Das Wunder von Bern (VHS) Testbericht
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Erfahrungsbericht von Nopeone
Fussball zum Heulen !
Pro:
Tolle Schauspieler das Finalspiel ist echt gut geworden es geht um FUSSBALL !
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
_Prolog_
Der 4. Juli 1954 löste im Deutschland der Nachkriegszeit einen vorher nie gekannten Aufschwung aus, welcher nicht etwa durch revolutionäre politische Änderungen, sondern durch den Gewinn Deutschlands bei der Fußballweltmeisterschaft in der Schweiz ausgelöst wurde. Auch jetzt, beinahe 50 Jahre nach diesem Triumph hört man immer wieder vom „Wunder von Bern“ und in diesem Jahr hat sich endlich ein Regisseur, Sönke Wortmann, an den Stoff getraut und bringt den Film unter eben jenem bekannten Namen – „Das Wunder von Bern“ – in die Kinos und hat damit unlängst die Kinocharts gestürmt.
_Handlung_
Der elfjährige Matthias Lubanski, der mit seiner Mutter, seinem Bruder und seiner Schwester, in Essen lebt, wartet seit über 10 Jahren auf die Rückkehr des Vaters, den Matthias nicht einmal kennt, aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft. Matthias ist Taschenträger des Nationalspielers Helmut Rahn, welcher für Matthias längst eine Art Ersatzvater geworden ist und Matthias immer wieder versichert, dass er ohne ihn kein wichtiges Spiel mehr gewinnen könne. Als dann der Vater von Matthias, Richard Lubanski, zurückkehrt, machen sich in der Familie Spannungen breit, denn Richard Lubanski ist nach dem Krieg aggressiv und kann sich mit seinen Kindern nicht arrangieren.
Während sich im heimischen Essen die Familie Lubanski immer mehr entzweit, holt die deutsche Nationalmannschaft in der Schweiz überraschend Sieg um Sieg und zieht ins Finale ein. Als Matthias heimlich versucht nach Bern zu fahren, um Helmut Rahn zu unterstützen, droht die Situation zu eskalieren...
_Kritik_
Was sich vom Titel vielleicht wie ein Film anhört, der nur für Männer gemacht ist, entpuppt sich schon nach wenigen Minuten als Film für die ganze Familie, der nicht den Fußball, sondern das Verhältnis zwischen Richard Lubanski und der restlichen Familie, vor allem zu Matthias, in den Mittelpunkt stellt. Matthias kennt seinen Vater vor seiner Rückkehr nicht einmal und wird von diesem auch nicht gerade warmherzig begrüßt. Schon bald wünscht sich Matthias, dass sein Vater nie wiedergekommen wäre und schnellstmöglich wieder verschwindet. Auf Annäherungen des Vaters folgen immer wieder Rückschläge für die Beziehung. Richard Lubanski schenkt seinem Sohn beispielsweise einen Lederfußball und anlässlich des Geburtstages der Mutter gibt es Kaninchen zum Mittagessen. Als Matthias dann das Haus verlässt, um mit seinem Ball zu spielen, muss er entdecken, dass der Vater die beiden eigenen Kaninchen geschlachtet hat, die Matthias als seine Freunde gesehen hat. Zudem scheint Richard Lubanski Helmut Rahn als eine Bedrohung für sein Verhältnis zu seinem Sohn zu sehen, denn er versucht sogar zu unterbinden, dass Matthias ihn im Fernsehen sieht. Und dennoch muss man sagen, dass dieser Gedanke vielleicht gar nicht so weit hergeholt ist, denn Matthias sagt ganz offen zu Helmut Rahn, dass er lieber ihn als Vater hätte und zündet für diesen sogar eine Kerze in der Kirche an. Kann man denn auch wirklich erwarten, dass ein Elfjähriger versteht, was ein Kriegsgefangener durchmachen musste? Matthias Mutter versucht es dem Jungen klar zu machen und nach und nach beginnt sich Matthias auch mit seinem Vater zu arrangieren, hört diesem zu und so nähern sich die beiden nach und nach, für meinen Geschmack aber dennoch etwas zu schnell, an.
Diese Beziehung und auch die zu seiner Tochter und zu seiner Frau ist für den Vater noch zu retten, aber bei seinem ältesten Sohn Bruno stößt er auf Granit. Dieser ist Kommunist und Musiker und kommt mit dem Vater schon von der politische Einstellung her nicht klar, denn dieser macht immer wieder, unbeabsichtigt (?), Äußerungen, die zeigen, dass er seine faschistische Einstellung nicht ablegen konnte, auch wenn er sein Verhalten im Krieg auf den Massenzwang schiebt, was Bruno allerdings nicht akzeptieren kann und will; er macht seinen Vater für den Krieg verantwortlich. Ich denke, man kann sich heute nicht mehr vorstellen, wie schwer und gefährlich es früher für den Einzelnen war, sich dem NS-Regime zu widersetzen, denn in dieser Zeit galt das Individuum nichts, nur die Masse war entscheidend. Bruno will sich von der Vergangenheit seines Vater strikt abkapseln, kann es vielleicht auch nicht akzeptieren, dass dieser wieder da ist und ihm Befehle geben will. Wie schlimm der Krieg für Richard Lubanski gewesen sein muss, sieht man in einer Sequenz deutlich. Er ist im Tagebau beschäftigt und wird beim Rattern der Maschinen, welches an Maschinengewehrschüsse erinnert, beinahe wahnsinnig. Und so wie Peter Lubanski ist es vielen ergangen, die im Krieg waren; sie konnten sich einfach nicht mehr anpassen, ihr früheres Leben nicht mehr aufnehmen und die schrecklichen Ereignisse vielleicht nie mehr verarbeiten.
Abseits dieser Beziehungsgeschichten, die in „Das Wunder von Bern“ im Mittelpunkt stehen, sieht man aber auch, dass Deutschland nach dem Krieg endlich wieder im Aufschwung ist, dass sich die Menschen auch wieder für andere Dinge, zum Beispiel Fußball, interessieren. Die Kneipe von Matthias Mutter ist bei den Spielen immer rappelvoll und die Menschen jubeln und leiden mit der deutschen Mannschaft. Besonders beim bitteren 3-8 gegen die favorisierten Ungarn in der Vorrunde sieht man wie fußballbegeistert die Menschen sind. Nach dem Spiel sind die Menschen frustriert, viele fordern den Rücktritt von Sepp Herberger, dem damaligen Nationaltrainer. Erst ein furioses 7-2 gegen die Türken bringt die deutsche Mannschaft überhaupt durch die Gruppenphase. Dieses Spiele und auch das Viertelfinale (2-0 gegen Jugoslawien) und das Halbfinale (6-1 gegen Österreich) werden nicht bzw. nur in winzigen Ausschnitten gezeigt, meistens erfährt der Zuschauer das Ergebnis erst aus der Zeitung oder jemand berichtet davon. Umso intensiver und besser ist dafür das Endspiel in Bern zwischen Deutschland und Ungarn dargestellt. Die Spielszenen sind toll und wirken überaus realistisch und authentisch. Man merkt, dass Regisseur Sönke Wortmann früher selbst Profifußballer war, denn er hat Wert auf ein realistisch wirkendes Spiel gesetzt, welches nicht aufgesetzt oder nachgespielt wirkt. Die Spieler der beiden Mannschaft wurden scheinbar sehr sorgfältig ausgewählt und man nimmt allen ihre Rollen als Spieler ab. Dass hierbei und auch im Trainingslager davor nicht alle in den Mittelpunkt gestellt werden können, dürfte klar sein, dennoch werden von einem Fernsehmoderator alle Spieler kurz vorgestellt. Etwas weiter im Mittelpunkt steht danach aber nur noch Fritz Walter, als Kapitän und Zimmernachbar von Helmut Rahn, im Endspiel der Torwart Toni Turek und der Trainer, Sepp Herberger, dessen noch heute bekannte Sprüche („Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten!“, „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!“) wunderbar umgesetzt wurden. Im Finale selber ist selbstverständlich noch der Moderator erwähnenswert, welchen ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge betrachtet habe, denn teilweise ist er mit seiner Stimme etwas zu euphorisch und bringt nicht ganz den euphorischen Charme von Herbert Zimmermann, dem Originalkommentator, herüber. An anderen Stellen fand ich die Umsetzung wiederum wirklich gut, aber die Klasse des Originalkommentars ist wohl auch nicht mehr zu erreichen. Legendär ist natürlich der Spruch bei Helmut Rahns 3-2: „Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen. Rahn schießt...Toor! Tooor! Toooor!“ Wenn ich dieses Tor mit dem zugehörigen Kommentar sehe, bekomme ich jedes Mal eine Gänsehaut und genau das gleiche hat der Film bei mir erneut geschafft. Ich war wirklich kurz davor aufzuspringen und zu jubeln – mich berührt dieser Moment immer wieder, obwohl ich über 30 Jahre danach geboren wurde.
In punkto Umsetzung muss man Sönke Wortmann wohl sowieso das größte Lob machen, denn der Regisseur hat es geschafft, den Zuschauer in die damalige Zeit zurückzuversetzen. Die Umgebung und die Häuser, die kleinen von großen Konzernen gefertigten Städte für die Kohlearbeiter, wirken einfach toll. Zudem sind die Protagonisten auch alle im Stile der 50er Jahre gekleidet, die Nationalmannschaft trägt Trainingsanzüge, die für die heutige Zeit etwas komisch wirken und selbstverständlich auch die Trikots, die die echte Mannschaft 1954 trug. Schön anzuhören waren auch die verschiedenen Dialekte der Spieler. So spricht Fritz Walter mit einem pfälzerischen Dialekt und einigen anderen Spielern hört man ihre süddeutsche Herkunft auch sehr deutlich an. Ich denke genau diese Detailfreudigkeit ist es auch, die „Das Wunder von Bern“ zu etwas ganz Besonderem macht. Vor allem ältere Leute dürften sich freuen, dass endlich mal wieder ein Film im Kino läuft, der auch ihnen gefällt. Große Special Effects sind im ganzen Film logischerweise nicht von Nöten und es ist auch besser so: Man konzentriert sich wirklich auf den Film und nicht auf das drumherum.
Einen Nebenplot des Filmes möchte ich hier noch erwähnen: Nebenbei wird die Geschichte eines jungen Sportjournalisten erzählt, der eine Hochzeitsreise mit seiner schönen Frau absagt, weil er für seine Zeitung zur Fußballweltmeisterschaft muss. Als Gegenleistung muss er seine Frau allerdings mitnehmen und vor dem Finale schließen die beiden eine Wette ab: Wenn Deutschland gewinnt, darf die Frau die Namen der Kinder aussuchen, gewinnt allerdings Ungarn, ist es die Entscheidung des Journalisten. Als Ungarn bereits nach 10 Minuten führt, sagt er: „Rüdiger oder Roswitha!“, worauf seine Frau entsetzt sagt: „Roswitha? Roswitha?“ und danach aufspringt und die deutsche Mannschaft euphorisch anfeuert. Genau diese Geschichten am Rande machen den ganzen Film so liebenswert und interessant und trotz der vielen Geschichten schafft es Sönke Wortmann den Zuschauer bei der Stange zu halten und lässt in den 117 Minuten des Filmes nie Langeweile aufkommen, da er seine Schwerpunkte genau richtig setzt und damit ziemlich jeden zufrieden stellen dürfte.
Kommen wir nun also zu den Schauspielern:
Der elfjährige Matthias Lubanski wird von Louis Klamroth gespielt, welcher einen durch und durch guten Job macht. Vor allem bei Jungschauspielern bin ich immer doppelt erfreut, wenn diese ihre Rollen überzeugend verkörpern und genau das tut Louis Klamroth hier. Er stellt die Rolle des Jungen, der quasi zwischen zwei Vätern steht, sehr glaubhaft. Seine Gefühlsregungen wirken glücklicherweise nicht aufgesetzt oder gespielt; wenn er traurig ist, glaubt man das auch und in den glücklichen Momenten freut man sich mit dem Jungen, der außer dem Fußball beinahe nichts hat. Und so kauft man ihm auch ab, als er am Ende zu seinem Vater sagt, als dieser weint: „Auch deutsche Jungen dürfen weinen!“, was der Vater ihm vorher als Tabu hingestellt hat.
Sein Vater Richard Lubanski wird von Peter Lohmeyer verkörpert, der perfekt in die Rolle des aggressiven und verschlossenen Vaters passt. Schon sein hageres und mürrisches Aussehen lässt ihn vom Leben gezeichnet erscheinen und genauso ist auch seine ganze Art. Er ist hart und unerbittlich, merkt nicht, dass sich die Erziehungsmethoden über die Jahre geändert haben. Er schlägt mit einem Gürtel auf Matthias Hintern und sieht sich dabei im Recht, muss sich aber nach einiger Zeit eingestehen, dass er nicht mehr weiß, wie die Erziehung inzwischen ablaufen sollte. Genau hier sieht man, dass er nach dem Krieg ein Fremder ist, der lange Zeit brauchen wird, bis er sich wieder komplett eingelebt hat, allerdings ist die Annäherung an die Familie schon wieder da.
Von den sonstigen Schauspielern ist auf jeden Fall noch Sascha Göpel als Helmut Rahn erwähnenswert, welcher die Rolle des talentierten, aber oftmals inkonsequenten Spielers überzeugend spielt. Man glaubt Göpel seine schnelle Entmutigung, nachdem er nur in einem Vorrundenspiel spielen darf. Die ganze Art, die er darstellt, steht im krassen Gegensatz zu Matthias Vater, denn Göpel spielt Rahn als gelassenen Menschen, der oft Flausen im Kopf hat und diese auch auslebt. Erwähnen möchte ich hier auch noch Peter Franke, der den Nationaltrainer Sepp Herberger spielt und dessen herrlich trockene Art mit den vielen Phrasen sehr gut herüberbringt. Dennoch ist auch er immer besorgt um seine Spieler, sieht diese als Kinder und sein liebstes (Rahn) bereitet ihm am meisten Kopfzerbrechen.
Insgesamt ist zu sagen, dass es keine einzige Fehlbesetzung gibt; alle Schauspieler machen ihre Jobs gut bis hervorragend und sie alle tragen zur ungemein hohen Atmosphäre bei, die den ganzen Film hindurch erhalten bleibt.
_Epilog_
Ich bin mit hohen Erwartungen in „Das Wunder von Bern“ gegangen und wurde keineswegs enttäuscht, denn die Umsetzung ist Regisseur Sönke Wortmann hervorragend gelungen. Er legt seine Schwerpunkte nicht auf den Fußball, sondern vielmehr um das Geschehen um den Fußball herum und dies tut er mit so viel Liebe zum Detail, dass es einfach Spaß macht, dem Film beinahe zwei Stunden lang zu folgen. Alles in allem ist das Wunder von Bern schon sehenswert.
Der 4. Juli 1954 löste im Deutschland der Nachkriegszeit einen vorher nie gekannten Aufschwung aus, welcher nicht etwa durch revolutionäre politische Änderungen, sondern durch den Gewinn Deutschlands bei der Fußballweltmeisterschaft in der Schweiz ausgelöst wurde. Auch jetzt, beinahe 50 Jahre nach diesem Triumph hört man immer wieder vom „Wunder von Bern“ und in diesem Jahr hat sich endlich ein Regisseur, Sönke Wortmann, an den Stoff getraut und bringt den Film unter eben jenem bekannten Namen – „Das Wunder von Bern“ – in die Kinos und hat damit unlängst die Kinocharts gestürmt.
_Handlung_
Der elfjährige Matthias Lubanski, der mit seiner Mutter, seinem Bruder und seiner Schwester, in Essen lebt, wartet seit über 10 Jahren auf die Rückkehr des Vaters, den Matthias nicht einmal kennt, aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft. Matthias ist Taschenträger des Nationalspielers Helmut Rahn, welcher für Matthias längst eine Art Ersatzvater geworden ist und Matthias immer wieder versichert, dass er ohne ihn kein wichtiges Spiel mehr gewinnen könne. Als dann der Vater von Matthias, Richard Lubanski, zurückkehrt, machen sich in der Familie Spannungen breit, denn Richard Lubanski ist nach dem Krieg aggressiv und kann sich mit seinen Kindern nicht arrangieren.
Während sich im heimischen Essen die Familie Lubanski immer mehr entzweit, holt die deutsche Nationalmannschaft in der Schweiz überraschend Sieg um Sieg und zieht ins Finale ein. Als Matthias heimlich versucht nach Bern zu fahren, um Helmut Rahn zu unterstützen, droht die Situation zu eskalieren...
_Kritik_
Was sich vom Titel vielleicht wie ein Film anhört, der nur für Männer gemacht ist, entpuppt sich schon nach wenigen Minuten als Film für die ganze Familie, der nicht den Fußball, sondern das Verhältnis zwischen Richard Lubanski und der restlichen Familie, vor allem zu Matthias, in den Mittelpunkt stellt. Matthias kennt seinen Vater vor seiner Rückkehr nicht einmal und wird von diesem auch nicht gerade warmherzig begrüßt. Schon bald wünscht sich Matthias, dass sein Vater nie wiedergekommen wäre und schnellstmöglich wieder verschwindet. Auf Annäherungen des Vaters folgen immer wieder Rückschläge für die Beziehung. Richard Lubanski schenkt seinem Sohn beispielsweise einen Lederfußball und anlässlich des Geburtstages der Mutter gibt es Kaninchen zum Mittagessen. Als Matthias dann das Haus verlässt, um mit seinem Ball zu spielen, muss er entdecken, dass der Vater die beiden eigenen Kaninchen geschlachtet hat, die Matthias als seine Freunde gesehen hat. Zudem scheint Richard Lubanski Helmut Rahn als eine Bedrohung für sein Verhältnis zu seinem Sohn zu sehen, denn er versucht sogar zu unterbinden, dass Matthias ihn im Fernsehen sieht. Und dennoch muss man sagen, dass dieser Gedanke vielleicht gar nicht so weit hergeholt ist, denn Matthias sagt ganz offen zu Helmut Rahn, dass er lieber ihn als Vater hätte und zündet für diesen sogar eine Kerze in der Kirche an. Kann man denn auch wirklich erwarten, dass ein Elfjähriger versteht, was ein Kriegsgefangener durchmachen musste? Matthias Mutter versucht es dem Jungen klar zu machen und nach und nach beginnt sich Matthias auch mit seinem Vater zu arrangieren, hört diesem zu und so nähern sich die beiden nach und nach, für meinen Geschmack aber dennoch etwas zu schnell, an.
Diese Beziehung und auch die zu seiner Tochter und zu seiner Frau ist für den Vater noch zu retten, aber bei seinem ältesten Sohn Bruno stößt er auf Granit. Dieser ist Kommunist und Musiker und kommt mit dem Vater schon von der politische Einstellung her nicht klar, denn dieser macht immer wieder, unbeabsichtigt (?), Äußerungen, die zeigen, dass er seine faschistische Einstellung nicht ablegen konnte, auch wenn er sein Verhalten im Krieg auf den Massenzwang schiebt, was Bruno allerdings nicht akzeptieren kann und will; er macht seinen Vater für den Krieg verantwortlich. Ich denke, man kann sich heute nicht mehr vorstellen, wie schwer und gefährlich es früher für den Einzelnen war, sich dem NS-Regime zu widersetzen, denn in dieser Zeit galt das Individuum nichts, nur die Masse war entscheidend. Bruno will sich von der Vergangenheit seines Vater strikt abkapseln, kann es vielleicht auch nicht akzeptieren, dass dieser wieder da ist und ihm Befehle geben will. Wie schlimm der Krieg für Richard Lubanski gewesen sein muss, sieht man in einer Sequenz deutlich. Er ist im Tagebau beschäftigt und wird beim Rattern der Maschinen, welches an Maschinengewehrschüsse erinnert, beinahe wahnsinnig. Und so wie Peter Lubanski ist es vielen ergangen, die im Krieg waren; sie konnten sich einfach nicht mehr anpassen, ihr früheres Leben nicht mehr aufnehmen und die schrecklichen Ereignisse vielleicht nie mehr verarbeiten.
Abseits dieser Beziehungsgeschichten, die in „Das Wunder von Bern“ im Mittelpunkt stehen, sieht man aber auch, dass Deutschland nach dem Krieg endlich wieder im Aufschwung ist, dass sich die Menschen auch wieder für andere Dinge, zum Beispiel Fußball, interessieren. Die Kneipe von Matthias Mutter ist bei den Spielen immer rappelvoll und die Menschen jubeln und leiden mit der deutschen Mannschaft. Besonders beim bitteren 3-8 gegen die favorisierten Ungarn in der Vorrunde sieht man wie fußballbegeistert die Menschen sind. Nach dem Spiel sind die Menschen frustriert, viele fordern den Rücktritt von Sepp Herberger, dem damaligen Nationaltrainer. Erst ein furioses 7-2 gegen die Türken bringt die deutsche Mannschaft überhaupt durch die Gruppenphase. Dieses Spiele und auch das Viertelfinale (2-0 gegen Jugoslawien) und das Halbfinale (6-1 gegen Österreich) werden nicht bzw. nur in winzigen Ausschnitten gezeigt, meistens erfährt der Zuschauer das Ergebnis erst aus der Zeitung oder jemand berichtet davon. Umso intensiver und besser ist dafür das Endspiel in Bern zwischen Deutschland und Ungarn dargestellt. Die Spielszenen sind toll und wirken überaus realistisch und authentisch. Man merkt, dass Regisseur Sönke Wortmann früher selbst Profifußballer war, denn er hat Wert auf ein realistisch wirkendes Spiel gesetzt, welches nicht aufgesetzt oder nachgespielt wirkt. Die Spieler der beiden Mannschaft wurden scheinbar sehr sorgfältig ausgewählt und man nimmt allen ihre Rollen als Spieler ab. Dass hierbei und auch im Trainingslager davor nicht alle in den Mittelpunkt gestellt werden können, dürfte klar sein, dennoch werden von einem Fernsehmoderator alle Spieler kurz vorgestellt. Etwas weiter im Mittelpunkt steht danach aber nur noch Fritz Walter, als Kapitän und Zimmernachbar von Helmut Rahn, im Endspiel der Torwart Toni Turek und der Trainer, Sepp Herberger, dessen noch heute bekannte Sprüche („Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten!“, „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!“) wunderbar umgesetzt wurden. Im Finale selber ist selbstverständlich noch der Moderator erwähnenswert, welchen ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge betrachtet habe, denn teilweise ist er mit seiner Stimme etwas zu euphorisch und bringt nicht ganz den euphorischen Charme von Herbert Zimmermann, dem Originalkommentator, herüber. An anderen Stellen fand ich die Umsetzung wiederum wirklich gut, aber die Klasse des Originalkommentars ist wohl auch nicht mehr zu erreichen. Legendär ist natürlich der Spruch bei Helmut Rahns 3-2: „Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen. Rahn schießt...Toor! Tooor! Toooor!“ Wenn ich dieses Tor mit dem zugehörigen Kommentar sehe, bekomme ich jedes Mal eine Gänsehaut und genau das gleiche hat der Film bei mir erneut geschafft. Ich war wirklich kurz davor aufzuspringen und zu jubeln – mich berührt dieser Moment immer wieder, obwohl ich über 30 Jahre danach geboren wurde.
In punkto Umsetzung muss man Sönke Wortmann wohl sowieso das größte Lob machen, denn der Regisseur hat es geschafft, den Zuschauer in die damalige Zeit zurückzuversetzen. Die Umgebung und die Häuser, die kleinen von großen Konzernen gefertigten Städte für die Kohlearbeiter, wirken einfach toll. Zudem sind die Protagonisten auch alle im Stile der 50er Jahre gekleidet, die Nationalmannschaft trägt Trainingsanzüge, die für die heutige Zeit etwas komisch wirken und selbstverständlich auch die Trikots, die die echte Mannschaft 1954 trug. Schön anzuhören waren auch die verschiedenen Dialekte der Spieler. So spricht Fritz Walter mit einem pfälzerischen Dialekt und einigen anderen Spielern hört man ihre süddeutsche Herkunft auch sehr deutlich an. Ich denke genau diese Detailfreudigkeit ist es auch, die „Das Wunder von Bern“ zu etwas ganz Besonderem macht. Vor allem ältere Leute dürften sich freuen, dass endlich mal wieder ein Film im Kino läuft, der auch ihnen gefällt. Große Special Effects sind im ganzen Film logischerweise nicht von Nöten und es ist auch besser so: Man konzentriert sich wirklich auf den Film und nicht auf das drumherum.
Einen Nebenplot des Filmes möchte ich hier noch erwähnen: Nebenbei wird die Geschichte eines jungen Sportjournalisten erzählt, der eine Hochzeitsreise mit seiner schönen Frau absagt, weil er für seine Zeitung zur Fußballweltmeisterschaft muss. Als Gegenleistung muss er seine Frau allerdings mitnehmen und vor dem Finale schließen die beiden eine Wette ab: Wenn Deutschland gewinnt, darf die Frau die Namen der Kinder aussuchen, gewinnt allerdings Ungarn, ist es die Entscheidung des Journalisten. Als Ungarn bereits nach 10 Minuten führt, sagt er: „Rüdiger oder Roswitha!“, worauf seine Frau entsetzt sagt: „Roswitha? Roswitha?“ und danach aufspringt und die deutsche Mannschaft euphorisch anfeuert. Genau diese Geschichten am Rande machen den ganzen Film so liebenswert und interessant und trotz der vielen Geschichten schafft es Sönke Wortmann den Zuschauer bei der Stange zu halten und lässt in den 117 Minuten des Filmes nie Langeweile aufkommen, da er seine Schwerpunkte genau richtig setzt und damit ziemlich jeden zufrieden stellen dürfte.
Kommen wir nun also zu den Schauspielern:
Der elfjährige Matthias Lubanski wird von Louis Klamroth gespielt, welcher einen durch und durch guten Job macht. Vor allem bei Jungschauspielern bin ich immer doppelt erfreut, wenn diese ihre Rollen überzeugend verkörpern und genau das tut Louis Klamroth hier. Er stellt die Rolle des Jungen, der quasi zwischen zwei Vätern steht, sehr glaubhaft. Seine Gefühlsregungen wirken glücklicherweise nicht aufgesetzt oder gespielt; wenn er traurig ist, glaubt man das auch und in den glücklichen Momenten freut man sich mit dem Jungen, der außer dem Fußball beinahe nichts hat. Und so kauft man ihm auch ab, als er am Ende zu seinem Vater sagt, als dieser weint: „Auch deutsche Jungen dürfen weinen!“, was der Vater ihm vorher als Tabu hingestellt hat.
Sein Vater Richard Lubanski wird von Peter Lohmeyer verkörpert, der perfekt in die Rolle des aggressiven und verschlossenen Vaters passt. Schon sein hageres und mürrisches Aussehen lässt ihn vom Leben gezeichnet erscheinen und genauso ist auch seine ganze Art. Er ist hart und unerbittlich, merkt nicht, dass sich die Erziehungsmethoden über die Jahre geändert haben. Er schlägt mit einem Gürtel auf Matthias Hintern und sieht sich dabei im Recht, muss sich aber nach einiger Zeit eingestehen, dass er nicht mehr weiß, wie die Erziehung inzwischen ablaufen sollte. Genau hier sieht man, dass er nach dem Krieg ein Fremder ist, der lange Zeit brauchen wird, bis er sich wieder komplett eingelebt hat, allerdings ist die Annäherung an die Familie schon wieder da.
Von den sonstigen Schauspielern ist auf jeden Fall noch Sascha Göpel als Helmut Rahn erwähnenswert, welcher die Rolle des talentierten, aber oftmals inkonsequenten Spielers überzeugend spielt. Man glaubt Göpel seine schnelle Entmutigung, nachdem er nur in einem Vorrundenspiel spielen darf. Die ganze Art, die er darstellt, steht im krassen Gegensatz zu Matthias Vater, denn Göpel spielt Rahn als gelassenen Menschen, der oft Flausen im Kopf hat und diese auch auslebt. Erwähnen möchte ich hier auch noch Peter Franke, der den Nationaltrainer Sepp Herberger spielt und dessen herrlich trockene Art mit den vielen Phrasen sehr gut herüberbringt. Dennoch ist auch er immer besorgt um seine Spieler, sieht diese als Kinder und sein liebstes (Rahn) bereitet ihm am meisten Kopfzerbrechen.
Insgesamt ist zu sagen, dass es keine einzige Fehlbesetzung gibt; alle Schauspieler machen ihre Jobs gut bis hervorragend und sie alle tragen zur ungemein hohen Atmosphäre bei, die den ganzen Film hindurch erhalten bleibt.
_Epilog_
Ich bin mit hohen Erwartungen in „Das Wunder von Bern“ gegangen und wurde keineswegs enttäuscht, denn die Umsetzung ist Regisseur Sönke Wortmann hervorragend gelungen. Er legt seine Schwerpunkte nicht auf den Fußball, sondern vielmehr um das Geschehen um den Fußball herum und dies tut er mit so viel Liebe zum Detail, dass es einfach Spaß macht, dem Film beinahe zwei Stunden lang zu folgen. Alles in allem ist das Wunder von Bern schon sehenswert.
13 Bewertungen, 1 Kommentar
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29.03.2006, 15:14 Uhr von liiiiindaaaaa
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich...über gegenlesungen würde ich mich freuen;)
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