Der Stadtneurotiker (DVD) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 11/2010
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Erfahrungsbericht von menelik79
The Universe is Expanding
Pro:
großartige Dialoge, ausgefallene Erzählstrukturen, brilliant komisch
Kontra:
definitiv nicht
Empfehlung:
Ja
„There´s an old joke.“
Das sind die Worte die Woody Allen seinen Alvy Singer ( gespielt von Allen selbst) zu Beginn einer der großartigsten Komödien unserer Zeit sagen lässt, in dem selben etwas resignierten Tonfall in dem sich dieser Alvy so gut wie immer ausdrückt, ja nach dem er förmlich schon aussieht, um ihn dann nicht nur einen sondern gleich zwei höchst zynische Witze vortragen und diese als die Essenz seines Lebens ausgeben zu lassen.
Der eine, meistens Groucho Marx zugeschrieben aber laut Alvy auch schon bei Freud zu finden, lautet: „Ich würde niemals einem Club beitreten, der jemanden wie mich als Mitglied aufnehmen würde.“, der andere handelt von schlechtem Essen, das aber immer in zu kleinen Portionen serviert wird.
Daß der Zuschauer im „Stadtneurotiker“ Alvy Singer nicht eben einen besonders optimistischen Protagonisten vor sich hat, dürfte also offensichtlich sein.
Die Bücher die er liest handeln sämtlich vom Tod ( und natürlich der Psychoanalyse), er unterteilt die menschliche Existenz in die Kategorien „furchtbar“ und „unglücklich“, verzweifelte schon als Kind an der Vorstellung, daß das Universum expandiert und irgendwann in einem großen Knall enden wird und auf die sonnige, ständig fröhliche Atmosphäre von Los Angeles ( wohin er im Verlauf des Films zwei mal reisen muß) reagiert er mit Übelkeit und Magenschmerzen.
Dieser sonnigen Welt ( deren Oberflächlichkeit im Film auch für den Zuschauer in schierer Unerträglichkeit dargestellt wird) zieht er die grauen Straßenschluchten New Yorks vor, wo er in einer Wohnung unter der Achterbahn des Coney Island Vergnügungsparks groß geworden ist und schließlich die ersten Erfolge in seinem Beruf feierte – als Komiker.
Neben seinem frühzeitig entwickelten Pessimismus erlangte auch das andere Geschlecht früh in seinem Leben Bedeutung für ihn. Eine echte Beziehung sollte für ihn jedoch immer mit Schwierigkeiten verbunden bleiben, was seine Wurzeln wohl hauptsächlich in seiner Einstellung zu Clubs hat, die ihn als Mitglied aufnehmen.
So ist dann auch das Hauptthema des kurzen Abschnittes aus Alvys Leben, den uns Woody Allen in seinem Film erzählt, eine problematische Beziehung, von deren Ende wir gleich zu Beginn erfahren, die Beziehung zu Annie Hall ( großartig gespielt von Diane Keaton).
Zweimal war Alvy schon verheiratet als er Annie kennen lernt, mit Frauen die geradezu Abziehbilder der New Yorker Intellektuellenszene waren – zu der er selbst zwar auch gehört, von der er sich aber gleichzeitig abzugrenzen versucht.
Da kommt ihm das Landei Annie, das er beim Tennisspielen kennen lernt, gerade recht: Sie benutzt Slangausdrücke aus dem vorigen Jahrhundert und verführt Alvy in ihrer ganzen Provinzialität sogar zu der Frage, ob sie denn in einem Gemälde von Norman Rockwell aufgewachsen sei – von Vergeistigung und seelischen Abgründen, Minderwertigkeitskomplexen, Selbstfindungsproblemen und Neurosen also keine Spur.
Schön und gut, könnte man meinen, hätte der Intellektuellenhasser Alvy nicht doch ein erhebliches intellektuelles Sendungsbewusstsein.
Er kauft ihr Bücher über den Tod, drängt sie zu Erwachsenenbildung und künstlerischer Selbstverwirklichung und formt sie somit langsam immer mehr zu dem, was er eigentlich nicht mehr wollte...
DER VERLORENE MENSCH
Mit dem „Stadtneurotiker“ ( im Original „Annie Hall“) gelang Woody Allen der Sprung von klamaukigen Possen zur fein- und hintersinnigen, sensiblen, gleichzeitig boshaften und liebenswerten Komödie, und er schuf eine Satire wie sie ihresgleichen auch heute noch sucht.
Gekonnt experimentiert er mit verschiedenen Erzählstrukturen und lässt so ein differenziertes Bild seiner Figur entstehen. Der Singular ist beabsichtigt, denn obwohl der Film von skurrilen Charakteren wimmelt ist es doch nur eine Figur die eigentlich in ihrer ganzen Vielfältigkeit dargestellt wird – der Mensch, insbesondere der sogenannte Intellektuelle, in der Postmoderne.
Die durch das Bewusstsein eigener Kontingenz geweckte Selbstfindungsdramatik, ausgedrückt in der Suche nach Verwirklichung, im Versuch sich analytisch zu durchdringen oder auch durchdringen zu lassen, der Verlust eines naiven Glaubens an einen Sinn der Welt und des Lebens und vieles mehr werden humorvoll seziert und in ihrer ganzen Bandbreite dem Gelächter des Zuschauers vorgeworfen.
Dabei ist das Problem der Liebesbeziehung nur eine Facette unter vielen, wenn auch die, auf die im Film das scheinbar größte Augenmerk gerichtet wird.
Eine solche Beziehung, so lernen wir nicht erst von Allen, kann nur problematisch sein, wenn jeder im Anderen einen Teil seiner individuellen Verwirklichung sucht.
Die individuellen Vorstellungen der Partner können eigentlich gar nicht anders als kollidieren und sich gegenseitig verhindern.
Alvy sucht eine Frau, die ihn sowohl als Intellektuellen mit ihrer rein „physischen“ Natur, mit ihrer Unmittelbarkeit ergänzt, als auch eine, der er auf Augenhöhe begegnen kann.
Als er Annie aber auf seine Augenhöhe zu bringen versucht, entgleitet sie ihm gerade dadurch. Durch seinen Einfluß richtet auch sie ihren Fokus stärker auf sich selbst und damit immer mehr weg von Alvy.
Sex mit ihm kann sie nur haben, wenn sie vorher Gras raucht um sich zu entspannen, er allerdings hält das nicht aus, weil er dann keine Bestätigung mehr als Liebhaber bekommt.
Er fühlt sich, als würde er vor einem bekifften Publikum auftreten – sie lachen, egal ob er gut ist oder nicht.
Vier Oscars konnte der Film 1977 für sich beanspruchen, für den „Besten Film“, die „Beste Regie“, das „Beste Drehbuch“ ( alle drei für Allen) und für die „Beste Hauptrolle“ ( für Diane Keaton).
Keaton und Allen machen aus Alvy und Annie eines der interessantesten Paare der Filmgeschichte, und auch die übrigen Darsteller lassen nichts zu wünschen übrig.
In kleinen Nebenrollen entdeckt man dabei Größen wie Shelley Duvall ( als „Rolling Stone“ Reporterin mit der Alvy ausgeht), Christopher Walken ( als Annies Bruder Duane), Paul Simon ( als Musikagent) und Jeff Goldblum ( der damals schon immerhin einen ganzen Satz am Telefon sprechen durfte: „I forgot my mantra.“).
Das fantastische Drehbuch ( das übrigens in Script-Form auf Deutsch bei Diogenes und im Original bei Faber & Faber erhältlich ist) entstand unter Zusammenarbeit mit Allens Freund Marshall Brickman, und weist wohl auch einiges von dem auf, was man gerne als „autobiographische Züge“ bezeichnet.
Das mag aber nicht allzu viel besagen, weist doch die Story wahrscheinlich solche autobiographischen Züge eines großen Teils der Menschen in der postmodernen Welt auf.
Etwas spezifischer mag da höchstens die ebenfalls mehr als humorvolle, ja sarkastische Auseinandersetzung mit dem Judentum sein. So ist eine der Neurosen Alvys etwas, das ich fast als Antisemitismusphobie bezeichnen würde. Ständig glaubt er sich als Jude gleichsam „enttarnt“ und angefeindet, den englischen Satz „D´you eat that?“ kann er nicht anders verstehen als „Jew, eat that!“ und er ist geradezu besessen von Filmen über das Dritte Reich und die Judenverfolgung.
Es ist erfreulich und macht Spaß zu sehen, wie unverkrampft Allen ( gleich vielen jüdischen Komikern) mit seiner Religionszugehörigkeit umgeht, ohne diese einfach nur ins Lächerliche zu ziehen oder die tatsächliche Judenverfolgung zu verharmlosen.
Eine vergleichbare Behandlung des Christentums ist mir eigentlich nur aus Monty Pythons „Leben des Brians“ bekannt, wenn auch dort nicht auf ganz so hohem Niveau wie bei Allen.
FAZIT
So einiges von dem was Allen seinen „Stadtneurotiker“ durchleben lässt wird dem Zuschauer wohl schmerzlich bekannt vorkommen. Selten wurde das Thema aber so humorvoll, sensibel und auf so hohem Niveau behandelt, und selten betreffen die Gedanken, welche in einer Satire dem Zuschauer mit einem lauten Lachen leichter in den Kopf gelangen, so direkt eine große Zahl verschiedenster Menschen, die vor allem vereint, daß sie nichts vereint.
Der Zuschauer wird durch viel zu schnell vergehende 1 ½ Stunden gewirbelt, mit vielen Zeitsprüngen und ständig wechselnden Erzählstrukturen voll sprühendem Witz, ohne am Ende das Gefühl zu haben eine wirkliche Story erlebt zu haben, aber auf jeden Fall mit einem gewaltigen Ziehen im Zwerchfell.
Gut, es gibt natürlich eine Entwicklung in der Beziehung zwischen Alvy und Annie, doch im Wesentlichen ist der Verlauf des Films so chaotisch und sprunghaft wie das Lebens selbst.
Am Ende trifft sich Alvy doch noch einmal mit Annie, das Ende bleibt offen ( wie es nun mal auch im Leben meistens offen bleibt) und Alvy schließt mit einem Witz, der ihm wiederum als Analogie dient, diesmal insbesondere als Analogie auf zwischenmenschliche Beziehungen:
Ein Mann kommt zum Arzt und sagt: „Doktor, sie müssen mir helfen, mein Bruder ist verrückt, er hält sich für ein Huhn!“
Darauf der Arzt: „Na, dann liefern sie ihn doch ein.“
Darauf er: „Das würde ich ja, aber ich brauche die Eier.“
So, meint Alvy, verhält es sich auch mit Liebesbeziehungen. Sie sind irrational, chaotisch, furchtbar und eigentlich nicht auszuhalten, aber – wir brauchen die Eier.
Das sind die Worte die Woody Allen seinen Alvy Singer ( gespielt von Allen selbst) zu Beginn einer der großartigsten Komödien unserer Zeit sagen lässt, in dem selben etwas resignierten Tonfall in dem sich dieser Alvy so gut wie immer ausdrückt, ja nach dem er förmlich schon aussieht, um ihn dann nicht nur einen sondern gleich zwei höchst zynische Witze vortragen und diese als die Essenz seines Lebens ausgeben zu lassen.
Der eine, meistens Groucho Marx zugeschrieben aber laut Alvy auch schon bei Freud zu finden, lautet: „Ich würde niemals einem Club beitreten, der jemanden wie mich als Mitglied aufnehmen würde.“, der andere handelt von schlechtem Essen, das aber immer in zu kleinen Portionen serviert wird.
Daß der Zuschauer im „Stadtneurotiker“ Alvy Singer nicht eben einen besonders optimistischen Protagonisten vor sich hat, dürfte also offensichtlich sein.
Die Bücher die er liest handeln sämtlich vom Tod ( und natürlich der Psychoanalyse), er unterteilt die menschliche Existenz in die Kategorien „furchtbar“ und „unglücklich“, verzweifelte schon als Kind an der Vorstellung, daß das Universum expandiert und irgendwann in einem großen Knall enden wird und auf die sonnige, ständig fröhliche Atmosphäre von Los Angeles ( wohin er im Verlauf des Films zwei mal reisen muß) reagiert er mit Übelkeit und Magenschmerzen.
Dieser sonnigen Welt ( deren Oberflächlichkeit im Film auch für den Zuschauer in schierer Unerträglichkeit dargestellt wird) zieht er die grauen Straßenschluchten New Yorks vor, wo er in einer Wohnung unter der Achterbahn des Coney Island Vergnügungsparks groß geworden ist und schließlich die ersten Erfolge in seinem Beruf feierte – als Komiker.
Neben seinem frühzeitig entwickelten Pessimismus erlangte auch das andere Geschlecht früh in seinem Leben Bedeutung für ihn. Eine echte Beziehung sollte für ihn jedoch immer mit Schwierigkeiten verbunden bleiben, was seine Wurzeln wohl hauptsächlich in seiner Einstellung zu Clubs hat, die ihn als Mitglied aufnehmen.
So ist dann auch das Hauptthema des kurzen Abschnittes aus Alvys Leben, den uns Woody Allen in seinem Film erzählt, eine problematische Beziehung, von deren Ende wir gleich zu Beginn erfahren, die Beziehung zu Annie Hall ( großartig gespielt von Diane Keaton).
Zweimal war Alvy schon verheiratet als er Annie kennen lernt, mit Frauen die geradezu Abziehbilder der New Yorker Intellektuellenszene waren – zu der er selbst zwar auch gehört, von der er sich aber gleichzeitig abzugrenzen versucht.
Da kommt ihm das Landei Annie, das er beim Tennisspielen kennen lernt, gerade recht: Sie benutzt Slangausdrücke aus dem vorigen Jahrhundert und verführt Alvy in ihrer ganzen Provinzialität sogar zu der Frage, ob sie denn in einem Gemälde von Norman Rockwell aufgewachsen sei – von Vergeistigung und seelischen Abgründen, Minderwertigkeitskomplexen, Selbstfindungsproblemen und Neurosen also keine Spur.
Schön und gut, könnte man meinen, hätte der Intellektuellenhasser Alvy nicht doch ein erhebliches intellektuelles Sendungsbewusstsein.
Er kauft ihr Bücher über den Tod, drängt sie zu Erwachsenenbildung und künstlerischer Selbstverwirklichung und formt sie somit langsam immer mehr zu dem, was er eigentlich nicht mehr wollte...
DER VERLORENE MENSCH
Mit dem „Stadtneurotiker“ ( im Original „Annie Hall“) gelang Woody Allen der Sprung von klamaukigen Possen zur fein- und hintersinnigen, sensiblen, gleichzeitig boshaften und liebenswerten Komödie, und er schuf eine Satire wie sie ihresgleichen auch heute noch sucht.
Gekonnt experimentiert er mit verschiedenen Erzählstrukturen und lässt so ein differenziertes Bild seiner Figur entstehen. Der Singular ist beabsichtigt, denn obwohl der Film von skurrilen Charakteren wimmelt ist es doch nur eine Figur die eigentlich in ihrer ganzen Vielfältigkeit dargestellt wird – der Mensch, insbesondere der sogenannte Intellektuelle, in der Postmoderne.
Die durch das Bewusstsein eigener Kontingenz geweckte Selbstfindungsdramatik, ausgedrückt in der Suche nach Verwirklichung, im Versuch sich analytisch zu durchdringen oder auch durchdringen zu lassen, der Verlust eines naiven Glaubens an einen Sinn der Welt und des Lebens und vieles mehr werden humorvoll seziert und in ihrer ganzen Bandbreite dem Gelächter des Zuschauers vorgeworfen.
Dabei ist das Problem der Liebesbeziehung nur eine Facette unter vielen, wenn auch die, auf die im Film das scheinbar größte Augenmerk gerichtet wird.
Eine solche Beziehung, so lernen wir nicht erst von Allen, kann nur problematisch sein, wenn jeder im Anderen einen Teil seiner individuellen Verwirklichung sucht.
Die individuellen Vorstellungen der Partner können eigentlich gar nicht anders als kollidieren und sich gegenseitig verhindern.
Alvy sucht eine Frau, die ihn sowohl als Intellektuellen mit ihrer rein „physischen“ Natur, mit ihrer Unmittelbarkeit ergänzt, als auch eine, der er auf Augenhöhe begegnen kann.
Als er Annie aber auf seine Augenhöhe zu bringen versucht, entgleitet sie ihm gerade dadurch. Durch seinen Einfluß richtet auch sie ihren Fokus stärker auf sich selbst und damit immer mehr weg von Alvy.
Sex mit ihm kann sie nur haben, wenn sie vorher Gras raucht um sich zu entspannen, er allerdings hält das nicht aus, weil er dann keine Bestätigung mehr als Liebhaber bekommt.
Er fühlt sich, als würde er vor einem bekifften Publikum auftreten – sie lachen, egal ob er gut ist oder nicht.
Vier Oscars konnte der Film 1977 für sich beanspruchen, für den „Besten Film“, die „Beste Regie“, das „Beste Drehbuch“ ( alle drei für Allen) und für die „Beste Hauptrolle“ ( für Diane Keaton).
Keaton und Allen machen aus Alvy und Annie eines der interessantesten Paare der Filmgeschichte, und auch die übrigen Darsteller lassen nichts zu wünschen übrig.
In kleinen Nebenrollen entdeckt man dabei Größen wie Shelley Duvall ( als „Rolling Stone“ Reporterin mit der Alvy ausgeht), Christopher Walken ( als Annies Bruder Duane), Paul Simon ( als Musikagent) und Jeff Goldblum ( der damals schon immerhin einen ganzen Satz am Telefon sprechen durfte: „I forgot my mantra.“).
Das fantastische Drehbuch ( das übrigens in Script-Form auf Deutsch bei Diogenes und im Original bei Faber & Faber erhältlich ist) entstand unter Zusammenarbeit mit Allens Freund Marshall Brickman, und weist wohl auch einiges von dem auf, was man gerne als „autobiographische Züge“ bezeichnet.
Das mag aber nicht allzu viel besagen, weist doch die Story wahrscheinlich solche autobiographischen Züge eines großen Teils der Menschen in der postmodernen Welt auf.
Etwas spezifischer mag da höchstens die ebenfalls mehr als humorvolle, ja sarkastische Auseinandersetzung mit dem Judentum sein. So ist eine der Neurosen Alvys etwas, das ich fast als Antisemitismusphobie bezeichnen würde. Ständig glaubt er sich als Jude gleichsam „enttarnt“ und angefeindet, den englischen Satz „D´you eat that?“ kann er nicht anders verstehen als „Jew, eat that!“ und er ist geradezu besessen von Filmen über das Dritte Reich und die Judenverfolgung.
Es ist erfreulich und macht Spaß zu sehen, wie unverkrampft Allen ( gleich vielen jüdischen Komikern) mit seiner Religionszugehörigkeit umgeht, ohne diese einfach nur ins Lächerliche zu ziehen oder die tatsächliche Judenverfolgung zu verharmlosen.
Eine vergleichbare Behandlung des Christentums ist mir eigentlich nur aus Monty Pythons „Leben des Brians“ bekannt, wenn auch dort nicht auf ganz so hohem Niveau wie bei Allen.
FAZIT
So einiges von dem was Allen seinen „Stadtneurotiker“ durchleben lässt wird dem Zuschauer wohl schmerzlich bekannt vorkommen. Selten wurde das Thema aber so humorvoll, sensibel und auf so hohem Niveau behandelt, und selten betreffen die Gedanken, welche in einer Satire dem Zuschauer mit einem lauten Lachen leichter in den Kopf gelangen, so direkt eine große Zahl verschiedenster Menschen, die vor allem vereint, daß sie nichts vereint.
Der Zuschauer wird durch viel zu schnell vergehende 1 ½ Stunden gewirbelt, mit vielen Zeitsprüngen und ständig wechselnden Erzählstrukturen voll sprühendem Witz, ohne am Ende das Gefühl zu haben eine wirkliche Story erlebt zu haben, aber auf jeden Fall mit einem gewaltigen Ziehen im Zwerchfell.
Gut, es gibt natürlich eine Entwicklung in der Beziehung zwischen Alvy und Annie, doch im Wesentlichen ist der Verlauf des Films so chaotisch und sprunghaft wie das Lebens selbst.
Am Ende trifft sich Alvy doch noch einmal mit Annie, das Ende bleibt offen ( wie es nun mal auch im Leben meistens offen bleibt) und Alvy schließt mit einem Witz, der ihm wiederum als Analogie dient, diesmal insbesondere als Analogie auf zwischenmenschliche Beziehungen:
Ein Mann kommt zum Arzt und sagt: „Doktor, sie müssen mir helfen, mein Bruder ist verrückt, er hält sich für ein Huhn!“
Darauf der Arzt: „Na, dann liefern sie ihn doch ein.“
Darauf er: „Das würde ich ja, aber ich brauche die Eier.“
So, meint Alvy, verhält es sich auch mit Liebesbeziehungen. Sie sind irrational, chaotisch, furchtbar und eigentlich nicht auszuhalten, aber – wir brauchen die Eier.
14 Bewertungen, 2 Kommentare
-
26.02.2006, 12:57 Uhr von Alusru
Bewertung: sehr hilfreichsh, sehr schöner Bericht der den Film 100 % trifft, Klasse, lieben Gruß Uschi.
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30.03.2005, 00:41 Uhr von gangster09
Bewertung: sehr hilfreich...ich ga rnicht, aber sollte ich mal gucken! lg rene
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