Chihiros Reise ins Zauberland (VHS) Testbericht

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ab 13,76
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Erfahrungsbericht von The_Wishmaster

Die Welt der Götter am Ende des Tunnels...

Pro:

...wundervolle Animationen, stimmungsvolle Musik, erstklassige Synchronsprecher, spannend inszenierte Story, kleine Seitenhiebe auf die Gesellschaft...

Kontra:

...für den Westeuropäer sicher etwas ungewohnt, meiner Meinung nach völlig falsche FSK-Eintsufung...

Empfehlung:

Ja

Hallo liebe Leserinnen und Leser!



Heute möchte ich kurz aus unserem Urlaub in München berichten. Denn dort hatten mein Schatzi und ich noch die Gelegenheit uns einen Film anzusehen, der bei uns in so gut wie keinem Kino gelaufen ist: Chihiros Reise ins Zauberland. Hayao Miyazaki zeigt sich für den Streifen verantwortlich und wem der Name jetzt im ersten Moment nichts sagt, der soll mal kurz an seine Kindheit zurückdenken. Heidi - allen ein Begriff, oder? Seitdem hat sich viel getan, Miyazaki hat mittlerweile den Anime-Klassiker \"Princess Mononoke\" (Mononoke Hime) auf die Welt losgelassen und nachdem \"Sen to Chihiro no kamikakushi\" (so der Titel im Original) nicht nur auf der letztjährigen Berlinale ausgezeichnet wurde, sondern dieses Jahr sogar den Oscar für den besten Animationsfilm abgeräumt hat, musste ich ihn einfach sehen...




| ° Story
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Chihiro, ein kleines 10-jähriges Mädchen, findet es gar nicht komisch, dass es mit seinen Eltern aus der Großstadt Tokio in einen Vorort ziehen soll. Sie muss alle Freunde zurücklassen und und verhält sich dementsprechend quengelig. Auf der Autofahrt in ihr neues Zuhause biegt die Familie aber an einer Abzweigung falsch ab und gerät an einen langen Tunnel. An dessen Ende vermutet Chihiros Vater ihr neues Heim und schleppt den Rest der Family mit, jedoch findet sich am anderen Ende etwas anderes: Ein Freizeitpark, der verlassen und etwas heruntergekommen scheint. Nach kurzer Erkundung des Geländes stoßen werden Chihiros Eltern von einem leckeren Duft auf allerlei köstlicher Speisen aufmerksam und machen sich, hungrig wie sie sind, darüber her. Chihiro verspürt jedoch keinen Hunger und wandert etwas umher, wobei sie auf den Jungen Haku trifft.

Er klärt sie darüber auf, dass sie sich hier in Aburaya befindet, einer Zauberwelt der Götter. Noch vor der Abenddämmerung muss sie Aburaya wieder verlassen haben, sonst wird sie dort gefangen sein. Doch die Warnung kommt zu spät und zu allem Übel werden wie von Geisterhand Chihiros Eltern in Schweine vewandelt, da sie sich in ihrer Gier an den Speisen für die Götter gelabt haben. Haku kommt Chihiro noch einmal zu Hilfe und gibt Ihr den Tipp, dass sie das große Badehaus - Dreh- und Angelpunkt für alle Götter in Aburaya - aufsuchen und dort um Arbeit bitten soll - denn nur so, als arbeitender Mensch, kann sie hier überleben. Dank ihrer Beharrlichkeit gelingt ihr es auch, die böse Hexe Yubaba (mit übergroßem Kopf und Hexennase), Herrscherin in besagtem Badehaus, einen Job abzuringen, wobei Chihiro dafür ihren Namen abgeben muss und fortan Sen heißt. Was sie in diesem Moment nicht weiß: Hat sie einmal ihren wahren Namen vergessen, ist sie für immer in Aburaya gefangen. Aber Chihiro muss einen Weg finden, um sich und ihre Eltern zu befreien...




| ° Meine Meinung
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Puh, die Story hier ansatzweise wiederzugeben ist mir nun wirklich nicht leicht gefallen, denn eigentlich passiert in dem Streifen noch soviel mehr, was es sich lohnt zu wissen. Aber als Ansatz soll das genügen und wer sich dafür interessiert, der sollte sich den Film am besten selbst anschauen. Das lohnt sich übrigens auch dann, wenn Ihr sonst nichts von Zeichentrickfilmen haltet, denn Chihiros Reise ins Zauberland ist kein typischer Kinderfilm, wie man ihn sich vielleicht vorstellen mag. Ganz im Gegenteil, vor allem Erwachsene werden an dem 125-minütigen Werk ihre Freude haben, denn Hayao Miyazaki hat hier wirklich großartiges geleistet. Die Geschichte erinnert zwar teilweise an bereits bekannte Erzählungen (\"Alice im Wunderland\" kommt mir hier spontan in den Sinn), wird aber dennoch so flüssig und spannend erzählt, dass man sich zu keiner Sekunde langweilt.

Im Gegenteil: Alleine schon durch die Verwendung unzähliger Elemente aus der japanischen Mythologie gibt es für uns Westeuropäer allerhand zu entdecken. Allen voran natürlich die mehr als skurrilen Charaktere des Streifens, die von witzig über mysteriös und seltsam bis hin zu furchteinflößend in allen Schattierungen vertreten sind - kein Wunder übrigens bei ca. 8 Millionen Göttern, die immer wieder gerne in das Badehaus kommen. Besonders hervorzuheben ist hier Ohn-Gesicht, ein gestaltloses Wesen mit einer weißen Maske. Er ködert die wenigen Menschen in Aburaya und andere Götter mit Gold, um sie letztendlich zu verspeisen. Nur so kann er dann auch über das eben verschluckte Opfer kommunizieren, ansonsten gibt er nur seltsame Laute von sich. Auch Chihiro möchte er natürlich mit seinem Gold locken, aber das Mädchen lässt sich davon nicht beeindrucken und gewinnt so den Respekt von Ohn-Gesicht.

Das ist aber wie gesagt nur ein einziges Beispiel für den enormen Fantasiereichtum in diesem Film, Ihr werdet erstaunt sein, was für Gestalten Euch alles erwarten (die Rußmännchen z.B., ein seltsamer Drache, der sechsarmige Kamajii). Hayao Miyazaki erzählt dabei nicht nur irgendeine beliebige Geschichte, sondern bringt immer wieder mal mehr, mal weniger versteckte Sozialkritik in den Streifen mit ein. Das kann die Sorglosigkeit und Gier der Eltern sein, deren maßlose Fresssucht zu Beginn mit der Verwandlung in Schweine bestraft wird, das kann aber auch Chihiros Verhalten einem scheinbar hässlichen und völlig verdreckten Badegast gegenüber sein, den sie als einzige badet und ihn so von allem Unrat befreit- im Endeffekt stellt sich dieser nämlich als Flussgeist heraus.

Dabei wird viel Wert auf die Persönlichkeiten der Charaktere und deren Enwicklung gelegt. Hierfür sei einmal kurz ein Vergleich mit einem Disney-Film herangenommen, wo in der Regel bereits eine Sekunde nach dem Erscheinen eines Charakters klar ist, ob er gut oder böse ist. Bei Chihiros Reise ins Zauberland ist das aber nicht so. Hier fällt es sehr schwer, die Charaktere einzuschätzen und sie machen auch im Laufe des Filmes alle eine Wandlung durch. So erarbeitet sich Chihiro nach und nach den Respekt von Ohn-Gesicht, muss aber auch mit ansehen, wie er später nach einer seiner Mahlzeiten ziemlich unverschämt wird. Doch kann sie ihn wieder \"zur Normalität\" bringen... Auch der Junge Haku scheint nicht ganz so unschuldig zu sein wie man es meinen könnte und birgt ein Geheimnis. Am deutlichsten wird die Charakterentwicklung natürlich bei Chihiro selbst. Ist sie anfangs noch das quengelnde kleine Kind, so ist sie bald in der fremden Welt auf sich alleine gestellt und gewinnt als Selbständigkeit. Sie lernt ihre Ziele zu verfolgen und sich für ihre Interessen einzusetzen, kurz gesagt wird sie ein ganzes Stück weit erwachsener und verantwortungsvoller.

Ein paar Worte noch zu Umsetzung: Hier muss zuerst einmal die Optik gelobt werden, denn selten sah man einen wirklich klassichen Trickfilm, der besser aussah als Chiriros Reise ins Zauberland. Natürlich darf man generell nichts gegen die leichte \"Nippon-Optik\" der Charaktere haben (sie haben zwar nicht die großen, typischen Augen, aber ich finde man merkt ihnen die Herkunft trotzdem an), aber wer hier keine Vorurteile hat, wird mit einer wahren Farbenpracht und einem Detailreichtum verwöhnt, dass es eine wahre Pracht ist. Die einzelnen Charaktere sind alle unglaublich liebevoll gezeichnet und wesentlich realistischer animiert als man es vielleicht noch von \"Heidi\" und Konsorten kennt. Man darf dabei auch nicht vergessen, dass man hier gänzlich auf computeranimierte Sequenzen verzichtet hat, was ja sonst heutzutage recht gerne gesehen ist bei Trickfilmen. Aber gerade durch diesen Verzicht auf moderne Techniken und den Einsatz von ausschließlich gezeichneten Bildern erhält man einen unglaublich atmosphärischen und in sich stimmigen Streifen, der einfach nur fabelhaft aussieht. Ich glaube man muss den Film mehrere Male aufmerksam kucken, um etliche der Details erfassen zu können, achtet alleine mal auf die hervorragende Darstellung von Pflanzen im Hintergrund, das ist schlicht und ergreifend phänomenal!

Dazu gesellen sich als Hintergrundmusik größtenteils klassische Kompositionen, die ab und an mit den traditionellen Elementen der japanischen Musik erweitert werden. So wird der Film mit einer ansprechenden musikalischen Untermalung versehen, die zu keinem Zeitpunkt als störend oder unpassend empfunden wird. Perfekt passt auch die deutschen Synchronisation, was ja fast schon als kleine Sensation zu werten ist. Aber hier konnte mit Nina Hagen als Stimme der fiesen Hexe Yubaba sowie deren Zwillingsschwester Zeniba. Auch Hagen-Tochter Cosma Shiva als Badehaus-Angestellte Lin macht ihre Sache ordentlich, kann aber ihrer Mutter in dieser Beziehung nicht das Wasser reichen. Ein großes Lob auch an alle anderen Sprecher, hier hat man sich wirklich ins Zeug gelegt, um die Atmosphäre des Filmes zu erhalten.

Dennoch gibt es auch ein wenig Kritik von meiner Seite an dem Film. Zum einen wären das teils recht schnelle Sprünge in der Erzählung, so dass man den Streifen schon besonders aufmerksam verfolgen muss und so trotzdem ab und an das Gefühl hat, etwas verpasst zu haben. Hier spiele ich vor allem auf die Szene mit Haku an, in der er verletzt sein wahres Ich zeigt und Chihiro ihn sofort erkennt. Auch ansonsten wird der westliche Zuschauer vielleicht von den Bräuchen und Gegebenheiten der Götter vielleicht ein wenig überfordert sein, viel schwerwiegender ist aber die meiner Meinung nach einfach nur katastrophale FSK-Einstufung. Gut, der Film wurde geschnitten und einiger Kampfsezenen beraubt, aber ab 0 Jahren ist er dennoch nicht geeignet wie ich finde. Dafür ist zum einen die Geschichte selbst etwas zu komplex und weist zu viele versteckte Hinweise und Andeutungen auf, als dass sie ein kleineres Kind vertehen würde. Zum anderen sind auch relativ brutale, bzw. blutige Szenen enthalten und auch manche Geister wirken recht schrecklich, so dass ich wohl ein Mindestalter von 6 bis 8 Jahren empfehlen würde. Das war\'s aber auch schon, mehr habe ich eigentlich nicht zu meckern.




| ° Fazit
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Demnach habe ich einige Zeit lang geschwankt, ob die erwähnten Kritikpunkte Chihiros Reise ins Zauberland nicht vielleicht den fünften Stern kosten könnten. Da man aber diese Art von Filmen in einer derartigen Perfektion nur mehr als selten bei uns im Kino zu sehen bekommt, habe ich mich doch für die volle Punktzahl entschieden. Die Story ist interessant und spannend erzählt, die Charaktere sind abwechslungsreich und in sich schlüssig, die Zeichnungen detailliert, die Musik stimmungsvoll und die Synchronsprecher haben einen verdammt guten Job erledigt. Nimmt man sich also zu Herzen, dass man den Film nicht gerade mit Kleinkindern anschauen sollte, so steht einem wahren Filmvergnügen meiner Meinung nach nichts im Wege.




In diesem Sinne...

Stay Dark!

The-Nipponmaster



PS: Alle Freunde des schnellen Klicks sollen ihren Namen vergessen... ;)



Shake Heads - Für den Grief!

24 Bewertungen, 1 Kommentar

  • LittleSparko

    11.01.2007, 11:45 Uhr von LittleSparko
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg, daniela