verbreiten und uns das Fürchten lehren können, zeigt sich spätestens in der Szene, als Nash beinahe seinen kleinen Sohn ertränkt, weil er glaubt, Charles kümmere sich um ihn - während das Wasser in die Badewanne läuft und das Baby zu ertrinken droht. Selbst dann noch wird Nash nicht klar, was diese Gefahr für sein Leben bedeutet. Wenn er anschließend versucht, seine Familie vor den Personen zu bewahren, die er sich einbildet, erscheint dies wie ein Angriff. Die einzige Rettung - und das ist das Geniale an der Story - besteht für ihn darin, selbst mit Logik zu deduzieren, dass sie Einbildungen sind: "Marcee wird nicht älter." Erst da kann Alicia ihm eine Chance geben.

Es gibt später, als es so aussieht, dass sie ihn verlässt, eine weiteren solchen Moment. Einen Moment, der so voll Pathos und intensiven Emotionen ist, dass man sich wundert, warum der Regisseur ihn im Film gelassen hat. Einzig und allein aufgrund der Leistung der beiden fabelhaften Hauptdarsteller.

Es soll Zuschauer gegeben haben, die selbst noch zu dem Zeitpunkt, als Alicia in Nashs Rückfallphase (die er aus Liebe zu ihr provozierte) seine Geheimnis entdeckt, an die Story von der russischen Verschwörung geglaubt haben. Das spricht nur für die sorgfältige Vorbereitung dieser Zuschauertäuschung durch Autor und Regisseur. Die ganze Zeit habe ich darauf gewartet, dass ein weiser alter Mann (Dr. Rosen o.ä.) aufsteht und uns die Wahrheit erzählt. Da dies nicht passiert, ohne dass wir diesen Zeugen anzweifeln können, hat der Regisseur weiterhin freie Hand. Erst als wir es selbst merken (müssen), dämmert es uns, dass wir von Anfang an getäuscht worden sind. Dieser Effekt ist ziemlich umwerfend und stellt uns auf eine Stufe mit Alicia, die ja ebenfalls diesen Prozess durchlaufen musste. In dieser Position lässt sich dann der Rest des Film mit verständnisvollen Augen betrachten. Nicht Nash ist das geistes-kranke Ungeheuer, sondern die Krankheit ist das Ungeheuer. Und Alicia ist keine Heilige, was auch sehr wichtig ist. Connelly trug viel dazu bei, Alicia nicht aufs Podest der Heldin zu stellen - auch Alicia hat ihre "moments of doubt and pain".

Fazit: Es ist schön, ein "beautiful mind" zu haben, wichtiger aber ist ein "beautiful heart".

Die DVD
°°°°°°°°°°°°°°°

Technische Infos

Bildformate:1,78:1 anamorph, widescreen
Tonformate: DD 5.1
Sprachen:D, GB
Untertitel: D, GB, Hebräisch

Extras:

- Audiokommentar von Regisseur Ron Howard (Untertitel in D, GB)
- Audiokommentar von Autor Akiva Goldsman (Untertitel in D, GB)
- Unveröffentlichte Szenen (Regiekommentar optional, mit Untertiteln)

Mein Eindruck: die DVD
°°°°°°°°°°°°°°°

Der Audiokommentar des Regisseurs ist wirklich hervorragend, wenn man erfahren möchte, welches Ziel mit einzelnen Szenen und Darstellungen verfolgt wurde und wie es bei den Dreharbeiten zuging. So waren beispielsweise die beiden Hauptdarsteller ziemlich erschöpft wegen ihres enormen emotionalen Einsatzes bei vielen Szenen, insbesondere im Mittelteil, als es um die Bewältigung der Krise Nashs geht. Connelly war sogar heiser nach ihrer Badezimmerszene, in der sie schreien und ein Glas an die Wand werfen musste. Insgesamt kann man nicht anders als dem Regisseur in seiner aufrichtigen Bewunderung für die beiden beizupflichten.

Aber Howard ist erstaunlicherweise auch ehrlich. So weist er uns auf mehrere sachliche Fehler hin, die zu der Zeit, als sein Kommentar aufgenommen wurde, noch gar nicht entdeckt moniert worden, was wirklich auf den Eindruck der Glaubwürdigkeit, den der Film erweckt, hinweist. So ist etwa die Idee, einem Mann eine Leuchtdiode mit zerfallenden Isotopen unter die Haut zu setzen, wohl eher dem Reich des Comics zuzuordnen als der Welt realer Geheimdienste. Die Fernseher und Monitore, die der eingebildete Agent Parcher verwendet, standen zu der Zeit, zu der der Film spielt, noch gar nicht zur Verfügung - sondern erst 10 bis 12 Jahre später. Dass Senator McCarthy zitiert wird, ist den Kritikern ebenfalls nicht aufgefallen. Die Aufrichtigkeit, mit der Howard seine Karten aufdeckt, muss man ihm hoch anrechnen.

Der Audiokommentar des Drehbuchautors befasst sich viel mehr als Howard mit den Dreharbeiten. Goldsman erklärt aber auch, welche Unterschiede bestanden zwischen der literarischen Biografie Silvia Nasars und dem Drehbuch. Außerdem wird klar, wieviel des Dialogs der Improvisationskunst der Darsteller zu verdanken sind, allen voran R. Crowe. Goldsman weist mehrmals auf die Rolle des bestickten Taschentuchs hin, das als Dingsymbol für die Liebe zwischen Alicia und Nash steht und stets an psychologischen Wendepunkten auftaucht.

Ansonsten scheint dies ein Familienfilm zu sein: Goldsmans Mutter ist eine der Nobelpreisträgerinnen. Howards Vater taucht in der Irrenanstalt Dr. Rosens auf, allerdings nur in einer geschnittenen Szene. Und Howards Frau Sheryl ist vor, während und nach Nashs Vortrag zu sehen, nach dem er Dr. Rosens Männern in die Hände fällt.

Die DVD enthält ungefähr 18 unveröffentlichte Szenen (je nach Zählweise) von insgesamt 27 Minuten Länge. Vorangestellt ist ein Prolog Ron Howards von einer Minute Länge, in dem er erklärt, worauf es bei den Schnitten ankam. Der Film war zu lang und an etlichen Stellen zu langsam, nicht fließend und kohärent genug. Vieles dieses Szenematerial sieht im Vergleich zum fertigen Film minderwertig aus, so als ob man es vom Boden des Schneideraums geklaubt hätte. Manches ist interessant, das meiste aber nicht.

Die OSCAR-Edition der DVD bietet noch wesentlich mehr Extras, vor allem Interviews mit den Darstellern.

Ton und Bild sind, wie es sich für einen OSCAR-Film gehört, ausgezeichnet. Die Kamerarbeit und Ausleuchtung von Roger Deakins ist unglaublich feinfühlig, ausgetüftelt und stilsicher. Die Szene, in der Parcher (perfekt: Ed Harris) Nash anspricht und rekrutiert, ist beleuchtet wie in einem Batman-Film, sagt Autor Goldsman. Er hat ebenso Recht wie der Regisseur, der meint, dies sehe aus wie in einem jener Films noirs mit Bogart oder Cagney.

Unterm Strich
°°°°°°°°°°°°°°°

Wer hätte gedacht, dass die Welt der Mathematik so spannend und bewegend sein könnte?! "A beautiful mind" ist Romanze, Agententhriller, Wissenschaftsabenteuer, Psychokrimi und Horrorfilm in einem. Die Szene, in der Nash der Insulintherapie unterzogen wird, ist purer Frankensteinhorror.

Dass Crowe, der auch diese Szene ohne Spezialeffekte spielte, keinen Oscar für seine überragende Leistung bekam, ist nur durch die Politik, die im Vorfeld der Verleihung (u.a. von Julia Roberts) gemacht wurde, zu verstehen, sonst aber nicht. Allerdings wäre Crowes Filmauftritt nur halb so gut geworden, hätte es nicht Jennifer Connelly gegeben. Und sie erhielt die begehrte Trophäe denn auch völlig zu Recht.

Die DVD wird dem Film selbst in der Standardversion durchaus gerecht, umso mehr noch in der Fassung der OSCAR Edition, die aus zwei Discs besteht. Leider fehlt der Standardversion ein Making-of und behind-the-scenes. Für dieses Dokus muss man mehr hinblättern, obwohl auf der DVD wohl noch Platz dafür gewesen wäre. Selbst ein einfacher Booklet fehlt der Standard-DVD.

Dennoch ist dies ein Film, den man sich immer wieder ansehen kann und mag. Es ist einer meiner Lieblinge in der DVD-Sammlung.

Michael Matzer (c) 2004ff



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2005-01-07 18:39:54 mit dem Titel Von Mathe und Monstern

In \"Fluch der Karibik\" wundert sich Will Turner darüber, dass Genie und Dummheit oft so nahe beieinander liegen. Doch auch Genie und Wahnsinn sind zwei Seiten einer Medaille. Dass man Geisteskrankheit überwinden und schließlich den Nobelpreis gewinnen kann, zeigt \"A beautiful mind\". (Es gibt also auch noch Hoffnung für mich.\'fg\')

Filminfos
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O-Titel: A beautiful mind (USA, 2001; 4 OSCARs), DVD: 2002
FSK: ab 12
Länge: ca. 130 Min.
Regisseur: Ron Howard
Drehbuch: Akiva Goldsman
Musik: James Horner
Darsteller: Russell Crowe, Jennifer Connelly, Paul Bettany, Ed Harris, Christopher Plummer u.a.

Handlung
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Der Film erzählt die Lebensgeschichte des Nobelpreisträgers John Nash (Crowe). Zunächst lernen wir ihn als unbeholfenen, antisozialen Mathestudenten kennen, der mit Hilfe eines Stipendiums aus dem provinziellen West Virginia herauskommt und an der renommierten Uni von Princeton darf, wo ja auch Einstein lehrte. Sein Mentor Helinger meint allerdings, dass Nashs Forschungsthema \"Governing Dynamics\" dem seines Stipendiums-Konkurrenten Wendell (Josh Lucas) nicht das Wasser reichen könne.

Infolge dieser Zurücksetzung fühlt sich Nash schwer unter psychischen Druck gesetzt. Der Druck lässt nach, als ein Stubenkamerad namens Charles (großartig: Paul Bettany) bei ihm einzieht, denn Charles bringt ihn wieder mit dem echten Leben in Verbindung (und sorgt für mehrere Lacher). Charles allerdings ist eine Einbildung Nashs. Allerdings bleibt der Zuschauer sehr lange im Unklaren über diesen Sachverhalt. Ein Tipp: Bevor die eingebildete Person im Bild auftaucht, hört man sie zuerst. Und der grund, warum Nash sie nicht als Einbildung wahrnimmt, ist der, dass sie ihm auf derselben Ebene begegnen, auf der er seine Ideen und Einfälle erhält. Und auf letztere will er keinesfalls verzichten. (Das wird später während der Rückfallphase relevant.)

Dann hat Nash eines Tages in der Studentenbar die Erleuchtung: kooperativer Wettbewerb, den seine Kollegen um ein wunderschönes weibliches Wesen eingehen. Das Dumme ist nur, dass er mit dieser These ungefähr 150 Jahre Wirtschaftstheorie seit Adam Smith über den Haufen wirft. Nachdem es ihm aber gelungen ist, eine wasserdichte Theorie daraus zu machen, kann ihm niemand den Doktorhut verweigern, ja sogar den Professorentitel.

Vier Jahre später tritt er zwei lukrative Stellen an: eine am berühmten Massachusetts Institute of Technology (MIT), die andere im Pentagon, wo er als Codebrecher arbeitet. Diese Fähigkeit wird eindrucksvoll demonstriert. Allerdings fühlt er sich lediglich benutzt, nicht aber eingebunden. Wiederum hilft er sich mit einer Einbildung aus der seelischen Klemme. Erstmals erblickt Nash Agent Parcher (Harris). Mathematiker haben sich in den Fünfzigern angeblich sehr für ihr Land eingesetzt. Parcher rekrutiert ihn, um gegen russische Spione zu kämpfen. Nash hat eine Vision von einem Atomangriff der Russen auf die USA - zumindest in einer unveröffentlichten Szene.

In den Lehrstunden, die er ebenfalls geben muss, lernt er in der Physikerin Alicia Larde (Connelly) nicht nur eine reizende junge Frau, sondern auch seine spätere Gattin und Lebensretterin kennen. Denn der Agent Parcher zieht Nash in eine aufreibende Cold-War-Verschwörungsgeschichte, die Nash total an die Nieren geht. Schon bald leidet Alicia unter Nashs Verfolgungswahn und konsultiert einen Nervenarzt: Dr. Rosen (Plummer). Rosens Diagnose lautet Schizophrenie. Alicia ist zunächst nur verwundert. Und auch wir zweifeln immer noch: Ist Dr. Rosen ein Psychiater oder ein Spion der Russen?

Aber wenn Charles und seine kleine Nichte Marcee eingebildet sind, auf welcher Ebene agiert dann Agent Parcher? Und falls dieser ebenfalls eingebildet sein sollte, gibt es dann jemals wieder eine Chance für Nash, seine Krankheit zu überwinden? Schließlich ist dies eine Geschichte über einen Nobelpreisträger. Zunächst sieht es nicht so aus, als ob Nash je in der Lage sein würde, diesen Preis entgegenzunehmen.

(Wie der Regisseur sagt, überleben 75 Prozent der an Schizophrenie Erkranken nicht. Sie sterben aufgrund von Unfällen, Selbstmord oder Krankheiten, die auf schlechte oder falsche Pflege zurückzuführen sind.)

Mein Eindruck: der Film
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Der Drehbuchautor macht es an einer Stelle seines Kommentars deutlich: Dies ist ein (auch) ein Horrorfilm über Ungeheuer. Nur mit dem Unterschied, dass die Ungeheuer genauso aussehen wie normale Menschen und sogar im Falle von Charles und Marcee sehr liebenswert sind - wohingegen Parcher eine Vaterfigur ist, die Nash in die Gesellschaft einbindet.

Dass diese Einbildungen in der Tat Horror verbreiten und uns das Fürchten lehren können, zeigt sich spätestens in der Szene, als Nash beinahe seinen kleinen Sohn ertränkt, weil er glaubt, Charles kümmere sich um ihn - während das Wasser in die Badewanne läuft und das Baby zu ertrinken droht. Selbst dann noch wird Nash nicht klar, was diese Gefahr für sein Leben bedeutet. Wenn er anschließend versucht, seine Familie vor den Personen zu bewahren, die er sich einbildet, erscheint dies wie ein Angriff. Die einzige Rettung - und das ist das Geniale an der Story - besteht für ihn darin, selbst mit Logik zu deduzieren, dass sie Einbildungen sind: \"Marcee wird nicht älter.\" Erst da kann Alicia ihm eine Chance geben.

Es gibt später, als es so aussieht, dass sie ihn verlässt, eine weiteren solchen Moment. Einen Moment, der so voll Pathos und intensiven Emotionen ist, dass man sich wundert, warum der Regisseur ihn im Film gelassen hat. Einzig und allein aufgrund der Leistung der beiden fabelhaften Hauptdarsteller.

Es soll Zuschauer gegeben haben, die selbst noch zu dem Zeitpunkt, als Alicia in Nashs Rückfallphase (die er aus Liebe zu ihr provozierte) seine Geheimnis entdeckt, an die Story von der russischen Verschwörung geglaubt haben. Das spricht nur für die sorgfältige Vorbereitung dieser Zuschauertäuschung durch Autor und Regisseur. Die ganze Zeit habe ich darauf gewartet, dass ein weiser alter Mann (Dr. Rosen o.ä.) aufsteht und uns die Wahrheit erzählt. Da dies nicht passiert, ohne dass wir diesen Zeugen anzweifeln können, hat der Regisseur weiterhin freie Hand. Erst als wir es selbst merken (müssen), dämmert es uns, dass wir von Anfang an getäuscht worden sind. Dieser Effekt ist ziemlich umwerfend und stellt uns auf eine Stufe mit Alicia, die ja ebenfalls diesen Prozess durchlaufen musste. In dieser Position lässt sich dann der Rest des Film mit verständnisvollen Augen betrachten. Nicht Nash ist das geistes-kranke Ungeheuer, sondern die Krankheit ist das Ungeheuer. Und Alicia ist keine Heilige, was auch sehr wichtig ist. Connelly trug viel dazu bei, Alicia nicht aufs Podest der Heldin zu stellen - auch Alicia hat ihre \"moments of doubt and pain\".

Fazit: Es ist schön, ein \"beautiful mind\" zu haben, wichtiger aber ist ein \"beautiful heart\".

Die DVD
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Technische Infos

Bildformate:1,78:1 anamorph, widescreen
Tonformate: DD 5.1
Sprachen:D, GB
Untertitel: D, GB, Hebräisch

Extras:

- Audiokommentar von Regisseur Ron Howard (Untertitel in D, GB)
- Audiokommentar von Autor Akiva Goldsman (Untertitel in D, GB)
- Unveröffentlichte Szenen (Regiekommentar optional, mit Untertiteln)

Mein Eindruck: die DVD
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Der Audiokommentar des Regisseurs ist wirklich hervorragend, wenn man erfahren möchte, welches Ziel mit einzelnen Szenen und Darstellungen verfolgt wurde und wie es bei den Dreharbeiten zuging. So waren beispielsweise die beiden Hauptdarsteller ziemlich erschöpft wegen ihres enormen emotionalen Einsatzes bei vielen Szenen, insbesondere im Mittelteil, als es um die Bewältigung der Krise Nashs geht. Connelly war sogar heiser nach ihrer Badezimmerszene, in der sie schreien und ein Glas an die Wand werfen musste. Insgesamt kann man nicht anders als dem Regisseur in seiner aufrichtigen Bewunderung für die beiden beizupflichten.

Aber Howard ist erstaunlicherweise auch ehrlich. So weist er uns auf mehrere sachliche Fehler hin, die zu der Zeit, als sein Kommentar aufgenommen wurde, noch gar nicht entdeckt moniert worden, was wirklich auf den Eindruck der Glaubwürdigkeit, den der Film erweckt, hinweist. So ist etwa die Idee, einem Mann eine Leuchtdiode mit zerfallenden Isotopen unter die Haut zu setzen, wohl eher dem Reich des Comics zuzuordnen als der Welt realer Geheimdienste. Die Fernseher und Monitore, die der eingebildete Agent Parcher verwendet, standen zu der Zeit, zu der der Film spielt, noch gar nicht zur Verfügung - sondern erst 10 bis 12 Jahre später. Dass Senator McCarthy zitiert wird, ist den Kritikern ebenfalls nicht aufgefallen. Die Aufrichtigkeit, mit der Howard seine Karten aufdeckt, muss man ihm hoch anrechnen.

Der Audiokommentar des Drehbuchautors befasst sich viel mehr als Howard mit den Dreharbeiten. Goldsman erklärt aber auch, welche Unterschiede bestanden zwischen der literarischen Biografie Silvia Nasars und dem Drehbuch. Außerdem wird klar, wieviel des Dialogs der Improvisationskunst der Darsteller zu verdanken sind, allen voran R. Crowe. Goldsman weist mehrmals auf die Rolle des bestickten Taschentuchs hin, das als Dingsymbol für die Liebe zwischen Alicia und Nash steht und stets an psychologischen Wendepunkten auftaucht.

Ansonsten scheint dies ein Familienfilm zu sein: Goldsmans Mutter ist eine der Nobelpreisträgerinnen. Howards Vater taucht in der Irrenanstalt Dr. Rosens auf, allerdings nur in einer geschnittenen Szene. Und Howards Frau Sheryl ist vor, während und nach Nashs Vortrag zu sehen, nach dem er Dr. Rosens Männern in die Hände fällt.

Die DVD enthält ungefähr 18 unveröffentlichte Szenen (je nach Zählweise) von insgesamt 27 Minuten Länge. Vorangestellt ist ein Prolog Ron Howards von einer Minute Länge, in dem er erklärt, worauf es bei den Schnitten ankam. Der Film war zu lang und an etlichen Stellen zu langsam, nicht fließend und kohärent genug. Vieles dieses Szenematerial sieht im Vergleich zum fertigen Film minderwertig aus, so als ob man es vom Boden des Schneideraums geklaubt hätte. Manches ist interessant, das meiste aber nicht.

Die OSCAR-Edition der DVD bietet noch wesentlich mehr Extras, vor allem Interviews mit den Darstellern.

Ton und Bild sind, wie es sich für einen OSCAR-Film gehört, ausgezeichnet. Die Kamerarbeit und Ausleuchtung von Roger Deakins ist unglaublich feinfühlig, ausgetüftelt und stilsicher. Die Szene, in der Parcher (perfekt: Ed Harris) Nash anspricht und rekrutiert, ist beleuchtet wie in einem Batman-Film, sagt Autor Goldsman. Er hat ebenso Recht wie der Regisseur, der meint, dies sehe aus wie in einem jener Films noirs mit Bogart oder Cagney.

Unterm Strich
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Wer hätte gedacht, dass die Welt der Mathematik so spannend und bewegend sein könnte?! \"A beautiful mind\" ist Romanze, Agententhriller, Wissenschaftsabenteuer, Psychokrimi und Horrorfilm in einem. Die Szene, in der Nash der Insulintherapie unterzogen wird, ist purer Frankensteinhorror.

Dass Crowe, der auch diese Szene ohne Spezialeffekte spielte, keinen Oscar für seine überragende Leistung bekam, ist nur durch die Politik, die im Vorfeld der Verleihung (u.a. von Julia Roberts) gemacht wurde, zu verstehen, sonst aber nicht. Allerdings wäre Crowes Filmauftritt nur halb so gut geworden, hätte es nicht Jennifer Connelly gegeben. Und sie erhielt die begehrte Trophäe denn auch völlig zu Recht.

Die DVD wird dem Film selbst in der Standardversion durchaus gerecht, umso mehr noch in der Fassung der OSCAR Edition, die aus zwei Discs besteht. Leider fehlt der Standardversion ein Making-of und behind-the-scenes. Für dieses Dokus muss man mehr hinblättern, obwohl auf der DVD wohl noch Platz dafür gewesen wäre. Selbst ein einfacher Booklet fehlt der Standard-DVD.

Dennoch ist dies ein Film, den man sich immer wieder ansehen kann und mag. Es ist einer meiner Lieblinge in der DVD-Sammlung.

Michael Matzer (c) 2005ff

26 Bewertungen, 1 Kommentar

  • redwomen

    07.01.2005, 20:04 Uhr von redwomen
    Bewertung: sehr hilfreich

    welcher mir persönlich sehr gut gefallen hat. LG maria