DellaMorte DellAmore (DVD) Testbericht

Dellamorte-dellamore-dvd-horrorfilm
ab 27,90
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Erfahrungsbericht von Realjackass

Die lebenden Toten und die sterbenden Lebenden

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

"Dellamorte Dellamore" ist einer der ersten Filme, die ich mir zulegte, als ich damit anfing, mich für die etwas härteren Horrorfilme zu interessieren. Allerdings hat mir der Streifen, als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe, nicht so sehr zugesagt wie erwartet, woraufhin er lange Zeit unangetastet im Regal stehen blieb. Gestern wollte ich es aber erneut versuchen und gab "Dellamorte Dellamore" eine zweite Chance. Und was soll ich sagen? Dieses Mal konnte er mich weitaus mehr begeistern.




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+STORY+
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Francesco Dellamorte (Rupert Everett) ist Totengräber auf einem Friedhof, der ein äußerst düsteres Geheimnis birgt. Ein paar Tage nachdem eine Leiche dort begraben wurde, kehrt sie als Untoter aus dem Grab zurück, um ihren Hunger nach Menschenfleisch zu stillen. Francesco stört sich jedoch nicht sonderlich an dieser Tatsache, sondern sieht in ihr ein Teil seines Jobs. Sobald ein Toter aus seinem Grab steigt, schießt ihm Francesco eine Kugel ins Gehirn und begräbt ihn erneut. Unterstützt wird Francesco bei seiner Arbeit von seinem einzigen Freund, dem geistig zurückgebliebenen und nicht sonderlich attraktiven Gnaghi (François Hadji-Lazaro), der niemals ein Wort spricht. Bschäftigungen hat Francesco keine, davon abgesehen, dass er es als sein Hobby sieht, die Namen der Verstorbenen aus dem örtlichen Telefonbuch zu streichen.

Schon bald kommt allerdings eine Abwechslung in das Leben des Friedhofswärters, als er eine junge, bildhübsche Witwe (Anna Falchi) kennenlernt und sich sogleich in sie verliebt. Dies beruht scheinbar auf Gegenseitigkeit und schon bald fallen die Beiden in Ekstase übereinander her. Das Liebesspiel findet dabei ausgerechnet auf dem Grab des zuvor verstorbenen Ehemannes statt. Blöderweise kommt er genau in diesem Moment als Untoter zurück und beißt die junge Frau in den Hals. Francesco bleibt aufgrund dessen nichts anderes übrig, als seine Geliebte zu erschießen, da sie ansonsten ebenfalls als Untote zurückkehren würde. Dieses Ereignis geht allerdings nicht spurlos an ihm vorüber und wirft den jungen Friedhofswärter völlig aus der Bahn. Gnaghi hat derweil auch endlich eine Partnerin gefunden. Den abgetrennten, mittlerweile wieder lebendigen Kopf der Tochter des Bürgermeisters, die kurz zuvor bei einem tragischen Unfall enthauptet wurde. Francesco dreht nach einiger Zeit der Trauer total durch, hat Visionen des Todes und beschließt, die Menschen der angrenzenden Stadt Buffalora von ihrem "furchtbaren Schicksal" zu erlösen...




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+DATEN ZUM FILM+
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Originaltitel: Dellamorte Dellamore
Herstellungsland: Frankreich, Italien
Erscheinungsjahr: 1994
Laufzeit: ca. 98 Min.
Freigabe: FSK 18
Indiziert: Nein

Regie: Michele Soavi
Buch: Gianni Romoli, Tiziano Sclavi
Produzent: Heinz Bibo, Tilde Corsi, Gianni Romoli, Michele Soavi
Kamera: Mauro Marchetti
Schnitt: Franco Fraticelli
Originalmusik: Riccardo Biseo, Manuel De Sica

Darsteller:
Rupert Everett.....Francesco Dellamorte
François Hadji-Lazaro.....Gnaghi
Anna Falchi.....Sie
Mickey Knox.....Marshall Straniero
Fabiana Formica.....Valentina Scanarotti
Clive Riche.....Doctor Verseci
Katja Anton.....Claudio's Freundin
Barbara Cupisti.....Magda
uvm.




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+BEZUGSMÖGLICHKEITEN+
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Obwohl der Film in seiner ungeschnittenen Fassung von Laser Paradise vertrieben wird, ist dies kein Grund zum sofortigen Suicid, da die Qualität überraschenderweise einer DVD würdig ist. LP hat den Film sowohl in ihrer bekannten Red Edition, als auch in einer Christmas Edition veröffentlicht, die mittlerweile beide für wenig Geld zu haben sind.
Ignorieren sollte man dagegen die geschnittene 16er Version von KSM, die es höchstens wert ist, als Kaffeetassenunterlage durchzugehen, zu mehr taugt dieser Billigrelease keinesfalls.




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+KRITIK+
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"Tod
Tod schwingt sich herab
Stürzt uns voll Lust in sein Finstres Grab
Tod
Der das Grauen in den Händen hält
Verbirg dein Gesicht vor den Augen der Welt
Tod
Geboren aus Lebensgier
Bringt Hass und Liebe
Dann zeigt er dir mit Paukenschlag am Jüngsten Tag
Das grauen das noch folgen mag
Ohne Anfang
Ohne Ende
Auf Ewig
Amen" (Francesco Dellamorte)

Nachdem die Flut an Zombie- und sonstigen Splatterfilmen Ende der 80er langsam abgeklungen war, war es für einige Zeit ruhig um den Horrorfilm. Italien war einst DAS Bezugsland für gute Horror und Splatterkost, doch mittlerweile machten sich billige US-Produktionen daran, den Italienern ihren Rang abzulaufen. In dieser Zeit meldete sich dann ein gewisser Michele Soavi zu Wort, der zuvor schon mit Filmen wie "The Church" und "Stage Fright" auf sich aufmerksam machte. Einst war Soavi Regieassistent bei Dario Argento, was vielleicht auch seinen Filmstil erklären dürfte, der dem des Meisters doch recht ähnlich ist. Wie dem auch sei, mit "Dellamorte Dellamore" hat Soavi einen einzigartigen Genrefilm geschaffen, der sich vor den Glanzleistungen Argento's keinesfalls verstecken muss.

Die Story alleine hebt sich schon sehr von dem ab, was man sonst von dem meist einfallslosen Genre so kennt. Hier werden weder irgendwelche Teenies nach dem 10 kleine Negerlein Prinzip abgeschlachtet, noch geht es vordergründig um Untote. Nein, was uns Michele Soavi hier in poetischen Bildern zeigt ist das Leben eines Friedhofswärters. Was zuerst nicht spannend klingt, gewinnt zusätzlich dadurch an Einmaligkeitswert, dass es nicht die täglichen Säuberungsaktionen sind, die Francesco durchführen muss, sondern mehr sein Innenleben, das unter seiner Arbeit sehr leiden muss. Zuerst hat es den Anschein, dass ihm die Wiederkehrer überhaupt nichts ausmachen. Seelenruhig verpasst er ihnen Kopfschüsse und schlägt ihnen den Schädel ein - nicht weiter tragisch, es ist einfach ein Teil seines Jobs und der wird erfüllt. Francesco lässt sich in keinster Weise etwas anmerken. Er ist der gutaussehende Junggesselle, der zu jedem freundlich und zuvorkommend ist und seine Mitmenschen mit Respekt behandelt. Trotzdem, seine Lebensphilosophie sieht anders aus, wie der Satz "Die lebenden Toten und die sterbenden Lebenden. Wie ähnlich sind sie sich." eindrucksvoll beweist. Im Grunde genommen hat Francesco nichts für andere Menschen übrig sondern sieht sie nur als weitere Arbeit, die eines Tages auf ihn zukommen wird.

Ein nicht viel besseres Bild gibt Gnaghi ab, der fette, glatzköpfige Freund Francesco's, der auf den ersten Blick wirkt, als sei er einer psychiatrischen Anstalt entflohen. Er wirkt oftmals geistig abwesend und spricht nie ein Wort, dafür hilft er Francesco allerdings sehr bei seiner Arbeit. Michele Soavi lässt sich zu Beginn viel Zeit, die beiden Sonderlinge genug vorzustellen und kreiert fast schon so etwas wie eine heile Welt. Francesco und Gnaghi mögen zwar auf einem Friedhof arbeiten und beinahe jede Nacht Zombies den Schädel spalten, doch sie sind im Grunde genommen glücklich, mit dem was sie tun.

Das soll sich allerdings ändern, als SIE in Francesco's Leben tritt. Eine junge, wunderschöne Frau, die sich genau so zu ihm hingezogen fühlt wie er sich zu ihr. Schon kurz nach ihrer ersten Begegnung lieben sie sich leidenschaftlich, was allerdings den Tod der unbekannten Schönen zur Folge hat. Als sie kurz darauf als scheinbar Untote wieder aufersteht, erschießt Francesco sie, was ihn in einen Teufelskreis bringt, aus dem er nicht mehr ausbrechen kann. Fortan erkennt er SIE (ihren Namen erfährt man leider nicht) in jeder neuen, weiblichen Bekanntschaft wieder und verliebt sich erneut, muss aber immer wieder Enttäuschungen erleben. Das führt dazu, dass er in einer visuell äußerst beeindruckenden Szene eine Erscheinung von Gevatter Tod hat, der ihn dazu bringt, die Menschen von ihrem äußerst tragischen Schicksal zu erlösen.

Eine besondere wichtige Aufgabe war es also, den innerlichen Zerfall Francesco's glaubhaft rüberzubringen, was den Macher sehr gut gelungen ist. Francesco läuft Amok und verliert sich in der Welt des Todes, aus der es kein Entkommen zu geben scheint. Auch in Gnaghis Leben findet eine wichtige Veränderung statt. Er verliebt sich in den abgetrennten Kopf der Tochter des Bürgermeisters und beschließt, ihn zu heiraten. Der sprechende Kopf hat dagegen keine Einwände, so dass die Beiden schon bald ein äußerst kurioses Paar abgeben.

Die Aufmachung des Films ist für das Genre äußerst ungewöhnlich. Es gibt nur wenige, richtige Spannungsmomente und nicht gerade viele Splatterszenen. Zwar wird hier und da schonmal ein Kopf abgetrennt oder gespalten, doch im Großen und ganzen stehen die Gewaltszenen in "Dellamorte Dellamore" sehr im Hintergrund. Wer sich den Film also nur aufgrund seines eventuellen Blutpegels zulegen möchte, der dürfte enttäuscht sein. Ich habe mich an dieser Tatsache nicht gestört, sondern war viel eher angesichts der enormen visuellen Mühen erstaunt, die sich Michele Soavi zusammen mit den Kameraleuten gemacht hat. Nicht nur, dass "Dellamorte Dellamore" wenig mit alten, verwaschenen Billigproduktionen zu tun hat, er wartet zudem mit vielen sehr kunstvollen Einstellungen auf. Hinzu kommen zahlreiche Lebensweisheiten Francesco's, die er als Monologe vermittelt, was dem Streifen einen sehr surrealen, anspruchsvollen Touch gibt. Was wir hier haben ist Horror für ein Publikum das mal über den Rand des Genres hinausschauen möchte und sich mit intelligentem, unkonventionellem, europäischem Kino anfreunden kann.

In der Hauptrolle agiert Rupert Everett, der mittlerweile eine beachtliche Karriere hinlegen konnte und auch schon in vielen bekannten US-Streifen zu sehen war. Everett passt perfekt als nachdenklicher Bestatter, der einen Realitätsverlust erleidet und in seiner eigenen, kleinen Welt lebt. Trotz seiner zunehmenden Gefühlskälte ist er ein Charakter, dessen Taten und Handlungen man dennoch nachvollziehen kann.
Obwohl meist Francesco im Vordergrund steht, wissen auch alle anderen Akteure zu gefallen. Insbesondere François Hadji-Lazaro als sein fetter, geistig scheinbar behinderter Freund liefert eine enorm einprägsame Darstellung ab, die einen keine Sekunde daran zweifeln lässt, dass das Gezeigte authentisch ist.




++++++
+FAZIT+
++++++

"Dellamorte Dellamore" ist ein Film, auf den man sich richtig einlassen muss, um ihm etwas abgewinnen zu können. Auch ich hatte zuerst meine Probleme damit, da das Gezeigte keinesfalls dem typischen 08/15 Horror entspricht, sondern seinen ganz eigenen Anspruch hat. Mittlerweile mag ich den Streifen allerdings sehr und würde ihn als beste Wahl für all jene empfehlen, die Horror auf der etwas anspruchsvolleren Ebene suchen. Klar gibt es hier und da etwas Blut, Komik und nackte Haut zu sehen, doch letzten Endes ist "Dellamorte Dellamore" vor allem eins: Ein kunstvolles, surreales Gesamtwerk, das einen in eine vollkommen neue (Film)welt führt.

9 von 10 Punkten und eine unbedingte Empfehlung sind deshalb das Minimum.

Mfg
Realjackass

29 Bewertungen, 8 Kommentare

  • superlativ

    14.08.2006, 14:19 Uhr von superlativ
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe grüße!

  • anonym

    14.08.2006, 11:50 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    ~°~°~ Sehr Hilfreich ~°~°~

  • anonym

    14.08.2006, 00:26 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    ***SH und LG***

  • anonym

    14.08.2006, 00:01 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Prima Bericht! Liebe Grüße Edith und Claus

  • panico

    13.08.2006, 22:57 Uhr von panico
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg panico :-)

  • Zzaldo

    13.08.2006, 20:57 Uhr von Zzaldo
    Bewertung: sehr hilfreich

    Brauchst du auch noch ein paar Lesungen bei Dooyoo?? Ich könnte noch welche gebrauchen. Sag bescheid, dann kann es los gehen. LG Stephan

  • MatthiasHuehr

    13.08.2006, 20:32 Uhr von MatthiasHuehr
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ciao Matthias

  • anonym

    13.08.2006, 20:26 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich