American Psycho (DVD) Testbericht

American-psycho-dvd-thriller
ab 6,96
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 02/2011

5 Sterne
(0)
4 Sterne
(3)
3 Sterne
(1)
2 Sterne
(1)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von Realjackass

Der wortwörtlich perfekte Killer

Pro:

Christian Bale und der Charakter den er verkörpert, Aussage des Films

Kontra:

Hätte vielleicht ein kleines bisschen brutaler sein können, wirkt unentschlossen

Empfehlung:

Ja

Lang, vielleicht sogar schon 2 Jahre, ist es her, seit ich, ich glaube es war auf Vox, die letzte halbe Stunde eines Films gesehen habe. Da war ein Mann zu sehen, der wahllos von Gebäude zu Gebäude rennt, um da Wachmänner und Zivilisten zu erschießen, aber das wichtigste, der Film wurde zum Ende hin immer besser! Da ich gerade keine TV-Zeitschrift zur Hand hatte, wartete ich brav das Ende des Streifens ab, um mir dann dessen Namen zu notieren. Gesagt, getan: \"American Psycho\", so der Name dieses Werks, landete unverzüglich auf meiner \"Must See\" Liste. Zwar hätte ich nicht gedacht, den Film erst so spät wieder zu sehen, aber wie sagt man so schön? Besser spät als nie! So war es dann gestern endlich soweit, dass ich in den vollständigen Genuß dieses Films kam, meine Meinung dazu bekommt ihr jetzt zu lesen.




Story
----------------------
Patrick Bateman ist ein absoluter Perfektionist, bei dem schlichtweg alles stimmen muss. Sein bis in jedes Detail exakt gepflegtes Äußeres, die Kosmetik die er benutzt, das Fitnessprogramm, alles hat höchsten Stellenwert in Bateman´s Leben. Doch nicht nur das: Auch in der Arbeit muss alles korrekt sein, Patrick arbeitet an der Wall Street und gibt stets 200%, wenn mal einer seiner Kollegen eine schönere Visitenkarte als er hat, dann verkraftet Bateman das nur mit Müh´ und Not. Auch seine Wortwahl, seine Wünsche für eine bessere Welt, und sein Wunsch für die Gleichberechtigung der Frauen sprechen für sich.

Doch hinter dieser Fassade des absoluten Perfektionismus verbirgt sich ein Patrick Bateman, den so weder seine Arbeitskollegen, noch seine engsten Bekannten kennen: Bateman´s heimliche Leidenschaft, ja, seine Befriedigung ist es, andere zu demütigen und zu töten. Wehrlose Penner auf der Straße, Frauen, mit denen Bateman zuerst abartigen Sex hat, ja sogar Freunde werden von Bateman auf äußerst abstoßende Weise getötet, später dann zerstückelt, aufbewahrt oder auch teilweise gegessen. Der Wallstreet-Yuppie verliert sich selbst immer mehr in diesem Blutrausch, bis eines Tages die Polizei in Form des Detective Donald Kimball auf ihn aufmerksam wird. Zwar äußerst dieser keinen direkten Verdacht, jedoch spürt man seine Wachsamkeit gegenüber Bateman. Dies hindert diesen aber nicht, weiterzumorden, bis es letzten Endes kein zurück mehr zu geben scheint..




Schauspieler
-----------------------------
In der Rolle des Yuppie´s Patrick Bateman ist Christian Bale zu sehen, den ich erst vor kurzem noch für seine überzeugende Leistung in dem kürzlich angelaufenen \"Batman Begins\" gelobt habe. Um so mehr überrascht war ich nach den ersten Minuten von \"American Psycho\", zwar ist der Schauspieler ein und derselbe, jedoch agiert er vollkommen anders. Dies spricht schon mal für eine enorme Wandlungsfähigkeit Bale´s. Das interessante ist jedoch nicht der Schauspieler selbst, sondern den zu spielenden Charakter, den man als Zuschauer nur sehr schwer durschauen kann. Auf der einen Seite ein Arbeitstier, ein Karrieremensch, bei dem alles bis ins kleinste Detail passen muss, von der Peeling-Maske bis hin zur 80-Dollar Unterhose. Auf der anderen Seite steht der geisteskranke Killer, der seinen Arbeitskollegen scheinbar grundlos eine blankpolierte Designeraxt ins Gesicht rammt und der Spaß daran hat, sich selbst beim Sex mit 2 Prostituierten zu filmen.
Und die Art und Weise, wie Christian Bale diesen vollkommen kranken Menschen darstellt, ist es, was am ganzen Film am meisten überzeugt. Dieses gepflegt wirkende Image, diese Blicke, die pure Überlegenheit zeigen und auch diese perfekte Aussprache, die von der deutschen Synchronisation sehr gut rübergebracht wird. Im Nachhinein kann ich mir keinen besseren für diese Rolle vorstellen. Mir ist durchaus bewusst, dass dieser Satz fast nicht ernstzunehmen ist, weil er fast schon wie ein Standard in einem Filmbericht klingt, aber hier ist es wirklich der Fall.

Zu allen anderen Akteuren gibt es leider nicht extrem viel zu sagen, da \"American Psycho\", wenn man so will, eine One-Man Show ist, die einzig und allein von ihrem Hauptdarsteller getragen wird. Dennoch wäre es schade, Namen wie Willem Dafoe, der hier den Polizisten Donald Kimball gibt und Reese Witherspoon als betrogene Verlobte Evelyn, unerwähnt zu lassen. Erstgenannter, den der ein oder andere vielleicht als grüner Kobold aus \"Spider-Man\" kennen dürfte, spielt gewohnt routiniert, hat weder besondere Glanz, noch Tiefpunkte in seiner Darstellung. Reese Witherspoon hingegen wirkt irgendwie fehl am Platz. Nicht, dass sie schlecht spielen würde, nein, ihr Charakter hat nur absolut NULL Aussage und ich frage mich, wieso dieser Überhaupt eingebracht wurde. Aber naja, dafür kann die Schauspielerin selbst ja nichts.

Alle anderen Darsteller, vor allem die reihenweise koksenden Arbeitskollegen Bateman´s, kamen wie ich finde ziemlich authentisch rüber, richtig schlecht gespielt hat keiner.




Daten zum Film
--------------------------------
Originaltitel: American Psycho
Alternativtitel: -
Land: USA, Kanada (2000)
Regie: Marry Harron
Länge: ca 97:31 min.
Freigabe: 16
Indiziert: Nein
@ Realjackass




Die beste Version
----------------------------------
So, das ist wiedermal nicht ganz einfach, da man in Deutschland regelrecht mit DVDs zu \"American Psycho\" überschwemmt wurde, die sich aber alle bei genauer Betrachtung garnicht so sehr voneinander unterscheiden. Insgesamt sind 4 Editionen erschienen, alle herausgebracht von dem sicherlich bekannten Label Concorde Home Entertainment, welches ja leider bekannt für die nervenden Amarayhüllen sind. Die wohl geläufigste Edition ist die stinknormale mit ausreichend Bonusmaterial, das passende Pendant dazu existiert natürlich auch: die Verleihversion.
Schon eher für den pralleren Geldbeutel geeignet ist die \"American Psycho Collection\", also Teil 2 inbegriffen und eine \"Special Limited Edition\", beide sehr schön anzusehen und ihr Geld wert.




Kritik
-----------------------
So, wie meistens an dieser Stelle möchte ich euch zuerst mit ein paar Hintergrundinformationen zum Film beglücken, es soll mir ja keiner kommen und behaupten, ich hätte euch nicht hinreichend informiert. Und als direkter Einstieg sei mal soviel verraten: Das Drehbuch zu \"American Psycho\" wurde nicht von irgend einem intelligenten Schreiberling nach einer durchzechten Nacht verfasst, sondern es handelt sich bei dem ganzen um eine Buchverfilmung. Allerdings nicht um irgend eine Standard-Buchverfilmung, wie es sie zuhauf gibt, sondern eines Buches, das Jahrelang auf dem Index stand und selbst heute nur an volljährige Personen verkauft werden darf, wenn ich da richtig informiert bin. Bret Easton Ellis schildert in seinem Buch bis ins kleinste Detail extremste Gewalt und perverse Sexspielchen, so ist in manchen Reviews zu lesen, dass es auch schon Leute gab, die ernsthafte Probleme damit hatten, das Buch überhaupt weiter zu lesen. So wird an einigen Szenen zum Beispiel geschildert, wie die Vagina einer Prostituierten von innen heraus von einer Ratte zerfressen wird, aber das ist noch längst nicht das schlimmste, auch kleine Kinder werden grausam getötet usw.. Jetzt fragt sich natürlich, wie man sowas verfilmen soll, ohne dass der Streifen gleich verboten wird. Nun, Marry Harron hat sich dafür entschieden, den Gewaltfaktor extrem zurückzuschrauben und anstatt dessen mehr Wert auf den Gesellschaftskritischen Part des Buches zu legen. Und obwohl der Film von diesem Aspekt durchaus gelungen ist, weiß er im Allgemeinen nicht so zu überzeugen, wie ich mir das erhofft hätte.

Woran mag das liegen? Nun, ich muss zugeben, am Anfang war ich noch ziemlich fasziniert, von den eindrucksvollen Bildern, die man da geliefert bekommt. Ein Mann, bei seiner täglichen Ganzkörperpflege, redet darüber welche Produke schlecht sind und welche nicht und wieviele Situps er mittlerweile schon hinbekommt. Nun, das mag sich zwar langweilig anhören, hat mich aber auf eine gewisse Art und Weise fasziniert. Nicht, weil ich absoluter Kosmetikfreak bin, sondern weil ich das Buch nicht kenne und deshalb sogleich wissen wollte, was das ganze soll und wohin es führen wird. Und genau so interessant, teilweise sogar witzig ging es dann auch weiter. Die Szene, die sich mir am meisten eingeprägt hat, ist die, in der Patrick und seine Kollegen ihre Visitienkarten vergleichen. Als einer von ihnen eine fast schon perfekte Karte hat, beschließt Patrick, in seinem Neid, ihn zu töten. In diesen Szenen bemerkt man richtig schön die Gesellschaftsktitik, sowie die Geisteskrankheit Bateman´s. Bei ihm muss ALLES perfekt sein, niemand darf besser sein als er und niemand anders hat recht. Von der Designeraxt, bis hin zu den Schutzbezügen auf seinen Möbeln, wenn er einen Mord begeht, stimmt alles. Doch was verbirgt sich hinter dieser, auf perfekt getrimmten Hülle? Nichts anderes, als ein Produkt unserer Gesellschaft, ein Abfallprodukt sozusagen. Wir haben es zwar erschaffen, aber schämen uns dafür es uns einzugestehen, dass wir im Prinzip gleich sind wie dieser irre Mörder. Nein, wir töten keine wehrlosen Menschen, aber wir streben auch indirekt nach Perfektionismus, wollen in der Klassenarbeit die besten sein, versuchen unsere Konkurenten bei unserem Boss schlecht zu machen.

Das alles sind Punkte, für die uns der Film den Spiegel vorhält. Aber um den Zuschauer nicht auf die gleiche Stufe wie Patrick Bateman zu stellen, wird dieser Perfektionismus bei ihm eben stark übertrieben dargestellt. Ein bisschen verwirrend erscheinen da am Anfang die Morde, die wie gesagt, nicht halb so brutal wie im Buch sind. Es erscheint einfach nur komisch, dass Bateman nach einem harten Arbeitstag den erstbesten Penner absticht, der ihm begegnet. Und warum tut er das? Warum schläft er mit Frauen, um sie danach ebenfalls zu töten? Vermutlich um eine leere in seinem Leben auszugleichen, die sich der verwirrte Mann selbst nicht eingestehen will, die aber in so gut wie jeder Szene klar zu erkennen ist. Eine leere, hervorgerufen durch den Perfektionismus, den Egoismus und dem Streben nach Karriere heutzutage. Deshalb erschaffen wir uns eine zweite Identität, um das tun zu können, was man allgemein als Leben bezeichnet. Denn in unserer Arbeit, ja gar in der Liebe leben wir nicht, wir tuen das, was jeder andere auch tut und was schon als normal angesehen wird, das zu hinterfragen ist absolut Tabu. Bei Patrick Bateman ist dieses Leben eben das erhabene Gefühl, welches er bekommt, wenn er andere erniedrigt, foltert und tötet.

An dieser Stelle geht die Gesellschaftskritik sehr schön dargestellt weiter, symbolisiert von den Freunden Patrick´s, die wohl sowas wie die Allgemeinheit heute verkörpern sollen. Bateman redet ihn deren Anwesenheit häufig davon, dass er eine gewisse Person gerne abstechen würde, wird ordinär und unbeherrscht. Aber besagte Freunde, die eigentlich garkeine sind, sondern nur Mittel zum Zweck, um sich selbst als Teil eines ganzen sehen zu können, tuen dieses Gerede als Wunsch nach Aufmerksamkeit ab, beachten es garnicht weiter. Sogar schon zum Lachen gebracht hat mich da eine Szene, in der Bateman einen seiner Kollegen auf der Toilette erwürgen will, als dieser gerade seiner Natur nachgeht. Bateman streift sich Lederhandschuhe über und schleicht sich von hinten an und legt seine Hände um den Hals des anderen. Dieser bemerkt das natürlich, denkt aber keine Sekunde an einen Mordversuch, sondern denkt, Bateman will ihm auf diese Weise seine Liebe gestehen. Wie wir erfahren, ist nämlich das potenzielle Opfer auch Homosexuell und schon lange an Patrick interessiert. Diese Szene hat mir eines gezeigt: Der Mensch ist nicht bereit, die Wahrheit zu sehen, sondern sieht nur das, woraus er einen Vorteil gewinnt, beziehungsweise das, was ihn sicher fühlen lässt. Sehr schön da auch das Ende, als Bateman seinem vermeintlichen Anwalt sämtliche Taten gesteht, dieser das jedoch als Unmöglich abtut, da ein scheinbares Opfer Bateman´s garnicht tot ist. In diesem Moment wird Patrick Bateman, sowie auch der Zuschauer vor die Frage gestellt: War alles garnicht real? Entsprang es nur der Vorstellung eines Mannes, der sich sein Leben, so wie er es leben möchte, zusammenträumt? Und wenn es so ist, wie kommt es dazu, dass ein Mann den Drang verspürt, zu töten? Mit dieser Frage wird der Zuschauer letzten Endes allein gelassen, was auch das Stichwort für mich ist, zum Fazit zu kommen.




Fazit
-----------------------
\"American Psycho\" ist in meinen Augen eine Buchverfilmung, die man auf zweierlei Arten auffassen kann: Entweder der Film sagt einem aufgrund seiner ironischen Betrachtung der Gesellschaft zu, oder aber man wird enttäuscht, weil man sich mehr, von dem im Titel versprochenen \"Psycho\" erhofft hat. Sprich: Die Gewalt, für die das Buch berühmt würde. Und ich muss ehrlich gestehen, ein bisschen mehr Gewalt hätte dem Film sicherlich nicht geschadet, dafür ist er so, wie er jetzt ist, auch ein sehenswerter Film, irgendwo zwischen Thriller und Satire. Am besten zuerst das Buch lesen und dann den Film sehen!

Mfg
Realjackass

19 Bewertungen, 1 Kommentar

  • ookasan

    29.06.2005, 20:41 Uhr von ookasan
    Bewertung: sehr hilfreich

    seh das genauso! hab auch sowohl als auch gelesen und gesehen