Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs (VHS) Testbericht
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Erfahrungsbericht von ZordanBodiak
RING FREI... Die dritte Runde!
Pro:
Trotz Abwandlungen eine gute Umsetzung der Romanvorlage... Auf visueller Seite atemberaubend... Ian McKellen ist und bleibt ein Naturereignis sondergleichen... Die restliche Cast ist auch nicht ohne... Einfach GROSS...
Kontra:
Irgendwie ist man trotz alledem etwas enttäuscht... Ob es am definitiven Abschluss der Trilogie liegen mag???
Empfehlung:
Ja
Ins Dunkle zu treiben und ewig zu binden
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.
Ein erneutes Jahr ist dahingestrichen. Ein Jahr, das mit kleinen unbedeutenden Kinoproduktionen überbrückt werden musste - und nun endlich seinen Höhepunkt gefunden hat. "The lord of the rings: The return of the king" [zu deutsch: "Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs"] sollte seinen weltweiten Kinostart am 17. Dezember 2003 erleben. Ein Ereignis, das nicht nur in Fan-Kreisen für großes Aufsehen sorgte. Bei der Weltpremiere in Wellington feierten knapp einhundertfünfundzwanzigtausend Fans eine Parade, die sich durch die neuseeländische Hauptstadt zog. Und auch die zahlreichen offiziellen Premieren-Vorstellungen sollten schneller ausverkauft sein als man "Hobbit" sagen kann.
Kurz gesagt ein filmisches Phänomen, das seinesgleichen sucht! Ob aber die hochgesteckten Erwartungen nach den beiden äußerst gelungenen Vorgängerfilmen erfüllt werden könnten? Würde man erneut derartig tief in die ferne Welt Mittelerdes entschwinden können? Würde man sich erneut kein freudestrahlendes Lächeln verkneifen können, wenn Ian McKellen als Gandalf nur mit der Augenbraue zuckt? Und würden die finalen Schlachten wahrlich den atemberaubenden Kampf um Helms Klamm in "the two towers / die zwei Türme" überbieten können? Die ersten Bilder des Trailers versprachen einiges - doch wie oft haben schon die ersten Bilder falsche Erwartungen geweckt...
Ein knapper Rückblick auf die vorhergegangenen Runden
Um nicht den geneigten Leser, für den "Lord of the rings" Neuland ist, wie in der filmischen Vorlage gänzlich ohne Rückblick der Geschichte im Regen stehen zu lassen, sei gesagt, dass Mittelerde ein phantastischer Kontinent ist, der ungefähr dem weltlichen Mittelalter entspricht. Frodo, ein Hobbit, bekommt von seinem Onkel einen Ring vermacht, der eine große Gefahr in sich birgt: Sauron, der dunkle Herrscher, benötigt diesen Ring um seine Macht zu vervollständigen und Mittelerde gänzlich unterjochen zu können. Einziger Ausweg aus dieser misslichen Lage ist, dass der Ring im Schicksalsberg - dem Ort seiner Herstellung - zerstört wird.
So machen sich vier Hobbits [Frodo, Sam, Merry und Pippin], ein menschlicher Magier [Gandalf], ein Elb [Legolas], ein Zwerg [Gimli] und zwei menschliche Krieger [Boromir und Aragorn] nach einer Besprechung der "Guten" auf den Weg die gefahrvolle Aufgabe zu bewältigen. Ihre Reise ist lang und wird von Schicksalsschlägen überschattet. Boromir verstirbt, die Gruppe der Gefährten wird gespalten, ehemalige Freunde entpuppen sich als Verräter und Sauron startet langsam seinen Angriff auf die letzten menschlichen Bastionen. Während nun Frodo und Sam sich auf dem Weg ins ferne Mordor befinden - angeführt von Gollum, dem ehemaligen Besitzer des Ringes, der vehement hofft seinen "Schatz" wieder zu erlangen -, versuchen die anderen Verbündeten tatkräftig die verbleibenden Menschen in ihren Schlachten gegen Sauron zu unterstützen...
Der Inhalt - Die Geschichte geht in die dritte Runde
Frodo und Sam kommen dem dunklen Reiche Saurons immer näher. Die Strapazen der Reise nagen immer mehr an den beiden Hobbits. Unterstützt wird diese schwierige Lage durch ihren Führer Gollum, der düstere Pläne hegt. Immer wieder spricht er von "ihr", die ihm helfen soll seinen "Schatz" wieder zu erlangen. Listig und intrigant sorgt so Gollum dafür, dass die Vertrautheit zwischen den beiden Freunden langsam zerbricht. Schwerfällig kraxeln sie die Gebirge, die Mordor wie eine Festungsmauer umgeben, empor und dank der Schwächung durch die lange und beschwerliche Reise zeigen die Versuche der Gefährtentrennung erste Wirkungen - bis letztlich Frodo nach einem von Gollum angezettelten Streit Sam nach Hause schickt...
Nach der erfolgreichen Schlacht um Helms Klamm und dem Sturze Sarumans müssen sich die anderen Gefährten erneut trennen. Der neugierige Pippin konnte es nicht unterlassen und hat einen Blick in einen Palantír - ein magisches Auge Saurons - geworfen und in selbigem den bevorstehenden Angriff auf Gondor, die letzte Bastion der Menschen vor den Toren Mordors, erkennen können.
So bricht Gandalf mit dem kleinen Hobbit im Schlepptau zu einem Ritt nach Gondor auf. Die Warnung Denethors, dem Truchsess von Gondor, soll noch vor den ersten Schritten Saurons erfolgen. Doch Denethor ist nach dem Tode seines Sohnes Boromir verbittert, glaubt nicht mehr an einen möglichen Sieg im Kriege gegen Mordor. Als dann auch noch Faramir - sein anderer Sohn - mit Osgiliath einen entscheidenden Stützpunkt gegen die feindliche Übermacht verliert, scheint das Schicksal der Menschen besiegelt.
Die einzige Hoffnung wurzelt in der Reiterschaft der Rohirrim, doch deren König Théoden will aufgrund vergangener Streitigkeiten jegliche Hilfe versagen. Ob Aragorn und seine verbleibenden Gefährten den Throninhaber umstimmen können? Und wird Frodo noch die Kraft aufbringen können den Ring in die Flammen des Schicksalsberges zu zerstören? Derzeit scheint eine rosige Zukunft der Menschen zumindest äußerst unwahrscheinlich zu sein...
Die Inzenierung - Träume werden wahr
Man befindet sich im GESCHICHTLICHEN Finale einer Trilogie, in dem der Untergang der Menschheit entschieden werden muss. So sollte es nicht verwundern, dass ein Großteil der Spielzeit von zweihundert Minuten für die atemberaubende Inszenierung von Schlachten verbraucht wird. Die entscheidenden Charakter konnte man schon in den vergangenen sieben Stunden Filmmaterial äußerst gelungen darstellen, so dass man sich nicht den Umstand machen muss und selbige Entwicklungen erneut darbieten muss. So verliert Peter Jackson keine Zeit und prescht in seinem neusten Werke ohne jegliche Rückblicke los.
Sicher, in einem Mammutwerk wie "the lord of the rings" verkommen auch in den entscheidenden Stunden die Figuren nicht zu seelenlosen Schablone. Immer noch erfahren einige von ihnen entscheidende Entwicklungen, die ihr Wichtigkeit und ihr Ansehen in der Gesamtbetrachtung verändern werden. Dank dieser dezenten Charakterentwicklungen kann sich "the return of the king" glücklicherweise nicht zu einem seelenlosen Schlachtengemälde entwickeln, das gänzlich seine Figuren vernachlässigt, sondern hinterlässt beim Betrachter einen äußerst stimmigen Eindruck.
So bietet die Beziehung zwischen Sam und Frodo - dank der Einwirkung des intriganten Gollums - großen Spielraum für charakterliche Veränderungen: Während der treuergebene Sam [der immer noch "Herr Frodo" sagt] versucht, seinem Herren zu verdeutlichen, dass Gollum sie in einen Hinterhalt locken wird, zweifelt Frodo immer mehr an der Loyalität seines Gefährten. Der Ringträger leidet unter den Strapazen und erkennt nicht die offensichtlichen Listen Gollums. Zwar weicht Frodo im Verlauf des Filmes nicht von seiner eigentlichen charakterlichen Gewohnheit ab, aber in Bezug auf Sam ereignen sich wichtige Veränderungen und Weiterentwicklungen. Er wächst über sein eigentlich gewöhnliches Hobbit-Gemüt heraus, gibt sich für seinen Herren nahezu gänzlich auf und wird so zur vermutlich wichtigsten Figur in der gesamten Handlung.
Ebenso interessant ein Zwist, der sich eigentlich zwischen Nebenfiguren entwickelt: Denethor ist nach dem Verlust seines geliebten Sohnes Boromir verzweifelt, entgegnet gar gegenüber seinem anderen Spross Faramir, dass er es lieber gesehen hätte, wenn dieser gestorben wäre. In der folgenden Niedergeschlagenheit versucht Faramir mittels eines Himmelfahrtkommandos die Liebe seines Vaters zurückzugewinnen. Ein Konflikt, der einer klassischen Tragödie entsprungen sein könnte und trotz aller Klischees äußerst gelungen zum Gesamtbild passt. Sicherlich auch für das Gelingen äußerst zuträglich: Die imposante Bebilderung des Himmelfahrtkommandos - dazu aber später mehr.
Dass aber gerade im Finale der Filmreihe die minimalen Frauenrollen ihre stärksten Momente erhalten sollten, verwundert zunächst. Bisher erschienen die Filme als purste Phantasie einer männlich dominierten Welt, in der Frauen nahezu keine Bedeutung haben. Arwen konnte zwar schon mit ihren Reitkünsten Frodo in "the fellowship of the ring / die Gefährten" vor den Ringgeistern retten und Éowyn konnte in "the two towers" ihr Kampfeslust anklingen lassen - wirklich große Momente gab es trotz alledem nicht und auch die ersten Minuten des dritten Teiles bestätigen die Erwartungen: Arwen soll auf Verlangen ihres Vaters in die ewigen Lande übschiffen. Éowyn hingegen soll zwar nach dem Ableben ihres Onkels Théoden den Thron Rohans besteigen - bis zu diesem Zeitpunkt soll sie aber den Schlachtfeldern fernbleiben. Doch die beiden Figuren emanzipieren sich von der Männerwelt, widersetzen sich ihren Bestimmungen.
SPOILER
Zwar verbleibt Arwen als einfaches Beiwerk, deren einzige Aufgabe scheinbar nur noch die Hochzeit mit Aragorn ist, aber Éowyn wird wahrlich zur großen Kämpferin. Kann dank ihrer Weiblichkeit als einzigen den Hexenkönig - den obersten Nazgûl - besiegen. Zwar wird hierbei die Emanzipation durch Éowyns kurzen "Dialog" mit dem Hexenkönig etwas zu dick aufgetragen - aber irgendwie kann man diesem filmischen Moment eine gewisse Faszination nicht absprechen
SPOILER-ENDE
Mittlerweile konnten sich die Liebhaber der Bücher sicher sein, dass auf der VISUELLEN SEITE die Mannen um die Hobbit-Inkarnation Peter Jackson ganze Arbeit leisten würden. Hatte man bisher nur in Rückblicken und Visionen einen Blick auf das düstere Mordor werfen können, müssen nun Frodo und Sam in das finstere Land begleitet werden. Beherrscht wird die karge Gegend von Saurons emporragender Festung Barad-Dûr und dem feurigen Schicksalsberg. Immerzu wird Mordor von dem flammenden Auge Saurons, das auf der "Spitze" Barad-Dûrs "steht", überwacht. Düster, ungemütlich, bedrohlich - so wie man sich das schlimmste Feindesland in seinen Phantasien vorstellt.
Doch nicht nur die dunklen Gefilde Mittelerdes wurden atemberaubend in Szene gesetzt, so sticht vor allem die letzte große Menschenfeste Minas Tirith aus der Szenerie hervor. In das Gebirge "eingearbeitet" ragt sie in die Höhe. Bestehend aus sieben Festungsringen ist sie die letzte Bastion der Menschen, sollte sie fallen, würde Sauron die verbleibenden Länder Mittelerdes im Sturm erobern können. In akribischer Kleinstarbeit wurde dieses Monument erschaffen. Die dicken Mauern der jeweiligen Festungsmauern, kleine Straßenzüge, die Tage Gondors waren vor dem Ringkrieg offensichtlich äußerst rosig.
Und all diese hervorragend arrangierten Kulissen werden von der agilen KAMERA Andrew Lesnies [Oscar für "the fellowship of the ring"] perfekt eingefangen. Schwelgerisch verweilt er in den harmonischen Panoramaaufnahmen, bietet "ruhende" Bilder in den wenigen erholsamen Szenen und entfacht bei den zahllosen Schlachten ein wahres Feuerwerk, das herrlich vom schnell-rasanten Schnitt Annie Collins' und Jamie Selkirks unterstützt wird.
Und auch einer der am schönsten bebilderte Momente wurde für das Finale gefilmt: Nachdem Pippin einen Berg nahe Minas Tirith empor gekraxelt ist und ein Leuchtfeuer entzünden konnte, "rast" die Kamera über schneebedeckte Gipfel bis hin zum entfernten Rohan. Immer wieder sieht man wie kleine Feuer entzündet werden, die das Hilfebitten Gondors weiterleiten. Wahrlich schwelgerisch wie hier die phantastische Naturkulisse eingefangen wird. Eigentlich sollte man derartig grandiose Panoramaaufnahmen schon von den Vorgängerfilmen gewöhnt sein - aber scheinbar kann man sich an der Landschaft Mittelerdes niemals satt sehen.
Und natürlich wieder ein Schmaus für die Lauscher: Die MUSIKALISCHE UNTERMALUNG des epochalen Orchesters unterstützt die Szenen grandios. Howard Shore greift auf einige schon bekannte Themen der Vorgängerfilme zurück, variiert selbige und fügt neue Melodien hinzu. Ohrenbetäubend werden so die Schlachten zu einem Fest für die Ohren. Einziger Wehrmutstropfen verbleibt der schwächere Titelsong "into the west" von Annie Lennox - der nicht wirklich den Weg in das Ohr des Zuschauers finden will und schnell wieder in Vergessenheit gerät.
Vielleicht drängt sich Shore mit seinen Kompositionen in dem ein oder anderen Moment zu sehr in den Vordergrund - und versucht zu aufdringlich die Emotionen des Zuschauers zu dirigieren -, dies stört aber bei einem pathetischen Heldenepos wie "the lord of the rings" nur in einem äußerst geringfügigen Maße und wird durch zwei äußerst gelungene Gesangseinlagen der Schauspieler gekonnt in Vergessenheit gedrängt: Während Aragorn [ohne zu viel zu verraten] bei seiner Krönungszeremonie ein Liedchen anstimmt, ist es vor allem Pippins Gesang, der einen der stimmigsten Momente der Trilogie einleitet: Zur Erheiterung Denethors soll der Hobbit ein Liedchen singen - zeitgleich startet Faramir seinen Kamikaze-Angriff auf die Ork-Armee. Das folgende Kreischen der Orks und das Klirren der Waffen wird magisch untermalt von Pippins klagenden Gesang. Immer wieder wird zwischen den Schauplätzen hin- und hergeschnitten. Eine göttlich inszenierte Szene. Besser kann man einen aussichtslosen Angriff nicht "vertonen".
Peter Jackson - Der Mann mit den Fäden in den Händen
Peter Jackson darf sich nun wohl "von" schreiben. Mit unvergleichlicher Leidenschaft hat er in einem siebenjährigen Marathon die wohl gelungenste Trilogie der Filmgeschichte auf die Beine gestellt. Konnte gar die Masse der Bücherliebhaber von seinem Schaffen überzeugen. Und so wird dem Betrachter mit "the return of the king" erneut eine Meisterleistung von dem dickbäuchigen Neuseeländer vorgesetzt. Dass er mit dieser Leistung endgültig in den Filmolymp einziehen konnte, soll nicht verwundern. Selten zuvor konnte man ein Projekt auf der Leinwand begutachten, das mit derartig viel akribischer Kleinstarbeit verwirklicht worden ist. Jackson als (scheinbar) versessener Fan der Buchvorlage wollte alles perfekt gestalten - und ist bei diesem Unternehmen nur selten gescheitert. Dass hin und wieder seine filmische Vergangenheit im blutigen Splatter-Genre [erinnerte einer der Orks nicht frappierend an den Oberaußerirdischen aus seinem Debütwerk "Bad Taste"?] durchschimmert soll da nicht stören.
Erstaunlich - wenn man die Vergangenheit Jacksons bedenkt - ist jedoch, dass sich die wahre Brutalität der Filmreihe immerzu im Kopf des Zuschauers abgespielt hat. Sicher, zahllose Kämpfer treten in die Welt der Toten über und hier und da wird einem Opponenten auch mal ein Körperteil abgetrennt. Jedoch sieht man in diesen Szenen zu keinem Zeitpunkt Blut spritzen. In der Gesamtbetrachtung sicherlich erstaunlich - aber so wird der "the lord of the rings"-Trilogie einen leicht unrealen Charakter verliehen, der mit einem (wirklich) stark zugedrückten Auge noch eine FSK-12 honoriert werden kann.
Die Hauptdarsteller - Die Gefährten
Es fällt schwer die Leistungen der Darsteller richtig zu bewerten, als Freund der vorherigen Filme ist man mit den Gesichtern der Akteure vertraut, kann sich keinen anderen Schauspieler mehr in dieser Rolle vorstellen. Über kleinere qualitative Mängel sieht man nach diesem gelungenen Gewöhnungsprozess sicherlich leicht hinweg. Doch auch mit kritischem Auge betrachtet, kann man erneut feststellen, dass das gesamte Ensemble gänzlich überzeugend aufspielt.
Zwar weiß Elijah Wood (FRODO) erneut nur mit einem schwachen, ausgelasteten Blick in die Kamera zu gucken - dieser verdeutlich aber gänzlich die auf ihm lastende Bürde. Und dank des intensiven Spiels Sean Astins (SAM) kann das Agieren Woods noch aufgewertet werden. Die beiden harmonieren auf ihrer Reise gänzlich und ergänzen sich hervorragend. Während der Ringträger zumeist seine Emotionen verloren zu haben scheint, ist die Mimik seines Dieners immerzu aussagekräftig und gefühlsbetont.
Ebenso die beste freundschaftliche Harmonie verkörpern die beiden anderen Hobbits Dominic Monaghan (MERRY) und Billy Boyd (PIPPIN). Waren sie bisher nur kleine Randerscheinungen, die mit ihrer sympathischen Trotteligkeit und ihrem "jugendlichen Leichtsinn" Spaß zu bereiten wussten, können sie nun als wahre Helden in das Geschehen eingreifen. Ein Wandlungsprozess, der von der Mimik der beiden britischen Akteure gelungen umgesetzt wird. Dass Boyd und Monaghan zudem großartig harmonieren, dürfte sich wohl schon im ersten Teil der Trilogie herauskristallisiert haben - und so ist die Wiedervereinigung auf den Schlachtfeldern der Pelennor erneut eine warmherzige Szene, die perfekte Freundschaft darbietet.
Natürlich ist der Auftritt des zukünftigen Königs ARAGORN erneut äußerst glanzvoll - gänzlich seiner Bestimmung entsprechend. Schon in den Vorgängerfilmen war Viggo Mortensen eine Wucht, die die ursprünglich geplant Verpflichtung von Stuart Townsend ohne Probleme vergessen machte. Mortensen ist ein geborener Kämpfer, zeigt aber auch seine schauspielerischen Qualitäten in den ruhigen Momenten des Filmes. Mit seiner dunklen Mähne und den nachdenklichen Blicken erkennt man seine Zweifel an seiner Bestimmung.
Dass die Spielzeit von John Rhys-Davies (GIMLI) und Orlando Bloom (LEGOLAS) erneut äußerst gering ausfällt, kann man glücklicherweise verkraften. Während man zwar die brummeligen Kommentare Gimlis vermisst, erscheint Orlando Bloom ein weiteres Mal in gewissem Maße austauschbar. Seine Mimik fällt erneut kühl und spartanisch aus, wirkliche Regungen in seinem Gesicht gibt es leider viel zu selten zu begutachten. Vielleicht kann man das auf seinen elbischen Charakter zurückführen - vielleicht aber auch auf das noch unausgegorenes Talent: Bloom ist zwar äußerst filigran im Umgang mit den Waffen, in den ruhigeren Momente droht er aber immer wieder der Schwachpunkt des Ensembles zu werden.
Ein Grund zur Freude ist die erneut länger ausfallende Spielzeit für Sir Ian McKellen. Nach GANDALFS Rückkehr von den (scheinbar) Toten ist das Agieren des geadelten Briten erneut unbeschreiblich. McKellen verkörpert mit jeder Pore die Vorstellung, die man von einem weisen Magier hat, kann mit seinem göttlichen Mienenspiel seinem Charakter erneut gekonnt Leben einhauchen. Ein kurzer Kameraschwenk auf die Augenpartie des ursprünglichen Shakespeare-Darstellers reicht gänzlich aus, um das Gefühlsleben des Magiers zu offenbaren. Ganz klar und eindeutig die Kirsche auf dem Sahnehäubchen des (nahezu) perfekt gecasteten Ensembles.
Die Nebendarsteller - Die Freunde und Feinde der Gefährten
Auf der feindlichen Seite fällt "the return of the king" leider schwach aus. Christopher Lees (Saruman) Szenen wurden ersatzlos für die Kinoversion gestrichen und die restlichen Widersacher verstecken sich unter metallenen Masken [die Ringgeister] oder imposanten Latexgebilden [die Orks].
Aber im Rahmen der Verbündeten gibt es erneut einige schauspielerische Lichtblicke zu betrachten. Dass Bernhard Hill (THÉODEN) und Miranda Otto (EOWYN) große Klasse sind, haben sie schon in ihren ersten Auftritten zeigen können. Ebenso war schon David Wenham (FARAMIR) auf der Leinwand zu begutachten. Zwar war dessen Auftreten aufgrund der knappen Rolle bisher noch nicht richtig bewertbar, der jetzige Konflikt mit John Noble (DENETHOR) ist jedoch absolut gelungen.
Unter den Teppichen sollen letztlich zwei bekannte Namen nicht fallen: Sir Ian Holm darf im Finale nochmals kurz als ergrauter und leicht seniler BILBO BEUTLIN über die Leinwand huschen und Liv Tyler agiert als ARWEN. Ungünstig, dass ihr Auftritt nur kurz und fast schon unbedeutend ausfällt - mit ihren zarten Gesichtszügen ist sie eine perfekt erwählte Elbin.
Die Tricktechnik - Und wenn Träume nicht wahr werden, muss mit Computern nachgeholfen werden
Ohne Zweifel, eine Welt wie Mittelerde kann man auch nicht mit den perfektesten Miniaturen, Masken und Kulissen verwirklichen. Hier und da muss die Rechnerleistung der Computer in die Arbeit einbezogen werden. Zwar konnte man einen überaus großen Teil der Techniken schon in den beiden Vorgängerfilmen betrachten, dies mildert ihre Perfektion aber in keinster Weise. Mittels der Special-Effects-Schmiede WETA Digital werden die Schlachten zu monumentalen Kriegsschauplätzen aufgeblasen, die monströsen Nazgûl erlernen das Fliegen, die gigantischen Olifanten stampfen über die Schlachtfelder und Zwerge und Hobbits wurden ein weiteres Mal auf die richtige mittelerdische Größe geschrumpft.
Ebenso bekannt ist die grandiose Animierung Gollums - des einzigen Hauptcharakters, der nicht im Film von einem realen Schauspieler dargeboten wird. Dank eines aufwendigen Ganzkörper-Anzuges wurden die Bewegungen Andy Serkins [der auch Gollum seine Stimme leiht] virtuell zum schizophrenen Gollum umgearbeitet. Ein Prozess, der auch nach der zweiten Sichtung zu begeistern weiß.
So verbleiben als wirkliche Neuerungen nur noch zwei Dinge: Die Animierung Kankras, eine überdimensionalen Spinne, die Jagd auf den Ringträger macht. Dieser zentrale Moment des Filmes wurden von den Computerspezialisten wahrlich brillant eingefangen. Mit gewohnter Liebe zum Detail wurden die Feinheiten einer Spinne ausgearbeitet und lassen das agile Monstrum äußerst bedrohlich mit dem Hobbit kämpfen. Und ebenso beeindruckend wurde die Visualisierung der Untotenarmee getroffen. In grünem Licht gehüllt, ziehen sie als geisterhafte Skelette durch die Gegend und [SPOILER] zerstören jegliche Gegner wie eine rasant dahinziehende Seuche. Man glaubt auf dem Schlachtfeld vor Gondor nur noch einen grünen Schwarm erkennen zu können, der innerhalb weniger "Sekunden" jegliche Bösewichte vernichtet hat. Eine atemberaubende Inszenierung, der eine gewisse Komik nicht abgesprochen werden kann. [SPOILER-ENDE]
Dass es hin und wieder kleine Schwächen in der Visualisierung gibt, soll hier nicht weiter stören. Es war schon in den Vorgängerfilmen bei genauer Betrachtung manchmal zu erkennen, dass die wiedereingefügten und minimierten Darsteller den Eindruck erweckten, dass sie über dem Boden schweben würden. Und auch der Einsatz des Blue Screens erscheint in wenigen Momenten etwas gewöhnungsbedürftig. Doch trotz dieser marginalen Mängeln ist die Computertechnik der "der Herr der Ringe"-Trilogie wohl die beste, die man bisher auf der Leinwand betrachten konnte. Und glücklicherweise wird selbige nicht zum Selbstzweck auf ein einziges Effekte-Bombardement ausgedehnt - sondern perfekt in die erzählte Geschichte eingebunden. Der nächste Oscar wird wohl auch zum dritten Mal nach Neuseeland wandern...
Der Vergleich: Drehbuch versus Romanvorlage - Waren meine Träume nicht zuvor etwas anders?
Auch im abschließenden Finale der Trilogie kann man als begeisterter Leser der Romanvorlage einige Änderungen erkennen. Doch diese Veränderungen sind dank des gelungenen Drehbuches [Fran(ces) Walsh, Philippa Boyens und Peter Jackson sind erneut die Verantwortlichen] nicht entscheidend. Man hat versucht das Bild auch für Nichtkenner der Bücher verständlich aufzubauen. Ein Unternehmen, das im dritten Teil erneut gelungen ist. Zwar scheint das Fehlen von Saruman nach der Übernahmen von Isengard äußerst befremdlich [die Szenen werden wohl in der Extended-Version wieder eingefügt], es hinterlässt für den unwissenden Zuschauer jedoch keine größere Wissenslücken. Und ebenso ist es einem unbedachten Betrachter gänzlich egal, ob nun erst im dritten Teil Kankra über die Leinwand huscht - oder wie eigentlich von Tolkien geplant im Cliffhanger-Finale des zweiten Teiles. Zwar hätte man sich als bekennender Ian McKellen-Verehrer noch gewünscht, dass der Kampf zwischen Gandalf und dem Hexenkönig auch den Weg in die Verfilmung gefunden hätte, aber mit einem reumütigen Blick und schweren Herzens kann man auf dieses Detail sicherlich verzichten - obwohl so der großartige Ian McKellen noch ein paar weitere Sekunden auf der Leinwand hätte verbringen können.
SPOILER
Dass Peter Jackson schon im Vorfeld zu erkennen gab, dass er das Ende der Romanvorlage abändern wollte, wurde von vielen Fans als Akt der Blasphemie aufgenommen. Betrachtet man hingegen im Nachhinein das Fehlen der Besetzung des Auenlands durch Saruman, erscheint es als äußerst gelungen und ebenso aussagekräftige: Die vier Helden haben den Weg zurück in ihre Heimat gefunden. Sitzen ohne Aufmerksamkeit der anderen Hobbits in einer Wirtsstube und trinken schweigend aus ihrem Humpen Bier. Eine kurze Szene, die wundervoll die Abgeschottenheit des Auenlandes in Mittelerde verdeutlich. Die Außenwelt interessiert die Hobbits nicht, ihre Heimat ist noch immer das kleine Paradies mit den kleinen grasbewachsenen "Hügelhäusern". Dass aber die vier Helden, die entscheidenden an der Rettung Mittelerdes beteiligt waren, nun ohne jegliche Auszeichnungen ihre Tage fristen müssen, ist mindesten ebenso eine Demontage der heilen Hollywood-Welt wie Tolkiens eigentliche Besetzung des Paradieses.
In keinster Weise ändert jedoch Peter Jackson die zahllosen Enden der Romanvorlage ab. Immer wieder wird ein großer Moment visualisiert, der als Schlussstrich dienen könnte, doch Jackson lässt sich Zeit, setzt noch einen weiteren "Themenkomplex" obendrauf. Vermutlich will er die von ihm mühsam erschaffene Welt nicht so schnell verlassen und schließt so geruhsam jeden Kreis der Erzählung für sich. Vielleicht mag es dem ein oder anderen so negativ aufstoßen, dass so sich der Abschied äußerst langgezogen daher kommt - hat man jedoch einmal seine Liebe für Mittelerde entdeckt, genießt man jeden dieser kleinen Momente.
SPOILER-ENDE
Fazit - This Christmas the journey ends.
Etwas Enttäuschung macht sich breit. Man verbleibt leicht unbefriedigt in seinem Kinosessel. Irgendetwas fehlt! Eine Kleinigkeit! Aber was? Erneut war die Detailverliebtheit der Macher in jeder einzelnen Einstellung zu erkennen. Es war ein Fest für die Augen die am Fels erbaute Stadt Minas Tirith zu betrachten. Erschlagend waren die langen Kamerafahrten über das Schlachtengetümmel. Beeindruckend die ausdrucksstarken Schauspieler, die erneut die Entwicklung ihrer Charaktere gut [bis göttlich] herausgearbeitet haben.
Was hinterlässt dann den schalen Beigeschmack, den man nach dem Fallen des Vorhanges verspürt? Sind es die kleinen Änderungen, die Jackson an der Romanvorlage hat vornehmen lassen? Oder die manchmal etwas schwachen Computeranimationen? Oder vielleicht nur die Tatsache, dass man als großer Liebhaber der Bücher schon das Ende kennen zu glaubt?
Man weiß es nicht genau - aber vermutlich ist es nur die wehmütige Gewissheit, dass in den nächsten Jahren nicht noch ein weiterer Teil den Weg in die Kinos finden wird. Einzige Möglichkeit Mittelerde erneut für den Kinogänger zu beleben wäre die Verfilmung des "Hobbits" - und selbige hat Peter Jackson schon in dem ein oder anderen Nebensatz in Aussicht gestellt. Erneut ein Grund zur Freude? Eine Frage, die leider noch in den Sternen steht, aber in ersten Interviews hat Sir Ian McKellen schon dezent angedeutet, dass er unter Umständen eine weitere Reise nach Mittelerde unternehmen wird. Hoffen wir nur, dass er dann nicht zu alt für die Rolle Gandalfs ist. Es wäre eine Tragödie einen anderen Schauspieler in seinem Gewand zu sehen...
Wertung: 8 ringtragende Punkte auf meiner 10er-Skala
Internet: http://www.lordoftherings.net/
PS: In der Bestenliste der internationalen Moviedatabase hat "Lord of the rings: The return of the king" einen phänomenalen Einstieg geschafft: Platz 3 nach fünf Wertungstagen! Unglaublich!
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Oscar-Update:
Man hätte es eigentlich nicht für möglich gehalten, aber bei der diesjährigen Oscar-Verleihung konnte Peter Jacksons Abschluss der Ring-Trilogie mit den bisherigen Rekord-Gewinnern "Ben Hur" (1960) und "Titanic" (1998) gleichziehen und 11 Goldjungen ergattern. Was aber im Gegenzug keiner der beiden Abräumer geschafft hat: "Lord of the rings: The return of the king" konnte in allen Kategorien, in denen der Film nominiert war, das Feld als strahlender Gewinner verlassen!
Vielleicht ist das unter dem Strich der ein oder andere Oscar zuviel - aber gesamtbetrachtet haben sich Jackson und sein Team die Auszeichnungen für ihre akribische Detailarbeit in den vergangenen Jahren hochverdient.
Die Auszeichnungen:
bester Film [Barrie M. Osborne, Peter Jackson und Frances Walsh]
beste Filmmusik [Howard Shore]
beste Kostüme [Ngila Dickson und Richard Taylor]
beste Kulissen [Grant Major, Dan Hennah und Alan Lee]
bestes Makeup [Richard Taylor und Peter King]
bester Regisseur [Peter Jackson]
beste Roman-Adaption [Frances Walsh, Philippa Boyens und Peter Jackson]
bester Schnitt [Jamie Selkirk]
bester Song [Annie Lennox - "Into the west"]
bester Sound [Christopher Boyes, Michael Semanick, Michael Hedges und Hammond Peek]
beste visuellen Effekte [Jim Rygiel, Joe Letteri, Randall William Cook und Alex Funke]
Die vorliegende Rezension bezieht sich auf die Kinofassung. Im Extended Cut erhält auch der finale Teil der Ringtrilogie die Höchstpunktzahl
24 Bewertungen, 6 Kommentare
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07.02.2005, 19:43 Uhr von Malde23
Bewertung: sehr hilfreichgenau so wie dieser Bericht! Weiter so mfg Malde
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26.01.2005, 11:05 Uhr von marion_b
Bewertung: sehr hilfreichnoch immer nicht einmal das Buch gelesen geschweige denn einmal in die Filme reingezappt...
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19.01.2005, 15:22 Uhr von Tom_Araya
Bewertung: sehr hilfreichhab mich ähnlich gefühlt wie du am Ende, lag an 2 Sachen glaub ich: dem übertrieben sentimentalen Ende, das so gar nicht zu den pompösen Schlachten davor passen will. Und der Tatsache das mir Frodo diesmal nicht besonders zugesagt hat
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17.01.2005, 20:36 Uhr von awassa
Bewertung: sehr hilfreich...ein richtig GUTER und vorallem AUSFÜHRLICHER Bericht!!! *TOP* LG Karo
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17.01.2005, 20:06 Uhr von german_girl
Bewertung: sehr hilfreichalso das ist echt nen super toller, interessanter bericht.hat bestimmt viel zeit gekostet, auf jedenfall ist er super ausführlich. hut ab. liebe grüße!
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17.01.2005, 20:03 Uhr von JoergTh
Bewertung: sehr hilfreich...was hast du dir da für eine Arbeit gemacht! Klasse!!! Gruß Jörg
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