Auf Herz und Nieren (DVD) Testbericht

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ab 8,32
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Erfahrungsbericht von Bjoern.Becher

Du hast ein gutes Herz!

Pro:

skurril, van Werveke, Xavier Naidoos sehenswerter Kurzauftritt, Komik, DVD-Ausstattung und Qualität

Kontra:

lahmer Beginn, teilweise sehr morbide, Udo Kier, Axel Schulz

Empfehlung:

Ja

1997 legte Regisseur Thomas Jahn ein fulminantes Regiedebüt hin. Sein Streifen „Knockin’ on heavens door“, den er gemeinsam mit Hauptdarsteller Til Schweiger auch produzierte, ist eines der zahlreichen Beispiele wie hervorragend deutsches Kino sein kann, wenn man eigene Ideen umsetzt und nicht versucht Hollywood zu kopieren. 2001 produzierten die beiden erneut gemeinsam einen Film: „Auf Herz und Nieren“ heißt das Projekt, bei dem Jahn wieder Regie führte (unterstützt von Schweiger, der eigentlich ursprünglich selbst Regie führen wollte).


Der Streifen handelt von einem sehr großen Geldproblem vierer Freunde: Rico (Steffen Wink), Dave (Niels-Bruno Schmidt), Sigi (Martin Glade) und Glotze (Thierry van Werveke) schulden dem Gangsterboss Banko (Burt Reynolds) eine Million, da sie ihn abzocken wollten, dies aber vermasselt haben.

Nur drei Tage haben sie Zeit an das Geld zu kommen und Glotze, der als Boxer ein paar Schläge zu viel auf das Gehirn bekommen hat, präsentiert einen Vorschlag: Organhandel! Ein passendes Opfer ist schnell in dem illegalen in Deutschland lebenden Shalaman (Xavier Naidoo) gefunden. Dessen Organe wollen sie für eine Million an einen skrupellosen Doc (Udo Kier) verkaufen. Doch als die vier merken, dass Shalaman Familie hat, wird das ganze abgeblasen.

Das Geldproblem besteht allerdings weiterhin und so kommen Rico, Dave und Sigi auf die Idee ihren Freund Glotze ausschlachten zu lassen. Passend das gerade der Papst ein neues Herz braucht.


Man merkt es diese Storybeschreibung vielleicht schon ein Stück weit an: „Auf Herz und Nieren“ ist ein Film voller schwarzer Humor. Es gibt einfach göttliche Szenen in diesem Film: Da will sich Glotze nach einem Streit mit seinen Freunden selbst umbringen. Diese brauchen ihn aber, bzw. sein Herz. Als er dann auf der Brücke steht und springen will und die anderen drei ihn davon abhalten wollen, sagt er nur: „Nennt mir einen Grund warum ich nicht springen soll?“ „Du hast ein gutes Herz“, ist die Antwort, die er nach einigem Zögern bekommt. Der schwarze Humor bleibt dabei trotz des recht heiklen Themas größtenteils noch im Rahmen des Erträglichen. Nur hin und wieder wird das ganze zu makaber und zu morbide.

Garant für den guten Humor ist vor allem Thierry van Werveke. Der auf skurrile Rollen spezialisierte Darsteller darf endlich mal in einer Hauptrolle sein Können unter Beweis stellen. In Nebenrollen hat er dies ja schon oft getan, wie in der ersten Jahn/Schweiger - Produktion „Kockin’ on heavens door“ oder wie im Schweiger-Streifen „Der Eisbär“. Seine drei Kumpels unterstützen van Werveke dazu sehr passend.

Für die Nebenrollen hat man noch einige bekannte Gesichter zum Mitwirken überreden können. Während Sänger Xavier Naidoo in seiner kurzen Rolle zu überzeugen weiß, steht Ex-Boxer Axel Schulz die meiste Zeit nur rum und schaut doof. Udo Kier gibt eine oberpeinliche Karikatur eines Bösewichts ab und der alternde Hollywood-Star Burt Reynolds ist zum größten Teil der Schere zum Opfer gefallen. Ganze zwei Szenen gibt es noch mit ihm im fertigen Film, die restlichen liegen als „Deleted Scenes“ auf der DVD bereit.

Das Problem des Films ist aber weder Schulz doofes Schauen, noch Kiers peinlicher Auftritt, noch die kleine Rolle von Lancaster, das Problem des Films ist es, dass die Messlatte für das Duo Jahn/Schweiger scheinbar zu hoch lag und sie sich vielleicht selbst unter Druck gesetzt sahen. Ihr Erstlingswerk ist genial und dieser Streifen versucht fast zwanghaft die Klasse des Vorbilds zu erreichen. Und das äußert sich dann in vergeblichen Versuchen mit Kunstgriffen den Film besser zu machen. Da kommt dann sogar eine Matrix-ähnliche Bullet-Time-Einstellung im Film vor. Völlig überflüssig. Wie einiges an diesem Streifen.

Zudem hat der Film leichte Probleme richtig in Gang zu kommen und beginnt etwas träge und holprig (was Thomas Jahn in einem der drei Audiokommentare auch zugibt).

Das macht den Film jetzt nicht schlecht - er ist trotzdem sehenswert - es trägt aber dazu bei, dass „Auf Herz und Nieren“ nicht die Klasse von „Knockin’ on heavens door“ erreichen kann. Es bleibt aber trotzdem recht amüsante und kurzweilige Unterhaltung aus deutschen Landen. Sechs von zehn Punkten!

D V D
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Technische Informationen:
Bildformat: 2,35 : 1
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Sprache: Deutsch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras:

- Folge dem Kreuz
- Audiokommentar von Til Schweiger und Thomas Jahn
- Audiokommentar von Thomas Jahn, Niels Bruno Schmidt und Steffen Wink
- Audiokommentar von Thomas Jahn
- VIP-Visite - Auf der Filmpremiere von „Auf Herz und Nieren“
- Interviews
- Making Of
- Nicht verwendete Szenen
- Musikvideos
- Kinotrailer

Die DVD von “Auf Herz und Nieren” ist im Gegensatz zum Film erste Sahne. Das Bild wirkt phasenweise zwar etwas befremdlich, aber das ist Absicht (wie auch in Audiokommentar und Making-Of erläutert wird). Große Teile des Films wurden auf DV gedreht (wie zum Beispiel auch viele Dogma-Filme) und das merkt man dem Film an. Passt aber meistens sehr gut!

Hervorragend ist der Ton, welcher in Dolby Digital 5.1 vorliegt. Gerade für eine recht kleine Produktion, die der Film doch ist, kann man den Ton nur als gelungen bezeichnen. Hervorragend, da können sich manche große Produktionen eine Scheibe abschneiden.

Gleich drei Audiokommentare befinden sich auf der DVD! Im ersten dürfen Regisseur Thomas Jahn (der bei allen Audiokommentaren dabei ist) und Til Schweiger (aufgenommen im Wohnzimmer von Jahn) dem Zuschauer einiges erklären. Jahn geht vor allem auf die technischen Details zu Beginn ein, Schweiger erzählt einiges über die Hintergründe, enthüllt auch ein kleines Geheimnis, nämlich, dass der Schauspieler Mark Keller in einer Szene zu sehen ist (aber so verkleidet, dass man ihn nicht erkennt). Der Audiokommentar ist höchst interessant, man erfährt, dass einiges beim Dreh sehr spontan ablief (und Til Schweiger zahlreiche seiner Freunde in kleinen Nebenrollen unter gebracht hat) und man merkt Jahn und Schweiger nicht an, dass sie zum ersten Mal einen Audiokommentar sprechen. Einziges kleines Manko: Schweiger nuschelt ab und an etwas. Ganz großes positives Plus: Jahn und Schweiger sagen, dass es irgendwann eine Special Edition von „Knockin’ on heavens door“ geben wird.

Der zweite Audiokommentar ist mit Thomas Jahn und den beiden Hauptdarstellern Niels Bruno Schmidt und Steffen Wink. Hier gibt es zwar einige Wiederholungen an Erklärungen, aber trotzdem auch interessantes Neues: So wurde zum Beispiel eine Szene, in der die vier Hauptcharaktere im Auto diskutieren, teilweise in München und teilweise in Hamburg gedreht. In diesem Audiokommentar wird auch der Grund erklärt warum Thierry van Werveke bei keinem Audiokommentar dabei ist. Er würde diesen immer mit Sprüchen wie „Geil“, „Rock’n’Roll“ und „Ich brauch ne Zigarette“ stören.

Der dritte Audiokommentar ist nur mit Thomas Jahn alleine. Hier wird fast nur die technische Seite beleuchtet. Für jemanden, der sich dafür interessiert oder jemanden der mal selbst einen Film machen will sicher sehr interessant, für den gemeinen Zuschauer sind die anderen beide Audiokommentare deutlich interessanter.

Aber nicht nur Audiokommentare befinden sich auf der DVD. Es befindet sich noch ein dreißigminütiger TV-Beitrag mit Moderatorin Nova Meierhenrich auf der DVD, in dem diese von der Kinopremiere und der After-Show-Party berichtet und zusätzlich noch Til Schweiger im Hotelbett interviewt. Auch hier gibt es wieder interessante Infos, zum Beispiel, dass Til Schweiger eigentlich selbst Regie führen wollte, schon alles vorbereitet hatte und dann kam das Angebot von Stallone bei dessen Film „Driven“ mitzuspielen, woraufhin Schweiger seinen Freund Thomas Jahn bat die Regie zu übernehmen.

Die DVD kann zudem mit neun Interviews aufwarten, darunter auch eins mit Burt Reynolds (übrigens weder synchronisiert noch untertitelt), einen Making Of, das man sich wahlweise mit oder ohne Zusatzkommentar von Thomas Jahn anschauen kann, und das wirklich absolut hervorragend ist. Unterteilt in mehrere Bereiche bekommt man hier sehr gute Einblicke in den Entstehungsprozess eines Films. Dagegen verlieren die meisten Making-Ofs, die nur aus Werbesprüchen bestehen, um Längen in einem direkten Vergleich.

Ein weiteres der zahlreichen Highlight der DVD sind die ganzen Deleted Scenes. Diese kann man ebenfalls wahlweise mit oder ohne Kommentar abspielen. Diesmal wird der Kommentare von Til Schweiger und Thomas Jahn gesprochen. Eine ganze Fülle an Szenen mussten aus dem Film geschnitten werden, die meisten aus verständlichen Gründen, wobei einige wirklich lustig sind. Hier ist Burt Reynolds auch noch ein paar Mal öfter zu sehen als im restlichen Film. Auch eine kleine Reminiszenz an die Eröffnungssequenz von Quentin Tarantinos Meisterwerk „Jackie Brown“ ist hier zu finden. Man hat sich schlussendlich dann doch für eine andere Eröffnungssequenz entschieden.

Abgerundet wird die DVD mit zwei Musikvideos (einmal zum Song „Auf Herz und Nieren“ von Xavier Naidoo - das man wahlweise auch mit einer Einleitung von Naidoo abspielen kann - und zum zweiten zum Lied „Road to nowhere“ der Banafishbones), dem Original Kinotrailer und einem sehr interessanten Feature namens „Folge dem Kreuz“. Wenn man dieses auswählt, kann man den Film noch einmal anschauen und an manchen Stellen taucht dann ein Kreuz auf. Wenn man dieses dann bestätigt, bekommt man zu der aktuellen Szene weitere Infos aus dem Making-Of oder eine geschnittene Szene gezeigte, die ursprünglich an dieser Stelle drin war. Die hierbei gebotenen Extras befinden sich aber auch alle in der normalen Extra-Sektion.

F A Z I T
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Wow, was soll man über diese DVD sagen. Einfach perfekt, die DVD selbst. Thomas Jahn, der wohl hauptsächlich für die DVD zuständig war, ist hier eine hervorragende Umsetzung gelungen, die es leider in solcher Qualität für „Knockin’ on heavens door“ noch nicht gibt! Der Film ist auch auf jeden Fall einen Blick wert, so dass die DVD insgesamt zu empfehlen ist.

Film: 6 von 10 Punkten!
DVD: 5 von 5 Punkten!
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Gesamt: 7 Punkte auf meiner 10er Skala!

D A T E N
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Originaltitel: Auf Herzen und Nieren
Genre: Komödie / Thriller
Deutschland 2001, FSK 16, Laufzeit: 98 Minuten

Darsteller: Steffen Wink (Rico), Niels Bruno Schmidt (Dave), Martin Glade (Sigi), Thierry van Werveke (Glotze), Udo Kier (Doc), Jochen Nickel (Fialka), Burt Reynolds (Banko), Huub Stapel (Nemeth), Xavier Naidoo (Shalaman), Axel Schulz (Hanuszka), Mavie Hörbiger (Nicole), Mark Kuhn (Kaposi), Volker Lechtenbrink (Pierrot), Samuel Fintzi (Dr. Korda), Gode Benedix (Pirok), Oscar Ortega Sánchez (Lopez)

Regie: Thomas Jahn
Produzent: Til Schweiger
Koproduzent: Michael Steiner
Drehbuch: Jürg Brändli
Kamera: Peter von Haller
Schnitt: Thomas Jahn
Musik: Fetisch & Meister
Produktionsdesign: Silke Buhr
Kostüme: Karin Lohr
Ton: Benjamin Schubert
Herstellungsleitung: Ralf Zimmermann
Produktionsleitung: Sylvia Binder

W E I T E R F Ü H R E N D E * I N F O R M A T I O N E N
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Internet Movie Database: http://german.imdb.com/title/tt0246438/

Online Filmdatenbank: http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=5724

© Björn Becher 2003, 2004

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