Das Zimmer meines Sohnes (VHS) Testbericht

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Erfahrungsbericht von andy77

Grosses Kino

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Inhalt:

Psychoanalytiker Giovanni führt ein perfektes Mittelstandsleben, in dessen Zentrum der liebevolle Umgang mit seiner Frau und seinen zwei Kindern steht. Seine Frau ist Verlegerin und Irene und Andrea befinden sich gerade im Teenageralter. Als Giovannis Sohn bei einem Tauchunfall ums Leben kommt, gerät sein Leben aus den Fugen und die Familienidylle zerbricht. Jeder verarbeitet die Tragödie auf seine Weise. Giovanni macht sich Selbstvorwürfe zu wenig Zeit mit seinem Sohn verbracht zu haben, die Mutter flüchtet sich in willkommene Ablenkung einer Urlaubsbekanntschaft ihres Sohnes und baut eine Mauer des Schweigens um sich herum auf und Irene lässt all ihre Wut auf dem Basketballplatzt raus. Nachdem Trauer und Verlust den Familienkern zu sprengen drohen, wagt Giovanni einen ersten Schritt in eine neue Normalität und es scheint ein kleiner Hoffnungsschimmer zu keimen.

Kritik:

Nanni Moretti gilt spätestens nach seinem weltweiten Erfolg \"Liebes Tagebuch\" als einer der bedeutensten Filmemacher Italiens. Anders als in seinen letzten beiden Filmen handelt es sich bei \"Das Zimmer meines Sohnes\" um eine fiktive Geschichte, über den Verlust eines geliebten Menschen. Von Beginn an begleiten wir Giovanni, dessen Leben unspektakulär verläuft und der alles erreicht hat, was man sich im Leben wünscht. Ein harmonisches Familienleben, Freunde und einen ihn ausfüllenden Job. Die Zeit vertreibt er sich mit seinen Kindern, um die er sich liebevoll kümmert und mit Sport. Giovanni liebt es durch seine Heimatstadt Ancona zu joggen, egal um welche Uhrzeit.

Mit einer dieser einsamen Joggingausflüge am Hafen entlang beginnt der Film und Moretti benutzt dies als immer wiederkehrendes Bild für Giovannis Gedanken und Träume. Zu Beginn erweckt der Film den Anschein einer langweiligen Familiengeschichte. Alles scheint perfekt, jeder steht mit beiden Beinen im Leben und die einzigen Höhepunkte der Familienidylle offenbart sich in kleinen eher unbedeutend wirkenden Situationen. In diesen Momenten aber, entfaltet Moretti sein grossartiges Gespühr für kleine bewegende Szenen. So beginnt Giovanni zum Beispiel während einer Autofahrt zu singen und obwohl er überhaupt nicht singen kann, stimmen die anderen drei nacheinander ein. In einem anderen Moment sitzen Giovanni und Paola mit ihrer Tochter Irene am Tisch und versuchen zu dritt einen Sinn in die Übersetzung eines lateinischen Textes zu bekommen. Irene wird von ihren Eltern eingerahmt, in gewisser Weise beschützt. Diese beiden Szenen verdeutlichen die Kraft die solche kleinen leisen Töne haben können und vermitteln mehr als nur Geborgenheit.

Dann kommt der Bruch. Alles ist verändert, nichts bleibt wie es war. Andrea stirbt bei einem Tauchunfall. Es beginnt eine für Darsteller und Zuschauer gleichermaßen qualvoll bedrückende und schmerzhafte Zeit. Moretti zeigt wie jeder der drei den Tod der geliebten Person zu verarbeiten versucht. Dabei verzichtet er auf große melodramatische Szenen, sondern beobachtet sensibel wie sie versuchen diesen Verlust zu bewältigen. Dies gelingt Moretti mit einer Einfachheit der Bilder und Gesten der Darsteller so überzeugend, dass einem die Luft weg bleibt.

Dabei verliert der Film aber niemals die schönen Dinge des Lebens, die neben der Tragödie weiterhin existieren, aus den Augen und lässt jederzeit Hoffnung auf einen Neuanfang aufkeimen.

Ich bin überzeugt davon, dass \"Das Zimmer meines Sohnes\" der beste Film zum Thema Tod und Verlust ist, der jemals gedreht wurde. Er bewegt und stellt die Trauerarbeit die zu leisten ist derart realistisch dar, dass man noch lange nach dem Abspann berührt ist von diesen kleinen grossen Momenten des Lebens, die man zu sehen bekam. Zu Recht bekam Nanni Moretti dieses Jahr die Goldene Palme in Cannes. Allein schon die letzte Szene, in der Giovanni, Paola und Irene sich von Arianna, einer Freundin ihres Sohnes, verabschieden und wir sie aus dem wegfahrenden Bus beobachten wie sie gemeinsam, aber jeder für sich zum Strand laufen, erklärt alles. Jeder geht seinen eigenen Weg, aber alle drei sind angesichts der Geschehnisse enger zusammengerückt. Dieses abschliessende Bild vermittelt soviel Eindringlichkeit und Kraft, die wieder hoffen lässt und tief bewegt. Grosses Kino eben.

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