Der kleine Horrorladen (DVD) Testbericht

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ab 25,98
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Erfahrungsbericht von Gemeinwesen

Eine Zauberei von Oz

Pro:

guter Originalton, tolles Bild, attraktive Zusatzausstattung

Kontra:

der deutsche Ton, der leider nur im Monoformat vorliegt

Empfehlung:

Ja

Frank Oz ist der Mann, der Jedimeister Yoda aus den „Star Wars“-Filmen seine Stimme leiht. Frank Oz ist der Mann, der „Joliet Jake“ Blues bei seiner Entlassung „aus dem Staatsdienst“ einen schwarzen Anzug, einen schwarzen Hut, schwarze Schuhe, eine schwarze Sonnebrille und ein benutztes Kondom aushändigt. Frank Oz ist außerdem der Mann, der aus einem Musical, das auf einem Film basiert, wieder einen Film gemacht hat.


In dem informativen Audiokommentar, der nur eines der Highlights einer an Zugaben nicht gerade armen DVD bildet, geht Oz mit keinem Wort darauf ein, dass er außerdem eine der treibenden Kräfte hinter der Bühne von Jim Hensons berühmten Muppets war. Trotzdem darf man wohl annehmen, dass die Erfahrungen, die Oz mit Kermit, Piggy & Co. gesammelt hat, ihm bei seiner Arbeit mit der Monsterpflanze „Audrey II“ zugute gekommen sein dürften. Immerhin galt es zeitweise bis zu 60 Puppenspieler zu dirigieren. Erst deren perfekt koordiniertes Zusammenspiel erzeugt für den Zuschauer die Illusion, bei der fiesen Weltraumpflanze handele sich tatsächlich um ein lebendiges Wesen.


Vom B-Movie zum toll getricksten Film in 26 Jahren

Ursprünglich einmal war „Der kleine Horroladen“ ein B-Movie von B-Movie-Regielegende Roger Corman, der, so heißt es, seinen Film in nur zwei Tagen heruntergekurbelt haben soll. Sein Film von 1960 bildete die Grundlage für ein erfolgreiches Musical, aus dem Oz wiederum einen Film machte. Der kam 1986 in die Kinos und stammt somit aus einer Zeit, in der die Entwicklung computergenerierter Spezialeffekte noch in den Kinderschuhen steckte. Zum Glück, möchte man sofort hinzufügen, denn die Tricktechnik in „Der kleine Horrorladen“ wirkt überzeugender als so manche der gelackten Pixeleien, die uns das Kino in den letzten Jahren präsentiert hat und die in all ihrer Perfektion stets merkwürdig glatt und letztlich seelenlos wirken.

Frank Oz’ „Audrey II“ hingegen ist in all ihren Wachstumsphasen eine ungemein organisch wirkende Trickfigur, die es dem Zuschauer leicht macht, sich auf die alternative Realität einzulassen, von der der phantastische Film lebt.

Zunächst ist das Pflänzchen, das der kleine Angestellte Seymour Krelbourn (Harold Ramis) in Anlehnung an den Namen seiner großen heimlichen Liebe Audrey (Ellen Greene) tauft, ein ziemlich unscheinbares Grünzeug. Und aller hingebungsvollen Pflege zum Trotz will es Seymour anfänglich einfach nicht gelingen, den Setzling mit der außergewöhnlichen Optik hochzupäppeln. Was umso bedauerlicher ist, da Seymours Arbeitgeber, Blumenladenbesitzer Mr. Mushnik (Vincent Gardenia) einen attraktiven Blickfang im Schaufenster durchaus gut gebrauchen könnte. Erst als sein Gehilfe die Pflanze aus Ungeschicklichkeit mit dem eigenen Blut düngt, gedeiht das „Zweierchen“ und belohnt seinen Gärtner mit ungeahnten Wachstumsschüben: Offensichtlich ist Audrey II eine Karnivore. Die will bei Laune gehalten werden, und deshalb ist die tägliche Blutspende bald selbstverständliche Routine von in Seymours Alltag.


Ein augenzwinkerndes, schaurig-schönes „Grusical“

Aber wie das so ist: Gibt man Blut saugenden Pflanzen erstmal den grünen Daumen, verlangen sie bald die ganze Hand. Audrey II ist schier unersättlich und verlangt schon bald nach mehr. Was tun? Audrey II hat nicht nur jede Menge Kohldampf, sondern auch gleich eine Lösung parat – allerdings eine, die ziemlich grauslich ist: Seymour möge ihr doch einfach den Freund der Namenspatin Audrey I zum Fraß vorwerfen. Dann habe
er, Seymour, freie Bahn bei Audrey. Außerdem werde dem sadistischen Zahnarzt Orin Scrivello (Steve Martin) ohnehin niemand eine Träne nachweinen. Schließlich schiebt Seymour tatsächlich alle Skrupel beiseite und räumt den Nebenbuhler aus dem Weg. Als er jedoch Scrivello in schlundgerechte Portionen zerteilt, bleibt er bei seinem grausigen mitternächtlichen Werk leider nicht unbeobachtet …

Als „Der kleine Horrorladen“ hierzulande auf der großen Leinwand zu sehen war, ließ sich die Werbung für den Film den viel sagenden Begriff „Grusical“ einfallen – und der trifft den sprichwörtlichen Nagel denn auch ziemlich gut auf den Kopf. Frank Oz’ Leinwandversion des erfolgreichen gleichnamigen Bühnen-Musicals wirkt wie ein B-Movie aus den 50er Jahren, dessen Darsteller plötzlich das Singen gelernt haben; und genau diese Wirkung ist natürlich auch beabsichtigt. Im englischsprachigen Raum nennt man so etwas mit einem nur schwer zu übersetzenden Begriff auch „camp“.

Und wem könnte so was gefallen?

Wer die „Rocky Horror Picture Show“ mag, der wird sicher auch „Der kleine Horrorladen“ ins Herz schließen. Ich selbst sehe mir den schwarzhumorigen Film seit 1986 immer wieder gern an und habe mich sehr über die Veröffentlichung auf DVD gefreut.


Schön ausgestattete DVD

Die DVD kann ich übrigens besten Gewissens zum Kauf empfehlen: Das Bild ist ungemein knackig, die Farben leuchten satt und zumindest am Originalton in Dolby 5.1 gibt’s ebenfalls nichts auszusetzen. Mein einziger Kritikpunkt: der deutsche Ton liegt nur im Monoformat (!) vor – und das ist für ein Musical natürlich ein Unding. Zum Glück entschädigt die DVD mit informativem Audiokommentar, einer weiteren Tonspur mit der reinen Filmmusik und einer Reihe zusätzlicher Schmankerl, die „Der kleine Horrorladen“ zum guten Kauf machen. In den geschnittenen Szenen findet sich zum Beispiel auch eine kurze, überaus sehenswert getrickste Aufnahme, in der häusergroße Pflanzen eine Großstadt in Schutt und Asche lege. Die stammt aus der ursprünglich vom Regisseur gedrehten Fassung, deren Ende sich an das des Musicals anlehnt. Nach verheerenden Sneak Previews, die damals noch Testvorführungen hießen, bekam Oz allerdings ein Happy End verordnet. Damit ist Oz, wie dem Audiokommentar zu entnehmen ist, zwar nie wirklich glücklich gewesen, aber der Publikumsgeschmack und damit das Einspielergebnis hatten halt gegenüber künstlerischen Überlegungen den Vorrang. In den Staaten ist 1998 eine DVD erschienen, die auch das ursprüngliche Ende bot – die wurde jedoch kurz nach der Veröffentlichung von Warner Bros. Eilends zurückgerufen, und die wenigen Exemplare, die der Handel seinerzeit verkauft hat, sind heute gesuchte Sammlerstücke, die im Internet-Auktionshaus ebay und auf anderen Börsen zu teils astronomisch hohen Preisen gehandelt werden.


Prominente Nebendarsteller

Unter anderem wartet „Der kleine Horrorladen“ übrigens mit einer Reihe von Cameo-Auftritten auf, in denen eine ziemlich illustre Schar sich die Ladenklinke in die Hand gibt – unter anderem ist Christopher Guest (Filmfans auch bekannt als Rockgitarrist Nigel „This one goes to eleven, right?“ Tufnell aus Rob Reiners wunderbarer Mockumentary „This is Spinal Tap“) in einer Minirolle zu sehen, ein wunderbarer Bill Murray darf einen masochistischen Zahnarzt-Patienten mimen und der leider viel zu früh verstorbene John Candy tritt als reichlich überdrehter Radiomoderator auf.

18 Bewertungen, 7 Kommentare

  • hjid55

    06.01.2007, 13:05 Uhr von hjid55
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & lg Sarah

  • anonym

    24.09.2006, 23:41 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh, LG Birgit :-)

  • irmi1967

    19.01.2006, 01:01 Uhr von irmi1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    schöner bericht

  • morla

    19.01.2006, 00:53 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich

  • Lidlefood

    19.01.2006, 00:36 Uhr von Lidlefood
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich

  • campino

    19.01.2006, 00:34 Uhr von campino
    Bewertung: sehr hilfreich

    Auf Video müsste ich den Film noch irgendwo haben. Gesehen habe ich ihn (mit Vergnügen), aber... lang, lang ist's her....

  • Baby1

    19.01.2006, 00:19 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wieder mal ein toller bericht von dir, LG Anita