American History X (VHS) Testbericht

American-history-x-vhs-drama
ab 8,21
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Erfahrungsbericht von eistee

Der etwas andere Geschichtsunterricht

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Es gibt viele aufwühlende Filme, welche als Thematik Fremdenhaß, Rassismus und die daraus resultierende Gewalt beinhalten. Mit dieser Thematik befaßt sich auch der Regiesseur Tom Kaye in seinem Meisterwerk AMERICAN HISTORY X (USA 1998).


Inhalt:
*******
Der Teenager Danny Vinyard (Edward Furlong) ist eigentlich ein sehr guter Schüler an der Venice Beach High School. Allerdings macht er mit einem sehr ernstgemeintem Aufsatz über Adolf Hitler - in seinem Aufsatz wird er als bedeutender Bürgerrechtsbewegler dargestellt -negativ auf sich aufmerksam. Kein Wunder, der Junge ist in Mitglied der rassistischen Gruppe „White Power\" welches ihr Unwesen in der Stadt Venice Beach treibt. Der Geschichtslehrer ist schockiert, aber trotzdem will der schwarze Direktor der Schule, Sweeney (Avery Brooks) den Jungen nicht aufgeben, und erteilt ihm eine andere Art von Geschichtsunterricht: AMERICAN HISTORY X.
Im Rahmen dieses Unterrichtes soll Danny ihm innerhalb von einem Tag einen neuen Aufsatz liefern, in dem er über seinen Bruder Derek Vinyard schreiben soll, mit dem Schwerpunkt, darüber zu berichten inwiefern Dereks Handeln und Tun das Leben der Familie beeinflußt hat.

Rückblick: Auch Derek ( Edward Norton) ist ein sehr guter Schüler, der sich aber nach dem Tod seines Vaters - Feuerwehrmann, der bei einem Einsatz von einem Schwarzen erschossen wurde - sehr verändert. Er bekommt einen Hass auf Schwarze, Juden und alle anderen Leute die eben nicht weiß sind. Weiteren Nährboden für seinen Hass gibt im Cameron Alexander, ein extremer Rassist, der sich den Nationalsozialismus als Grundlage für seine Parolen und seine Propaganda nimmt.
Es wird die Gruppe „White Power\" gegründet, und Dereks Aufgabe ist es, orientierungslose Jugendliche mit dem gleichen Hass anzustecken und somit die Gruppe zu vergrößern. Da Derek wirklich einiges auf dem Kasten hat, gelingt ihm das nicht mit irgendwelchen Stammtischparolen, sondern er überzeugt mit recht brillianten Reden und Parolen: Leute bekommen keine Arbeit, weil die Stellen durch billigere, ausländische Arbeitnehmer ersetzt werden, Weiße fühlen sich in ihren Vierteln nicht wohl, weil dort die Kriminalität von Schwarzen überhand nimmt.
Also räumt die Gruppe mit Überfällen und Terror mal so richtig auf.
Derek ändert zu in dieser Zeit nicht nur seine Gesinnung, sondern auch sein Äußeres. Die langen Haare wurden abrasiert und als Zeichen seiner Überzeugung läßt er sich das Hakenkreuz und andere rassistischen Symbole tätowieren.
In all das wird natürlich auch seine Familie mit einbezogen. Danny ist im richtigen Alter, wo seine eigene Meinung noch nicht klar ist, also kann er auch leicht beeinflußt werden. Er bekommt alle Aktivitäten des Bruders mit, zumal er anscheinend immer mit dabei ist. Innerhalb der Rest der Familie stößt allerdings Derek auf Unverständnis, da seine Schwester und Mutter seine Gesinnung überhaupt nicht teilen. Zum Eklat kommt es, als die Mutter mit einem Juden mehrmals ausgeht.

Eines Nachts kommt es eben dazu, dass drei schwarze Jugendliche Dereks Auto stehlen wollen. Danny bekommt das mit und sagt Derek Bescheid. Derek tickt daraufhin total aus, denn das Auto war ein Geschenk seines Vaters, und bringt mit einer Schießwaffe zwei der Jugendlichen brutal um.
Dafür landet er für mehr als 3 Jahre im Gefängnis, die Strafe ist allerdings auch nur so milde, weil Danny, der natürlich wieder alles mitbekommen hat, nicht gegen seinen Bruder ausgesagt hat.

Das Gefängnis verändert Derek total. Landete er noch als Nazi mit Glatze im Gefängnis, kommt er mit gewachsenem Haar und ziemlich Toleranz Ausländern gegenüber wieder aus dem Knast heraus.
Was ihn aber allerdings sehr beunruhigt ist, dass sein Bruder Danny auf dem besten Weg ist, in seine Fußstapfen zu treten. Er scheint der neue auserkorene Kronprinz von Cameron Alexander zu sein, immerhin war der Aufsatz über Hitler nicht allein Dannys, sondern hauptsächlich Camerons Idee. Derek ist für seine früheren Mitkumpanen der Gott, und alle erwarten ihn freudig. Ziemlich schnell ist allerdings klar, dass Derek seine Gesinnung grundlegend geändert hat, und das kann keiner in der „White Power\" verstehen, inklusive seinem Bruder, für den Derek immer ein Idol und Vorbild war.
Was ist im Gefängnis passiert, dass Derek total verändert entlassen wird? Wird er seinen Bruder überzeugen können, daß er total auf dem falschen Weg ist?

Kuckt euch den Film an, dann werdet ihr es sehen, denn mehr will ich vom Inhalt nicht mehr verraten. (Ob sich die DVD lohnt, kann ich euch nicht sagen, denn ich habe den Film damals zuerst im Kino und vor kurzem wieder im Fernsehen gesehen!)


Darsteller:
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Meiner Meinung nach hätte Edward Norton für seine Rolle als Derek auf jeden Fall einen Oscar verdient, es reichte aber leider „nur\" für die Nominierung.
Edward Norton spielt Derek wirklich genial und so überzeugend, dass man meinen würde, er hätte die gleiche Gesinnung als Nazi. Da läuft es wirklich eiskalt den Rücken runter. Alles passt haargenau wie man es sich einen überzeugten Rassisten und Nazi vorstellen könnte, seine Mimik, sein Handeln. Er verkörpert den extremen Rassisten wirklich perfekt. Sein Können zeigt er vor allem in der Szene in der er nach seinen Morden festgenommen wird, als er sehr stolz über sein Handeln zu Danny kuckt. So einen triumphierenden Gesichtsausdruck nach so einer schrecklichen Tat würde man eigentlich jemandem zutrauen, der wirklich auch davon überzeugt ist.
Dann aber verkörpert er genauso genial den veränderten, liberal denkenden Derek, der mit seiner Vergangenheit nichts mehr zu tun haben will. Und für diesen Derek empfindet der Zuschauer auf jeden Fall Sympathie. Er kümmert sich liebevoll um seine Familie, die ihn trotz Gefängnisaufenthalt nie im Stich gelassen hat, und zeigt soviel Wärme und Zuneigung für sie. Ein ganz anderes Bild von Derek, was aber Edward Norton schauspielerisch einmalig gelingt...echt genial, dieser Edward Norton, was er dann auch nur ein oder zwei Jahre später in „Fight Club\" nochmals demonstriert.

Edward Furlong sagte mir bis dato nichts, aber er verkörpert auch Dannys Rolle perfekt und überzeugend.
Er stellt wirklich sehr gut und glaubhaft einen planlosen Jugendlichen dar, der leicht zu beeinflussen ist. Seine Rolle würde ich weder als gut noch als böse bezeichnen, ich glaube eher dass er, weil er eben Derek so liebt, auch deswegen von seiner Gesinnung überzeugt ist, wobei das Gottseidank nicht so extreme Formen annimmt wie bei Derek.

Lobenswert in diesem Film finde ich auch die Rolle von Direktor Sweeney, verkörpert von Avery Brooks. Gerade er als Schwarzer müsste eigentlich seinerseits einen Hass auf Danny und Derek verspüren, was aber nicht der Fall ist. Er versucht im Gefängnis Derek davon zu überzeugen, dass Handeln falsch war, und Danny schmeißt er wegen des Aufsatzes auch nicht aus der Schule, sondern er gibt ihn nicht auf.
Auch Avery Brooks verkörpert sehr gut den sozialen engagierten Lehrer der High-School.


Meinung und Gedanken zum Film:
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Wie ich bereits erwähnt habe, hat mich der Film sehr beeindruckt und er ging mir sehr an die Nieren. Zudem sind manche Szenen wirklich sehr brutal, so daß in meinen Augen die Freiwillige Alterskontrolle von 16 Jahren absolut gerechtfertigt ist.

Es ist auf dem ersten Blick schon erschreckend, daß ein Nazi fast als Held verkörpert wird. Aber die Aussage des Filmes wird nach und nach klar:
Rassismus, Hass und die daraus resultierende Gewalt entsteht nicht einfach so und wird auch nicht angeboren, nein so was hat sehr oft den Ursprung in der Familie und durch falschen Einfluß von außen, dem Freundeskreis zum Beispiel. Dies ist meist dann der Keimboden für Hass. Wenn man dann dazu selbst keine Orientierung und eigene Meinung hat, und dann ein entscheidendes Ereignis wie der Verlust des Jobs oder eines geliebten Menschen dazukommen, dann ist der Schritt zum extremen Handeln nicht mehr weit. Gibt es noch einen überzeugenden „Führer\", der genau das ausspricht was man denkt und fühlt, ist der Schritt zum Extremismus vollzogen. Und genauso ist es bei Derek: den Ursprung für seinen Rassismus hat er von seinem Vater, der die angebliche Bevorzugung von Schwarzen in der Gesellschaft als „Niggerblödsinn\" abtut. Der Tod des Vaters durch einen schwarzen steigert seinen Hass und Cameron Alexander macht ihn zum „Führer\" und somit wird die rechtsradikale Gruppe ins Leben gerufen.

Dazu konnte ich mich nicht entscheiden, ob ich Derek wohl jetzt gut oder böse finde. Einerseits ist es irgendwie verständlich dass er zu dem wurde was er ist. Er ist, bis auf den Rassismus ein moralischer Mensch, verurteilt Drogen wie es jeder tun würde, er macht für das Wohlergehen und Sicherheit seiner Familie alles und er will Arbeit für seine Landsleute. Eigentlich kann man ihn ja verstehen wenn die Sicherheit durch ständiger Gewalt von Leuten, die nicht so sind wie er, gefährdet wird, oder?
Derek spricht während seiner mit seinen Reden genau das an, was die Leute denken, er weckt ganz geschickt die Bereitschaft der Gewalt der Jugendlichen, die orientierungslos und ohne eigene Meinung sind, und gewinnt sie so für seine Zwecke.
Und mal ehrlich, genau so entstehen extreme Bewegungen, egal ob rassistisch, fundamentalistisch, linke Gewalt und so weiter. Dieser Film spiegelt erschreckend Probleme auf der ganzen Welt wieder, also nicht nur den Rassismus Schwarzen Gegenüber in den USA oder den Ausländerhaß der Neonazis hier in Deutschland. Die Problematik ist meiner Meinung nach überallhin übertragbar, oder warum gibt es immer noch seit Generationen den Ku- Klux- Klan, warum schlachteten sich im ehemaligen Jugoslawien sich gegenseitig Moslems und Serben ab, warum nimmt der Islam in arabischen Ländern so extreme fundamentalistische Formen an?!?.
Mit dem Film wird uns also sehr deutlich und eindrucksvoll klar gemacht, dass Rassismus und Fremdenhaß so tiefen Ursprung hat und dass er anscheinend niemals so recht überwunden wird. Er herrscht leider überall auf der Welt, egal wo.

Ich bin der Meinung, dass Lehrer im Geschichtsunterricht oder in Diskussionen wie Gewalt und extreme Bewegungen entstehen könnten, den Schülern diesen Film vorsetzen sollten.
Vielleicht ist es ein naiver Gedanke von mir, zu denken, dass Hass und Gewalt durch diesen Film unterbunden wird. Aber ich glaube trotzdem dass gerade dieser Film Jugendliche zum Nachdenken animiert ob Bereitschaft zur Gewalt der richtige Weg wäre. Ich glaube, man macht schon einen Schritt in die richtige Richtung, wenn nur einer wie Danny überzeugt wird, dass „Gewalt Krampf ist und das Leben zu kurz ist, es mit Hass zu verschwenden\", oder dass bereits Gewalttätige sich eventuell wie Derek fragen: „Hat sich durch das, was ich mache, mein Leben gebessert?\".


PS: Die Kommentarfunktion ist für Kritik, Lob und Diskussionen jeder Art offen!!!

20 Bewertungen, 1 Kommentar

  • liiiiindaaaaa

    29.03.2006, 14:28 Uhr von liiiiindaaaaa
    Bewertung: sehr hilfreich

    über gegenlesungen würde ich mich freuen;)