Das Wunder von Bern (VHS) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Geradine

Der Ball ist rund,und ein Spiel dauert 90 min

Pro:

klasse Film, einmalig

Kontra:

im stadion ist die CompSimu zu offensichtlich

Empfehlung:

Ja

„Kopfball, abgewehrt, aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen... Rahn schießt! Tor! Tor! Tor! Tor! AUS! AUS! AUS! DAS SPIEL IST AUS! Deutschland ist Weltmeister!!! Schlägt Ungarn drei zu zwei!“

Dieser Ausspruch, erstmalig 1954 erklungen, hat mir am 24.8. dieses Jahres, wie annähernd 1000 anderen Menschen auch, eine Gänsehaut über den gesamten Körper gezaubert. An diesem Tag saß ich nämlich im Openair-Frankenheim Kino in Düsseldorf, und habe mir in der Überraschungsfilmnacht DAS WUNDER VON BERN angesehen.

Lange schon vor dem Beginn saß ich dort, und rätselte mit einem Freund, welcher Film es sein könnte, der auf solch geheimnisvolle Weise angepriesen worden war:
„Ein Film von dem Sie schon einiges gehört, den Sie aber noch nicht gesehen haben können. Seien Sie die ersten Zuschauer, die ihn unter freiem Himmel genießen, lange vor all denen, die ihn erst im Herbst in den Kinos sehen können. Und wer weiß, vielleicht sitzt ja auch ein berühmter Filmgast mit Ihnen auf der Tribüne!“

Wir zitterten und fieberten, und ein nervöses Knistern lag in der Luft, hofften doch wie man hörte, viele Leute darauf, dass es eben dieser Film sein sollte, und dass Sönke Wortmann als Mikrofon treten würde, als es hieß: „Unser Gast wird ihnen nun mitteilen, welchen Film Sie heute zu sehen bekommen.“
Als wirklich er ans vor die Leinwand trat, ging von allen Männern, und auch sehr vielen Frauen (mich eingeschlossen) ein tosender Applaus und Jubel los, war jetzt doch endlich klar, worauf wir gewartet hatten.

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Doch nun zum Film:
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Die Geschichte beginnt mitten im Ruhrpott im Jahre 1954. Helmuth Rahn, der Stürmer von Rot-Weiß Essen schießt ein Tor nach dem anderen, und verzaubert selbst die kritischsten Zuschauer. Sein kleiner Freund Matthias ist sein Maskottchen und Taschenträger zugleich. Nur wenn er bei den Spielen dabei ist, kann Helmuth die wichtigen Tore schießen.

Matthias führt ein relativ glückliches Leben, der Krieg hat die Familie auseinander gerissen, doch zugleich auch fest zusammen geschweißt. Sein Vater, den er noch nie gesehen hat, ist in sowjetischer Kriegsgefangenschaft geraten, doch die Familie hat die Jahre auch ohne ihn meistern können. Christa, Matthias’ Mutter hat eine Kneipe eröffnet, mit deren Gewinn sie die Familie am Leben halten kann. In der harten arbeit wird sie von ihren 3 Kindern unterstützt. Ihre Tochter Inge hilft als Kellnerin, der kleine Matthias steuert durch selbstgedrehte Zigaretten Geld in die Familienkasse ein und der „Große“ spielt in einer Band.
Trotz des mittlerweile recht geregelten Lebens freuen sie sich alle auf die Rückkehr des Vaters Richard, das jedoch nicht ohne Sorgen.

Der kleine Matthias, der, wie schon gesagt, seinen Vater noch nie gesehen hat, und so nur mit einem Elternteil aufgewachsen ist, hat allerdings in seinem Freund Helmuth (dem „BOSS“) einen Ersatzvater gefunden. Umso mehr freut es ihn, als dieser mit zur WM nach Bern in die Schweiz fährt, und Tore für ihn schießen will.

Nun teilt sich das geschehen des Films. Sepp Herberger fährt in die Schweiz, um dort auf die weltbesten Mannschaften zu treffen, und die Lubanskis erwartet das große Wiedersehen mit dem Familienoberhaupt Richard, der nach 11 Jahren endlich aus der Gefangenschaft zurückkommt.
Richard erkennt auf dem Bahnhof seine eigene Tochter nicht mal wieder, verwechselt sie mit seiner Frau, und ist völlig schockiert über den kleinen Matthias, über den er natürlich überhaupt nichts wusste.

Erstmals nach langen Jahren ist der Essenstisch wieder voll besetzt, alle warten gespannt auf Geschichten des Vaters oder auch auf das lang ersehnte Familienglück. Doch das Gegenteil geschieht.
Völlig verbittert, in sich zurückgezogen und abgemagert, versucht er mit allen Mitteln Zucht und Ordnung in den Alltag zurück zu bringen, verweigert seiner Frau das arbeiten in der Kneipe, Bruno das spielen in der Band, seiner Tochter das herumhuren (sie hatte nur getanzt) und dem kleinen Matthias den Gedanke an die WM, zu der er so gerne fahren möchte.
Richard möchte anscheinend nur das Beste, bemerkt aber überhaupt nicht, dass er alles kaputt macht, was seine Familie in einer Abwesenheit unter vielen Entbehrungen, Blut und Schweiß aufgebaut hatte. Als es ihm zuviel wird, verschwindet Bruno, um in die sich im Aufbau befindende DDR abzuhauen, denn dort wird jedem Arbeit versprochen und die Gleichheit aller.

Viele Hundert Kilometer weiter südlich geschehen dagegen glücklichere Dinge. Die deutsche Nationalmannschaft arbeitet sich im Turnier der besten langsam aber sicher nach vorne (siehe weiter unten). Bis sie sogar im Finale auf die Ungarn trafen. Im Fernsehen und Radio verfolgten die Deutschen zu Hause das Spektakel mit, nur der kleine Matthias nicht, der wegen Ungehorsams von seinem Vater Hausarrest aufgebrummt bekommen hatte.
Doch seine Freunde hielten ihn durch Spicker am Fenster auf dem Laufenden.

Ob es der kleine Junge doch noch schafft, den Boss durch seine Anwesenheit zu unterstützen, on Richard sich doch zum besseren ändert und ob die Deutsch das Finale gewinnen (*grins*)… seht selbst.
Ich glaube der Film kommt am 16.10 ins Kino….
Es lohnt sich auf jeden Fall.

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Darsteller und Stab:
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Helmuth Rahn, Stürmer von Rot-Weiß Essen: Sascha Göpel
Nationalmannschaftstrainer Sepp Herberger: Peter Franke
Journalist Paul und seine Frau Annette Ackermann: Lucas Gregorowicz und Katharina Wackernagel
Radiosprecher (Tor, Tor, Tor) Herbert Zimmermann: Andreas Obering
Mannschaftskapitän Fritz Walter: Knut Hartwig
Bruno, Inge und Matthias Lubanski: Mirko Lang, Birthe Wolter und Louis Klamroth
Richard und Christa Lubanski: Peter Lohmeyer und Johanna Gastdorf

Regie: Sönke Wortmann

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Beurteilung:
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Sascha Göpel / Helmuth Rahn:
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Über ihn lässt sich leider nicht viel finden, doch was wichtig zu sagen wäre, ist, dass er der einzige ausgebildete Schauspieler der Fußballmannschaft ist, was allerdings nicht heißt, dass er erst für den Film Fußball spielen lernte.
In seiner Kindheit und Jugend spielte er bei Bayer 05 Uerdingen.
Und nun…. Gerade erst aus der Schauspielschule, und schon auf der großen Kinoleinwand bei den Filmfestspielen in Locarno und im Openair Kino in Düsseldorf.
Mein Kommentar: Glückwunsch Herr Göpel… Prima Einstieg ins Showgeschäft!


Peter Franke/ Sepp Herberger:
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Nun ja… ich bin zu jung um das Original 1954 gesehen zu haben, doch habe ich mir sagen lassen, dass er (eigentlich alle Fußballer des Films) so was von gut gecastet ist, dass man fast glaubt, der richtige Herberger stünde da vor der Kamera. „Der all ist rund, und ein Spiel dauert 90 Minuten.“ Diesen Satz kennt mittlerweile jeder Fußballfan, und dementsprechend laut war auch das Gelächter, als dieser während des Films ertönte.
Ein richtiges Original, dieser Mann!


Lucas Gregorowicz und Katharina Wackernagel / Paul und seine Frau Annette Ackermann:
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Diesen beiden ist es zu verdanken, dass der Film so viele Lacher in sich hat, Annette, die eigentlich nicht die geringste Ahnung davon hat, wie man Fußball überhaupt schreibt, allerdings im Stadion in Bern den ersten Stimmungsmachenden Fan stellt.
Und Paul…. Ja…. Wie viele Leute mögen gerätselt haben, ob das Wigald Boning ist, der dort auf der Leinwand mit dieser schrecklichen Brille zu sehen ist. Der Journalist, der im Namen der Süddeutschen Zeitung in die Schweiz geschickt wird, und Notgedrungen seine Frau mitnehmen muss…. Ja… lustig ist es schon, wie er sprachlos in der Pressekonferenz mit dem Trainer sitzt, versucht seine Fragen zu stellen, aber aus reiner Nervosität zu stottern anfängt und einen Irrsinn redet, der eigentlich seiner Angetrauten zuzutrauen wäre. Süß, und witzig, die beiden.


Andreas Obering / Herbert Zimmermann:
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Eine kleine, aber doch sooooooo wichtige Rolle…..
Ich wiederhole mich ungern, aber es muss sein:

„Kopfball, abgewehrt, aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen... Rahn schießt! Tor! Tor! Tor! Tor! AUS! AUS! AUS! DAS SPIEL IST AUS! Deutschland ist Weltmeister!!! Schlägt Ungarn drei zu zwei!“

Ich denke… das sagt alles über die Rolle…. Gänsehautfeeling im Originalton.


Knut Hartwig / Fritz Walter:
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Der Streber… Der Mannschaftskapitän… Der Fritz Walter. Gespielt von einem Mann, der genauso wie Sascha Göpel Fußballerfahrung mit eingebracht hat. Denn er spielte mittlerweile beim Wuppertaler SV, SC Preußen 1906 Münster und dem SC Rot-Weiß Essen.
Er ist im Film der ruhige Pohl, der Zimmerkumpane vom Boss in Bern, und der Mann, der Rahn beim Trainer vorschlägt, sich für ihn nach einer Frustsaufaktion einsetzt, und ihm guter Freund ist. Sympathieträger!


Mirko Lang, Birthe Wolter und Louis Klamroth / Bruno, Inge und Matthias Lubanski:
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Irgendwie denkt man bei relativ unbekannten Kindern in Filmen, sie würden so natürlich aussehen, weil es für sie neu ist, sie einfach ihre Rolle als Kind spielen. Doch ist es wirklich so einfach, ein deutsches Kind in den Nachkriegsjahren zu spielen?
Es sieht doch so einfach aus….
Birthe Wolter ist keineswegs unerfahren, was die Schauspielerei angeht. Schon 3 Kinofilme und etliche TV-Produktionen hat die 22-jährige Studentin der Bayrischen Theaterakademie hinter sich.
Mirko Lang, auch kein unerfahrener Schauspieler, er spielte schon mit Robert Stadlober zusammen in Engel+Joe.
Auch der kleine Louis Klamroth ist kein Neuling auf dem Gebiet der Schauspielerei: 2001 spielte er eine Hauptrolle in DER MISTKERL. Der am 28.10.1989 geborene Louis Klamroth lebt mit seiner Familie in Hamburg. Louis hat noch drei jüngere Geschwister, zwei Schwestern und einen Bruder.


Peter Lohmeyer und Johanna Gastdorf / Richard und Christa Lubanski:
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Hier findet sich der wohl bekannteste Schauspieler des gesamten Filmes, und für mich persönlich auch der Beste: Peter Lohmeyer. Seine Filme aufzuzählen würde den bericht nur noch mehr in die Länge ziehen, auch ist es gar nicht nötig. Er ist einer der ganz großen im deutschen Film, und das auch nicht ohne Grund, wie dieser Film beweist. Der Vater, der aus der schrecklichen Kriegsgefangenschaft wiederkommt, sich im heimischen Deutschland und in seiner Familie missverstanden und falsch fühlt. Alles hat sich geändert, er ist entbehrlich geworden, seine Familie kommt auch ohne ihn aus. Die Kinder tanzen nicht mehr nach seiner Pfeife und keiner versteht ihn. Das alles macht dem Mann so sehr zu schaffen, dass er sogar zu Gewalt greift, und seinen jüngsten schlägt.
Langsam und behutsam findet er dann aber doch zurück ins Familienleben, zu der Liebe seiner Frau und seiner Kinder und… in sein Leben.
Wahnsinns schauspielerische Leistung, wie ich finde!
Grandios!
Christa, die Mutter, die ihre 3 Kinder mit aller Kraft und sehr viel Mut durch den Krieg gebracht, und nie die Hoffnung auf die Wiederkehr ihres Mannes aufgegeben hat. Gespielt von einer starken Frau: Johanna Gastdorf.
Die studierte Schauspielerin spielte schon in vielen Fernsehproduktionen mit, ist aber eher auf der Bühne zu Hause.


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Und als Bonus noch für alle Fußballfans, der Turnierverlauf:
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Die Vorrunde
Begegnungen Gruppe 1
Jugoslawien Frankreich 1 : 0
Brasilien Mexiko 5 : 0
Brasilien Jugoslawien 1 : 1 (n. V.)
Frankreich Mexiko 3 : 2


Abschlußtabelle Gruppe 1
1. Brasilien 6:1 3:1
2. Jugoslawien 2:1 3:1
3. Frankreich 3:3 2:2
4. Mexiko 2:8 0:4


Begegnungen Gruppe 2
Deutschland Türkei 4 : 1
Ungarn Südkorea 9 : 0
Ungarn Deutschland 8 : 3
Türkei Südkorea 7 : 0

Entscheidungsspiel um Platz 2: Deutschland vs. Türkei 7 : 2

Abschlußtabelle Gruppe 2
1. Ungarn 17:3 4:0
2. Deutschland 7:9 2:2
3. Türkei 8:4 2:2
4. Südkorea 0:16 0:4


Begegnungen Gruppe 3
Uruguay Tchecheslowakei 2 : 0
Österreich Schottland 1 : 0
Österreich Tchecheslowakei 5 : 0
Uruguay Schottland 7 : 0


Abschlußtabelle Gruppe 3
1. Uruguay 9:0 4:0
2. Österreich 6:0 4:0
3. Tchecheslowakei 0:7 0:4
4. Schottland 0:8 0:4


Begegnungen Gruppe 4
England Belgien 4 : 4 (n.V.)
Schweiz Italien 2 : 1
England Schweiz 2 : 0
Italien Belgien 4 : 1

Entscheidungsspiel um Platz 2: Schweiz vs. Italien 4 : 1

Abschlußtabelle Gruppe 4
1. England 6:4 4:0
2. Schweiz 2:3 2:2
3. Italien 5:3 2:2
4. Belgien 5:8 0:4


Viertelfinale
Uruguay England 4 : 2
Österreich Schweiz 7 : 5
Deutschland Jugoslawien 2 : 0
Ungarn Brasilien 4 : 2


Halbfinale
Deutschland Österreich 6 : 1
Ungarn Uruguay 4 : 2 (n.V.)


Spiel um Platz Drei
Österreich Uruguay 3 : 1


Finale
Deutschland Ungarn 3 : 2









Zu Ehren von Helmuth Rahn, dem Schützen des 3:2 im Finalspiel der WM \'54, der an diesem Film mitgewirkt hat, ihn allerdings nie sehen konnte.

19 Bewertungen, 1 Kommentar

  • liiiiindaaaaa

    29.03.2006, 15:22 Uhr von liiiiindaaaaa
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich...über gegenlesungen würde ich mich freuen;)