Das Wunder von Bern (VHS) Testbericht

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Erfahrungsbericht von colada1985

FRAUEN sind der natürliche FEIND des FUßBALLS!

Pro:

die hervorragende Leistung aller Schauspieler, vor allem aber Peter Lohmeyer, Louis Klammroth, Sascha Göpel, Mischung, \"Story\", Inszenierung, Gänsehautfeeling, Umsetzung, und und und

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Liebe Leserinnen und Leser,

heute möchte ich euch über den Film berichten, den ich gestern Abend im Kino gesehen habe.

+++ Vorgeschichte +++

Vor einigen Monden kam mir zu Ohren, dass im Oktober diesen Jahres ein Film anlaufen würde, in dem es um zum großen Teil um Fußball und die WM ’54 gehen würde. Allein diese Information machte mich schon neugierig, da ich seit beinah sechs Jahren Fußballfan bin. Nun am 16.Oktober war es nun endlich soweit und obwohl ich nur eine nicht besonders aussagekräftige Vorschau gesehen hatte, begab ich mich gestern mit meiner besten Freundin in diesen Film.

+++ Schauspieler +++

Louis Klammroth, Sascha Göpel, Peter Lohmeyer, Katharina Wackernagel, Johanna Gastdorf, Peter Franke, Mirko Lang, Knut Harwig, ...

+++ die verschiedenen Hauptcharaktere +++

Matthias Lubanski: [alias Louis Klammroth; er spielte bereits in dem Film „Der Mistkerl“ (2001) mit] der 11jährige Junge kennt zwar seinen Vater nicht, da dieser in russischer Kriegsgefangenschaft ist, aber dennoch ist sein Leben ziemlich schön. In der insgesamt vierköpfigen Familie herrscht eine liebevolle Atmosphäre und Matthias hat einen Freund, den sich wohl so mancher Junge wünscht, Fußballspieler Helmut Rahn. Dem kleinen Kerl fehlt es also theoretisch gesehen an nichts. Doch dann überhäufen sich die Ereignisse: Deutschland fährt zur WM und Vater Richard taucht wieder auf!

Helmut Rahn: [alias Sascha Göpel] der junge Spieler von Rot-Weiß Essen hat Talent, soviel steht fest. Manchmal ist er ein bisschen hitzköpfig, aber diese Eigenschaft kann durchaus gut sein. Er hat viel Power und möchte allen zeigen, dass er es drauf hat. Als er es schafft in den Kader für die WM ’54 zu kommen, sieht er seine Chance – und landet anfangs nur auf der Bank...

Richard Lubanski: [aka Peter Lohmeyer] nach 11 Jahren Kriegsgefangenschaft kehrt er zu seiner Familie zurück. Nicht nur, dass ihn diese Zeit geprägt hat, auch in seiner Familie und überhaupt insgesamt betrachtet, hat sich vieles verändert und weiterentwickelt. Das bis dahin „normale Leben“ seiner Liebsten bringt er total durcheinander und sorgt (ungewollt) für ein schlechtes Klima. Er denkt nur an sich, macht alles und jeden schlecht und bemitleidet sich selbst.

+++ Inhalt +++

Wir befinden uns im Jahre 1954: Familie Lubanski ist nur noch zu viert und das schon elf Jahre. Denn das eigentliche Familienoberhaupt Richard befindet sich seit der Zeit in russischer Kriegsgefangenschaft. Mutter Christa schmeißt mit ihren beiden Söhnen und ihrer einzigen Tochter den Haushalt dennoch ganz gut. Sie wissen sich zu arrangieren, jeder tut etwas und bringt Geld nach Hause. Der älteste Sohn, Bruno, hat zwar die Rolle seines Vaters übernommen, aber dennoch hat der kleine Matthias ein anderes Vorbild, zu dem er bedingungslos hinaufschaut: den Fußballspieler Helmut Rahn. Er spielt bei Rot-Weiß Essen und ist seit neustem auch angehender Nationalspieler. Matthias sieht ihn als seinen Freund an, darf ihm die Tasche tragen und dient sozusagen als Maskottchen. Denn, so sagt Rahn selbst, immer nur dann, wenn Matthias dabei ist, werden die wichtigen Spiele auch gewonnen!

Während die deutsche Nationalmannschaft in der Schweiz alles gibt, um so weit wie möglich in diesem Wettbewerb namens Weltmeisterschaft zu kommen, taucht plötzlich und unerwartet Vater Richard auf. Dass er bei seiner Ankunft auf dem Bahnhof seine Tochter mit seiner Frau verwechselt ist verhältnismäßig noch eine Kleinigkeit. Denn der Mann ist sichtlich gezeichnet und teilweise weltfremd. Zudem kennt er seinen Sohn Matthias überhaupt nicht, da keinerlei Briefe mit eben dieser frohen Botschaft angekommen sind. Von nun an ist die Situation bemerkenswert angespannt. Keiner weiß so recht, was er tun soll und irgendwie sind sich alle fremd. Schon nach kurzer Zeit versucht Richard nach „alter Kriegsmanier“ Disziplin in die Familie zu bringen, die seiner Meinung nach fehlt. Es wird nur noch geredet, wenn man gefragt wurde, Fußball ist „Schwachsinn“ und „’rumgehurt“ wird auch nicht. Die Kinder sind verständlicherweise total verstört. Als Richard dann auch noch das eine oder andere Mal die Hand ausrutscht bzw er zum Gürtel greift, verbessert sich das Ganze natürlich nicht.

Matthias erfährt in dieser schlimmen Zeit wenigstens eine Nachricht, die ihn glücklich macht und hoffen lässt: Deutschland hat es doch tatsächlich ins Finale geschafft! Nun müssen die Jungs gegen die Ungaren ’ran und können sogar Weltmeister werden.

Zwischendurch dürfen wir übrigens nicht nur des öfteren einen Blick auf das Fußballerleben, das Trainingslager usw. werfen, sondern auch den Sportjournalisten Paul Ackermann begleiten. Seine Aufgabe ist es, von der WM zu berichten. Das gestaltet sich dann doch etwas schwerer, da der gute Mann frisch verheiratet ist, sie noch keine Hochzeitsreise hatten und seine Frau Annette spontan mitkommt. Sie hat weder Ahnung von, noch Interesse an Fußball...

***Was wird aus Familie Lubanski werden? Wird Richard „auftauen“ oder weiterhin in Selbstmitleid zerfließen? Wird Matthias das Endspiel hören bzw vielleicht sogar sehen dürfen? Ist Annette nach all dem, was noch kommen mag, der Sportart mit den [Zitat] „24 Mann, die hinter einem Ball herrennen“ immer noch so abgeneigt? Und da wir ja alle wissen, dass Deutschland Weltmeister wird ;), bleibt nur die Frage wer die Tore schießt, wie das ganze Spiel abläuft und und und***

+++ Regie +++

Sönke Wortmann

+++ Meine Meinung +++

Mit einem sehr hohen Anspruch ging ich in diesen Film, das gebe ich zu. Aber trotz der großen Erwartung hat er mich noch überrascht. Ich bin noch Stunden später total fasziniert und nur am lächeln. So sehr hat mich dieser Film berührt! Übrigens vergebe ich 5 Sterne und die Gründe dafür möchte ich euch gerne erläutern. Die Mischung des Films ist wirklich perfekt. Vor allem geht es um Fußball, wie Titel und Co. ja schon sagen, aber das ist noch lange nicht alles! Eigentlich geht es auch darum zu sehen, wie die Menschen in dieser Zeit gelebt haben. Das finde ich doch sehr interessant im Vergleich zu heute. Man bekommt aber auch einen Einblick, dass trotz der „Armut“ und teilweise Entfremdung (besonders zwischen Wiederkehrer und ihren Familien) eine Sache vorhanden war, die Halt gab und zusammenführte: der Fußball und besonders die Tatsache, dass Deutschland ins WM-Finale einzog. Von Spiel zu Spiel fieberten alle am Radio oder, seltener, am TV mit und je weiter „unsere Jungs“ kamen, umso gefühlvoller wurde es. Es wurde mit ihnen gelitten, aber auch gefeiert. All das sorgt dafür, dass dieser Film eine gesunde Mischung bekommt. Er ist sowohl witzig, als auch traurig, interessant und manche Szenen sind einfach nur niedlich und schön. Würde auch nur ein Faktor etwas mehr oder weniger vorhanden sein, so würde das gesamte Werk ganz anders ’rüberkommen! Ich lache zwar unheimlich gern, aber bin der Meinung, dass das Ganze doch sehr unrealistisch rübergekommen wäre, wenn ein paar richtige Klopper vorhanden wären. SO ist es aber genau richtig und schön anzuschauen.

Der Film ist der Wirklichkeit genauestens nachempfunden. Es wurde dafür gesorgt, dass die Fußballspieler in dem Film den Stars von früher zum Verwechseln ähnlich sehen und auch genauso spielen! Was muss das für eine große Suchaktion gewesen sein... Dies ändert aber nichts daran, dass ich die Idee einfach genial finde! Anfangs hatte ich damit gerechnet, dass an so manchen Stellen Originalmaterial eingebaut wird, aber dies war gar nicht nötig. Alles kam mir so unheimlich echt vor und das freut mich einfach. Manches Mal habe ich mich geärgert, dass ich im Jahr ’54 noch nicht mal als Quark im Fenster lag und nun habe ich das Gefühl, ich war live dabei :o)!

Besonders anstrengend fand ich den Streifen nicht. Als leichte Kost würde ich ihn zwar auch nicht bezeichnen, aber ich hatte keinerlei Probleme zu folgen. Die Macher haben das so arrangiert, dass man alles versteht. Bevor ich nun zu den Schauspielern komme, möchte ich noch etwas zu der Altersbeschränkung und der Länge des Films schreiben. Als ich erfahren durfte, dass „das Wunder von Bern“ ab 6 Jahren ist, habe ich mich doch gewundert. Ich bin der Meinung, dass Kinder in diesem Alter weder Interesse an so einem Thema haben (höchstens am Fußball selbst, bestimmt aber nicht an Kriegsgefangenschaft, Familien-Entfremdung und Co.) und das dann wohl auch etwas zu viel für sie ist. Ich würde keinem empfehlen, sein „kleines Kind“ in diesem Film mitzunehmen, wobei das ja Jeder selbst entscheiden muss... Die Zeit verging wie im Fluge. Na ja, eigentlich eher nicht, denn sie verging passend *g* das heißt, ich habe nicht auf die Uhr gehabt und weder das Gefühl gehabt, der Streifen wäre verkürzt oder in die Länge gezogen. Einfach genau richtig eben.

Einige Schauspieler kannte ich gar nicht, andere kannte ich nur vom Sehen her, der Name war mir dann kein Begriff. Aber ich muss sagen, Jeder von ihnen hat seine Rolle perfekt gespielt! Besonders gefallen haben mir folgende Menschen: Sascha Göpel als Fußballstar Helmut Rahn mit Vorbildfunktion. Aufgrund meines Alters durfte ich den wahren Herrn Rahn ja leider nicht in seinen jungen Jahren erleben, aber genau so habe ich ihn mir vorgestellt! Das fand ich schon mal gut. Dann kauft man dem Mann einfach ab, dass er Profi ist, denn das Fußballspiel beherrscht er wirklich fehlerfrei. Den kleinen Matthias darf ich natürlich nicht vergessen. Immerhin hat er mich zum lächeln und auch zwei Mal zum Weinen gebracht. Der 13jährige Louis hat einfach die Gabe, Menschen mitzureißen. Er spielt so überzeugend, dass ich ihn am liebsten in den Arm genommen und getröstet hätte. Da haben wir einen ganz Großen und ich hoffe, dass er noch in so manchem Film mitspielen wird. Werde ihn beobachten! Der Mann, der seinen Vater spielt und es auch im wahren Leben ist, Peter Lohmeyer, hat mich auch fasziniert. Das liegt daran, dass er so verdammt gut den kaltherzigen Mann gespielt hat, der nur an sich denkt und seine eigenen Vorstellungen von Disziplin hat. Kein Lächeln kam über seine Lippen und sein Blick war total leer. Wirklich unheimlich überzeugend!

Johanne Gastdorf, die seine Frau spielt, hat mir auch sehr imponiert. Sie repräsentiert eine starke Frau, die es schafft(e), sich durchzusetzen. In einer Szene, nachdem ihr Mann Matthias mit dem Gürtel verprügelt hat, geigt sie diesem so richtig die Meinung. Das hätte ich zwar in dieser schweren Zeit nicht erwartet, aber da hatte ich echt Respekt vor ihr. In dieser Rolle geht sie ebenso auf, wie Katharina Wackernagel als Frau des Sportjournalistin. Die Frau kommt im wirklichen Leben übrigens aus Kassel. Die anfangs unwissende, desinteressierte Frau hat sie einfach gut und glaubwürdig ’rübergebracht. Der Umgang mit ihrem Schatz hat für den einen oder anderen Lacher gesorgt. Mehr kann ich leider nicht sagen, man muss es gesehen haben! Last but not least erwähne ich den Kommentator Andreas Obering. Vor allem beim Finale hat er es mir angetan. Er schaffte es einfach perfekt, die Stimmung ’rüberzubringen! Richtig gefühlvoll hat er da gesprochen und man merkte ihm an, wie er litt und mitfieberte. Das machte ihn für mich äußerst sympathisch und lustig war’s zudem auch noch. – Alles in allem ein ergreifendes Meisterwerk oder sollte ich sagen, Wunder?!

+++ Mein Fazit +++

Mein Geheimtipp auch für die, die mit Fußball eigentlich nichts anfangen können! Zwar geht es in diesem Streifen natürlich vor allem um den runden Ball und die WM 1954, aber nicht nur! Es geht um die Menschen, beispielsweise die, die aus der Gefangenschaft wieder kehrten und deren Familien und darum, dass Glück und Leid nah beieinander liegen. „Das Wunder von Bern“ verschafft uns sehr gut einen Einblick in das Leben von früher :) seht ihn euch an, ihr werdet es nicht bereuen!

MfG

colada1985
für ciao, yopi und dooyoo
erstellt im Oktober 2003


~~ In Gedenken an den im August letzten Jahres verstorbenen Helmut Rahn ~~

33 Bewertungen, 2 Kommentare

  • liiiiindaaaaa

    29.03.2006, 15:12 Uhr von liiiiindaaaaa
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich...über gegenlesungen würde ich mich freuen;)

  • StarlightII

    23.05.2004, 13:57 Uhr von StarlightII
    Bewertung: sehr hilfreich

    du bist ja auch hier :o) Hab dich gleich mal hier in meien Info-Mail-Liste genommen... wünsch dir noch'nen schönen Sonntag, Julia