Der menschliche Makel (DVD) Testbericht

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ab 8,19
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Erfahrungsbericht von Volker111

Identität und Letzte Liebe

Pro:

Schauspielerleistung

Kontra:

verfälschte Romanvorlage

Empfehlung:

Ja

Film DVD Der Menschliche Makel

▲▲ VORWORT ▲▲

Verfilmte Literatur erfüllt leider höchst selten die Erwartungen, die der Leser an den Film stellt. Es bleibt die Neugier und Spannung, ob es einem Film vielleicht doch gelingt, seine speziellen Vorteile dem geschriebenen Wort gegenüber so zu nutzen, dass die Grundaussage, die Botschaft eines Romans nicht nur erhalten bleibt, sondern Stimmung, Emotionen durch Bild und Ton noch eindrucksvoller als die eigene Phantasie des Lesers wirken.

Der Film gehorcht jedoch auch eigenen dramaturgischen Gesetzen, die sich häufig nicht sehr gut mit denen des Romans in Einklang bringen lassen. Ausnahmen sind hier gefilmte Literatur mit sehr, sehr enger Anlehnung an die Wortvorlage, die jedoch in erster Linie das Herz des Literaturfreundes höher schlagen lassen, hingegen den Filmfreund geradezu erschauern lassen.

Die Schwierigkeit der adäquaten Verfilmung einer Romanvorlage erweist sich um so höher, je weniger Handlungsszenen und um so mehr die Vorlage komplexere Gedankenszenen oder gar solche Monologe enthält, die durch die Kraft des Wortes und der Vorbildung des Lesers ihre Wirkung entfalten.

Als ich nach Lesens des Romans den DVD-Titel entdeckte, war ich daher sehr skeptisch und zurückhaltend, denn gerade der Menschliche Makel erschien mir eher ungeeignet, filmisch angemessen umgesetzt werden zu können. Zum Verständnis hilft natürlich das vorherige Lesen des Romans. Manchmal ist es fast die einzige Möglichkeit, eine solche Verfilmung inhaltlich richtig einordnen zu können. Warum aber entlieh ich mit ungeachtet dieser Vorbehalte dennoch diese DVD?

Die Darstellernamen, Anthony Hopkins als alter Coleman Silk sowie Nicole Kidman als Faunia Farley waren es, die meine Neugier die Oberhand über meine auch hier durchaus berechtigte Skepsis gewinnen ließ. Sehenswert war jedoch der Film ungeachtet dessen.

▲▲INHALT UND VERGLEICH ZUR ROMANVORLAGE▲▲

** Inhalt **

Sehr kurz zusammengefasst erzählt der Film wie auch der Roman die Lebensgeschichte des amerikanischen Literaturprofessors Coleman Silk, der nicht als Angehöriger einer Gruppe Einschränkungen seiner Persönlichkeit als Mensch Coleman Silk unterworfen sein wollte.
Er plant seine ganz persönliche Karriere und setzt diese auch gegen viele Widerstände um.

Um den gesellschaftlichen Barrieren auszuweichen, leugnet er seine historische, familiäre Identität. Dabei opfert er auch familiäre Bindungen und Gefühle anderer.
Mit viel Glück und vor allem aufgrund seiner weit überdurchschnittlichen Intelligenz gelingt ihm seine erträumte Verwirklichung des Coleman Silks.

Doch im Alter von 71 Jahren wird seine wohlgeordnete Welt nicht durch die Aufdeckung seiner Lebenslüge, sondern durch eine Machtintrige an seiner Universität aus den Angeln gehoben. Ausgerechnet ihm, dem „weißen Neger“ und „jüdischen Professor“ wird Rassismus vorgeworfen. Während einer gnadenlosen, verlogenen Hetzjagd stirbt seine Frau, verliert er seine gesellschaftliche Stellung und wird schließlich vom Ex-Mann seiner Geliebten zusammen mit ihr durch einen Autounfall ermordet.
In Rückblenden wird sein Leben erzählt, welches unsympathische aber auch wieder sympathische Züge zeigt.

** Vergleich zur Romanvorlage **

Der Film beginnt mit der Unfallszene, die im Roman erst sehr viel später passiert,
in einer winterlichen, zusätzlich durch Schubertmusik im Hintergrund Melancholie ausstrahlenden waldreiche Landschaft.

Durch das fahle Licht der Abenddämmerung fährt Coleman Silk mit seiner jungen Geliebten. In einer Waldnebenstraße wartet ein Mann in seinem Fahrzeug. Sein Licht lässt er erst aufblenden, als er Coleman Silk heranfahren hört. Dann rast er in seinem Auto direkt auf die beiden zu. Im letzten Augenblick auch zur Verwunderung des Mannes weicht Coleman Silk aus und stürzt mit dem sich überschlagenden Fahrzeug die Böschung hinunter.

Eine Erzählerstimme verbindet diese Szene mit dem ersten Rückblick, Coleman Silk im Sommer 1998 an seiner Universität. Diese Universitätsszene taucht im Buch erst wesentlich später auf, hat im Film aber sowohl eine Einstiegsmotivationsaufgabe, dient aber auch dem Versuch, dem Zuschauer den Einblick in den chronologischen Ablauf zu erleichtern.

Universitätsdozenten im sommerlichen Tennisoutfit unterhalten sich vergnüglich in drastischer, überheblicher und menschenverachtender Weise über die „Schwanzaffäre“ des Präsidenten mit Monica Levinsky.
Diese Wortpassagen sind wenn auch gekürzt wortwörtlich der Romanvorlage entnommen.
Gleich darauf wird Coleman Silks Vorlesung, in der er über das wiederholte unentschuldigte Fernbleiben zweier Studenten verärgert die verhängnisvollen, mehrdeutigen Worte „Dunkle Gestalten“ fallen lässt, gezeigt. Unmittelbar darauf weist Coleman eloquent und eigentlich auch überzeugend, wenngleich phasenweise etwas zu lautstark die rassistischen Vorwürfe zurück.

So gut und dramaturgisch straff hier der Film auch den Anlass darstellt, so fehlt im Film völlig die eigentliche Ursache, die Hassliebe der Dekanin, die unterschiedlichen persönlichen Motive der beteiligten Personen für deren Rufmordkampagne.
Überhaupt, vom Spannungsablauf und dem Wunsch nach Vereinfachung her verständlich, werden wichtige Personen im Film gar nicht oder völlig unzureichend dargestellt.

Dies trifft nicht nur auf die Dekanin, den erwachsenen Kindern Coleman Silks, hier insbesondere sein jüngster Sohn, sondern auch auf den Ex-Ehemann seiner späteren Geliebten Faunia Farley, zu.
Eine der eindruckvollsten und die zerstörte Psyche des Vietnamveteranen erläuternden Szene aus dem Roman, die Fast-Katastrophe beim „Chinesenessen“ fällt völlig weg und hilft daher nicht, die spätere Tat des Ehemanns in ihrer wahnwitzigen Logik zu verstehen.

Dass manche Dialoge verkürzt wurden, dass einiges in den Rückblicken des jungen Coleman Silks weggelassen wurde, ist teilweise verschmerzbar (auch wenn dadurch seine Entscheidung für den weißen Coleman Silk schwieriger nachzuvollziehen ist) und vielleicht sogar der Kompaktheit des Films förderlich.
Das Weglassen einzelner Personen in ihrer Psyche, ihren wechselseitigen Beeinflussungen, verfälscht einen wesentliches Merkmal der Geschichte, die menschliche Ironie des Schicksals.
Streng genommen sind Roman und Film zwei ähnliche Geschichten, die jedoch ganz verschiedene Themenschwerpunkte vermitteln. Das halte ich bei einer derartigen Literaturvorlage für bedenklich.

▲▲WERTUNG▲▲

Der Film ist besonders zu Beginn klarer und dramaturgisch besser als der Roman, da letzterer dem Leser doch sehr viel gedanklichen Sprüngen abverlangt und eine recht hohe Allgemeinbildung voraussetzt. Dann allerdings erliegt der Film zu stark der Versuchung, Personen, Gedanken und Dialoge einer leichteren Verständlichkeit für den Zuschauern zu opfern. Damit verändert er, hart ausgedrückt verfälscht die Geschichte und ihre Aussage.

An den Schauspielern allerdings liegt es nicht. Gerade bei der Person der Faunia Farley hatte ich vorher starke Zweifel, ob diese Person in ihrer Besonderheit überhaupt darstellbar wäre.
Doch Nicole Kidman wusste mich auch in dieser Rolle wieder mal voll zu überzeugen.
Vielleicht wirkte sie zuweilen zu schön, denn das ist die Romanheldin eigentlich eher nicht.

Anthony Hopkins vermochte für mich absolut glaubwürdig den alten Mann als Liebhaber darzustellen, der durch diese letzte Liebe (es ist Faunia, die vergeblich versucht die Beziehung als nur guten Sex herunter zuspielen) ungeachtet der Attacken seiner Außenwelt wirklich lebt.
Er schafft es sogar, seine eigenen Probleme zu relativieren, seine gesellschaftliche Rolle zu überwinden, seine eigene Identität und damit zum Leben zu finden.

Doch auch der jugendliche, schöne, ehrgeizige, mit seinem idealisierten Vater im nicht lösbaren Konflikt stehende junge Coleman Silk wird von Wentworth Miller hervorragend umgesetzt. Gleiches lässt sich von den Geliebten des jungen Colemans sagen, hier insbesondere Jacinda Barett.

Ed Harris spielt seinen Part als traumatisierter Vietnamveteran sehr gut, doch finde ich es schade, dass er keine Chance erhielt, die „Chinesenessens-Szene“ darzustellen.

Insgesamt entscheide ich mich daher für 4 Sterne und eine klare Empfehlung, wobei der eine Stern Abzug eher dem Regisseur anzulasten ist, der aus meiner Sicht die Originalgeschichte mit ihrer Aussage zu stark gekürzt und damit verändert hat. Andererseits gefallen mir Bildführung, aber auch die Filmmusik so ausgezeichnet, dass ich mir diesen Film ganz sicher noch mehrere Male anschauen werde.

▲▲NACHWORT▲▲

DVD-Puristen werden vielleicht die nur gute Bild- und Tonqualität bemängeln, doch spezielle Toneffekte, die nicht zwingend zu der Geschichte passen zwecks DVD-Technik-Nutzung einzufügen, halte ich generell für deplaziert.
Insofern finde ich oft Bewertungen von DVDs auf einigen DVD-Internetseiten oder von DVD-Zeitschriften lachhaft, wenn aus den Kriterien Film, Ton, Bild und Extras gleichwertig ohne Gewichtung ein Durchschnitt als Gesamtwertung erstellt wird.

Eine schwachsinnige Story erhält auch mit perfektem Bild, überragenden Toneffekten und diversen Extras nur einen oder gar keinen Punkt, denn die Geschichte und ihre Umsetzung bleiben für mich stets vorrangig.
Zurück zu den Extras: Vorhanden sind ein deutscher Filmtrailer (schau ´ich mir fast nie an), Interview mit Cast und Crew, Information über Cast und Crew sowie „Behind the Scenes“.
Bei manchen Filmen ist es ganz aufschlussreich, z.B. ursprünglichgeplante und dann geschnittene Szenen oder alternative Enden sich anzuschauen. Doch kann das nur ein
Nachtisch, ein Bonbon nach dem überzeugenden Film, der Hauptmahlzeit sein.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Anschauen dieses Filmes. Die DVD gibt es bei amazon.de schon für 13,99 Euro, bei Ebay mit etwas Glück sicherlich noch günstiger.

63 Bewertungen, 11 Kommentare

  • XXLALF

    23.10.2010, 16:54 Uhr von XXLALF
    Bewertung: sehr hilfreich

    und ein wunderschönes wochenende

  • giselamaria

    05.02.2009, 12:15 Uhr von giselamaria
    Bewertung: sehr hilfreich

    oh, gibts eine Verfilmung! - LG Gisela

  • Puenktchen3844

    04.02.2009, 09:03 Uhr von Puenktchen3844
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein klasse Bericht. LG

  • try_or_die87

    07.07.2008, 14:37 Uhr von try_or_die87
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße aus Regensburg

  • anonym

    05.06.2007, 18:28 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Damaris

  • hjid55

    12.05.2007, 18:32 Uhr von hjid55
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sh & lg Sarah

  • Baby1

    14.04.2007, 11:37 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • Django006

    28.02.2007, 01:10 Uhr von Django006
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & *lg* Alan ;>))))

  • campimo

    24.02.2007, 11:14 Uhr von campimo
    Bewertung: sehr hilfreich

    *°* SH & LG *°*

  • sape26

    31.07.2006, 11:54 Uhr von sape26
    Bewertung: sehr hilfreich

    einfach klasse der Bericht!!ein 5faches SH!:) lg,Sandra

  • anonym

    14.12.2004, 15:58 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    schöner bericht...das buch wäre aber nichts für mich...gruß hauke