Brokedown Palace (DVD) Testbericht

Brokedown-palace-dvd-drama
ab 12,95
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 11/2011

5 Sterne
(2)
4 Sterne
(3)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von catmother

Für das Leben einer Freundin...

Pro:

Claire Danes Spiel, tolle Kulissen, gute Musik, viel Drama

Kontra:

klagt einseitig die Thais an, voreingenommen

Empfehlung:

Ja

Als ich vor kurzem meinen Bericht über den Film „Bangkok Hilton“ erneuerte, bekam ich den Kommentar, daß er doch stark an den Film „Brokedown Palace“ erinnern würde. Der kam nun vor etlichen Tagen als Fernsehpremiere auf RTL und ich habe ihn mir natürlich angesehen.


** Die Geschichte **
Darlene Davis (Kate Beckinsale) und Alice Morano (Claire Danes) kennen sich seit dem Kindergarten, Nun haben sie die Schule abgeschlossen und wollen noch, bevor sie sich zum Studium trennen, einen total verrückten Urlaub verleben. Hawai ist im Gespräch, aber das ist vor allem Alice zu spießig. Also schlägt sie Thailand vor, obwohl Darlenes Vater das garantiert verboten hätte Also sagen sie es ihm einfach nicht, denn schließlich sind sie ja in zehn Tagen wieder da.

Sie haben in Bangkok eine schöne Zeit und viel Spaß. Weil sie sich endlich mal in einem richtigen Pool abkühlen wollen, schleichen sie sich in ein gutes Hotel und wollen die Zeche prellen - doch ihr kleiner Trick fliegt schnell auf und sie sehen sich schon vor den Behörden. Da rettet sie der coole und smarte Nick (Daniel Lapaine) aus der peinlichen Situation.
Doch nun wird es ganz verzwickt - beide fühlen sich zu dem jungen Mann hingezogen und sind eifersüchtig aufeinander, was zu Spannungen führt.
Nick will mit den Mädchen übers Wochenende nach Hongkong. Erst auf Darlenes intensive Bitte hin willigt Alice ein mitzukommen.

Auf dem Flughafen Bangkok werden sie mit Heroin im Gepäck erwischt. Sie landen in Untersuchungshaft, wo die verstörten Mädchen getrennt werden. Während Alice clever ist und nichts unterschreiben will, was sie nicht lesen kann, ist Darlene naiver und glaubt den Beteuerungen des zuständigen Detectives, der ihnen ja nur helfen will. Leider gibt es weit und breit keinen Hinweis auf jenen Nick Crane, von dem sie vermuten, daß er ihnen die Drogen untergeschoben hat. Und die Polizei glaubt ihnen auch nicht.

Der Knast, der unter den Insassinnen Brokdown Place genannt wird, ist hart, die Strafen sind rigoros, keinem kann man trauen. Die Thais sind gegen die „Yankees“ und versuchen stets, ihnen eins auszuwischen - daran hat sich seit „Bangkok Hilton“ nichts geändert.

Darlene und Alice denken immer noch, das geht vorbei, wenn sie bis zum Prozeß durchhalten. Ihr thailändischer Pflichtanwalt läßt ihnen die Wahl zwischen Pest und Cholera: wenn sie bereuen, auf schuldig plädieren und das Gericht um Gnade bitten, bekommen sie 40 Jahre, wenn sie auf unschuldig plädieren und es nicht beweisen können, bekommen sie lebenslänglich.

Darlenes Vater, der seine Tochter auf Hawai vermutet, wird endlich benachrichtigt. Nach dem ersten Schock ist auch er noch optimistisch und denkt, er kriegt seine Tochter da schnell wieder raus. Allerdings wird er sich nicht um Alice kümmern, weil er sie schon immer für unverantwortlich und verlogen hielt, für ein Mädchen, das auf seine Tochter schlechten Einfluß hat.
Leider will die Botschaft der USA nicht ernsthaft etwas unternehmen - keine Einmischung in die Drogenpolitik lautet die Devise. Und so werden die Mädchen bei der Verhandlung zu 33 Jahren Gefängnis verurteilt.

Alice hat ein Tonband mit ihrer Geschichte aufgenommen, das in die Hände von „Yankee Hank“ Henry Green (Bill Pullman) gelangt, einem etwas heruntergekommenen Anwalt, der sich mit dem Rechtssystem in Thailand auskennt. Er nimmt jetzt gemeinsam mit seiner thailändischen Frau Yon (Jaqueline Kim) die Dinge in die Hand.
Zumindest schafft er es, eine neue Anhörung in die Wege zu leiten. Ein gutes Argument gegen die Glaubwürdigkeit der ermittelnden Behörden ist die Tatsache, daß es kaum möglich war, 6kg Heroin in dem kleinen Handrucksack zu transportieren. Doch leider wird der Kellner, der die beiden unberechtigt in dem Luxushotel erwischte, als Zeuge für ihren schlechten Charakter aufgeboten. Die Anhörung wird verloren und Anwalt Green steigt aus der Sache aus, als Alice die Thailänder offen beschimpft.

Während Darlene Briefe an den amerikanischen Präsidenten schreibt, gibt sich Alice auf. Dazu kommt die Ungewißheit der beiden Mädchen, die sich gegenseitig verdächtigen, was sie allmählich entzweit.
Doch dann ergeben sich neue Anhaltspunkte, und auch die Mädchen versuchen auf ihre Weise, aus dem Gefängnis herauszukommen. Ein verhängnisvoller Fehler.


** Darsteller **
Im Vordergrund der Geschichte stehen Claire Danes (Romeo und Julia, Betty und ihr Schwestern) und Kate Beckinsale (Viel Lärm um Nichts, Pearl Harbour). Beide sind zwar noch junge, aber bereits erfolgreiche und starke Schauspielerinnen. Und doch sind ihre Darstellungen hier unterschiedlich. Während Claire Danes die clevere, fast arrogante und rücksichtslose Alice mit viel Energie und Vehemenz spielt, bleibt Kate Beckinsale für meine Begriffe hinter ihren gestalterischen Möglichkeiten zurück. Klar ist Darlene als schwächere, naivere Persönlichkeit angelegt, aber ich fand sie insgesamt etwas zu blaß.

Bill Pullman (Independence Day, Malice - eine Intrige) ist nach meinem Gefühl nicht der überzeugendste Anwalt: zu wenig Biß, zu wenig Chuzpe. Aber vielleicht habe ich auch zu viele Gerichtsfilme gesehen, in denen clevere und winkelzugerfahrene Anwälte jeden rauspauken. Doch das funktioniert eben nur in einem gestandenen Rechtssystem.


** Filmkritik **
Meine Einschätzung des Films ist natürlich geprägt durch die Eindrücke von „Bangkok Hilton“.
Zunächst einmal, wenn ich ihn noch einmal so Revue passieren lasse, ist er eine Mischung aus allen Filmen, die sich mit diesem Thema beschäftigen - eben „Bangkok Hilton“, aber auch „Für das Leben eines Freundes“, der vor kurzem im Fernsehen kam und über den auch hier berichtet wurde.

Allerdings bin ich hier etwas gespaltener Meinung. Der Film an sich war gut, aber das Thema bietet Anlaß für eine Art innere Schizophrenie. Ich lege euch einfach mal meine Gedanken dar:
Das Thema Drogen in Asien ist nach wie vor brisant. Darüber erlauben wir Europäer oder gar die Amerikaner uns im Allgemeinen ein sehr rigoroses Urteil, zu dem wir im Grunde nicht berechtigt sind. Wir halten die Thais oder auch die Behörden in Honkong und Singapur für unmenschlich, rückständig und korrupt. Leider wird das in Filmen, die sich damit beschäftigen, ziemlich einseitig abgehandelt, nämlich aus der Sicht des „freiheitlichen Rechtsstaates“ der neuen Welt. Doch genau da liegt der Fehler. Ich finde, jeder sollte die Ethik des anderen Landes akzeptieren und sich an die Spielregeln handeln.

Das spiegelt sich auch im Film wider, nämlich wenn alle Beteiligten zunächst davon ausgehen, daß die Thais sowieso unrecht haben und sie das ganze schnell überstehen. Die Thai mit ihrem Rechtsverständnis werden immer als die Bösen hingestellt, Zitat: „Ob schuldig oder nicht, für die Thais sind sie schuldig.“ Sehr verzerrt wird hier natürlich eine Geschichte dargestellt, die uns ja auf die Palme bringen muß: die Mädchen sind unschuldig (sind sie das wirklich, denn es wird ja nie geklärt, wer das Heroin tatsächlich mitnehmen wollte?), der Polizeichef korrupt, der Staatsanwalt ein Lügner. Im Grunde genommen kommt hier alles zusammen, was uns ein Bild der Grausamkeit vermitteln und manifestieren soll. Das hat mir ein wenig Bauchschmerzen verursacht, denn ich bin schon einige Male in Thailand gewesen und hänge sehr an diesem Land.

Doch ungeachtet der eigenen Bedenken ist dies ein emotionaler, aber auch widersprüchlicher Film. Er beginnt als leichtfüßiger Freundinnen-vor-schöner-Kulisse-Film. Den beiden Darstellerinnen gelingt es schnell, das Herz des Zuschauers zu gewinnen und so fiebern wir natürlich mit ihnen mit bei ihrer Tortur durch das thailändische Recht, schauen ungläubig zu, wie sie zu 33 Jahren Haft in diesem menschenunwürdigen Gefängnis verurteilt werden, bangen bei der Anhörung und seufzen, als die verloren wird. Er reißt schon mit, dieser Film. Jedenfalls so, daß man eben das ganze Dahinter für den Augenblick vergisst.

Und doch bleiben bei einem recht unbefriedigenden Ende einige wichtige Fragen offen. So wird – für mich zumindest schien es so – nie geklärt, wer das Rauschgift schmuggeln wollte. Auch die etwas heroischen und sehr tränenreichen Schlußszenen waren mir etwas unglaubwürdig, es sei denn, es wäre der Hinweis auf die wahre Schuldige gewesen. Aber eben das liegt im Dunkeln und verleiht dem Drama ein wenig Spannung und das Gefühl, es müsse irgendwie weitergehen.

Übrigens trägt auch die peppige Musik nicht unerheblich zur Wirkung des Films bei und läßt ihn leichter erscheinen, als er es bei einigem Nachdenken ist.


** Meine Meinung **
Nicht so zwiespältig und herausfordernd wie „Für das Leben eines Freundes“ und nicht so spannend wie „Bangkok Hilton“. Das Plus des Films machen nur die wunderschönen Bilder des Landes und Bangkoks aus (wo ich einiges wiedererkannt habe) sowie die zwei ansehnlichen Darstellerinnen aus.


** Daten **
USA 1999
Genre: Drama
Regie Jonathan Kaplan
Musik: David Newman
FSK 12

22 Bewertungen