Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (VHS) Testbericht
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Erfahrungsbericht von BelgiumKing
WICHTIGER ALS FRANZ KAFKA IM SCHULUNTERRICHT...
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
CHRISTIANE F. - WIR KINDER VOM BAHNHOF ZOO
Beim Aussortieren alter Videocassetten, die den Weg in die gelbe Tonne antreten, fand ich eine alte TV-Aufnahme des düsteren und perspektivlosen Films “CHRISTIANE F. - WIR KINDER VOM BAHNHOF ZOO” und entschied, ihn mir nach langer Zeit nochmals anzuschauen.
STORY
Christiane ist ein Teen in einer trostlosen Hochhauslandschaft, wo sie mit ihrer Schwester und ihrer Mutter lebt. Hier ist nichts fröhlich, hier ist nicht kind- und jugendgerecht, und es zieht die Jugendlichen dorthin, wo sie sich Abwechslung und Unterhaltung versprechen, um der tristen Lebenssituation zu entfliehen.
Nicht ist da ansprechender als die Diskotheken Berlin, wohin Christiane von ihrer Freundin Kessi, geschleppt wird. Der Treff namens “Sound” gilt als supermoderne Diskothek und ist traurigerweise auch Dreh- und Angelpunkt für viele Drücker und Kiffer, die schon mit 14 Jahren an der Nadel hängen.
Hier lernt Christiane den bereits länger von harten Drogen abhängigen Detlev kennen. Zunächst sträubt sie sich gegen harte Drogen und hofft, auf Detlev positiven Einfluß nehmen zu können. Selbst ist sie bereits auf der Talfahrt in den Junkie-Dschungel, auch wenn sie die Wirkungen weicher Drogen unterschätzt.
Idole und Visionen gibt es kaum im Umfeld von Christiane. Wer indes größte Faszination ausübt, ist der Sänger David Bowie, zu dessen Konzert sie geht, nachdem ihre nichtsahnende Mutter ihr Konzertkarten besorgt hat. Das ganze Umfeld, beginnend bei Detlev und endend bei dem Kumpel namens “Leiche”, lebt in dieser Welt aus Sound, Drogen und Abhängigkeit, und eines Tages ist Christiane so tief gesunken wie Detlev, mit dem sie zusammen ist und den sie liebt. Die Zeit außerhalb der Flashs durch Heroin ist aber durch Prostitution geprägt. Christiane geht eines Tages ebenso anschaffen wie Detlev es tut, um sich das Heroin leisten zu können.
Es zieht Christiane immer tiefer in den Abgrund, Freunde aus ihrem Umfeld sterben und nach einer langen und qualvollen Zeit wird sie in einer Ausweglosigkeit entscheiden müssen, ob sie sterben will oder die Kraft zum Entzug hat...
Filmdaten
Titel: Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo
Land: Deutschland
Jahr: 1981
Drehbuch : Herman Weigel
Kamera : Justus Pankau
Produzenten: Bernd Eichinger,Hans Weth
Regie: Ulrich Edel
Darsteller: Natja Brunkhorst (Christiane), Thomas Haustein (Detlef), Jens Kupahl (Axel), Reiner Wölk (Leiche), Jan Georg Effler (Bernd), Christiane Reichelt (Babsi), Daniela Jaeger (Kessi), Kerstin Richter (Stella)
Laufzeit: 135 min
Version: TV-Ausstrahlung im Bildformat 4:3
Über diesen Film
Ich erinnere mich noch gut daran, wie gebannt ich mit einem Freund diesen Film zunächst Anfang der 80er Jahre im Kino sah. Gebannt im Sinne von erschüttert...
Für deutsche Verhältnisse war dieser Film ein Kassenknüller und bereits durch das gleichnamige Buch so interessant geworden, dass die Geschichte mehrere Millionen Deutsche in die Kinos lockte.
Auch der Roman war bereits im „Stern“ veröffentlicht wurden und später als Buch erschienen. Wie durch Zufall entdeckte ich auf einem Flohmarkt im belgischen Eupen kürzlich sogar eine französische Übersetzung und natürlich ist der Film auch auf DVD und VHS erhältlich.
Meine TV-Aufnahme ist qualitativ so schlecht, dass ich sie ebenfalls in die gelbe Tonne entsorgen, aber für 7,99 Euro auf DVD bestellen werde.
Die Geschichte als solches ist eher ein Grund, große Krokodiltränen zu weinen, denn noch intensiver als es das Buch herüberbrachte, ist die filmische Inszenierung so prägend und bedrückend, dass sich die Kehle einfach zuschnürt.
Natja Brunkhorst in der Darstellerin der Christiane F. kann schauspielerisch enorm überzeugen, während die übrigens Darsteller zwar gut, aber keinesfalls so einprägsam sind. Die Kamera und die Musik scheint mir folglich noch wichtiger: die Bilder sind so dramaturgisch und destruktiv eingefangen, dass sich ein Zuschauer fragen wird, „was“ die Jugendlichen um Christiane an dieser Drogenszene so fasziniert hat. Hier geht es ja nicht um einen kleinen Joint oder um einen ersten Vollrausch mit unterschätzten Alkopops, sondern es geht um noch nicht entwickelte Körper von 14 bis 16-jährigen, die bereits mehr erleben mussten als mancher brave Bürger.
Die Musik indes, die sich um David Bowie dreht, steht - das ist wichtig - in keinem Kontext zum Drogenkonsum. Da gibt es keine Verbindungen. Teil der Story ist einfach, dass Christiane den Briten David Bowie einfach cool findet. Und trotz solche Leitfiguren und Faszinationen kann sie sich nicht dem lawinenartigen Niedergang durch das Fixen entziehen.
Mich hat seit Anfang der 80er Jahre immer ein Gefühl geprägt, dass “Kein Wunder” hieß... Kein Wunder, dass Menschen in solchen Wohnsilos, wie der gezeigten trostlosen Hochhauslandschaft nach reellen und nicht reellen Träumen nachjagen. Und einigen gelingt es nicht, Träume ohne Drogen auszuleben, weil ihnen keine Türen geöffnet wurden, etwas anderes als Perspektivlosigkeit zu (er)leben.
Dieser Film läuft mehr als 2 Stunden... Er wird nicht kurzweilig und der Regisseur hat sich alle Mühe gegeben, die Botschaften aus dem Roman herüberzubringen, die auf Tonaufnahmen der echten Christiane F. sich berufen.
Den Film halte ich für Schulunterricht wenig geeignet, sehe ihn aber als eine wichtige Dokumentation ab. Den Roman zu dem Buch aber würde ich jedem Lehrer aus Deutsch-Unterricht und Sozialwissenschaft wärmstens empfehlen, um die Folgen und den fatalen Lebenslauf beim Umgang mit harten Drogen zu diskutieren und zu analysieren. Leider versteift sich die deutsche Lehrerschaft bis dato, durch endogen-depressive Schreiberlinge wie Franz Kafka und Thomas Mann in Theorien zu schwelgen, während ein Roman (und die Verfilmung) von “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo” reell und zeitgenössisch ist und viel eher Schulstoff sein sollte.
Die Verfilmung wäre aus meiner Sicht für einen Oscar verdächtig gewesen. Anderseits würde solch eine kommerzielle Auszeichnung im Glimmer und Glammer von Hollywood das Niveau dieses anspruchvollen Films unterwandern, denn diese “Shwotime” ist nicht der richtige Ort, um solch einen hochwertigen Film zu prämieren.
JL
Beim Aussortieren alter Videocassetten, die den Weg in die gelbe Tonne antreten, fand ich eine alte TV-Aufnahme des düsteren und perspektivlosen Films “CHRISTIANE F. - WIR KINDER VOM BAHNHOF ZOO” und entschied, ihn mir nach langer Zeit nochmals anzuschauen.
STORY
Christiane ist ein Teen in einer trostlosen Hochhauslandschaft, wo sie mit ihrer Schwester und ihrer Mutter lebt. Hier ist nichts fröhlich, hier ist nicht kind- und jugendgerecht, und es zieht die Jugendlichen dorthin, wo sie sich Abwechslung und Unterhaltung versprechen, um der tristen Lebenssituation zu entfliehen.
Nicht ist da ansprechender als die Diskotheken Berlin, wohin Christiane von ihrer Freundin Kessi, geschleppt wird. Der Treff namens “Sound” gilt als supermoderne Diskothek und ist traurigerweise auch Dreh- und Angelpunkt für viele Drücker und Kiffer, die schon mit 14 Jahren an der Nadel hängen.
Hier lernt Christiane den bereits länger von harten Drogen abhängigen Detlev kennen. Zunächst sträubt sie sich gegen harte Drogen und hofft, auf Detlev positiven Einfluß nehmen zu können. Selbst ist sie bereits auf der Talfahrt in den Junkie-Dschungel, auch wenn sie die Wirkungen weicher Drogen unterschätzt.
Idole und Visionen gibt es kaum im Umfeld von Christiane. Wer indes größte Faszination ausübt, ist der Sänger David Bowie, zu dessen Konzert sie geht, nachdem ihre nichtsahnende Mutter ihr Konzertkarten besorgt hat. Das ganze Umfeld, beginnend bei Detlev und endend bei dem Kumpel namens “Leiche”, lebt in dieser Welt aus Sound, Drogen und Abhängigkeit, und eines Tages ist Christiane so tief gesunken wie Detlev, mit dem sie zusammen ist und den sie liebt. Die Zeit außerhalb der Flashs durch Heroin ist aber durch Prostitution geprägt. Christiane geht eines Tages ebenso anschaffen wie Detlev es tut, um sich das Heroin leisten zu können.
Es zieht Christiane immer tiefer in den Abgrund, Freunde aus ihrem Umfeld sterben und nach einer langen und qualvollen Zeit wird sie in einer Ausweglosigkeit entscheiden müssen, ob sie sterben will oder die Kraft zum Entzug hat...
Filmdaten
Titel: Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo
Land: Deutschland
Jahr: 1981
Drehbuch : Herman Weigel
Kamera : Justus Pankau
Produzenten: Bernd Eichinger,Hans Weth
Regie: Ulrich Edel
Darsteller: Natja Brunkhorst (Christiane), Thomas Haustein (Detlef), Jens Kupahl (Axel), Reiner Wölk (Leiche), Jan Georg Effler (Bernd), Christiane Reichelt (Babsi), Daniela Jaeger (Kessi), Kerstin Richter (Stella)
Laufzeit: 135 min
Version: TV-Ausstrahlung im Bildformat 4:3
Über diesen Film
Ich erinnere mich noch gut daran, wie gebannt ich mit einem Freund diesen Film zunächst Anfang der 80er Jahre im Kino sah. Gebannt im Sinne von erschüttert...
Für deutsche Verhältnisse war dieser Film ein Kassenknüller und bereits durch das gleichnamige Buch so interessant geworden, dass die Geschichte mehrere Millionen Deutsche in die Kinos lockte.
Auch der Roman war bereits im „Stern“ veröffentlicht wurden und später als Buch erschienen. Wie durch Zufall entdeckte ich auf einem Flohmarkt im belgischen Eupen kürzlich sogar eine französische Übersetzung und natürlich ist der Film auch auf DVD und VHS erhältlich.
Meine TV-Aufnahme ist qualitativ so schlecht, dass ich sie ebenfalls in die gelbe Tonne entsorgen, aber für 7,99 Euro auf DVD bestellen werde.
Die Geschichte als solches ist eher ein Grund, große Krokodiltränen zu weinen, denn noch intensiver als es das Buch herüberbrachte, ist die filmische Inszenierung so prägend und bedrückend, dass sich die Kehle einfach zuschnürt.
Natja Brunkhorst in der Darstellerin der Christiane F. kann schauspielerisch enorm überzeugen, während die übrigens Darsteller zwar gut, aber keinesfalls so einprägsam sind. Die Kamera und die Musik scheint mir folglich noch wichtiger: die Bilder sind so dramaturgisch und destruktiv eingefangen, dass sich ein Zuschauer fragen wird, „was“ die Jugendlichen um Christiane an dieser Drogenszene so fasziniert hat. Hier geht es ja nicht um einen kleinen Joint oder um einen ersten Vollrausch mit unterschätzten Alkopops, sondern es geht um noch nicht entwickelte Körper von 14 bis 16-jährigen, die bereits mehr erleben mussten als mancher brave Bürger.
Die Musik indes, die sich um David Bowie dreht, steht - das ist wichtig - in keinem Kontext zum Drogenkonsum. Da gibt es keine Verbindungen. Teil der Story ist einfach, dass Christiane den Briten David Bowie einfach cool findet. Und trotz solche Leitfiguren und Faszinationen kann sie sich nicht dem lawinenartigen Niedergang durch das Fixen entziehen.
Mich hat seit Anfang der 80er Jahre immer ein Gefühl geprägt, dass “Kein Wunder” hieß... Kein Wunder, dass Menschen in solchen Wohnsilos, wie der gezeigten trostlosen Hochhauslandschaft nach reellen und nicht reellen Träumen nachjagen. Und einigen gelingt es nicht, Träume ohne Drogen auszuleben, weil ihnen keine Türen geöffnet wurden, etwas anderes als Perspektivlosigkeit zu (er)leben.
Dieser Film läuft mehr als 2 Stunden... Er wird nicht kurzweilig und der Regisseur hat sich alle Mühe gegeben, die Botschaften aus dem Roman herüberzubringen, die auf Tonaufnahmen der echten Christiane F. sich berufen.
Den Film halte ich für Schulunterricht wenig geeignet, sehe ihn aber als eine wichtige Dokumentation ab. Den Roman zu dem Buch aber würde ich jedem Lehrer aus Deutsch-Unterricht und Sozialwissenschaft wärmstens empfehlen, um die Folgen und den fatalen Lebenslauf beim Umgang mit harten Drogen zu diskutieren und zu analysieren. Leider versteift sich die deutsche Lehrerschaft bis dato, durch endogen-depressive Schreiberlinge wie Franz Kafka und Thomas Mann in Theorien zu schwelgen, während ein Roman (und die Verfilmung) von “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo” reell und zeitgenössisch ist und viel eher Schulstoff sein sollte.
Die Verfilmung wäre aus meiner Sicht für einen Oscar verdächtig gewesen. Anderseits würde solch eine kommerzielle Auszeichnung im Glimmer und Glammer von Hollywood das Niveau dieses anspruchvollen Films unterwandern, denn diese “Shwotime” ist nicht der richtige Ort, um solch einen hochwertigen Film zu prämieren.
JL
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