Das Leben ist schön (VHS) Testbericht

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Erfahrungsbericht von wildheart

Das, was schön ist, ist wahr

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Die Kritik ist mit Benignis Film »La Vita e Bella« teilweise merkwürdig umgegangen. Da ist die Rede von einem Streifen, der zwischen Horror und Komik ein Märchen erzähle; es wird gefragt, ob man beim Thema Judenvernichtung lachen dürfe. Das alles sei trotz der Leistungen des Films eine zweischneidige Angelegenheit usw. Doch was macht Regisseur und Hauptdarsteller Benigni in diesem Film wirklich? Er erzählt eine tragische Geschichte, die Geschichte eines Vaters, der alles daran setzt, seinen Sohn vor der Ermordung zu retten.

Inhalt
Guido Orefice (Roberto Benigni) und sein Freund Ferruccio Papini (Sergio Bustric) genießen das Leben. Während Ferruccio eher der ernsthaftere der beiden ist, nimmt Guido alles mit Humor. Er lebt sein Leben in Humor, mit Phantasie, mit erfundenen Geschichten. Beide geraten in einen Ort, in dem Guido als allererstes die Lehrerin Dora (Nicoletta Braschi) im wahrsten Sinn des Wortes vor die Füße fällt. Für Guido ist sie sofort die Frau seines Lebens, er nennt sie von Anbeginn an Prinzessin und trifft sie – mal zufällig, mal geplant – immer wieder. Guido will eine Buchhandlung aufmachen, doch das wird ihm vom Leiter der örtlichen Verwaltung verwehrt, erst recht als dem durch Guidos Unvorsichtigkeit ein Blumentopf auf den Kopf fällt. Außerdem ist er es, der mit Dora seine Verlobung plant. Vorerst muss sich Guido damit begnügen, im Restaurant seines Onkels (Guistino Durano) als Kellner zu arbeiten, während Ferruccio Kontakt zu Frau Guicciardini (Lydia Alfonsi), einer Verlegerin, knüpft, der er seine Gedichte schmackhaft machen will.

Als die Verlobungsfeier Doras bevorsteht, sucht Guido einen Weg, das zu verhindern. Als sich beide unter dem Tisch treffen, fordert sie Guido auf, sie von dort wegzubringen; denn sie liebt ihn. Sie heiraten und ein paar Jahre später läuft der kleine Giosué (Giorgio Cantarini) durch den Ort.

Als die Deutschen in Italien einrücken, werden nach und nach alle Juden verhaftet, in Arbeitslager und dann in die Vernichtungslager transportiert. Auch Guido, Giosué und Guidos Onkel werden in ein Lager gepfercht, in das auch ein Vernichtungslager integriert ist. Dora, Nichtjüdin, besteigt den Zug, in dem alle Juden transportiert werden, freiwillig; sie will ihren Mann und ihren Sohn nicht allein lassen.

Für Guido zählt ab diesem Zeitpunkt nur eines: Wie kann er seinen Sohn und seine Frau vor der Ermordung retten. Für Dora kann er nicht viel tun, da Männer und Frauen strikt voneinander getrennt sind. Und sein Sohn? Guido muss alle Phantasie, seinen Humor, seine ganze Kraft darauf konzentrieren, Giosué eine Geschichte zu erzählen, warum es in dem Zug keine Sitzbänke gibt, dass sie eine große Reise machen, dass sie an einem Wettbewerb teilnehmen, den sie unbedingt gewinnen müssen, dazu aber 1.000 Punkte sammeln müssten, um zum Schluss einen richtigen großen Panzer als Hauptpreis zu gewinnen. Guido geht eine schmale Gratwanderung zwischen der brutalen Realität und dem Märchen, das er seinem Sohn als Realität verkaufen muss, um ihn zu schützen, ihm die Angst zu nehmen und ihn zu retten ...

Inszenierung
Es fällt mir schwer, über diesen Streifen zu schreiben. Benignis Film ist keine historische, detailgetreue Auseinandersetzung mit dem Thema Auschwitz. In »La Vita e Bella« erzählt er die verzweifelte Geschichte eines Mannes, der sein Kind mit allen ihm noch zur Verfügung stehenden Mitteln retten will, wohlwissend, dass auch für ihn selbst die Chance, das Lager lebend zu verlassen, verschwindend gering ist. Er muss also unter ganz anderen Bedingungen als vor der Deportation gegenüber seinem Kind so tun, als ob sich im wesentlichen nichts geändert habe. Sein Humor, seine Schlagfertigkeit und sein Reaktionsvermögen, die ihm bisher das Leben versüßt haben und mit denen er die Sympathie und die Liebe Doras gewonnen hat, mit der er in einem bunten Blumenladen beider Sohn gezeugt hatte, verkehren sich in eine Funktion, in ein Instrument, das er mit allem Geschick, mit äußerster Vorsicht und in permanenter Lebensgefahr einsetzen muss, um sein letztes Lebensziel zu erreichen. Sein Sohn soll den Tod besiegen, ohne etwas von der Gefahr des Todes zu spüren.

Mit einer grenzenlosen Sympathie für seine Rolle und einem ebenso tiefem Verständnis für die unvorstellbare Situation meistert Benigni eine Geschichte, in der in jedem Moment die Todesgefahr für die Familie und die anderen Insassen des Konzentrationslagers präsent ist.

Dabei geht es nicht um eine Gratwanderung zwischen Horror und Humor, sondern um die Tragik eines Menschen, der sein eigenes Leben und das seiner Familie nur mit dem meistern kann, was er hat, was er ist und was er kann. Die Gespräche zwischen Guido und Giosué im Lager verschafften mir ein Gefühl, das zwischen ernüchternder Fassungslosigkeit, Verzweiflung zum einen und Hoffnung, eher: dem Wunsch nach Hoffnung andererseits hin und her schwankte. Eine solche Geschichte zu erzählen, konnte nur durch die enormen schauspielerischen Leistungen von Roberto Benigni, Nicoletta Braschi und auch des kleinen Giorgio Cantarini gelingen.

Fazit
»La Vita e Bella« ist eine Geschichte aus der Zeit der unvorstellbaren Arbeit der Vernichtungsmaschinerie, keine »historische Aufarbeitung«, kein Film zwischen Humor und Horror, sondern die Geschichte von drei Personen, die um ihr Leben kämpfen, so gut sie es können. Benigni ist Komiker, doch in diesem Film setzt er die Komik für etwas ein. Er zeigt, welche Bedeutung das Komödiantische für ein schönes Leben hat: für ein schönes Leben auch in existentiellen Situationen, die wir alle nicht wirklich nachvollziehen können, weil wir sie – zum Glück – nicht erlebt oder miterlebt haben. »La Vita e Bella« ist – wie jeder Film, jedes Buch, jede Äußerung über den Holocaust – »nur« eine Annäherung an das Grauen, das Entsetzliche, was Menschen Menschen antun können. Und ein Film über das Leben, das Lebendige, das all dieses Grauen in Gestalt von Giosué und Dora überlebt hat. Zum Schluss fährt Giosué auf einem Panzer der amerikanischen Befreiungstruppen aus dem leeren KZ und schließt seine Mutter in die Arme. Sein Papa hatte recht: Wenn wir uns anstrengen, hatte er zu ihm gesagt, gewinnen wir den Hauptpreis – das Leben.

Das Leben ist schön
(La Vita e Bella)
Italien 1998, 124 Minuten
Regie: Roberto Benigni
Hauptdarsteller: Roberto Benigni (Guido Orefice), Nicoletta Braschi (Dora), Giorgio Cantarini (Giosué Orefice), Guistino Durano (Guidos Onkel), Sergio Bustric (Ferruccio Papini), Marisa Paredes (Doras Mutter), Horst Buchholz (Dr. Lessing), Lydia Alfonsi (Guicciardini), Giuliana Lojodice (Gemeinde-Sekretärin), Amerigo Fontani (Rodolfo), Pietro de Silva (Bartolomeo), Francesco Guzzo (Vittorino) Raffaella Lebboroni (Elena)


© Ulrich Behrens 2002
(dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in www.ciao.com unter dem Mitgliedsnamen Posdole)

29 Bewertungen, 2 Kommentare

  • XXLALF

    01.11.2011, 10:51 Uhr von XXLALF
    Bewertung: besonders wertvoll

    ich kann mir gut vorstellen, dass es dir schwer gefallen ist, über diesen tragikbeladenen film zu schreiben, zumal sich jeder als irgendeine person in diesem film wiedersieht. 1a bericht, bw und ganz liebe grüße

  • Sayenna

    15.12.2006, 12:33 Uhr von Sayenna
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & Kuss :-)