Der schmale Grat (DVD) Testbericht

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ab 3,85
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Erfahrungsbericht von hardway

Terrence Malick's poetisches Meisterwerk

Pro:

Dialoge, Natur, Darstellung der Soldaten, kraftvolle Bilder

Kontra:

164 Minuten können für einige Zuschau lang sein, wenig Bonusmaterial

Empfehlung:

Ja

Ich finde, dass der Film "Der schmale Grat" ("The Thin Red Line") ein zu wenig geschätzter Anti-Kriegsfilm von Terrence Malick ist. Es lag vermutlich auch daran, dass Malick's Kriegs-Drama direkt nach "Der Soldat James Ryan" in die Kinos kam. Da war die Konkurrenz sicherlich groß und natürlich geht man da lieber in den Spielberg-Film. Es kann aber auch daran liegen, dass "Der schmale Grat" wohl ein geringeres Publikum anspricht als Tom Hanks seine Suche nach einem verschollenen Soldaten. Für mich steht aber fest:
"Der schmale Grat" ist der beste (Anti)-Kriegsfilm, der bis jetzt gedreht wurde. Ich habe schon so ziemlich jeden Film aus diesem Genre gesehen, die bekannten Kriegsfilme sowieso. Mich haben aber weder die Klassiker "Apocalypse Now" oder "Platoon" so beeindruckt, noch "Der Soldat James Ryan", "Wir waren Helden" oder "Windtalkers" erzeugten diese Stimmung, diese Musik, diese Bilder. Einzig der deutsche Klassiker "Die Brücke" reicht an den Film heran, wenn ich mich entscheiden müsste.
Ich selber habe mir "Der schmale Grat" erst vor wenigen Monaten angeschaut, da ich vorher nie etwas von dem Film gehört habe und ich per Zufall darauf gestoßen bin. Jetzt habe ich ihn mir erneut angeguckt und bin immer noch überwältigt von diesem Machwerk.


Guadalcanal, 1942 - Die Handlung von "The Thin Red Line"


Wir schreiben das Jahr 1942. Eine US-Schützenkompanie bereitet sich auf den Angriff auf die Südsee-Insel Guadalcanal vor. Die Soldaten sollen das grüne Inselparadies von der Besetzung der Japaner befreien. Das Ziel ist einfach, aber einfach ist im Krieg sicherlich nichts.
Es gibt schon bei der Ankunft die erste Überraschung, denn die Kompanie trifft am Strand nicht auf den gerechneten japanischen Widerstand. Es ist alles still und menschenleer...
Die Männer müssen nun den Regenwald durchqueren. Dort treffen sie auf Einwohner, die den Krieg über sich ergehen lassen müssen und auf die dort lebenden Tiere. Ein wenig später stellen die Soldaten fest, dass sich die Japaner auf einem Hügel positioniert haben und die Amerikaner müssen dadurch einige Verluste hinnehmen. Colonel Tall will den Hügel trotzdem so schnell wie möglich durch einen riskanten Frontangriff einnehmen, auch wenn es Leben kostet. Doch der zuständige Seargent Starwos verweigert den Befehl, da er nicht grundlos Leute verlieren will. Auf dem Weg zum Hügel, zu dem eigentlich völlig sinnlosen Ziel, werden viele Soldaten ihr Leben verlieren, Trauern und den Wahnsinn des Krieges erleben...


Ein Krieg und zwischen ihm steht die Natur


Wer hier ein Actionfeuerwerk erwartet, der wird höchstwahrscheinlich enttäuscht. Hier wird das Grauen des Krieges dargestellt, aber nicht durch viel Blut oder abgerissene Körperteile. Man erlebt diesen tobenden Wahnsinn durch die Ängste der Soldaten und den Fragen, den vielen Fragen. Wie lange werde ich noch Leben? Welche Entscheidung ist die richtige? Das alles sind solche Fragen, die sich die Soldaten stellen und über die sie Nachdenken. Die Darstellung in diesem Film ist einfach phänomenal.
Natürlich gibt es auch verschiedene Kämpfe zu sehen. Diese sind nicht sonderlich brutal, aber auf ihre Weise enorm eindringlich und die Botschaften sind ganz klar:
Was hat das alles für ein Sinn? Warum töten Menschen andere Menschen?
Diese Botschaften sind so stark, wie ich sie noch nie zuvor erlebt habe. Das alles wird durch gewaltige Soundeffekte (z.B. Explosionen, Waffen) untermalt und natürlich durch die einzigartige Musik von Hans Zimmer. Die Kamerafahrten sind genauso genial und sorgen zusätzlich für die Verstärkung dieser Botschaften, dieser Verstärkung des Grauens. Man wird hier nie solche "heftigen" Kämpfe wie am Anfang von "Der Soldat James Ryan" erleben und auch nie diese grauen Farben sehen, wie sie in anderen Kriegsfilmen oft zum Einsatz kommen.
Doch vielleicht ist das gerade so besonders?!
Die Welt in "Der schmale Grat" ist bunt, voller Leben und mittendrin tobt der Krieg.


Ein poetisches Meisterwerk


Der Film überzeugt aber zum größten Teil durch seine tiefgängigen und langen Dialoge. Die Gespräche zwischen den Soldaten sind interessant und stecken voller Wahrheiten. Ich fand besonders die Unterhaltungen von First Sergeant Edward Welsh (Sean Penn) und Private Witt (James Caviezel) so fantastisch - unglaublich. Ich kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus, denn jedes Wort war die Wahrheit. Der ganze Film ist voller Botschaften, voller Worte, die sich viele Politiker mal anhören sollten. An dieser Stelle muss ich gleichzeitig mal die ganzen Synchronsprecher loben, denn die haben hier wirklich eine einwandfreie Leistung abgeliefert.
Doch nicht nur Welsh's und Witt's Gespräche sind toll geschrieben, sondern auch Colonel Gordon Tall (Nick Nolte) hat bei seinen Auftritten die ganze Zeit überzeugt. Bei ihm zählt der unbedingte Sieg und die Befolgung seiner Befehle. Eine hervorragende Leistung von Nolte und seiner deutschen Synchronstimme, die wie die Faust aufs Auge passt.
Im Film gibt es manchmal Erzählstimmen, die teilweise sogar mitten im Kampf einsetzen und die Schüsse und Explosionen sind dabei fast gar nicht mehr zu wahrzunehmen. Diese Sprecher sind die Stimmen der einzelnen Soldaten, die gerade ihre Gedanken, Gefühle und Ängste beschreiben.
Man hat es hier wirklich mit einem poetischen Meisterwerk zu tun, bei dem fast jeder Satz ein eigenes Kunstwerk ist. Der Film erzählt viele Wahrheiten, aber das geschieht in einer Ruhe, die ich bisher noch nie in einem Kriegsfilm erlebt habe.
Noch dazu ist es von Malick mehr als mutig auch die Gegner in tragischen Sekunden zu zeigen, weil auch sie Menschen sind und Gefühle haben. Ich kenne sehr viele Filme, bei denen die Feinde keine Rolle spielen. Das ist hier nicht der Fall, denn man zeigt Japaner die genauso um ihre Kameraden weinen, die verprügelt oder von Amerikanern hilflos erschossen werden.


Im Krieg sind alle gleich und die Natur sieht zu


Es gestaltet sich als etwas schwierig sich alle Soldaten einzuprägen und während des Films zuzuordnen. Am Anfang des Films werden einige Geschichten kurz erläutert und ich kam besonders in der ersten Stunde immer mal wieder durcheinander. Ich denke aber, dass das von Malick beabsichtigt war und es wird im Film sogar erwähnt. Im Krieg sieht doch jeder gleich aus. Alle haben das selbe Gesicht. Alle haben eine gewisse Angst und sind voller Dreck. Es ist also durchaus beabsichtigt, dass der Zuschauer nicht immer weiß, wer denn jetzt gerade kämpft oder stirbt. Im Krieg herrscht auch diese Verwirrung.
Auch noch interessante zu erwähnen ist die Tatsache, dass man hier immer mal wieder zwischen den Gefechten für einige Sekunden die Landschaft zeigt. Die Vögel fliegen am Himmel, eine Schlange die sich durch das hohe Gras bewegt, die grüne und warm wirkende Landschaft oder aber auch tote Tiere, die durch den Krieg gestorben sind. Die Natur ist bei diesem Krieg ein dritter Teilnehmer und sie zieht immer den Kürzeren.
Außerdem bekommt man in "Der schmale Grad" bekannte Hollywood-Gesichter zu sehen, z.B. George Clooney, John Travolta oder John Cusack. Die haben aber alle recht kurze Auftritte und Clooney sieht man gerade einmal ca. 30 Sekunden. Doch allgemein bietet der Film keine wirklichen Hauptdarsteller, denn hier kommen immer wieder unterschiedliche Soldaten ins Bild. Mal begeitet man James Caviezel und Sean Penn, dann sieht man mal wieder einen aufgebrachten Nick Nolte und plötzlich hat Ben Chaplin wieder Heimweh und muss an seine Frau denken. Hier wird nicht auf einen einzelnen Soldaten eingegangen, sondern auf mehrere Personen, die alle diesen Krieg erleben.


Fazit


Ich halte den Film defintiv für ein Meisterwerk, welches mich besonders durch seinen Tiefgang überzeugt hat. In seiner endringlichen Inszenierung beeindruckte mich Terrence Malick's Kriegsfilm besonders. Ich habe den Film verschlungen und die 164 Minuten vergingen wie im Flug, aber ich kann mir vorstellen, dass das Anschauen für einige anstrengend sein kann und es nicht jedem gefällt. "Der schmale Grat" ist leider so ein Film, bei dem sicherlich nicht jeder begeistert ist und das ist auch völlig okay und verständlich. Doch erfasst man die Botschaften und hört diesen Dialogen in Ruhe zu, eröffnet sich einem eine Tür. Es ist eine Tür zu einem poetischen und nachdenklichen Meisterwerk.


Darsteller

First Seargent Edward Welsh = Sean Penn
Private Witt = James Caviezel
Private Jack Bell = Ben Chaplin
Captain James Staros = Elias Koteas
Colonel Gordon Tall = Nick Nolte
Captain John Gaff = John Cusack
Corporal Five = Adrien Brody
Seargent Keck = Woody Harrelson
General Quintard = John Travolta
Captain Charles Bosche = George Clooney

Hier sind also wirklich bekannte Gesichter dabei und mir sagen fast alle Namen etwas. Ein interessantes Phänomen in dem Fillm ist, dass die ganz großes Hollywoodstars hier nur kleine Nebenrollen bekommen haben. Man sieht George Clooney mal kurz für ein paar Sekunden, John Travolta bekommt gerade mal zwei Minuten und John Cusack hat auch keinen riesigen Auftritt. Diese relativ ungewöhnliche Verteilung hat mir enorm gefallen und so sieht man es sehr selten. Eine wirklich interessante Idee!

Regie/Drehbuch = Terrence Malick
Musik = Hans Zimmer
Produktion = Grant Hill, Robert Michael Geisler, John Roberdeau
Kamera = John Toll
Schnitt = Leslie Jones, Saar Klein, Billy Weber


Zur DVD


Bild- und Tonqualität


Man bekommt hier ein hervorragendes Bild geboten, das die wunderschöne Natur immer wieder grandios einfängt. Hier zeigt man die satten grünen Farben der Landschaften und das alles in einer fantastischen Qualität. Es gibt während des ganzen Films keine Aussetzer, wenn es um das Bild geht.
Ich habe ja bereits in meinen Bericht schon angesprochen, dass der Ton überragend ist. Die ganzen Waffensounds sind wirklich sehr gut gelungen und übertreffen dabei zahlreiche andere Kriegsfilme. Alle Stimmen kommen klar und in einwandfreier Qualtität zum Einsatz. Ich kann auch hier wirklich absolut nichts bemängeln.


Bonusmaterial


Die Fans vom Bonusmaterial werden enttäuscht sein, denn die DVD bietet recht wenig Ausstattung. Es gibt nur folgende Extras:

- Original Kinotrailer

- melanesische Lieder


Daten zum Film:


Originaltitel: The Thin Red Line
Produktionsjahr: 1998
Produktionsland: USA
Laufzeit: 164 Minuten
FSK: ab 16 Jahren


Ich hoffe, dass ich euch mit diesem Bericht den Kriegsfilm von Terrence Malick etwas näher bringen konnte. "Der schmale Grat" ist ein Film voller wunderschöner Zitate und ich will mich nun mit einem verabschieden:

"Dieses Böse. Woher kommt es? Wie stiehlt es sich in die Welt ? Aus welchem Samen, aus welcher Wurzel ist es erwachsen? Wer tut das? Wer tötet uns? Beraubt uns des Lebens und des Lichts... Verhöhnt uns mit dem Anblick dessen, was wir hätten wissen können."

30 Bewertungen, 5 Kommentare

  • peter_nordberg

    16.08.2010, 01:36 Uhr von peter_nordberg
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht von dir. lg Peter

  • catmum68

    15.08.2010, 20:21 Uhr von catmum68
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreicher Bericht, LG

  • XXLALF

    15.08.2010, 18:52 Uhr von XXLALF
    Bewertung: sehr hilfreich

    und einen schönen sonntag

  • sigrid9979

    15.08.2010, 16:48 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wünsche einen schönen Sonntag ...

  • Lanch999

    15.08.2010, 13:48 Uhr von Lanch999
    Bewertung: besonders wertvoll

    Schöner Bericht! LG von Lanch999