American History X (VHS) Testbericht

American-history-x-vhs-drama
ab 8,21
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Erfahrungsbericht von Nikeanu21

Ein Film, der schockiert und bewegt

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Um den Film besser beschreiben zu können, gehe ich auch auf das ganze drumherum ein, was ich miterlebt habe, als ich bei der Europapremiere des Filmes war und schreibe dann auch etwas zu dem Treffen mit Edward Norton, da das alles in genau 2 Tagen passiert ist. Ich bin immer noch ganz fasziniert vom Film und dem Hauptdarsteller, aber seht selbst:

Am 4.02.1999 habe ich eine Anzeige in der Zeitung gelesen, die darauf aufmerksam machte, dass am 12.02. die Europapremiere von "American History X" sei und der Hauptdarsteller zur anschließenden Podiumsdiskussion anwesend ist. Da ich noch nie auf einer Europapremiere war und mir nicht so recht was darunter vorstellen konnte, außer das der Film gezeigt wird, habe ich einfach Karten für diesen Film bestellt. In der Zwischenzeit habe ich dann noch mehr über den Film, der meine Neugierde immer mehr erweckte, erfahren können und ich freute mich schon riesig auf diesen Tag. Edward Norton kannte ich auch schon aus "Zwielicht".

Am 12.02. war es dann endlich soweit. Eine Freundin und ich waren 1 ½ Stunden zu früh und bekamen die ganzen Vorbereitungen mit. Das ganze Kino war in Aufruhr und die Leute wirkten sehr nervös. Es wurde sogar ein roter Teppich ausgelegt und die Sicherheitsleute verboten einem auf die Toilette in der obersten Etage, wo die Premiere stattfinden sollte, zu gehen.

Wir gehörten mit zu den ersten, die sich einen Platz gesucht haben. Leider waren aber schon die besten Plätze reserviert für die Presseleute und geladene Gäste. Meine Freundin und ich suchten uns einen Platz in der Mitte und in der Nähe von reservierten Plätzen, man konnte ja nicht wissen, vielleicht würde ja jemand Berühmtes bei uns sitzen.
Bevor die Vorführung begann wurden wir noch herzlichst begrüßt und ja, auf die anschließende Podiumsdiskussion aufmerksam gemacht. Also, dass wir daran teilnehmen dürfen bzw. dass wir überhaupt erst einmal nach dem Film sitzen bleiben sollen, weil danach noch ein paar Überraschungen auf uns warten. Oder so ähnlich.

Bis dahin wusste ich noch nicht einmal, dass der Film im Original gebracht werden würde und man entweder den Film guckt oder den Untertitel liest. Das war gar nicht so einfach, ich hatte mich letztendlich für den Film entschieden und ich habe doch sehr viel verstanden, überraschenderweise, denn Englisch liegt mir nicht sonderlich. Jedenfalls beobachtete mich die ganze Zeit der Pressemann neben mir. Er machte mich total nervös damit. Er wollte halt sehen, wie man auf diesen Film reagiert, vor allem zu bestimmten Szenen.

Ich war total fasziniert, entsetzt und getroffen als der Film zu Ende war. Mir wurde langsam klar, was der Untertitel des Films für eine Bedeutung hat und das man diesen Untertitel leicht übersieht, denn der Film heißt nicht nur "American History X", sondern trägt den Untertitel: Er ist sein Bruder und sein Opfer. Dieser Satz versetzt mir jedes Mal Gänsehaut...wer den Film gesehen hat, weiß warum.

Es war total leise, niemand sagte etwas. Der Abspann war fast vorbei, als das Licht wieder an ging und die ersten anfingen ganz zögerlich zu klatschen. Puh, danach musste man erst einmal die beeindruckenden Bilder verarbeiten.

An dieser Stelle möchte ich zur Zusammenfassung des Filmes auch teilweise die Cinema zitieren, da sie mit zu den einzigen Zeitschriften gehört, die keine Fehler aufweist!

Die ersten Minuten - in blaugetönten Schwarzweißbildern - hauen einem erst mal um: Da hat ein junger Nazi Sex mit seiner Freundin, während draußen drei Schwarze das Fenster seines Wagens einschlagen. Also stürmt er hinaus, mit Pistole und in Boxershorts, nur Muskeln und Hass, ein riesiges Hakenkreuz auf der Brust: Den ersten schießt er in den Kopf, den zweiten tötet er durch einen Fußtritt, der dritte kann gerade noch entkommen. Ätherische Frauenchöre singen dazu, der Kämpfer wird in Zeitlupe eingefroren. Sex, Gewalt und Superrasse: Wenn das kein Faschismus ist, was ist es dann?

Derek Vinyard muss wegen Totschlags ins Gefängnis. Dort passiert das, was niemand erwartet - die komplette ideologische Umkehrung jener Werte, die er in der ersten halben Stunde aufgebaut hat!
An dem Tag seiner Entlassung wird sein Bruder Danny dazu verdonnert einen Aufsatz über Derek zu schreiben und was zu seiner Verhaftung geführt hat.
Derek dagegen versucht Danny aus der Neonazi-Szene zu befreien...

An der Seite des Raumes war der Eingang in den Kinosaal. Es waren eine Menge Leute, die sich dort versammelten. Darunter auch Edward Norton. Ein Sprecher kam nach vorne und kündigte die Gäste an: die Moderation übernahm kein geringerer als Ulrich Wickert, dann kamen noch Michel Friedman, eine türkische Schauspielerin, noch irgend jemand und natürlich die Macher des Films, Edward Norton als Hauptdarsteller, David McKenna (Drehbuchautor) und John Morrisey (Produzent). Ich war total aufgeregt, das erste Mal, dass ich einen Hollywoodstar aus nächster Nähe betrachten durfte.

Thema war anfangs sogar noch der Film, wie die Dreharbeiten waren und ja, die Einstellung Edwards zum Thema Rassismus und Ausländerfeindlichkeit. Später wurde eigentlich nur noch über Ausländerfeindlichkeit in Deutschland geredet und irgendwie lagen sich dann noch Michel Friedman und ein Politiker in den Haaren. Es war ein sehr politisches Gespräch, in dem der Film einfach mal viel zu kurz kam. Das fand ich sehr traurig. An einige Sachen, die Edward gesagt hat, kann ich mich noch genau erinnern, weil ich sie sehr interessant fand und weil sie später auch in Zeitungen geschrieben wurde! Er erzählte von seinem Zuhause und der Zeit, als die Dreharbeiten stattgefunden haben. Er lebt in Los Angeles in einem Judenviertel und lief zu der Zeit mit dem Hakenkreuztattoo herum. Jedenfalls hat er bei seinen Freunden angeklopft und hat sich mit ihnen über diesen Film unterhalten und warum er gerade diese Rolle übernommen hat. Es war für ihn ein eigenartiges Gefühl mit einem Hakenkreuz auf der Brust durch die Gegend zu laufen, er fühlte sich damit nicht sehr wohl. Sehr verständlich!!!

Dann haben sich die Reporter darüber gestritten, ob denn für den Zuschauer überhaupt richtig klar ist, warum Derek sich denn nun von seinem "Glauben" abgewendet hat, was ihn dazu gebracht hat. Edward wollte immer versuchen zu erklären, aber die Reporter meinten immer nur, dass eine Vergewaltigung noch kein Grund für eine "Gehirnwäsche" ist. Keiner hat kapiert, dass es mehrere Sachen waren, auch kleine Dinge, die nicht zu seiner Ideologie passten und so nach und nach seine Augen geöffnet haben.

Dabei ging mir immer der Dialog zwischen Derek und seinem ehemaligen Schuldirektor durch den Kopf, der für mich den Wendepunkt des Filmes bildet:

Derek: Ich steh `n bisschen neben mir, irgendwie weiß ich nicht genau... es gibt Sachen, die nicht zusammenpassen.
Sweeney: Das kommt vor... Derek, wenn du so intelligent bist, wie ich glaube, musst du dich irgendwann abfinden, dass deine alte Überzeugung Blödsinn ist.
...
Sweeney: Deshalb musst du offen bleiben. Deine Wut versucht dich von innen aufzufressen, dein Zorn schaltet dein gottgegebenen Verstand einfach aus...
...
Sweeney: Du musst die richtigen Fragen stellen...
Hat sich durch das, was du tust dein Leben verbessert?
Derek: ...fängt an zu weinen...
Sweeney: Nicht...
Derek: Bitte helfen sie mir...

Jedenfalls stellten sich die Reporter ziemlich stur und das ganze machte irgendwie keinen Spaß.
Am Ende der Podiumsdiskussion war es ein rein politisches Gespräch zwischen CDU und Grüne geworden und man kann sich gut vorstellen, wie das ausgesehen haben muss!

Ich nutzte meine Chance und bin nach unten, um Fotos von Edward zu machen und mir ein Autogramm von ihm zu holen. Doch leider hatte ich keinen Erfolg. Ich konnte gerade mal 2 Fotos machen und dann war er auch schon wieder weg.

Am nächsten Tag musste ich immer noch an diesen Film denken. Den ganzen Tag lang konnte mich nichts ablenken. Zur gleichen Zeit lief die Berlinale und es hatte sich Nicolas Cage angesagt. Jedenfalls bin ich mit einer Freundin zum Flughafen, um dort unser Glück zu probieren. Nicolas haben wir leider nicht gesichtet, dafür lief uns ein viel interessanterer Mann über den Weg. Edward Norton. Er spazierte mit seinem Bodyguard, wie ich mit meiner Freundin immer über den ganzen Flughafen, da er rund ist, sind wir uns mehrmals begegnet. Ich hatte schon die ganze Zeit das Gefühl, dass ich ihn irgendwoher kannte. Er sah aber ganz verändert aus. Ganz normal in Jeans und T-Shirt, mit Sonnenbrille und leicht zerzaustem Haar. Doch ich erkannte ihn trotzdem und nahm all meinen Mut zusammen um ihn um ein Autogramm zu bitten. Er freute sich total und unterschrieb auf einem American History X-Bild. Er sah ziemlich müde aus und ich versuchte mich mit ihm zu unterhalten. Das war gar nicht so einfach, weil ich nicht wusste, was ich sagen sollte. Ich bekam aber dann doch noch etwas heraus und erzählte, dass ich den Tag davor bei der Europapremiere war und das mir der Film total gut gefallen hat. Das ich es mutig fand, dieses Thema zu wählen und überhaupt so 'ne "Hollywood-Produktion" zu machen. Daraufhin erzählte er mir, wie er sich auf die Rolle vorbereitet hat und das unter anderem auch ein Buch eines Deutschen Nazis ihm dabei geholfen hatte. Er war total fasziniert von dieser Geschichte, dass er auch in American History X einen intelligenten, auch irgendwo sympathischen Neonazi spielen wollte, dem man abkaufen kann, dass er sich einer Gehirnwäsche unterzieht!

Dann gratulierte ich ihm zur Oscarnominierung und dass ich ihm die Daumen drücken werde. Darüber freute er sich, denn er hatte ein sehr, sehr breites Lächeln auf seinem Gesicht. Er wirkte so schüchtern und unschuldig auf mich. Wenn man bedenkt was für Rollen der Mann (ge-)spielt (hat), ist es schon eigenartig. Er erinnerte mich sehr an Aaron (Roy) aus Zwielicht. Das machte mir teilweise richtig "Angst". Er hatte auch bei der Podiumsdiskussion dieses Lächeln im Gesicht, genau wie in diesem Film. Dann fragte ich ihn, ob ich Fotos von ihm machen darf, da ich es irgendwie besser fand ihn höflich zu fragen, als wenn ich einfach drauflos "schieße" und dann findet er es nicht gut und geht einfach weiter oder nimmt mir mein Fotoapparat weg ... keine Ahnung, schließlich kennen wir ja die Reaktionen bestimmter Stars, die auf Reporter losgehen und sie zusammenschlagen, weil sie ein Foto von ihm machen wollten. Schließlich meinte er dann, dass er es nicht wollte, da er so müde ist und ja, er es nicht so mag. Damit hatte ich kein Problem, schließlich war das verständlich und deswegen hatte ich ja auch gefragt.
Wir verabschiedeten uns und er meinte noch, dass man sich vielleicht noch mal sieht und dass er sich gefreut hat.
Das war mein Treffen mit Edward Norton.

Ich habe ihn, bis er ins Flugzeug musste noch ein paar mal gesehen und ich habe diesen Anblick "genossen". Danach war ich so fasziniert von ihm, dass ich am liebsten die Zeit zurück gedreht hätte. Ich hatte plötzlich so viel zu erzählen. Doch leider geht das ja nicht. Ich muss auch gestehen, dass ich nicht in Worte fassen kann, wie Edward sich gegeben hat, ich hoffe aber, man kann es doch wenigstens ein bisschen herauslesen. Er war super sympathisch, total lieb und sehr geduldig. Er hatte mich sogar bei meinen Ausdrucksfehlern korrigiert und mir geholfen. Das war mir am peinlichsten, aber er ist nun mal der bessere in Englisch. Andere hätten sich noch nicht einmal die Mühe gegeben, meine Fehler, die ich gemacht habe zu berichtigen. Ich glaube, dass das auch sehr viel über seinen Charakter aussagt!

8 Bewertungen, 4 Kommentare

  • liiiiindaaaaa

    29.03.2006, 14:34 Uhr von liiiiindaaaaa
    Bewertung: sehr hilfreich

    über gegenlesungen würde ich mich freuen;)

  • Travelwriter

    05.06.2003, 21:58 Uhr von Travelwriter
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich finde es interessant, wie du über deine persönlichen Empfindungen zu diesem Film geschrieben hast. lg Andreas

  • YvonneHeitmann

    28.03.2002, 09:30 Uhr von YvonneHeitmann
    Bewertung: sehr hilfreich

    Der Film ist wirklich spitze ... deswegen hätte ich mich gefreut wenn du etwas mehr zur Handlung geschrieben hättest.

  • yopi-user

    28.03.2002, 09:13 Uhr von yopi-user
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toll geschrieben !