Erfahrungsbericht von filmfacts
genialer Start, dann aber zusehends versandet
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Private James Ryan (Matt Damon) ist einer der 4 Söhne einer ländlich lebenden Familie in den USA. Alle Brüder sind im zweiten Weltkrieg zum Dienst an der Waffe eingezogen worden. In einer Stabsabteilung des Militärs fällt einer Sekretärin, die den ganzen Tag Beileidsbekundungen an die Angehörigen gefallener Soldaten schreibt, ein mehr als unglücklicher Zufall auf: Drei der Ryan Brüder sind fast zeitgleich gefallen ...
Die aufmerksame Dame informiert sofort ihren Vorgesetzten und es wird beschlossen James Ryan von der Front abzuziehen und nach Hause zu bringen. Zu diesem Zweck wird Captain John Miller (Tom Hanks) beauftragt eine kleine Truppe erfahrener Männer zusammenzustellen, um den per Fallschirm hinter den feindlichen Linien abgesetzten Ryan zu finden.
Hmm ...
Dies ist mal eine etwas kürzere Inhaltsangabe von mir, nicht weil sich schon mal Leute bei mir über etwas zu viel Spoilering beschwert haben, sondern weil die eigentliche Story des Films tatsächlich nicht mehr hergibt. Allerdings ist bei diesem Film die Handlung wirklich nur ein Rahmen, um Spielberg zu ermöglichen das zu zeigen, was es in "Saving Private Ryan" zu sehen geben soll: den Schrecken des Krieges. Über das Ergebnis kann man sicher geteilter Meinung sein.
Es beginnt mit einem alten Soldaten der sich, begleitet von seiner großen Familie, zu einem riesigen Soldatenfriedhof begibt und dort scheinbar ziellos, doch dann immer zielstrebiger werdend, auf ein bestimmtes Grab zugeht. Es folgt nun einer der abruptesten Übergänge, die ich kenne. Plötzlich findet sich der Zuschauer in einem Landungsboot vor der Küste Frankreichs wieder. Es ist D-Day, die Soldaten sind unsicher, verängstigt und fast panisch. Die Landungsboote öffnen ihre Stahltore und sofort beginnt die wohl erschütternste halbe Stunde, die je auf der Leinwand zu sehen war.
Aus der Sicht eines imaginären Soldaten zeigt Steven Spielberg die Landung der amerikanischen Truppen an "Omaha Beach". Die Kamera wackelt und verzieht, wird von Gischt überspült und von Blutspritzern der gefallenen Soldaten getroffen. Gleichzeitig hört man die Umgebungsgeräusche "mit eigenen Ohren". Granatexplosionen machen die Soldaten fast taub und so hört man auch im Kino alles wie durch einen dicken Wattebausch.
An dieser Stelle des Films hoffte ich, daß doch bitte bald alles schnell vorbei sein möge. Es ist fast schon zuviel, was hier auf einen einströmt. Ich denke, daß einige zartbesaitete Zuschauer durchaus bei dem Anblick der, mit einer nicht zu bemerkenden Tricktechnik erstellten, umherliegenden und fliegenden Gliedmaßen den Drang verspürten, das Kino zu verlassen.
Bis hierhin hat Spielberg wirklich ein Meisterwerk geschaffen. Soetwas wird es wahrscheinlich nicht ein zweites Mal in dieser Qualität und Intensität zu sehen geben. Ein mögliches Abdriften dieses Teils in die Regionen des Splatterfilms wird allein schon durch die "Nähe" des Films verhindert. Man ist quasi selbst dabei, wenn der Arzt den Verwundeten mit den bloßen Händen die Wunden zuhält. Sollte die Intention Spielbergs sein, die Sinnlosigkeit und Brutalität des Krieges zu zeigen, so ist ihm das wahrlich mit Bravour gelungen.
Danach wird der Fluß der Geschichte ruhiger. Die "Helden" erholen sich und in dieser Phase des Films bekommt Miller den Auftrag, den irgendwo versprengten Ryan aufzufinden. Die nächsten 1 1/2 Stunden zeigen wie eine kleiner Trupp Soldaten durch Frankreich streift und allerlei Abenteuer zu bestehen hat.
Ich schreibe das bewußt so flapsig, weil es sich wirklich um nicht mehr handelt. Allerdings auch um nicht weniger. Es ist zwar solcherart Geschichte desöfteren erzählt worden, doch gelingt es hier wieder auf einem hohen Niveau, was die Schauspieler und auch die Bildkomposition angeht. Jedoch wird hier auch die eindringliche erste halbe Stunde ziemlich relativiert und verwischt. Hier scheint die Sonne und die Vögel zwitschern. Sicherlich kommt es zu Spannungen und Querelen, aber es gelingt, nicht diese ähnlich einprägsam zu inszenieren. Tom Hanks kann seine Mannen natürlich wieder beruhigen und sie schlußendlich zu Ryan führen.
Dieser ist selbstverständlich der gute Junge und will bei seiner Truppe bleiben. Also richten sich die Retter mitten in einer zerbombten Stadt mit ein und beschützen eine Brücke. Meint Spielberg das Ernst? Wie die Fallen und Bomben gebastelt werden erinnerte mich ein wenige an "McGuyver" und "B.A. Baracus". Es folgt zum Schluß ein Gefecht, bei dem sich die Deutschen ziemlich dämlich verhalten und die Amerikaner natürlich mit den "geguyverten" Billigwaffen es schaffen die Übermacht bis zum Eintreffen der Luftunterstützung in - natürlich - letzter Minute aufzuhalten - wenn auch unter massivem Personalverlust.
Immerhin hat es Spielberg geschafft, inmitten dieser klischeehaften Resthandlung etliche starke Szenen einzubauen, wie z.B. den Messerkampf zwischen einem Deutschen und Mellish oder den verunsicherten und mit seiner Überzeugung kämpfenden Upham. Trotzdem bleibt vielleicht gerade hier der Film weit hinter seinem Beginn zurück und zeigt "nur" einen sehr gut gemachten Kriegsfilm. Leider kommt zum Schluß noch ein nicht zu überbietender Fauxpas auf die Leinwand, indem der Film wieder überblendet zu dem alten Soldaten auf dem Friedhof, incl. der im Hintergrund zappelnden Enkel, der betroffenen Kinder und der alles verzeihenden Ehefrau.
Mit dem Anfang wurde hier ein für das breite Publikum sehr schwer zu verdauendes Meisterwerk geschaffen. Wahrscheinlich wurde Spielberg bewußt, daß er das so niemandem verkaufen kann und er hat sich daran gemacht daraus einen Film zu basteln, der haargenau auf das zugeschnitten ist, was der durchschnittliche Amerikaner sich unter einem guten amerikanischen Soldaten in einem guten amerikanischen Krieg vorstellt.
Sehr stark und erschütternd beginnender Film, der dann leider in inhaltliches Mittelmaß abgleitet dabei jedoch handwerklich auf allerhöchstem Niveau bleibt.
Die aufmerksame Dame informiert sofort ihren Vorgesetzten und es wird beschlossen James Ryan von der Front abzuziehen und nach Hause zu bringen. Zu diesem Zweck wird Captain John Miller (Tom Hanks) beauftragt eine kleine Truppe erfahrener Männer zusammenzustellen, um den per Fallschirm hinter den feindlichen Linien abgesetzten Ryan zu finden.
Hmm ...
Dies ist mal eine etwas kürzere Inhaltsangabe von mir, nicht weil sich schon mal Leute bei mir über etwas zu viel Spoilering beschwert haben, sondern weil die eigentliche Story des Films tatsächlich nicht mehr hergibt. Allerdings ist bei diesem Film die Handlung wirklich nur ein Rahmen, um Spielberg zu ermöglichen das zu zeigen, was es in "Saving Private Ryan" zu sehen geben soll: den Schrecken des Krieges. Über das Ergebnis kann man sicher geteilter Meinung sein.
Es beginnt mit einem alten Soldaten der sich, begleitet von seiner großen Familie, zu einem riesigen Soldatenfriedhof begibt und dort scheinbar ziellos, doch dann immer zielstrebiger werdend, auf ein bestimmtes Grab zugeht. Es folgt nun einer der abruptesten Übergänge, die ich kenne. Plötzlich findet sich der Zuschauer in einem Landungsboot vor der Küste Frankreichs wieder. Es ist D-Day, die Soldaten sind unsicher, verängstigt und fast panisch. Die Landungsboote öffnen ihre Stahltore und sofort beginnt die wohl erschütternste halbe Stunde, die je auf der Leinwand zu sehen war.
Aus der Sicht eines imaginären Soldaten zeigt Steven Spielberg die Landung der amerikanischen Truppen an "Omaha Beach". Die Kamera wackelt und verzieht, wird von Gischt überspült und von Blutspritzern der gefallenen Soldaten getroffen. Gleichzeitig hört man die Umgebungsgeräusche "mit eigenen Ohren". Granatexplosionen machen die Soldaten fast taub und so hört man auch im Kino alles wie durch einen dicken Wattebausch.
An dieser Stelle des Films hoffte ich, daß doch bitte bald alles schnell vorbei sein möge. Es ist fast schon zuviel, was hier auf einen einströmt. Ich denke, daß einige zartbesaitete Zuschauer durchaus bei dem Anblick der, mit einer nicht zu bemerkenden Tricktechnik erstellten, umherliegenden und fliegenden Gliedmaßen den Drang verspürten, das Kino zu verlassen.
Bis hierhin hat Spielberg wirklich ein Meisterwerk geschaffen. Soetwas wird es wahrscheinlich nicht ein zweites Mal in dieser Qualität und Intensität zu sehen geben. Ein mögliches Abdriften dieses Teils in die Regionen des Splatterfilms wird allein schon durch die "Nähe" des Films verhindert. Man ist quasi selbst dabei, wenn der Arzt den Verwundeten mit den bloßen Händen die Wunden zuhält. Sollte die Intention Spielbergs sein, die Sinnlosigkeit und Brutalität des Krieges zu zeigen, so ist ihm das wahrlich mit Bravour gelungen.
Danach wird der Fluß der Geschichte ruhiger. Die "Helden" erholen sich und in dieser Phase des Films bekommt Miller den Auftrag, den irgendwo versprengten Ryan aufzufinden. Die nächsten 1 1/2 Stunden zeigen wie eine kleiner Trupp Soldaten durch Frankreich streift und allerlei Abenteuer zu bestehen hat.
Ich schreibe das bewußt so flapsig, weil es sich wirklich um nicht mehr handelt. Allerdings auch um nicht weniger. Es ist zwar solcherart Geschichte desöfteren erzählt worden, doch gelingt es hier wieder auf einem hohen Niveau, was die Schauspieler und auch die Bildkomposition angeht. Jedoch wird hier auch die eindringliche erste halbe Stunde ziemlich relativiert und verwischt. Hier scheint die Sonne und die Vögel zwitschern. Sicherlich kommt es zu Spannungen und Querelen, aber es gelingt, nicht diese ähnlich einprägsam zu inszenieren. Tom Hanks kann seine Mannen natürlich wieder beruhigen und sie schlußendlich zu Ryan führen.
Dieser ist selbstverständlich der gute Junge und will bei seiner Truppe bleiben. Also richten sich die Retter mitten in einer zerbombten Stadt mit ein und beschützen eine Brücke. Meint Spielberg das Ernst? Wie die Fallen und Bomben gebastelt werden erinnerte mich ein wenige an "McGuyver" und "B.A. Baracus". Es folgt zum Schluß ein Gefecht, bei dem sich die Deutschen ziemlich dämlich verhalten und die Amerikaner natürlich mit den "geguyverten" Billigwaffen es schaffen die Übermacht bis zum Eintreffen der Luftunterstützung in - natürlich - letzter Minute aufzuhalten - wenn auch unter massivem Personalverlust.
Immerhin hat es Spielberg geschafft, inmitten dieser klischeehaften Resthandlung etliche starke Szenen einzubauen, wie z.B. den Messerkampf zwischen einem Deutschen und Mellish oder den verunsicherten und mit seiner Überzeugung kämpfenden Upham. Trotzdem bleibt vielleicht gerade hier der Film weit hinter seinem Beginn zurück und zeigt "nur" einen sehr gut gemachten Kriegsfilm. Leider kommt zum Schluß noch ein nicht zu überbietender Fauxpas auf die Leinwand, indem der Film wieder überblendet zu dem alten Soldaten auf dem Friedhof, incl. der im Hintergrund zappelnden Enkel, der betroffenen Kinder und der alles verzeihenden Ehefrau.
Mit dem Anfang wurde hier ein für das breite Publikum sehr schwer zu verdauendes Meisterwerk geschaffen. Wahrscheinlich wurde Spielberg bewußt, daß er das so niemandem verkaufen kann und er hat sich daran gemacht daraus einen Film zu basteln, der haargenau auf das zugeschnitten ist, was der durchschnittliche Amerikaner sich unter einem guten amerikanischen Soldaten in einem guten amerikanischen Krieg vorstellt.
Sehr stark und erschütternd beginnender Film, der dann leider in inhaltliches Mittelmaß abgleitet dabei jedoch handwerklich auf allerhöchstem Niveau bleibt.
Bewerten / Kommentar schreiben