Der Schuh des Manitu (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von suppengirl

Sozialkritisch-historisches Autorenabenteuer...

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

...liebesactioncomedywesterndrama mit Pferden (also auch ein Mädchenfilm)", so beschreibt Regisseur Michael Bully Herbig sein Werk "Der Schuh des Manitu". Ganz ernst zu nehmen ist das natürlich nicht, wobei sich nichts davon wirklich widerlegen lässt. Vielmehr ist das wohl als Michael Herbigs Versuch zu werten, sich des üblichen Zwangs Filme zu kategorisieren zu entziehen. Und es scheint wirklich schwer zu sein, "Der Schuh des Manitu" einzuorden. Aber das ist ja eigentlich auch egal. :-)

Naja, jedenfalls habe ich mich nun gestern endlich in die Massen gestürzt. Gott sei Dank hatte ich reserviert, sonst wäre das wieder nichts geworden. Obwohl der Film bei uns im Kino sogar in den zwei größten Sälen lief, war er restlos ausverkauft und einige enttäuschte Besucher mussten wieder von dannen ziehen. Ich hatte mir sogar kurzzeitig überlegt, meine Karten an den Meistbietenden zu verkaufen, denn ich bin ohnehin nicht erpicht darauf, mir eine Komödie in einem vollen Kino anzusehen. Aber ich habs dann doch gelassen, denn es wurde einfach Zeit, dass ich auch mitreden kann!


Story:
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Abahachi, der Häuptling der Apachen, möchte für seinen Stamm ein Stammlokal eröffnen. Der vermeintliche Immobilienmakler Santa Maria vermittelt ihm ein geeignetes Objekt und mit einem Gold-Kredit vom Schoschonen-Häuptling "Listiger Lurch" soll das Geschäft abgeschlossen werden. Doch Santa Maria zieht alle über den Tisch, denn das Lokal ist eine Atrappe, er klaut das Gold und erschießt den Überbringer "Falscher Hase", den Häuptlingssohn. Die Schoschonen halten Abahachi für den Mörder und wollen ihn und seinen ständigen Begleiter und Blutsbruder Ranger hinrichten. Doch die beiden können fliehen und machen sich auf den Weg Abahachis Schatz zu suchen, mit dem sie die Schulden begleichen wollen. Um den Schatz zu finden brauchen sie jedoch die Schatzkarte, die Abahachi in vier Teile ge- und verteilt hat: Einen Teil hat Abahachi selbst, einen sein Zwillingsbruder Winnetouch, einen der griechische Austauschbandit Dimitri und einen das Halbblut Uschi. Doch auch Santa Maria und seine Bande haben von dem Schatz Wind bekommen und sind ihnen auf den Fersen. Und die Schoschonen haben mangels Kriegsbeil den Klappstuhl ausgegraben und nehmen die Verfolgung der Blutsbrüder auf. Nach diversen Irrungen und Verwirrungen landen alle beim "Schuh des Manitu", wo sich der dramatische "Down-Show" (O-Ton Dimitri) zuspitzt.


Darsteller:
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Ein sehr interessantes Esemble hat sich am Drehort in Spanien zusammen gefunden. Zum einen natürlich das aus der "Bullyparade" erprobte Team Michael Herbig, Christian Tramitz und Rick Kavanian. Dazu gesellen sich so verschiedene Schauspieler wie Hilmi Sözer (bekannt geworden durch "Ballermann 6"), Marie Bäumer ("Männerpension") und der auch international renommierte Sky Dumont ("Eyes Wide Shut").

Michael Bully Herbig übernahm neben Regie, Produktion und Drehbuch - weil ihm wohl langweilig war - auch noch eine Doppelrolle. Seine Rolle als Apachenhäuptling Apahachi entspricht genau der des Winnetou in der "Bullyparade": Ein mit bayerischem Dialekt sprechender Vollblutindianer, der mit seinem Blutsbruder Ranger die tägliche Arbeit einer Rothaut erledigt, die hauptsächlich aus durch die Prärie Reiten, Spuren Lesen und sinnlosem Anschleichen besteht. Diesen Charakter kennt und liebt der Bully-Fan, aber trotzdem wirkt der Abahachi teilweise etwas hölzern und gekünstelt.

Ganz anders Abahachis Zwillingsbruder Winnetouch: Wie der Name schon vermuten lässt, ist Winnetouch ein ziemlich warmer Indianer. Und Bully als Schwuler - auch das weiß jeder "Bullyparade"-Zuschauer - ist einfach unschlagbar. Ihm sind die Lacher garantiert, ob er nun einen Kurs in Anschleichen, Kriegsbemalung und Schießen belegt, oder ob er von seiner Jugend erzählt.

Auch Rick Kavanian ist in seiner "Bullyparade"-Paraderolle :-) zu sehen: Dimitri, der Grieche, den es in den Wilden Westen verschlagen hat und der doch so gerne ein echter Indianer sein will. Leider ist seine Rolle etwas klein ausgefallen und so kann er nicht ganz zu Hochform auflaufen und es bleibt dem Rest von Deutschland noch immer verschlossen, was ich schon lange erkannt habe: Rick Kavanian ist ein Genie, das wandlungsfähigste Mitglied des Bully-Teams. Trotzdem kann er in den wenigen tragenden Szenen seinen ganzen Charme einbringen. *schwärm*

Christian Tramitz ist der Ranger und man merkt schon irgendwie, dass er ein "echter" ausgebildeter Schauspieler ist. Auch seine Rolle kennen wir so ähnlich aus der "Bullyparade" und er schafft es zum Teil besser als seine Kollegen, diese Rolle einem Spielfilm angemessen zu transportieren. Wohl auch deshalb kommt ihm in "Der Schuh des Manitu" die Aufgabe des romantischen Helden zu.

Tja, und für die Liebe muss natürlich auch ein Mädel dabei sein. Das Halbblut Uschi wird gespielt von Marie Bäumer. Sie macht ihre Aufgabe recht gut, vor allem ihre Mimik sorgt für den ein oder anderen Lacher. Trotzdem kam sie mir teilweise wie ein Störfaktor vor. Ich kann nicht genau sagen warum , vielleicht liegt es einfach nur daran, dass man von den Winnetou-Episoden bei der "Bullyparade" Weiblichkeit nicht gewöhnt ist. Wenn sich Abahachi und Ranger streiten und sie versucht zu vermitteln, dann möchte man ihr am liebsten den Mund stopfen. Somit - so leid es mir tut - stufe ich Marie Bäumer als Minuspunkt des Films ein.

Einen wunderbar bösen Santa Maria gibt Sky Dumont ab, den Michael Herbig übrigens nach eigener Aussage nur deshalb verplichtet hat, weil er als Regisseur in dessen Vita direkt unter Stanley Kubrick, dem Regisseur von "Eyes Wide Shut" erscheinen wollte. Ich finde es bemerkenswert, dass Sky Dumont sich nicht zu schade dafür ist so eine Rolle anzunehmen. Dass es ihm Spaß macht merkt man ihm in jeder Sekunde an, vor allem wenn er zu seiner Bande spricht wie zu einer Schulklasse ("So, jetzt geht noch mal jeder aufs Klo und dann reiten wir los").


Regie und Umsetzung:
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Wie wir es von Michael Herbig gewöhnt sind, arbeitet er sehr professionell. Schon in seinem Regie-Erstling "Erkan und Stefan" überraschte er vor allem mit innovativer Kamera-Arbeit. Das setzt er auch in "Der Schuh des Manitu" fort. Natürlich kann nicht darüber hinweg getäuscht werden, dass der Film mit verhältnismäßig bescheidenen finanziellen Mitteln gedreht wurde. Billige Kulissen und spartanische Ausstattung lassen sich aber sicherlich nicht nur mit Sparmaßnahmen erklären, sondern sind auch beabsichtigt - vielleicht als Hommage an die alten Karl-May-Schinken.
Die nicht besonders originelle Story ist nebensächlich und tritt eigentlich völlig in den Hintergrund, sie transportiert lediglich Protagonisten und gibt ihnen Raum sich zu entfalten. Und das ist gut so, denn die Komik steht und fällt mit den Charakteren. Trotzdem baut sich zum Ende hin eine gewisse Spannung auf, nicht, weil unklar ist, ob die Geschichte gut oder schlecht endet, sondern eher, weil unklar ist, wie sich alles auflöst.


Fazit und die Frage "Wieso um alles in der Welt ist dieser Film so erfolgreich?"
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Ich bin Bully-Fan der ersten - naja, der zweiten - Stunde und ich habe mich gestern nach kleineren Anfangsschwierigkeiten prächtig amüsiert. Den typischen Humor von Michael Herbig kenne und liebe ich, deshalb konnte das eigentlich nicht schief gehen. Aber auch Zuschauer, die keine Fans der "Bullyparade" sind, kommen auf ihre Kosten, denn der Witz des Films bleibt nicht auf einer Ebene. Ich habe hier in einer Kritik gelesen, dass der Humor aus der untersten Schublade stammt. Das stimmt zum Teil, denn einige Szenen muss man in die Kategorie "Schenkelklopfen" einordnen (was ich persönlich nicht tue, denn ich habe ein schwaches Bindegewebe und laufe beim Schenkelklopfen immer Gefahr, mir Blutergüsse zuzufügen :-)), manches ist derb, zotig und vorhersehbar oder einfach nur flach (ein Stammlokal für den Stamm, haha!). Aber - wenn man genau hinsieht - mindestens genau so oft liegt der Witz im Detail und ist auf Anhieb gar nicht zu entdecken (Warum z.B. heißt das Halbblut wohl Uschi? Denkt mal drüber nach!). Deshalb war für mich von Anfang an klar, dass ich mir den Film mindestens zweimal ansehen werde. Auch bei der Bullyparade zünden manche Sketche für mich erst beim zweiten oder dritten Anlauf und ich bin mir sicher, dass ich nächste Woche an ganz anderen Stellen lachen werde. Eigentlich kann ich mir auch erst dann ein Urteil bilden. Vielleicht ändere ich dann auch meine Bewertung, aber fürs Erste erhält "Der Schuh des Manitu" bei mir fünf Punkte. Mag sein, dass ein Sympathiepunkt dabei ist...

Der vielschichtige Humor ist sicher auch ein Grund für den Wahnsinnserfolg von "Der Schuh des Manitu", denn jeder wird hier auf seine Weise bedient. Was mich trotzdem wundert ist, wie der Film von Anfang an eingeschlagen hat. 1,5 Millionen Zuschauer in der ersten Woche, das hätten sich die Produzenten nicht in ihren kühnsten Träumen erhofft. Gut, die "Bullyparade" hat mittlerweile so etwas wie Kultstatus erreicht und eine nicht zu verachtende Stammzuschauerschar. Aber trotzdem erging es mir bisher so, dass ich von den meisten Leuten, denen ich von Bully und Co. vorgeschwärmt habe, nur ein mildes Lächeln wegen dieses Blödsinns geerntet habe. Wieso also dieser Run? Ich weiß es nicht. Gut, es wurde relativ viel Werbung gemacht, gut, es laufen derzeit nicht viele Blockbuster, denn eigentlich ist in den Kinos die Sommerlochzeit angebrochen. Aber das kanns doch nicht alleine sein. Vielleicht hatte "Der Schuh des Manitu" einfach nur Glück mit dem Wetter (ernsthaft!!!), da am Startwochenende von Sommer nichts zu spüren war. Und danach hat die Mundpropaganda der begeisterten "Erstzuschauer" gegriffen und den Boom so fortgesetzt. Also mir bleibt es ein Rätsel, wie so ein Film beim deutschen Publikum eine Chance haben kann. Vielleicht kann mich ja jemand aufklären.

So und zum Schluss: Ich gebe euch jetzt NICHT den Tipp, den Abspann ganz abzuwarten, weil danach noch eine Szene kommt. Denn, wer nicht sowieso und freiwillig bis zum Schluss sitzen bleibt, der ist ein Banause und selber Schuld. Ätsch *zungerausstreck*!

© Suppengirl, 31.07.2001
für YoPi: 8.4.2002

22 Bewertungen, 1 Kommentar

  • 25188

    15.05.2002, 18:44 Uhr von 25188
    Bewertung: sehr hilfreich

    2 x ansehen reicht dann aber auch aus