Das Leben ist schön (VHS) Testbericht

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ab 7,56
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Erfahrungsbericht von MelAKAKatja

DAS LEBEN IST SCHÖN ?!

Pro:

beindruckende Aufnahme der Thematik, Schauspieler, Gratwanderung zwischen Horror und Komik

Kontra:

DVD-Bonusmaterial nicht sehr ausgereift

Empfehlung:

Ja

\"[..]to think about a comedian in an examination camp is paradox [..]\"
Roberto Benigni in einem Interview

zu dt.: An einen Komödianten in einem Konzentrationslager zu denken,
ist paradox.




---Einleitung---
In \"Das Leben ist schön\" wagt sich der Regisseur und zugleich Hauptdarsteller Roberto Benigni an eine schier unglaubliche Geschichte heran. Als Komödiant möchte er von einer zum Teil jüdischenFamilie berichten, deren trautes Glück durch die Deportation in ein KZ zerstört scheint.
Wie kann ein Film mit derartig grausamen Hintergrund nun diesen idyllischen Namen tragen? Und vor Allem: Sollte dieses Thema für Komödianten nicht Tabu sein?
Im Folgenden möchte ich über einen der bewegendsten Filme schreiben, die ich je gesehen habe.

---Handlung---
Wer bei diesem Titel einen lustige, leicht zu verdauende Schnulze erwartet, hat weit gefehlt. Wenngleich diese Beschreibung auf den ersten Teil der Handlung zutreffen kann.
Alles beginnt im vom Faschismus heimgesuchten Italien in den späten Dreißigern. Wir lernen den Protagonisten Guido (Roberto Benigni) als stets amüsierten, lebensfrohen jungen Mann kennen, der sich Hals über Kopf in die Lehrerin Doro (Nicoletta Brasch) verliebt. Er versteht es, stets scheinbar zufällig auf sie zu treffen, um ihr so ihre Zusammengehörigkeit als vom Schicksal gefügt, darzustellen.
Darauf folgt ein Zeitsprung und wir finden uns einige Jahre später, an Ort und Stelle zurück. Guido ist es gelungen, seine Angebete zu erobern und die beiden haben mittlerweile ihren Sohn Giosue (Giorgio Cantarini) bekommen. Und hier beginnt die idyllische Komödie eine Kehrtwende zu machen:
der Kriegsgewinn scheint für Italien aussichtlos. Sie beginnen, die Juden in deutsche KZs zu verschicken. Auch Guido und sein Sohn sind unter den zu deportierenden dabei, und das an Giosues Geburtstag.
Aber hier setzt Benignis Genialität ein: er beginnt, seinem Sohn zu erklären, dass dies alles ein Spiel sei, dass er extra für ihn organisiert habe. Es handele sich um einen Wettbewerb, in dem man durch verschiedene Spiele Punkte sammeln müsse. Wer als erstes die 1000 Punkte erreicht, dem winkt der Hauptgewinn: ein Panzer. Durch diese Geschichte wird in Giosue der Siegeswille geweckt, er hält sich an die Spielregeln: stets verstecken und schweigen, und ja nicht nach Essen fragen. Es gelingt Guido stets, diese Geschichte für seinen Sohn glaubhaft zu halten, doch auf ihn und seine Frau, die den beiden aus Liebe in das KZ gefolgt war, wartet im Gegenzug das harte Leben im KZ.

---Gedanken zum Film---
Es ist schwer, die Handlung in einem gemäßigten Rahmen zu Papier zu bringen, denn viele Einfälle von Benigni besitzen ein derartiges Maß an Genialität, das schwer in Worte zu fassen ist. Fragen die kurz offen bleiben, werden im Gegenzug mit einer guten Portion Witz beantwortet, Kreise schließen sich, Personen die anfangs unwichtig erscheinen, kehren in tragenden Rollen zurück.
Wie bei dieser Thematik von Anfang klar sein sollte, muss es sich um einen tragischen Film handeln.
Wie also kann dieser von einen Komödianten in Szene gesetzt worden sein? Es ist genial einfach.
Der erste Teil, der wie beschrieben die Leichtigkeit des Lebens darstellt, ist ein Pottpouri an liebenswerten Charme, Witz und einer geballten Ladung Slapstick-Comedy, das die Lachmuskeln stark beansprucht und den Zuschauer somit die Idylle spüren lässt.
Doch durch anfangs kleine, später immer deutlichere Hinweise wird dem aufmerksamen Zuschauer klar, dass die tragische Wende naht - die Familie landet im KZ. Jeder von uns, da bin ich mir sicher und das ist ja auch absolut richtig, erwartet nun den Charakterwandel Guidos. Man wartet gewissermaßen darauf, dass er mit dem Leben abschließt, im Angesicht des Todes seinen Witz vergisst.
Doch dem ist eben nicht so. Die Liebe zu seinem Sohn und seiner Frau erhält ihm seinen Humor, seine amüsant arrangierten Gegenheiten, seine phantasievollen Einfälle, seinen Glauben an übernatürliche Hilfe. Selbst im KZ verzichtet Benigni nicht auf Slapstick-Comedy - im entsprechenden Rahmen natürlich.
Für viele wird das jetzt geschmacklos klingen. Slapstick im KZ - wo andere ihr Leben lassen mussten. Aber das ist es eben nicht nur. Benigni verzichtet keineswegs auf die Wahrheit.
Als Beispiel sei hier vielleicht ein kleines Detail angebracht:
Wir lernen bereits im ersten Teil, dass der kleine Giosue alles tut, um sich vor dem Duschen/Baden zu drücken. Im KZ bedeutet das \"Duschen der alten Leute und Kinder\" den Genozit - die Gaskammer. Sie werden bis zum Schluss im Glauben gelassen, dass sie nur zum Duschen gebracht werden.
Als der kleine Junge eines Tages im KZ zu seinem Vater läuft und ihm erzählt, dass er sich verstecken will, weil er zum Duschen soll, ist dieser zu Beginn böse auf ihn. Dass dem Jungen diese Angewohnheit letztendlich das Leben gerettet hat, ist ihm zu diesem Zeitpunkt nicht klar.
Wenngleich diese Passage möglicherweise zum Schmunzeln anregt, so wird hier die grausame Wahrheit keineswegs vergessen, man ist sich der schrecklichen Lage der Insassen jeder Minute bewusst, was in meinen Augen die Genialität Benignis passend widerspiegelt.

---Die Diskussion---
Ich habe bereits einige Male kurz die Problematik der Thematik erklärt.
Dürfen wir wirklich über einen KZ-Film lachen?
Diese Frage ist nicht mit einem einfachen Wort beantwortbar, sondern viel stärker differenziert zu betrachten. Natürlich bin ich strikt dagegen, diesen grausamen Teil der Geschichte als Komödie zu verfilmen - absolut geschmacklos und nicht in Ansätzen erfolgversprechend.
Doch \"Das Leben ist schön\" schafft die schmale Gratwanderung. Er weiß die Zusachauer zu fesseln, ihnen zu Beginn das große Lachen zu entlocken, welches ihnen im Verlauf im Halse stecken bleibt.
Kein Mensch, mit durchschnittlichem Verstand, wird aus dem Film gehen und sich mit seinem Sitznachbar über die besten Gags amüsieren. Viel mehr wird er nachdenklich sein, vielleicht hat er auch geweint - er wird zumindest berührt sein. Diese Tragik, die Grausamkeit der Zeit, die Liebe des Vaters und seine Lebenseinstellung - die wird er so schnell nicht vergessen.
Und aus diesem Grunde verstehe ich die Kritiker nicht. Wer den Film komplett gesehen hat, dürfte meiner Meinung nach die Nachricht verstanden haben.
Ich habe mir beispielsweise auch den Trailer angesehen, der seltsamerweise nur die Gags herausfiltert und somit meines Erachtens stark am Sinn vorbeigeht und damit tatsächlich Grund zur Klage gibt.
Doch der Film als Ganzes ist an Tiefsinnigkeit, gekoppelt mit dem liebenswerten Charme, nur schwer zu überbieten.

---Crew und Preise---
Roberto Benigni als Regisseur und Hauptdarsteller
Wie bereits mehrfach erwähnt: Eine Glanzleistung. Bereits der Mut, dieses Werk zu produzieren, gehört belohnt. Die Umsetzung der Geschichte und die Darstellung des Guido gelingen ihm auf höchstem Niveau - wofür er 1998 gleich 2 Oscars erhielt. Einen für den besten Nicht-englischsprachigen Film und den zweiten für seine Leistung als Schauspieler.
Auch Nicoletta Braschi (reale Lebensgefährtin Benignis) gelingt die Darstellung einer starken Frau, der man ihre Lage stets ansieht und auch abnimmt.
Besonders hervorzuheben ist wohl noch der kleine Giorgio Cantarini, der seine Rolle im KZ atemberaubend real darstellte.
Auch ein deutscher Schauspieler befand sich in der Crew: Horst Bochholz miemte den erschütternt gleichgültigen KZ-Arzt.

---Das Bonusmaterial---
Hinter den Kulissen: Für Filmfans ganz interssant. Einblicke in Proben, Blicke auf den Monitor, das Übliche eben. Wobei anzumerken ist, dass das komplette Bonusmaterial in Originalsprache (italienisch, zum Teil englisch) ist und auch keine Untertitel einblendbar sind.
Zusätzlich gibt es noch sehr interessante, aber eben schwer verständliche, Interviews, Produktionsnotizen, die üblichen Darstellerinfos und Trailer zu diversen Filmen.
Ein herausragendes Feature ist aber dennoch enthalten. \"Zuschauerreaktionen\" zeigt kurze Interviews mit Zuschauern, die gerade aus einer Vorstellung kommen - einige den Tränen nahe. Diese Feature wurde leider nicht weit genug ausgereizt, weitere Stimmen wären interessant gewesen.
Insgesamt wirkt das Bonusmaterial auf mich etwas lieblos, hier hätte ich mir eventuell eine Sammlung kritischer Stimmen zur Thematik gewünscht.

---Fazit---
Ich denke ich habe den Film genug durchleuchtet, um mir eine Meinung bilden zu können.
Selbstverständlich verstehe ich die Aufschreie der Kritiker, auch ich wusste zu Beginn nicht, ob dieses Unterfangen möglich sein kann. Aber es kann, da bin ich mir sicher. Selten hat mich ein Film so stark berührt, dass ich beim Abspann, mit Tränen in den Augen, bewegungslos das Gesehene auf mich wirken lies.
Ich kann mir wirklich nur schwer vorstellen, dass dieser Film bei Menschen als die Vergangenheit ins Lächerliche gezogene im Gedächtnis bleibt.
Ich denke, dass so ein Film mindestens genauso die Möglichkeit bietet, die Schrecken der Zeit zu verstehen, wie jeder andere. Gerade jungen Leuten dürfte es so auch begreiflicher werden, als sich stupide Dokumentationen und Augenzeugenberichte anzusehen. Was keinesfalls falsch zu verstehen ist, meine Achtung gilt den Opfern des Holocaust, aber durch eine unbeschreibbar sensible Art und Weise, schafft es dieser Film, auf dem Gefühlswege die Gemüter zu berühren.
Alle Daumen hoch!


Daten:
Bildformat: 1,85:1 (16:9 codiert)
Sprachen: Deutsch und Italienisch (Dolby Digital 5.1)
Untertiel: Deutsch (bei der italienischen Fassung nicht ausblendbar)
FSK: 6 Jahre
Regionalcode: 2
Regie: Roberto Benigni
Laufzeit: 121 min.

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