Das Wunder von Bern (VHS) Testbericht
ab 9,47 €
Billiger bei eBay?
Bei Amazon bestellen
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
Erfahrungsbericht von Sven79
Der Mythos erwacht zu neuem Leben
Pro:
Story, Inszenierung, Schauspieler (v.a. Louis Klamroth), Optik, Fußballszenen, Emotionen, Dialekte der Nationalspieler und authentische Emotionen
Kontra:
nix
Empfehlung:
Ja
Im Prinzip steht Sönke Wortmanns „Wunder von Bern“ in der langen Reihe deutscher Filme, die sich mit unserer Geschichte auseinandersetzen. Neu aber sind zwei Dinge: zum einen kommt man nicht mit Schuldgefühlen aus dem Kino und zum anderen erzählt das „Wunder von Bern“ eine wirkliche Geschichte. Wortmann gelingt es geschickt der Gefahr des bloßen Illustrierens von Vergangenheit zu widerstehen. Natürlich steht am Ende der 3:2 Sieg gegen Ungarn und damit der erste Weltmeistertitel für Deutschland. Im Mittelpunkt des Films steht allerdings der kleine Matthias und die Beziehung zu seinem Vater.
Der kehrt nach 11jähriger Gefangenschaft aus Russland zurück und findet eine völlig neue Situation vor: seine Frau betreibt eine Kneipe, der älteste Sohn gehört der KPD an und die einzige Tochter gibt sich mit amerikanischen Besatzern ab. Damit kommt er nur schwer zurecht und versucht sich durch Macht und Autoritärt wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Matthias, seinen jüngsten Sohn, verstört er damit am meisten. Der kleine hätte lieber Helmuth Rahn zum Vater. Rahn ist Stürmer der deutschen Fußballnationalmannschaft und spielt für Matthias Lieblingsclub Rot-Weiß Essen.
Für Rahn ist Matthias Glücksbringer und Taschenträger in Personalunion. Rahn behauptet sogar, er könne die wichtigen Spiele nur in Matthias Anwesenheit gewinnen. Was diesen dazu bewegt, nach einem Streit mit seinem Vater, die lange Reise nach Bern auf eigene Faust anzutreten. Als ihn sein Vater nach langer Suche wiederfindet setzt es Schläge. Seine Frau ist damit gar nicht einverstanden und wirft ihrem Mann vor die Familie zu zerstören. Daraufhin beginnt sich Matthias Vater zu ändern. Schließlich macht er sich gemeinsam mit seinem Sohn sogar auf den Weg zum Endspiel nach Bern.
Parallel zu der Familiengeschichte begleitet man die Nationalmannschaft während des Weltmeisterschaftsturnier in der Schweiz. Man erlebt sie beim Trainieren, Spielen und auch mal beim Frustsaufen. Dank vieler witziger Einfälle und den unterschiedlichen Dialekten der Spieler machen die Szenen mit den Fußballern riesigen Spaß. Urkomisch auch Sepp Herbergers Sprichwörter-Duell mit der Hotelputzfrau, in welchem er seine berühmten Weisheiten erfindet. Überhaupt ist es eine Freude Peter Franke als Sepp Herberger zuzusehen und vor allem zuzuhören, wenn er Herbergers’ Nuscheln imitiert.
Auch mit den übrigen Schauspielern hat Regisseur Sönke Wortmann ein glückliches Händchen bewiesen. Sicher: Peter Lohmeyer als Matthias Vater Richard ist eine Bank, aber absoluter Sympathieträger des Films ist der kleine Mathias, gespielt von Louis Klamroth, der auch im wahren Leben der Sohn von Lohmeyer ist. Überraschend überzeugend auch Sascha Göpel als Helmuth Rahn, der vornehmlich wegen seiner fußballerischen Qualitäten besetzt wurde. So müsste er am Ende nicht nur schießen, sondern trifft auch als Schauspieler ins Schwarze.
Neben Story, Inszenierung und Ensemble überzeugt die handwerkliche Umsetzung. In diesem Punkt steht das „Wunder von Bern“ Hollywoodproduktionen in nichts nach. 50er Jahre Ausstattung, Kameraführung und Musik wirken absolut edel. Auch die Optik der mit Amateurfußballern nachgestellten Fußballszenen ist ein Genuss, weil sie absolut real wirken. Und trotzdem bleibt Wortmanns Film ein typisch deutscher, denn Hollywood wäre angesichts des nationalen Erweckungserlebnis sicher in die Kitsch und Pathos Falle getappt. Zwar spart auch Wortmann nicht mit Emotionen, doch diese wirken authentisch und auf keinen Fall überzogen.
Wortmanns Film wird dem Mythos des ersten WM-Siegs für Deutschland absolut gerecht und lässt ihn weiterleben. Dabei ist das „Wunder von Bern“ beileibe kein Sportfilm, sondern vielmehr Gefühlskino erster Güte, dass von den Befindlichkeiten im Nachkriegsdeutschland erzählt. Also trotz der hervorragenden vermutlich besten Fußballszenen, die je im Kino zu sehen waren, auch ein Film für den natürlichen Feind des Kickens: das schwache Geschlecht.
______________________
Dieser Bericht erscheint auch auf meiner Homepage www.littlechef.de.
Der kehrt nach 11jähriger Gefangenschaft aus Russland zurück und findet eine völlig neue Situation vor: seine Frau betreibt eine Kneipe, der älteste Sohn gehört der KPD an und die einzige Tochter gibt sich mit amerikanischen Besatzern ab. Damit kommt er nur schwer zurecht und versucht sich durch Macht und Autoritärt wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Matthias, seinen jüngsten Sohn, verstört er damit am meisten. Der kleine hätte lieber Helmuth Rahn zum Vater. Rahn ist Stürmer der deutschen Fußballnationalmannschaft und spielt für Matthias Lieblingsclub Rot-Weiß Essen.
Für Rahn ist Matthias Glücksbringer und Taschenträger in Personalunion. Rahn behauptet sogar, er könne die wichtigen Spiele nur in Matthias Anwesenheit gewinnen. Was diesen dazu bewegt, nach einem Streit mit seinem Vater, die lange Reise nach Bern auf eigene Faust anzutreten. Als ihn sein Vater nach langer Suche wiederfindet setzt es Schläge. Seine Frau ist damit gar nicht einverstanden und wirft ihrem Mann vor die Familie zu zerstören. Daraufhin beginnt sich Matthias Vater zu ändern. Schließlich macht er sich gemeinsam mit seinem Sohn sogar auf den Weg zum Endspiel nach Bern.
Parallel zu der Familiengeschichte begleitet man die Nationalmannschaft während des Weltmeisterschaftsturnier in der Schweiz. Man erlebt sie beim Trainieren, Spielen und auch mal beim Frustsaufen. Dank vieler witziger Einfälle und den unterschiedlichen Dialekten der Spieler machen die Szenen mit den Fußballern riesigen Spaß. Urkomisch auch Sepp Herbergers Sprichwörter-Duell mit der Hotelputzfrau, in welchem er seine berühmten Weisheiten erfindet. Überhaupt ist es eine Freude Peter Franke als Sepp Herberger zuzusehen und vor allem zuzuhören, wenn er Herbergers’ Nuscheln imitiert.
Auch mit den übrigen Schauspielern hat Regisseur Sönke Wortmann ein glückliches Händchen bewiesen. Sicher: Peter Lohmeyer als Matthias Vater Richard ist eine Bank, aber absoluter Sympathieträger des Films ist der kleine Mathias, gespielt von Louis Klamroth, der auch im wahren Leben der Sohn von Lohmeyer ist. Überraschend überzeugend auch Sascha Göpel als Helmuth Rahn, der vornehmlich wegen seiner fußballerischen Qualitäten besetzt wurde. So müsste er am Ende nicht nur schießen, sondern trifft auch als Schauspieler ins Schwarze.
Neben Story, Inszenierung und Ensemble überzeugt die handwerkliche Umsetzung. In diesem Punkt steht das „Wunder von Bern“ Hollywoodproduktionen in nichts nach. 50er Jahre Ausstattung, Kameraführung und Musik wirken absolut edel. Auch die Optik der mit Amateurfußballern nachgestellten Fußballszenen ist ein Genuss, weil sie absolut real wirken. Und trotzdem bleibt Wortmanns Film ein typisch deutscher, denn Hollywood wäre angesichts des nationalen Erweckungserlebnis sicher in die Kitsch und Pathos Falle getappt. Zwar spart auch Wortmann nicht mit Emotionen, doch diese wirken authentisch und auf keinen Fall überzogen.
Wortmanns Film wird dem Mythos des ersten WM-Siegs für Deutschland absolut gerecht und lässt ihn weiterleben. Dabei ist das „Wunder von Bern“ beileibe kein Sportfilm, sondern vielmehr Gefühlskino erster Güte, dass von den Befindlichkeiten im Nachkriegsdeutschland erzählt. Also trotz der hervorragenden vermutlich besten Fußballszenen, die je im Kino zu sehen waren, auch ein Film für den natürlichen Feind des Kickens: das schwache Geschlecht.
______________________
Dieser Bericht erscheint auch auf meiner Homepage www.littlechef.de.
12 Bewertungen, 1 Kommentar
-
29.03.2006, 15:19 Uhr von liiiiindaaaaa
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich...über gegenlesungen würde ich mich freuen;)
Bewerten / Kommentar schreiben