Desperados: Wanted Dead Or Alive (PC Strategiespiel) Testbericht

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ab 6,48
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Erfahrungsbericht von AustroError

Köpfchen statt Ballerei...

Pro:

Grafik/Sound immer noch ok, günstig zu erwerben, langanhaltende Motivation

Kontra:

teilweise extrem schwierig

Empfehlung:

Ja

Liebe Leserinnen, liebe Leser!


INTRO

"Desperados" gibt es als Spiel schon seit Mitte 2001 zu kaufen. Das spanische Entwicklerteam hat damals ganze Arbeit geleistet: Das Game ist durchweg recht schwierig - manche Aufgaben scheinen sogar ganz und gar unmöglich. Ich war mehr mit Speichern und Laden beschäftigt als mit der Spielerei und so landete das Juwel erst einmal in irgendeiner Ecke. Doch vor ein paar Tagen kramte ich es wieder hervor, installierte den aktuellen (und einzigen) Patch mit der Versionsnummer 1.01 und stellte mich den hohen Anforderungen erneut. Erhältlich ist dieses Update zum Beispiel unter http://gamesweb.com/pc/specials/desperados/index.php


PC-CHECK

Im Gegensatz zu Ihnen wird Ihr PC mit "Desperados" spielend zurecht kommen. Laut Distributor "Infogrames" reicht ein mit 233 MHz getakteter Pentium II MMX mit 64 MB RAM und 4 MB-Grafikkarte bereits aus, um das Vergnügen am heimischen Bildschirm zu erleben. Unabdingbar ist eine DirectX-kompatible Soundkarte - ohne die geht nicht nur der Spielspaß verloren (sehr stimmige Geräuschkulisse und perfekte deutsche Synchronisation); auf Grund der Lautstärke in der jeweiligen Spielumgebung (z.B. Gelände an einem rauschenden Bach im Gegensatz zu einem streng bewachten Fort zur Siesta-Zeit) passen Sie nämlich auch Ihre entsprechenden Maßnahmen an. Ohne Sound also kein Fun und erst recht keine Chance.


STORY

Sie sind zu Spielbeginn ein einsamer Kopfgeldjäger namens John Cooper. Solche Leute sind zu Ende des 19. Jahrhunderts nicht sonderlich gut angesehen - auf ähnliche Figuren muss Ihr Held aber zurückgreifen, um seinen großen Coup zu landen: Die Ergreifung eines Gangsters, der sich auf Eisenbahnüberfälle im Süden Amerikas spezialisiert hat. Die ersten Aufgaben sind entsprechend logisch aufgebaut: Zuerst lernen Sie sich (also John Cooper) kennen, danach befreien Sie einen Ihrer zukünftigen Wegesgenossen und studieren im Level danach dessen Eigenschaften. Bis zum großen Ziel entspricht das 25 Episoden. Das hört sich - zugegeben - nicht sonderlich viel an. Aber ich wette mit Ihnen, dass Sie (als normaler 2-Stunden-am-Tag-Spieler) mindestens 1 Woche benötigen, um überhaupt erst einmal Ihre drei Freunde befreien zu können - Samuel Williams ist auf einer Farm versklavt worden, Doc McCoy wartet in einer Kleinstadt wegen Quacksalberei auf seine Hinrichtung und die süße Kate O`Hara hat beim Pokerspielen schon wieder einmal die Spielregeln stark zu Ihren Gunsten ausgelegt.

Wer schnell rechnen kann weiß: Erst ab Runde (Episode) 8 kommen alle vier Standard-Charaktere gemeinsam zum Einsatz. Bis dahin sollten Sie sich die Eigenschaften Ihrer Figuren bereits gut eingeprägt haben (schießen können alle, keine Angst) und die Tastenkombinationen für deren Aktionen kennen: Im Gefecht ist die Tastatur einfach schneller als die Maus - auf Einzelheiten verweise ich an späterer Stelle. Ebenso wichtig ist die Beherrschung der so genannten Quick-Action (Programmierung von Aktionen im Voraus).

John Cooper (Synchronstimme von "The Snake" Kurt Russel) ist natürlich die unumstrittene Nummer 1. Er geht perfekt mit Faust (K.O-Schlagen) und Messer (Werfen, Zustechen) um und sorgt nicht nur aus diesem Grund für die lautlose Eliminierung von Feinden - als 1,90m-Bolide kann er deren leblosen oder betäubten Körper auch problemlos schultern und wegtragen. Am besten an einen Ort, wo er nicht so schnell gefunden wird. Er ist außerdem Pferdespezialist (Satteln) und kann mit dem Colt wie kein zweiter umgehen (Triple-Shot, Programmierung von Schüssen auf drei unterschiedliche Personen hintereinander). Nicht zu unterschätzen ist Johns Fähigkeit in Bezug auf die Kletterei...

Samuel Williams hat vorrangig eine große Klappe. Abgesehen davon ist er DER Sprengstoffexperte des Teams; ob Pulverfass oder TNT-Granate - bei ihm sind solche explosiven Angelegenheiten in den besten Händen. Aber es kommt noch besser: Sam kann k.o.- geschlagene Leute zu einem maßgeschneiderten Paket verschnüren. Von John verprügelte oder Kate niedergetretene Gegner können so nach dem Erwachen aus ihrer Ohnmacht nicht wieder ins Spiel eingreifen, wenn sie von Sam gefesselt worden sind. Und da ist noch seine 12-schüssige Winchester: Die ist echt besser als Johns Colt...

Doc McCoy's Waffe sticht auch noch Sams Winchester aus - wenn er denn über entsprechende Präzisionsmunition für seine selbstgebaute Kanone verfügen sollte. Damit schießt der Doktor - so sagt er selbst - auf 100 Metern einer Fliege das Auge aus. Unter normalen Bedingungen (ohne Präzisionsmunition) ist sein langläufiger Revolver in punkto Reichweite zwischen denen von John und Sam angesiedelt. Aber der Doc kann natürlich vor allem Verletzungen heilen- vorausgesetzt, er hat Medikamente dabei. Auch nicht zu unterschätzen: Der Doc kann Fläschchen mit einem Elixier werfen, die stark betäubend wirken und eine Attrappe aufstellen, die ihm zum Verwechseln ähnlich sieht.

Kate O'Hara würde man heutzutage als ausgekochtes Luder bezeichnen. Sie ist bekannt dafür, Männer mit ihrem Charme zu becircen und mit geschickten Täuschungsmanövern hinters Licht zu führen Ausgestattet mit nicht enden wollenden Beinen fällt es ihr nicht sonderlich schwer, die (meisten) Revolverhelden durch Heben ihres Rocksaums mit anschließendem freiem Blick auf Strumpfband & Co. zu verwirren. Und wenn die Ahnungslosen dumm genug sind um auf diese Anmache hereinzufallen, werden sie mit einem Stiefeltritt länger ins Reich der Träume geschickt, als Cooper das mit einem Faustschlag vermag. Ihr Repertoire ist damit längst nicht erschöpft: Mit ihren gezinkten Spielkarten (nacheinander ausgelegt) lockt sie neugierige oder spielsüchtige Amigos in einen Hinterhalt, wo sie leichte Beute für Johns Faust oder Messer werden. Sollte die Sonne scheinen, hat sie einen witeren Trick in petto: Sie kramt einen Spiegel aus ihrem Schminkköfferchen hervor und blendet einen zu aufmerksamen Posten - auch auf weitere Entfernungen.. Ganz klar, dass dieser seiner Aufsichtspflicht in den nächsten Sekunden nicht mehr zu 100 Prozent nachkommt. Dafür kann man ihre 3-schüssige Derringer wohl eher vergessen...

Lassen Sie sich überraschen, was Sanchez (ein von Ihnen zum Guten bekehrter ehemaliger Ganove) und die an der Grenze zu Mexiko ins Team aufgenommene Mia Yung zu bieten haben. Nur soviel: Sanchez ist ein Prügelknabe erster Güte, trinkfest und bärenstark. Das Gegenstück zu ihm ist die zierliche Mia mit ihrem dressierten Äffchen, die etwas asiatisches Flair in die Truppe bringt: Sie schwört - natürlich waffentechnisch gesehen - auf ihr Blasrohr: Dessen Pfeil enthält ein Nervengift und das getroffene Opfer verfällt wild um sich ballernd dem Irrsinn, wobei er zwischen Freund und Feind zu unterscheiden nicht mehr in der Lage ist...


GAME

Versetzen Sie sich bitte einmal in folgende Situation: Sie stehen mit den vier genannten Helden (es gibt im Verlauf der Geschichte noch weitere...) vor einer riesigen und gut bewachten Festung. Schießen wäre der absolute Unsinn. Die Wachleute sind erstens in einer wesentlich besseren Schussposition und zweitens würden durch die Ballerei weitere Leute alarmiert und aus den Gebäuden herausströmen. Das heißt im Gegenzug: Cool und ruhig bleiben. Und vor allem: Man muss die Gegner NICHT unbedingt töten. Anders als bei Ego-Shootern führt eine Metzelei a la "Max Payne" bei "Desperados" nicht zum Erfolg. Im Gegenteil - in manchen Missionen darf kein einziger Mensch getötet werden. So lautet zum Beispiel ein Missionsziel: Dringen Sie bis zum Marshall vor aber töten Sie dabei keinen einzigen Deputi! Es kommt also NICHT unbedingt auf die Schnelligkeit des Zeigefingers an sondern viel mehr auf taktisches Gefühl.

Bei mir persönlich hapert es ein wenig an Taktgefühl - ich platzte schon mal gerne in eine geschlossene Gesellschaft und bekomme nicht einmal mit, dass ich störe. So ein Fehler wird in "Desperados" hart bestraft: Tauchen Sie mit einer Spielfigur im Sichtfeld eines Gegners auf und können nicht schnell genug flüchten, so werden sie rigoros bekämpft! Und nicht nur das - der Kerl ruft nach Verstärkung und hetzt Ihnen eine ganze Meute auf den Hals. Ein 6-schüssiger Revolver (der übrigens auch überhitzen kann und selbstverständlich nachgeladen werden muss) hat gegen so eine Übermacht nicht die geringste Chance....

Damit sind wir beim Hauptprinzip von "Desperados": Ob Festung, Ranch oder Dorf - Sie müssen mit so geringem Aufsehen wie möglich eine bestimmte Aufgabe erfüllen. Grundsätzlich ist es ratsam, sich an den Gegnern vorbei zu schmuggeln bzw. diese lautlos zu eliminieren. Das erfordert jedoch genau getimte Aktionen und es besteht das Risiko, dass Sie auf dem Rückzug erneut in deren Sichtfeld geraten. Dieses Sichtfeld ist übrigens nicht starr - dann wären die Aufträge tatsächlich sehr einfach. Die Herren Cowboys lassen ihre Blicke schweifen - wie ein sich öffnendes Dreieck überblicken sie einen bestimmten Teil der Karte. Wenn Sie sich einen Beobachter beim Tennis vorstellen, haben Sie in etwa das Bild, das ich Ihnen suggerieren möchte. Zu allem Überfluss bleiben die meisten auch nicht an einer Stelle, sondern patrouillieren auf vorbestimmten Routen. In Alarmbereitschaft versetzt (z.B. durch einen Schuss in "Hörreichweite" oder das Auffinden eines getöteten oder zu Boden geschlagenen Kumpanen) , ist es jedoch auch mit dieser Regelmäßigkeit vorbei - die anschließenden Wege der Gangsterbande sind unergründlich und alles rennt wild durcheinander...

Ist der Beobachter (üblicherweise der Gegner) nicht stressgeplagt, erscheint die von ihm übersehbare Landschaft in einem netten GRÜN. Der Typ denkt an nicht schlimmes und sieht nicht SO genau hin. Unter Umständen könnte man also durch den äußersten Rand seines Blickwinkel hindurch kriechen - sicher ist das aber nicht. Auch vor Nebenpersonen (dazu zählen zum Beispiel die Einwohner einer Stadt, auf jeden Fall unbewaffnete Leute) sollte man sich Acht nehmen - auch diese haben einen Sichtkegel und könnten Ihnen das Leben machen. Vor allem dürfen diese Personen auf keinen Fall getötet werden

Damit sind wir bei einem weiteren wichtigen Punkt: Ihre Figuren können reiten, rennen, gehen oder kriechen. Und selbst zwischen diesen Varianten gibt es Abstufungen: Es ist NICHT egal, ob John mit seinen gespornten Stiefeln über einen Bretterverschlag steigt oder die zierliche, leichtfüßige Kate. Auf der anderen Seite sind solche Überlegungen in der Nähe eines brausenden Wasserfalles vollkommen unnötig: Es ist egal, ob man reitet oder kriecht - der Gegner bekommt eh nix mit. Aus diesem Grund auch der Hinweis auf die Soundkarte zu Beginn.

Kommen wir zur Steuerung der Figuren: Wie schon erwähnt, lassen sich diese mit Maus und Tastatur steuern: Soll zum Beispiel Kate zutreten, wird ihr Porträt (Bildschirm unten links) und anschließend der Fuß (Bildschirm oben links) angeklickt. Das erledigen aber auch die Tasten 4 und H (nacheinander gedrückt) und sind damit eindeutig die bessere (und vor allem: schnellere) Wahl. Mit Quick-Action wird es noch einfacher. Obwohl die Zielperson noch weit entfernt ist, weisen Sie Kate die obige Aktion bereits zu. Haben Sie Kate dann unauffällig an das auserwählte Opfer heranbugsiert genügt ein Druck auf die Leertaste und die furchtlose Lady erledigt den ihr aufgetragenen Befehl. Allerdings müssen SIE den dafür günstigsten Zeitpunkt auswählen. Wird Kate bei diesem Übergriff erwischt (ist also im Sichtbereich irgend eines Gegners) wird sie genauso zur Brust genommen wie ihre männlichen Kollegen.



EXTRO

Ich gebe offen zu, dass ich mehrmals einen so genannten Cheatcode (eine Art Lösungshilfe) benutzt habe, um "Desperados" bis zum Ende durchspielen zu können. Das Problem: Man glaubt, einen Auftrag vollständig gelöst zu haben und trotzdem kommt kein erlösender Abspann ("Mission erfolgreich"). Man findet dann auch nirgends einen konkreten Hinweis, woran das liegen könnte. Und wenn man stundenlang versucht, an einer besonders ausgekochten Truppe von Gegnern vorbeizukommen stellt sich irgendwann Verdruss ein - man ist der Verzweiflung nahe, weil (Schnellspeichern) und (Laden) bereits zu Glühen beginnen. Nach meiner Erfahrung ist es unmöglich, ohne Speicherung in den nächsten Level vorzudringen. Eher regiert das Prinzip des Ausprobierens...

Zugegeben: Manches hört sich unrealistisch an: Warum kann der Doc keine Pferde satteln? Wieso bekommt nur Kate die Beine hoch und darf als einzige Fußtritte verteilen? Weshalb ist Sam ein Weichei und kann nicht zuschlagen? Nun, DANN wäre das Game vielleicht doch zu einfach - und es geht beim Spielen IMMER mehr um den Spaß als um die Realität...

Und noch einen drauf: "Desperados" ist zwar schon recht alt aber ich bin der Meinung, dass sich sowohl Sound als auch Grafik selbst heute nicht verstecken brauchen und gängigen Anforderungen genügen.

Somit spreche ich eine eindeutige Empfehlung aus - daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Programmierer seinerzeit die Grundidee zum Spiel von "Commandos - Hinter feindlichen Linien" "abgekupfert" haben. Bei eBay bekommen Sie die Software meist schon für weniger als 2 Euro (exkl. Versandkosten).




Liebe Grüße

Steffen


(veröffentlicht nur unter den Nicks AustroError & GermanError)

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