Das Zimmer meines Sohnes (VHS) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
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Erfahrungsbericht von egonman
Wenn die Trauer zum Panzer wird !
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
„Das Zimmer meines Sohnes“ , Regie Nanni Moretti .
Mit Nanni Moretti , Laura Morante , Giuseppe Safelice und Jasmine Trica .
Eine einfühlsame Familien-Geschichte von Nanni Moretti „Das Zimmer meines Sohnes“ erzählt den Tod , Trauer und ihrer Bewältigung !
Giovannis Leben ist gewöhnlich und dabei beinahe idyllisch : Er geht joggen , trinkt Kaffee in der Bar , empfängt die unterschiedlichsten Klienten in seiner psychoanalytischen Praxis und ist nach der Arbeit nur wenige Schritte nebenan zu Hause bei seiner Frau Paola (Laura Morante) , ihrer Tochter Irene und dem Sohn Andrea . Ein überschaubarer Familien-Kosmos , der trotz unvermeidlicher kleiner Probleme vor allem Harmonie und Geborgenheit ausstrahlt .
Nanni Morettis „Das Zimmer meines Sohnes“ beginnt als Studie in Alltäglichkeit . Nur ganz am rande , etwa in einem Analyse-Gespräch oder in einer Latein-Übersetzung der Tochter , klingen großeThemen an , geht es um den Menschen und das Universum oder die Macht des Schicksals . Doch noch ruhen diese Fragen sicher im Schoß eines geregelten Alltags . In einer intakten Familie stellt sich keine Sinn-Frage , weil sie selbst die Antwort ist .
Die Katastrophe kommt an einem Sonntag : Ein Patient ruft Giovanni (Nanni Moretti) an und bittet um einen kurzfristigen Haus-Besuch . Der Therapeut willigt ein , ungeachtet seiner Verabredung mit andrea (Giuseppe Safelice) zum gemeinsamen Laufen . Andrea geht statt dessen mit Freunden zum Tauchen ins Meer und ertrinkt . und die Idylle liegt in Scherben . Mit einem Schlag haben alle Bereiche des Lebens - das gemeinsame Essen , der Sport , die Wohnung , die Arbeit - ihre Unschuld und ihre Selbstverständlichkeit verloren . Für die Zurückgebliebenen ist es unmöhlich , weiterzumachen wie zuvor . Aber wie kann es überhaupt weitergehen ? Einen film über den Schmerz habe er machen wollen , sagt Nanni Moretti , der sich zuletzt mit seinen vergnüglichen Nabel-Schauen „Liebes Tagebuch“ und „Aprile“ als eine Art italienische Woody-Allen-Alternative profiliert hatte . Jahre schon trug er die Idee zu „La stanza del figlio“ mit sich herum , eine Herzens-Angelegenheit , die ihn so sehr emotional vereinnahmte , dass er das Projekt lange auf Eis legen musste , als er selbst Vater wurde . Es war zu nahe zu bedrohlich .
Vielleicht resultiert daraus die Sensibilität und die besondere Haltung von Morettis Film , die ihn zu einer so eindringlichen Kino-Erfahrung machen . Denn hier geht es keineswegs um Tränen-Quetschen zu Geigen-Klängen , sondern um die couragierte Schilderung einer zugleich psychologisch beinahe prototypischen und dabei noch höchst individuellen Verlust-Situation . Das beobachtend , aber nie sentimental . Das Leben geht weiter nach Andreas Tod,
aber Giovanni kann nicht mehr Schritt halten . Schuld-Gefühle plagen ihn , und die Probleme der Klienten werden für ihn unerträglich . Dem besonnenen Psycho-Analytiker fehlen die Worte und die Energie . Die Tochter (Jasmine Trinca) entläd ihre hilflose Wut auf dem Basketball-Platz , die Mutter kann die Nähe ihres Mannes nicht mehr ertragen . Sie alle tragen ihre Trauer wie einen Panzer , der sie voneinander trennt . Dabei sind viele Szenen innerhalb der Familie in einer Einstellung , ohne Schnitt gedreht , was ihre Intensität noch erhöht .
Mit großem Einfühlungsvermögen zeigt „Das Zimmer meines Sohnes“ , der in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde , die langsamen Veränderungen innerhalb der traumatisierten Familie , die erst durch einen Anstoß von außen , einen Brief von einer Freundin Andreas , neue Kraft bekommt . Und letztlich gelingt es Morettis Film sogar , dass man das Kino nicht mit einem Gefühl der Niedergeschlagenheit verlässt , sondern berührt und beeindruckt von einer Wahrhaftigkeit , wie man ihr selten im Kino begegnet !
Mit Nanni Moretti , Laura Morante , Giuseppe Safelice und Jasmine Trica .
Eine einfühlsame Familien-Geschichte von Nanni Moretti „Das Zimmer meines Sohnes“ erzählt den Tod , Trauer und ihrer Bewältigung !
Giovannis Leben ist gewöhnlich und dabei beinahe idyllisch : Er geht joggen , trinkt Kaffee in der Bar , empfängt die unterschiedlichsten Klienten in seiner psychoanalytischen Praxis und ist nach der Arbeit nur wenige Schritte nebenan zu Hause bei seiner Frau Paola (Laura Morante) , ihrer Tochter Irene und dem Sohn Andrea . Ein überschaubarer Familien-Kosmos , der trotz unvermeidlicher kleiner Probleme vor allem Harmonie und Geborgenheit ausstrahlt .
Nanni Morettis „Das Zimmer meines Sohnes“ beginnt als Studie in Alltäglichkeit . Nur ganz am rande , etwa in einem Analyse-Gespräch oder in einer Latein-Übersetzung der Tochter , klingen großeThemen an , geht es um den Menschen und das Universum oder die Macht des Schicksals . Doch noch ruhen diese Fragen sicher im Schoß eines geregelten Alltags . In einer intakten Familie stellt sich keine Sinn-Frage , weil sie selbst die Antwort ist .
Die Katastrophe kommt an einem Sonntag : Ein Patient ruft Giovanni (Nanni Moretti) an und bittet um einen kurzfristigen Haus-Besuch . Der Therapeut willigt ein , ungeachtet seiner Verabredung mit andrea (Giuseppe Safelice) zum gemeinsamen Laufen . Andrea geht statt dessen mit Freunden zum Tauchen ins Meer und ertrinkt . und die Idylle liegt in Scherben . Mit einem Schlag haben alle Bereiche des Lebens - das gemeinsame Essen , der Sport , die Wohnung , die Arbeit - ihre Unschuld und ihre Selbstverständlichkeit verloren . Für die Zurückgebliebenen ist es unmöhlich , weiterzumachen wie zuvor . Aber wie kann es überhaupt weitergehen ? Einen film über den Schmerz habe er machen wollen , sagt Nanni Moretti , der sich zuletzt mit seinen vergnüglichen Nabel-Schauen „Liebes Tagebuch“ und „Aprile“ als eine Art italienische Woody-Allen-Alternative profiliert hatte . Jahre schon trug er die Idee zu „La stanza del figlio“ mit sich herum , eine Herzens-Angelegenheit , die ihn so sehr emotional vereinnahmte , dass er das Projekt lange auf Eis legen musste , als er selbst Vater wurde . Es war zu nahe zu bedrohlich .
Vielleicht resultiert daraus die Sensibilität und die besondere Haltung von Morettis Film , die ihn zu einer so eindringlichen Kino-Erfahrung machen . Denn hier geht es keineswegs um Tränen-Quetschen zu Geigen-Klängen , sondern um die couragierte Schilderung einer zugleich psychologisch beinahe prototypischen und dabei noch höchst individuellen Verlust-Situation . Das beobachtend , aber nie sentimental . Das Leben geht weiter nach Andreas Tod,
aber Giovanni kann nicht mehr Schritt halten . Schuld-Gefühle plagen ihn , und die Probleme der Klienten werden für ihn unerträglich . Dem besonnenen Psycho-Analytiker fehlen die Worte und die Energie . Die Tochter (Jasmine Trinca) entläd ihre hilflose Wut auf dem Basketball-Platz , die Mutter kann die Nähe ihres Mannes nicht mehr ertragen . Sie alle tragen ihre Trauer wie einen Panzer , der sie voneinander trennt . Dabei sind viele Szenen innerhalb der Familie in einer Einstellung , ohne Schnitt gedreht , was ihre Intensität noch erhöht .
Mit großem Einfühlungsvermögen zeigt „Das Zimmer meines Sohnes“ , der in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde , die langsamen Veränderungen innerhalb der traumatisierten Familie , die erst durch einen Anstoß von außen , einen Brief von einer Freundin Andreas , neue Kraft bekommt . Und letztlich gelingt es Morettis Film sogar , dass man das Kino nicht mit einem Gefühl der Niedergeschlagenheit verlässt , sondern berührt und beeindruckt von einer Wahrhaftigkeit , wie man ihr selten im Kino begegnet !
18 Bewertungen, 1 Kommentar
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13.04.2002, 18:51 Uhr von AliAsAliAs
Bewertung: sehr hilfreichkannte ich noch gar nicht - gruß vom alias
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