Deep in the Woods - Allein mit der Angst (DVD) Testbericht

Deep-in-the-woods-allein-mit-der-angst-dvd-horrorfilm
ab 11,84
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 11/2011

5 Sterne
(0)
4 Sterne
(1)
3 Sterne
(2)
2 Sterne
(2)
1 Stern
(3)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von mima007

Lass uns in den Nachtwald gehn...

Pro:

spannend, schön inszeniert, sinnlich, unheimlich, gute DVD-Ausstattung

Kontra:

sehr irrationaler Horror, kein Making-of

Empfehlung:

Ja

Fünf junge Schauspieler sollen in einem alten, waldumschlossenen Schloss das Märchen \"Rotkäppchen und der Wolf\" aufführen. Nur wenige von ihnen überleben diesen Besuch.

Filminfos

Originaltitel: Promenons-nous dans les bois (Frankreich 2000)
Deutscher Kinostart: 12.07.2001
Kauf-DVD: 07.05.2002
Altersfreigabe: ab 18 Jahren
Filmlänge: 84 min
Schauspieler: François Berléand , Denis Lavant, Marie Trintignant, Michel Muller
Regie: Lionel Delplanque
Musik: Jerome Coullet
Drehbuch: Lionel Delplanque, Annabelle Perrichon

Handlung

Im Prolog erzählt eine schöne Frau einem Kind das Märchen von Rotkäppchen: \"Lass uns in den Nachtwald gehen...\" Leider ist die Idylle nicht von Dauer: Die Frau wird mit einer Garotte erdrosselt.

Fünf junge Schauspieler sind engagiert worden, in einem einsam im Wald gelegen Schloss eine Vorstellung von \"Rotkäppchen\" zu geben. Im Autoradio kommt die Meldung, dass ein Serienörder gesucht werde. Die Schranke vor dem Anwesen des Grafen wird von einem Nachfahren Igors aus \"Young Frankenstein\" geöffnet: Stéphane ist der Jagdaufseher. Ein Unglücksrabe beobachtet das Auftauchen der jungen Leute.

Da ist einmal das Pärchen Mathieu und mathilde sowie die beiden Lesben Sophie und Jeanne (sie ist stumm, aber nicht taub). Wilfried ist ein Einzelgänger und Störfaktor im Ensemble, das nun beim Grafen zu Abend ist. Graf Axel de Fersen sitzt im Rollstuhl und erzählt, er habe vor kurzem seine Tochter verloren. Sein Sohn Nicholas ist stumm, schaut aber auch etwas merkwürdig drein. Zu Ehren seines zehnten Geburtstags soll das Märchen \"Rotkäppchen und der Wolf\" aufgeführt werden. Es beruhigt nicht gerade die Nerven, als sich Nicholas eine Gabel in die Hand rammt.

Auch die anderen Schlossbewohner sind nicht ohne Macken: Stephane fotografiert die jungen leute beim Sex. Der Graf lässt sich von Wilfried Goethes \"Erlkönig\" vorlesen und entpuppt sich als verkappter Homo. Eine Party mit lauter Musik stört Sophie gewaltig. Da taucht unvermittelt ein Polizist auf, der den Mörder der Grafentochter sucht. Er beleidigt Wilfried aufs gröbste, doch keiner weiß, warum.

Die vier jungen Leute wandern ohne Sophie durch den Wald, so dass Jeanne und Wilfried Gelegenheit haben, miteinander Liebe zu machen. Kaum aus dem Wald zurückgekehrt, wird Mathilde im Badezimmer gemeuchelt. Ein Art Wahnsinn scheint nacheinander alle Schloßbewohner zu ergreifen, und die empfindsame Sophie ist eh schon kurz vorm Durchdrehen. Kein Wunder, dass es nur wenige Überlebende gibt, wenn überhaupt...

Mein Eindruck

\"Blair Witch Project\" ist an allem schuld. Danach hagelte es nur so von Filmen, in denen junge Leute planlos durch finstre Wälder stolpern. In denen lauern dann Hexen und andere Monster. Dass für einen Franzosen wie Lionel Delplanque ausgerechnet das deutsche Märchen von Rotkäppchen – selbst wenn es seit dem 19. Jahrhundert in Frankreich und England verbreitet bekannt ist – den Aufhänger für seinen Film lieferte, verwundert hingegen ein wenig. Einfach aus dem Grund, dass darin kein Wolf vorkommt (wohl aber ein menschliches Ungeheuer), und zweitens weil es bislang keinen Horrorfilm aus Frankreich gegeben hat, der diesen Namen verdient. \"Purpurne Flüsse\", \"Pakt der Wölfe\" – das sind unheimliche Thriller, die aber stets eine rationale Auflösung finden.

\"Deep in the woods\" will gar nicht rational sein. Und es liefert auch kein Rätsel. Es will ein Irrgarten der Ängste sein, in denen horrible Taten scheinbar ohne jeden Grund geschehen - es sei denn, die Vernichtung von Eindringlingen sei ein hinreichender Grund. Der Film erhebt nicht einmal den Anspruch, eine Verfilmung von \"Rotkäppchen\" zu sein, wie es etwa noch für Neil Jordans ausgezeichneter Märchenhorrorfilm \"Zeit der Wölfe\" zutrifft. Horror, nichts als Horr: Das ist \"Deep in the woods\".

Es sieht gut aus und klingt wie Horror - aber funktioniert es auch?

Das tut \"Deep in the woods\" zweifellos. Die Bilder sind makellos fotografiert und inszeniert. Die Story selbst lebt nicht nur von der Sprache unheilvolle Symbole wie etwa der Unglückskrähe am Anfang – das wäre ein wenig dünn. Vielmehr sind es die etwas schrägen Figuren, die im Schloss leben, die uns Angst einjagen: der unheimliche, stumme Junge; sein homosexueller, cholerischer Vater; und schließlich der ebenso verrohte wie hässliche Fortverwalter Stéphane.

Die jungen Leute, in der Blüte ihrer Jugend, sind in ein tödliches Labyrinth geraten, das vom \"ancien régime\" errichtet wurde: Die Macht der alten Herrschaftsverhältnisse meuchelt die Jugend, nicht aus einem bestimmten Grund oder zu einem Zweck, nein, das \"ancien régime\" ist irrational und obsolet angesichts des Mangels seiner Existenzberechtigung: Es ist wie der böse Wolf im Märchen – es muss Leben vernichten, selbst wenn es dabei selbst draufgeht. Der \"Erlkönig\" aus dem Gedicht ist eine weitere perfekte Metapher dafür. Erlkönigs Töchter steuern eine erotische Komponente bei, die sich im Film wiederfindet (mehrere Sexszenen, darunter im Wald). Nun ja, für solche Dinge sind die Franzosen genau die richtigen.

Die DVD

Bildformat: Widescreen (2.35:1 - anamorph)
System: PAL
Tonformate / Sprachen: Dolby Digital 5.1 in Deutsch, Dolby Digital 5.1 in Französisch
Untertitel: Deutsch

Bonus-Material:
- Kurzfilm “Ebene 9\" von Maren Ade (D, 2000, 14 Min.)
- Starinfos
- PC-Spiel Demoversion“Alone in the Dark 4\"
- 6 Horror- und Actionkino-Trailer, darunter natürlich \"Blair Witch Project\"
- Trailer und Teaser zum Film
- Produktionsnotizen über die Dreharbeiten
- Fotogalerie

Die DVD

... weist an interessanten Hintergrundinfos vor allem die Produktionsnotizen des Regisseurs, dann die Starinfos sowie eine Fotogalerie auf. Der Rest ist teils Werbung in Form von Trailern, teils Zugaben. Zu diesen gehören ein deutscher Kurzfilm von Maren Ade, der den Suspense aus der unheimlichen Architektur einer Tiefgarage bezieht; und die Demoversion eines PC-Actionspiels. Dieses hat der Rezensent nicht gespielt, da der Film im Mittelpunkt des Interesses steht.

Erwähnt sei zumindest noch, dass die DVD sich in einem dreiteiligen Klappkarton befindet, welcher sich wiederum in einen Schuber einfügen lässt. Beide Teile sind an allen strategisch wichtigen Stellen mit Infos und Werbung bedruckt. Dieses Kinowelt-Produkt ist also sein Geld wert. Schade, dass es erst ab 18 Jahren freigegeben ist.

Unterm Strich

Es würde nicht schwerfallen, diesem perfekt gemachten Horrorstreifen die volle Punktzahl zuzusprechen, wenn da nicht am Schluss eine Kleinigkeit fehlen würde. Wir wissen am Ende nicht wesentlich mehr als am Anfang, und es gibt niemanden, der uns das Warum und Wie erklärt. Wir befinden uns in der weiterhin der Steppe der Absurdität moderner Existenz – das Unheil schlägt zu, wo und wann es will, und selbst in der Blüte unserer Jahre und trotz all unseres Erfindungsreichtums können wir uns nicht dagegen wappnen.

Das ist ein äußerst trauriger Schluss für ein Horrormärchen. Das Monster, der Wolf mag ja tot sein, aber in Sicherheit sind wir deshalb noch lange nicht. - Vielleicht sollen wir aber auch nur auf die Fortsetzung warten, um von dieser Spannung erlöst zu werden...

Fazit: vier von fünf Sternen

Michael Matzer © 2003ff

21 Bewertungen