American History X (VHS) Testbericht
ab 8,21 €
Billiger bei eBay?
Bei Amazon bestellen
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
Erfahrungsbericht von mmoritz
Das Leben ist zu kurz für Hass ...
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
... so lautet kurzgefaßt die Thematik eines Aufsatzes des 17jährigen Daniel Vinyard, den dieser als Hausaufgabe für seinen Lehrer und Schuldirektor Sweeney anfertigen muß. Doch HALT, worum geht es eigentlich ?
..:: Vorwort ::..
Vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit, den Film \"American History X\" zu sehen. Schon als der Film vor vier Jahren herauskam, hatte ich viel davon gehört, hauptsächlich wurde er mir nun aber von einer guten Freundin ans Herz gelegt, da er angeblich sehr gut gemacht sei.
Normalerweise schaue ich mir solche Filme schon aufgrund ihrer Thematik nicht an, was mir zwar vorgeworfen werden kann, aber sicher auch damit zusammenhängt, daß der immer noch in unseren Köpfen verankerte, wenn auch ins Unterbewußtsein verschobene, Schuldkomplex hinsichtlich unserer Nazi- Vergangenheit einen unbefangenen Umgang mit dieser Art von Fanatismus verhindert.
Doch in diesem Fall habe ich mich auf das Urteil meiner Freundin verlassen und wurde nicht enttäuscht, auch wenn dieses cineastische Werk ziemlich schwer zu verdauen war. Im Nachhinein habe ich mich dann eingehend mit diesem Film auseinandergesetzt ...
..:: Der Film ::..
\"American History X\" ist ein fast reinrassiger Nazifilm, vollgepackt mit den einschlägigen Vorurteilen und mindestens genauso vielen Szenen schlimmster Brutalität. Die Thematik ist leider auch heute noch aktuell, obwohl sie eigentlich längst aus verständlichen Gründen der Vernunft in irgendwelchen Hinterzimmern verstaubt sein sollte. Doch dem ist leider nicht so, wie \"American History X\" eindrucksvoll und sehr eindringlich beweist.
Der Film spiegelt das Leben des jungen und intelligenten Amerikaners Derek Vinyard (brillant gespielt von Edward Norton (\'Fight Club\')) wieder, der aus einer normalbürgerlichen weißen Familie stammt und mit seinem Bruder Danny (ebenso eindringlich gespielt von Edward Furlong (\'Terminator II\')) und seiner Schwester Davina (Jennifer Lien (\'StarTrek:Voyager\')) aufwächst. Sein Vater, selbst beeinflußt durch die Quotenregelung an seiner Arbeitsstelle, \"lehrt\" ihn, sich gegen die Farbigen, ganz speziell den Schuldirektor Sweeney (überzeugend: Avery Brooks (\'StarTrek:DS9\')), durchsetzen zu müssen. Bald zeigt Derek, mehr und mehr durch diese Weltanschauung beeinflußt, die typischen Verhaltensweisen eines Angehörigen der White- Power- Generation. Diese zeichnet sich dadurch aus, daß sie den Visionen und Motiven von Adolf Hitler nacheifert und an eine Vorherrschaft der einzig wahren, der weißen, Rasse glaubt. Eines Tages wird der Vater in Ausübung seines Berufs als Feuerwehrmann von einem Farbigen umgebracht. Derek entwickelt sich daraufhin nach und nach zu einem überzeugten und fanatischen Nazi, ja er geht sogar so weit, vor versammelter Familie dem neuen Lebensgefährten seiner Mutter (Beverly d\'Angelo) dessen jüdische und folglich niedere Herkunft vor Augen zu halten.
Von seinen Gesinnungsgenossen, darunter auch sein jüngerer Bruder Danny, wird Derek vor allem wegen seiner Redegewandtheit und seiner Entschlossenheit, zu handeln, verehrt und als Anführer akzeptiert. Gleichzeitig dient er ihnen als Vorbild, dem es nachzueifern gilt. Sein hervorstechendes Merkmal ist ein überdimensionales Hakenkreuz, das er sich auf die linke Brust hat tätowieren lassen (wie auch oben im Bild bei seiner Verhaftung zu sehen; später zeigt er damit auch im Gefängnis seine Überzeugung). Doch Derek wirkt dabei keineswegs überkandidelt, sondern seine Beweggründe sind durchaus begründet. Außerdem verhält er sich nur gegenüber Andersdenkenden so, kümmert sich ansonsten aber sehr liebevoll um seine Familie.
Mittlerweile hat sich Derek in seinem Viertel Venice Beach zur \"Rechten Hand\" von Cameron (Stacy Keach (\'Mike Hammer\')), dem Drahtzieher der Bewegung, hochgearbeitet und rekrutiert in dessen Auftrag neue Anhänger, vornehmlich ziellos umherirrende Jugendliche, die keine sinnvolle Perspektive vor Augen haben und so natürlich leicht zu beeinflussen sind.
Nachdem er mit seinen Leuten eine Gang von Farbigen beim Basketballspiel besiegt und als Prämie das Viertel bekommen hat, versuchen eines Nachts drei Mitglieder dieser Gang, Derek\'s Wagen zu klauen bzw. ihn zu erledigen. Diesem Anschlag kann er jedoch entgehen und ballert wild um sich. Einer der drei stirbt im Kugelhagel, einer kann fliehen, und der Dritte, schon angeschossen, wird von Derek auf brutalste Weise umgebracht: Er läßt ihn in den Bordstein beißen und tritt dann zu. Selbst ich mußte dabei schlucken, obwohl ich inzwischen schon so Einiges gesehen habe. Sein Bruder Danny kann nur tatenlos zusehen. Die Polizei verhaftet Derek, der nicht mal irgendwelche Anstalten macht, sich der Gefangennahme zu widersetzen. Im Gegenteil, er lächelt seinen Bruder Danny an und kann eigentlich auch nicht recht begreifen, warum er bestraft werden soll, wo er doch nur seiner \"Bürgerpflicht\" nachgekommen ist.
Im Knast wird Derek mit einer Gesellschaft konfrontiert, die sich aus verschiedensten Kulturen zusammensetzt, von Latinos bis hin zu Farbigen ist alles vertreten. Doch obwohl sich die weißen Häftlinge ebenfalls als Nazis ausgeben, ist dies nur Fassade, hinter der sie sich als Gruppe verstecken können. Derek, dessen Hakenkreuz ihn als Gleichgesinnten ausweist, wird in der Gruppe aufgenommen und beschützt. Drogengeschäfte sorgen jedoch dafür, daß er sich immer mehr von der Gruppe distanziert. Der Farbige Lamont (Guy Torry), mit dem er in der Wäscherei arbeitet, wird, ohne daß Derek dies bewußt ist, zu seinem \"Bodyguard\", sprich: ohne ihn würde Derek keine 24 Stunden im Knast überleben. Nach und nach entwickelt sich zwischen beiden eine Freundschaft, in deren Verlauf Derek mehr oder weniger freiwillig gezwungen wird, seine Überzeugungen zu überdenken.
Letztlich bringt aber ein psychisch prägendes Ereignis den entscheidenden Umschwung – Derek wird in der Dusche vom Anführer der Nazis brutal vergewaltigt. Er setzt sich mit Sweeney in Verbindung und bittet ihn, ihm zu helfen, aus dieser Hölle entlassen zu werden. Hier finde ich Avery Brooks\' Frage sehr beeindruckend und zum Nachdenken anregend: \"Hat sich durch das, was Du tust, Dein Leben verbessert?\" Im Gegenzug muß er ihm versprechen, das braune Gedankengut aus seinem Kopf zu verbannen und seinen Bruder wieder auf den rechten Weg zu bringen. Dies ist aber mit einigen Schwierigkeiten verbunden, denn in der rechten Szene stößt er mit seinem veränderten Verhalten auf Unverständnis und Ablehnung. Das Erste, was Derek nach seiner Entlassung macht, ist, sich an seinem Mentor Cameron zu rächen, dessen perfide Machenschaften er endlich durchschaut hat. Zudem gelingt das Projekt \"Danny\" und gemeinsam befreien sie das eigene Haus von allen \"braunen\" Spuren, seien es Poster, Fahnen, Bücher oder sonstiges, das mit dem Faschismus zu tun hat. Doch es kommt zu einem ziemlich überraschenden, aber eigentlich zu erwartenden Ende, wodurch der ganze Sinn in Frage gestellt wird ...
..:: Die beiden Hauptdarsteller ::..
Derek Vinyards Weltanschauung wird vornehmlich von seinem Vater geprägt und er findet nach dessen Tod in dem Nazi Cameron nicht nur einen Vaterersatz, sondern auch jemanden, der ihm Anerkennung entgegenbringt und ihm eine Chance gibt, sich zu beweisen – Derek wird zu seiner \"Rechten Hand\". Durch den Tötung eines Farbigen kommt er ins Gefängnis und hat dort Gelegenheit, seine Ansichten und sein Leben zu überdenken. Wieder draußen, steigt er aus der Bewegung aus ... Edward Norton ist einer der erfolgreichsten Schauspieler der USA und trainierte sich für diese Rolle extra einige Pfund Muskelmasse an, um die Figur dem Zuschauer besser näherbringen zu können, kurz gesagt: unverdorbenes, weißes Material. Er spielt seine Rolle so überzeugend, er lebt sie sozusagen, daß man ihm jeden Lebensabschnitt abnimmt und ihn trotzdem noch sympathisch findet: den unter dem Einfluß des Vaters stehenden Teenager, den brutalen Faschisten oder auch den Häftling, der seine Ansichten revidiert.
Danny Vinyard ist drauf und dran, in die Fußstapfen seines großen Bruders zu treten. Er hält sich in den gleichen Kreisen auf, hat demzufolge auch die gleichen Kumpels, hat eine Freundin aus der Szene und gehört zu Camerons Schlägertrupp. Hakenkreuze und Bilder der White Power-Generation sowie von Adolf Hitler zieren seine Zimmerwände. Er nimmt im Film stellvertretend für alle desorientierten Jugendlichen die Rolle des Beeinflußbaren ein. Danny weigert sich zuerst, den Wandel seines Bruders zu akzeptieren. Doch er läßt sich eines Besseren belehren, als er sich im Rahmen einer Hausaufgabe der Realität stellen muß, in der er eigentlich völlig desorientiert ist.
Edward Furlong dürfte den Meisten als Sohn von Linda Hamilton im Schwarzenegger- Movie \"Terminator II\" bekannt sein. Auch er gibt in der Rolle des Danny Vinyard eine Vorstellung im Fach der Charakterdarsteller.
..:: Umsetzung und Fazit ::..
Mit \"American History X\" hat der britische Star- Regisseur Tony Kaye (bekannt für seine Werbefilme) trotz ziemlicher Querelen, auf die noch eingegangen wird, ein gut umgesetztes, eindringliches und aufwühlendes Werk abgeliefert, das wie noch kein anderes zuvor zum Nachdenken und Umdenken anregt und auffordert. Man wird sozusagen mit einem komprimierten Kulturcocktail geschockt. Der Film zeigt nicht nur, daß auch heute noch in vielen Gebieten Rassenhaß vorherrscht, sowohl von Farbigen auf Weiße als auch umgekehrt. Er ist auch, soweit ich weiß (wobei ich mich aber gegebenenfalls gerne eines Besseren belehren lasse), auch der erste amerikanische Streifen, dessen Hauptdarsteller ein Neonazi ist. Der Film zeigt die, durch menschliche und Umwelteinflüsse mögliche, mentale Veränderung eines Nazis, der durch eine Greueltat dazu gezwungen ist, sein Leben zu überdenken. Zudem wird mit dem Vorurteil aufgeräumt, daß diese spezielle Einstellung gegenüber Anderen angeboren ist, denn sie wird ganz im Gegenteil durch Erziehung \"antrainiert\". Außerdem werden die Gründe für solch fanatisches Verhalten aufgezeigt, was ja doch immer noch einen gewisses Tabu- Bruch bedeutet. Trotzdem war es erschreckend zu sehen, wie leicht verwirrte Menschen doch beeinflußt werden können, nicht nur im positiven Sinne. Dies gilt nicht nur für Weiße, sondern gleichermaßen für Farbige und alle andere Religionen, Nationalitäten und/oder Hautfarben. Ich verwahre mich aber gegen jegliche persönliche Wertung, siehe weiter unten.
Der Film sollte auf jeden Fall mehrfach angesehen werden, da er durch wiederholte Sprünge zwischen Gegenwart (in Farbe) und Vergangenheit (schwarzweiß) manchmal verwirrend wirkt.
Die Leistungen der Darsteller sind Oscar- reif, weshalb es um so mehr verwundert, daß der Film bei Preisverleihungen nicht mehr Beachtung fand (wahrscheinlich wegen seiner Thematik oder auch aufgrund der Auseinandersetzungen, die es bei der Endfertigung gab). Wie gesagt: der Film wird zu einem Großteil von den hervorragenden Schauspielern getragen. Daß die Handlung des Films nicht einfach chronologisch abgespielt, sondern erzählt wird, gibt dem Ganzen das I- Tüpfelchen.
Was die Kameraführung anbelangt, so wäre Leni Riefenstahl sicher stolz gewesen, hätte es aber sicher noch einen Tick besser machen können. Scheinbar belanglose Situationen werden hervorragend und teilweise illustriert eingefangen, als wenn etwas Zusätzliches, Unsichtbares sich im Bild befände. Der Wechsel zwischen Realität und Vergangenheit ist ebenfalls sehr gut gelungen.
Jedoch wird auch dieser Film von einem faden Beigeschmack begleitet, da er gewisse Vorurteile aufrechterhält und zahlreiche Szenen enthält, die ihrerseits den vermeintlich berechtigten Haß auf Afroamerikaner verständlich machen sollen: Autodiebstahl und Mord (Derek\'s Vater wird in Ausübung seines Berufs umgebracht) sind nur zwei Beispiele. Das ist der große Schwachpunkt dieses ansonsten sehr gut umgesetzten Movies. Auch nach dessen Fertigstellung stellten sich einige Probleme ein. So distanzierte sich Regisseur Tony Kaye von der Schnittversion des Films, an dessen nachträgliche Bearbeitung Edward Norton selbst Hand angelegt hatte. Die beiden gingen im Streit auseinander. Denn Kaye hatte einen allen außer ihm selbst zusagenden Schnitt vorgelegt. Er ging also zurück in den Schneideraum und kürzte, was wiederum den Geldgebern nicht paßte und letztendlich eine von Edward Norton selbst erstellte Version als Vorlage für den Film genommen wurde, die Kaye wiederum angriff, weil die Wandlung des Protagonisten nicht deutlich erkennbar sei. Dem muß ich zustimmen, der Schwenk vollzieht sich zu schnell und zu einfach. Kaye wollte sogar seinen Namen als Regisseur zurückziehen, nahm dann aber davon Abstand.
Wie auch immer, der Film wurde zum totalen Flop, ist aber trotzdem ungemein empfehlenswert, schon deshalb, weil er sich doch ziemlich eingehend mit der Thematik des Rassenhasses und des \"braunen\" nationalsozialistischen Gedankenguts auseinandersetzt und dabei keinerlei absolute Wertung vornimmt. Edward Norton mit gestählter und Hakenkreuz- verzierter Brust ist eine imposante Erscheinung, von den auf erschreckende Art und Weise faszinierenden Bildern ganz zu schweigen. Außerdem wird Amerika (obwohl ich dafür schwärme) mal nicht als Land der Heldenverehrung dargestellt, wie dies sonst der Fall ist. Auch in Amerika finden sich entsprechende Gruppierungen, was zwar durch die Geschichte und auch zeitweilige Episoden in diversen Filmen schon belegt wurde (man denke nur an den Ku- Klux- Klan), aber immer wieder gerne heruntergespielt wird.
Ich bezüglich halte nichts von dieser Augenwäscherei und bin der Meinung, daß jeder ein Ausländer ist, fast überall, abhängig von der Nationalität und Religion. So sind Türken und Amerikaner in Deutschland Ausländer und wir Deutschen sind Ausländer in der Türkei oder in Amerika (und eben nicht Touristen). Solange wir Menschen nicht auch entsprechend handeln, sondern uns gegenseitig in verschiedene, mehr oder weniger wertvolle Völkergruppen einordnen, wird der Haß nie ein Ende haben. Daß der Film ab 16 freigegeben ist, kann man einerseits als Versagen der FSK betrachten, aber andererseits auch als Chance, die Jugend in einem für sie sehr prägenden Alter für diese Thematik zu sensibilisieren.
Schließen möchte ich diesen Beitrag beenden mit der schon erwähnten Thematik des Aufsatzes:
DAS LEBEN IST ZU KURZ FÜR HASS
..:: Fakten und Rollenverteilung ::..
Zum Schluß noch die harten Fakten : Der Film stammt aus dem Jahre 1998, ist 118 Minuten lang und unterliegt der FSK 16. Die Regie führte der britische Regisseur Tony Kaye, die Rollen sind folgendermaßen aufgeteilt (Schauspieler – Rolle):
Edward Norton – Derek Vinyard,
Edward Furlong – Daniel Vinyard,
Beverly D\'Angelo – Doris Vinyard,
Jennifer Lien – Davina Vinyard,
Fairuza Balk – Stacy,
Avery Brooks – Direktor Sweeney,
Stacy Keach – Cameron,
Guy Torry – Lamont
..:: Vorwort ::..
Vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit, den Film \"American History X\" zu sehen. Schon als der Film vor vier Jahren herauskam, hatte ich viel davon gehört, hauptsächlich wurde er mir nun aber von einer guten Freundin ans Herz gelegt, da er angeblich sehr gut gemacht sei.
Normalerweise schaue ich mir solche Filme schon aufgrund ihrer Thematik nicht an, was mir zwar vorgeworfen werden kann, aber sicher auch damit zusammenhängt, daß der immer noch in unseren Köpfen verankerte, wenn auch ins Unterbewußtsein verschobene, Schuldkomplex hinsichtlich unserer Nazi- Vergangenheit einen unbefangenen Umgang mit dieser Art von Fanatismus verhindert.
Doch in diesem Fall habe ich mich auf das Urteil meiner Freundin verlassen und wurde nicht enttäuscht, auch wenn dieses cineastische Werk ziemlich schwer zu verdauen war. Im Nachhinein habe ich mich dann eingehend mit diesem Film auseinandergesetzt ...
..:: Der Film ::..
\"American History X\" ist ein fast reinrassiger Nazifilm, vollgepackt mit den einschlägigen Vorurteilen und mindestens genauso vielen Szenen schlimmster Brutalität. Die Thematik ist leider auch heute noch aktuell, obwohl sie eigentlich längst aus verständlichen Gründen der Vernunft in irgendwelchen Hinterzimmern verstaubt sein sollte. Doch dem ist leider nicht so, wie \"American History X\" eindrucksvoll und sehr eindringlich beweist.
Der Film spiegelt das Leben des jungen und intelligenten Amerikaners Derek Vinyard (brillant gespielt von Edward Norton (\'Fight Club\')) wieder, der aus einer normalbürgerlichen weißen Familie stammt und mit seinem Bruder Danny (ebenso eindringlich gespielt von Edward Furlong (\'Terminator II\')) und seiner Schwester Davina (Jennifer Lien (\'StarTrek:Voyager\')) aufwächst. Sein Vater, selbst beeinflußt durch die Quotenregelung an seiner Arbeitsstelle, \"lehrt\" ihn, sich gegen die Farbigen, ganz speziell den Schuldirektor Sweeney (überzeugend: Avery Brooks (\'StarTrek:DS9\')), durchsetzen zu müssen. Bald zeigt Derek, mehr und mehr durch diese Weltanschauung beeinflußt, die typischen Verhaltensweisen eines Angehörigen der White- Power- Generation. Diese zeichnet sich dadurch aus, daß sie den Visionen und Motiven von Adolf Hitler nacheifert und an eine Vorherrschaft der einzig wahren, der weißen, Rasse glaubt. Eines Tages wird der Vater in Ausübung seines Berufs als Feuerwehrmann von einem Farbigen umgebracht. Derek entwickelt sich daraufhin nach und nach zu einem überzeugten und fanatischen Nazi, ja er geht sogar so weit, vor versammelter Familie dem neuen Lebensgefährten seiner Mutter (Beverly d\'Angelo) dessen jüdische und folglich niedere Herkunft vor Augen zu halten.
Von seinen Gesinnungsgenossen, darunter auch sein jüngerer Bruder Danny, wird Derek vor allem wegen seiner Redegewandtheit und seiner Entschlossenheit, zu handeln, verehrt und als Anführer akzeptiert. Gleichzeitig dient er ihnen als Vorbild, dem es nachzueifern gilt. Sein hervorstechendes Merkmal ist ein überdimensionales Hakenkreuz, das er sich auf die linke Brust hat tätowieren lassen (wie auch oben im Bild bei seiner Verhaftung zu sehen; später zeigt er damit auch im Gefängnis seine Überzeugung). Doch Derek wirkt dabei keineswegs überkandidelt, sondern seine Beweggründe sind durchaus begründet. Außerdem verhält er sich nur gegenüber Andersdenkenden so, kümmert sich ansonsten aber sehr liebevoll um seine Familie.
Mittlerweile hat sich Derek in seinem Viertel Venice Beach zur \"Rechten Hand\" von Cameron (Stacy Keach (\'Mike Hammer\')), dem Drahtzieher der Bewegung, hochgearbeitet und rekrutiert in dessen Auftrag neue Anhänger, vornehmlich ziellos umherirrende Jugendliche, die keine sinnvolle Perspektive vor Augen haben und so natürlich leicht zu beeinflussen sind.
Nachdem er mit seinen Leuten eine Gang von Farbigen beim Basketballspiel besiegt und als Prämie das Viertel bekommen hat, versuchen eines Nachts drei Mitglieder dieser Gang, Derek\'s Wagen zu klauen bzw. ihn zu erledigen. Diesem Anschlag kann er jedoch entgehen und ballert wild um sich. Einer der drei stirbt im Kugelhagel, einer kann fliehen, und der Dritte, schon angeschossen, wird von Derek auf brutalste Weise umgebracht: Er läßt ihn in den Bordstein beißen und tritt dann zu. Selbst ich mußte dabei schlucken, obwohl ich inzwischen schon so Einiges gesehen habe. Sein Bruder Danny kann nur tatenlos zusehen. Die Polizei verhaftet Derek, der nicht mal irgendwelche Anstalten macht, sich der Gefangennahme zu widersetzen. Im Gegenteil, er lächelt seinen Bruder Danny an und kann eigentlich auch nicht recht begreifen, warum er bestraft werden soll, wo er doch nur seiner \"Bürgerpflicht\" nachgekommen ist.
Im Knast wird Derek mit einer Gesellschaft konfrontiert, die sich aus verschiedensten Kulturen zusammensetzt, von Latinos bis hin zu Farbigen ist alles vertreten. Doch obwohl sich die weißen Häftlinge ebenfalls als Nazis ausgeben, ist dies nur Fassade, hinter der sie sich als Gruppe verstecken können. Derek, dessen Hakenkreuz ihn als Gleichgesinnten ausweist, wird in der Gruppe aufgenommen und beschützt. Drogengeschäfte sorgen jedoch dafür, daß er sich immer mehr von der Gruppe distanziert. Der Farbige Lamont (Guy Torry), mit dem er in der Wäscherei arbeitet, wird, ohne daß Derek dies bewußt ist, zu seinem \"Bodyguard\", sprich: ohne ihn würde Derek keine 24 Stunden im Knast überleben. Nach und nach entwickelt sich zwischen beiden eine Freundschaft, in deren Verlauf Derek mehr oder weniger freiwillig gezwungen wird, seine Überzeugungen zu überdenken.
Letztlich bringt aber ein psychisch prägendes Ereignis den entscheidenden Umschwung – Derek wird in der Dusche vom Anführer der Nazis brutal vergewaltigt. Er setzt sich mit Sweeney in Verbindung und bittet ihn, ihm zu helfen, aus dieser Hölle entlassen zu werden. Hier finde ich Avery Brooks\' Frage sehr beeindruckend und zum Nachdenken anregend: \"Hat sich durch das, was Du tust, Dein Leben verbessert?\" Im Gegenzug muß er ihm versprechen, das braune Gedankengut aus seinem Kopf zu verbannen und seinen Bruder wieder auf den rechten Weg zu bringen. Dies ist aber mit einigen Schwierigkeiten verbunden, denn in der rechten Szene stößt er mit seinem veränderten Verhalten auf Unverständnis und Ablehnung. Das Erste, was Derek nach seiner Entlassung macht, ist, sich an seinem Mentor Cameron zu rächen, dessen perfide Machenschaften er endlich durchschaut hat. Zudem gelingt das Projekt \"Danny\" und gemeinsam befreien sie das eigene Haus von allen \"braunen\" Spuren, seien es Poster, Fahnen, Bücher oder sonstiges, das mit dem Faschismus zu tun hat. Doch es kommt zu einem ziemlich überraschenden, aber eigentlich zu erwartenden Ende, wodurch der ganze Sinn in Frage gestellt wird ...
..:: Die beiden Hauptdarsteller ::..
Derek Vinyards Weltanschauung wird vornehmlich von seinem Vater geprägt und er findet nach dessen Tod in dem Nazi Cameron nicht nur einen Vaterersatz, sondern auch jemanden, der ihm Anerkennung entgegenbringt und ihm eine Chance gibt, sich zu beweisen – Derek wird zu seiner \"Rechten Hand\". Durch den Tötung eines Farbigen kommt er ins Gefängnis und hat dort Gelegenheit, seine Ansichten und sein Leben zu überdenken. Wieder draußen, steigt er aus der Bewegung aus ... Edward Norton ist einer der erfolgreichsten Schauspieler der USA und trainierte sich für diese Rolle extra einige Pfund Muskelmasse an, um die Figur dem Zuschauer besser näherbringen zu können, kurz gesagt: unverdorbenes, weißes Material. Er spielt seine Rolle so überzeugend, er lebt sie sozusagen, daß man ihm jeden Lebensabschnitt abnimmt und ihn trotzdem noch sympathisch findet: den unter dem Einfluß des Vaters stehenden Teenager, den brutalen Faschisten oder auch den Häftling, der seine Ansichten revidiert.
Danny Vinyard ist drauf und dran, in die Fußstapfen seines großen Bruders zu treten. Er hält sich in den gleichen Kreisen auf, hat demzufolge auch die gleichen Kumpels, hat eine Freundin aus der Szene und gehört zu Camerons Schlägertrupp. Hakenkreuze und Bilder der White Power-Generation sowie von Adolf Hitler zieren seine Zimmerwände. Er nimmt im Film stellvertretend für alle desorientierten Jugendlichen die Rolle des Beeinflußbaren ein. Danny weigert sich zuerst, den Wandel seines Bruders zu akzeptieren. Doch er läßt sich eines Besseren belehren, als er sich im Rahmen einer Hausaufgabe der Realität stellen muß, in der er eigentlich völlig desorientiert ist.
Edward Furlong dürfte den Meisten als Sohn von Linda Hamilton im Schwarzenegger- Movie \"Terminator II\" bekannt sein. Auch er gibt in der Rolle des Danny Vinyard eine Vorstellung im Fach der Charakterdarsteller.
..:: Umsetzung und Fazit ::..
Mit \"American History X\" hat der britische Star- Regisseur Tony Kaye (bekannt für seine Werbefilme) trotz ziemlicher Querelen, auf die noch eingegangen wird, ein gut umgesetztes, eindringliches und aufwühlendes Werk abgeliefert, das wie noch kein anderes zuvor zum Nachdenken und Umdenken anregt und auffordert. Man wird sozusagen mit einem komprimierten Kulturcocktail geschockt. Der Film zeigt nicht nur, daß auch heute noch in vielen Gebieten Rassenhaß vorherrscht, sowohl von Farbigen auf Weiße als auch umgekehrt. Er ist auch, soweit ich weiß (wobei ich mich aber gegebenenfalls gerne eines Besseren belehren lasse), auch der erste amerikanische Streifen, dessen Hauptdarsteller ein Neonazi ist. Der Film zeigt die, durch menschliche und Umwelteinflüsse mögliche, mentale Veränderung eines Nazis, der durch eine Greueltat dazu gezwungen ist, sein Leben zu überdenken. Zudem wird mit dem Vorurteil aufgeräumt, daß diese spezielle Einstellung gegenüber Anderen angeboren ist, denn sie wird ganz im Gegenteil durch Erziehung \"antrainiert\". Außerdem werden die Gründe für solch fanatisches Verhalten aufgezeigt, was ja doch immer noch einen gewisses Tabu- Bruch bedeutet. Trotzdem war es erschreckend zu sehen, wie leicht verwirrte Menschen doch beeinflußt werden können, nicht nur im positiven Sinne. Dies gilt nicht nur für Weiße, sondern gleichermaßen für Farbige und alle andere Religionen, Nationalitäten und/oder Hautfarben. Ich verwahre mich aber gegen jegliche persönliche Wertung, siehe weiter unten.
Der Film sollte auf jeden Fall mehrfach angesehen werden, da er durch wiederholte Sprünge zwischen Gegenwart (in Farbe) und Vergangenheit (schwarzweiß) manchmal verwirrend wirkt.
Die Leistungen der Darsteller sind Oscar- reif, weshalb es um so mehr verwundert, daß der Film bei Preisverleihungen nicht mehr Beachtung fand (wahrscheinlich wegen seiner Thematik oder auch aufgrund der Auseinandersetzungen, die es bei der Endfertigung gab). Wie gesagt: der Film wird zu einem Großteil von den hervorragenden Schauspielern getragen. Daß die Handlung des Films nicht einfach chronologisch abgespielt, sondern erzählt wird, gibt dem Ganzen das I- Tüpfelchen.
Was die Kameraführung anbelangt, so wäre Leni Riefenstahl sicher stolz gewesen, hätte es aber sicher noch einen Tick besser machen können. Scheinbar belanglose Situationen werden hervorragend und teilweise illustriert eingefangen, als wenn etwas Zusätzliches, Unsichtbares sich im Bild befände. Der Wechsel zwischen Realität und Vergangenheit ist ebenfalls sehr gut gelungen.
Jedoch wird auch dieser Film von einem faden Beigeschmack begleitet, da er gewisse Vorurteile aufrechterhält und zahlreiche Szenen enthält, die ihrerseits den vermeintlich berechtigten Haß auf Afroamerikaner verständlich machen sollen: Autodiebstahl und Mord (Derek\'s Vater wird in Ausübung seines Berufs umgebracht) sind nur zwei Beispiele. Das ist der große Schwachpunkt dieses ansonsten sehr gut umgesetzten Movies. Auch nach dessen Fertigstellung stellten sich einige Probleme ein. So distanzierte sich Regisseur Tony Kaye von der Schnittversion des Films, an dessen nachträgliche Bearbeitung Edward Norton selbst Hand angelegt hatte. Die beiden gingen im Streit auseinander. Denn Kaye hatte einen allen außer ihm selbst zusagenden Schnitt vorgelegt. Er ging also zurück in den Schneideraum und kürzte, was wiederum den Geldgebern nicht paßte und letztendlich eine von Edward Norton selbst erstellte Version als Vorlage für den Film genommen wurde, die Kaye wiederum angriff, weil die Wandlung des Protagonisten nicht deutlich erkennbar sei. Dem muß ich zustimmen, der Schwenk vollzieht sich zu schnell und zu einfach. Kaye wollte sogar seinen Namen als Regisseur zurückziehen, nahm dann aber davon Abstand.
Wie auch immer, der Film wurde zum totalen Flop, ist aber trotzdem ungemein empfehlenswert, schon deshalb, weil er sich doch ziemlich eingehend mit der Thematik des Rassenhasses und des \"braunen\" nationalsozialistischen Gedankenguts auseinandersetzt und dabei keinerlei absolute Wertung vornimmt. Edward Norton mit gestählter und Hakenkreuz- verzierter Brust ist eine imposante Erscheinung, von den auf erschreckende Art und Weise faszinierenden Bildern ganz zu schweigen. Außerdem wird Amerika (obwohl ich dafür schwärme) mal nicht als Land der Heldenverehrung dargestellt, wie dies sonst der Fall ist. Auch in Amerika finden sich entsprechende Gruppierungen, was zwar durch die Geschichte und auch zeitweilige Episoden in diversen Filmen schon belegt wurde (man denke nur an den Ku- Klux- Klan), aber immer wieder gerne heruntergespielt wird.
Ich bezüglich halte nichts von dieser Augenwäscherei und bin der Meinung, daß jeder ein Ausländer ist, fast überall, abhängig von der Nationalität und Religion. So sind Türken und Amerikaner in Deutschland Ausländer und wir Deutschen sind Ausländer in der Türkei oder in Amerika (und eben nicht Touristen). Solange wir Menschen nicht auch entsprechend handeln, sondern uns gegenseitig in verschiedene, mehr oder weniger wertvolle Völkergruppen einordnen, wird der Haß nie ein Ende haben. Daß der Film ab 16 freigegeben ist, kann man einerseits als Versagen der FSK betrachten, aber andererseits auch als Chance, die Jugend in einem für sie sehr prägenden Alter für diese Thematik zu sensibilisieren.
Schließen möchte ich diesen Beitrag beenden mit der schon erwähnten Thematik des Aufsatzes:
DAS LEBEN IST ZU KURZ FÜR HASS
..:: Fakten und Rollenverteilung ::..
Zum Schluß noch die harten Fakten : Der Film stammt aus dem Jahre 1998, ist 118 Minuten lang und unterliegt der FSK 16. Die Regie führte der britische Regisseur Tony Kaye, die Rollen sind folgendermaßen aufgeteilt (Schauspieler – Rolle):
Edward Norton – Derek Vinyard,
Edward Furlong – Daniel Vinyard,
Beverly D\'Angelo – Doris Vinyard,
Jennifer Lien – Davina Vinyard,
Fairuza Balk – Stacy,
Avery Brooks – Direktor Sweeney,
Stacy Keach – Cameron,
Guy Torry – Lamont
19 Bewertungen, 3 Kommentare
-
20.02.2009, 14:16 Uhr von Striker1981
Bewertung: sehr hilfreichSH und Liebe Grüße vom STRIKER
-
19.02.2009, 16:22 Uhr von Mondlicht1957
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreich und liebe Grüsse
-
29.03.2006, 14:30 Uhr von liiiiindaaaaa
Bewertung: sehr hilfreichüber gegenlesungen würde ich mich freuen;)
Bewerten / Kommentar schreiben