Die Geister, die ich rief... (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von catmother

Weihnachten als Horror-Show

Pro:

witzig, nachdenkenswert, grandioser Bill Murray

Kontra:

kein ausgesprochener Weihnachtsfilm

Empfehlung:

Ja

Alle Jahre wieder, vorzugsweise natürlich um die Weihnachtszeit, spielt man die gleichen Filme, und unter anderem auch diese modernisierte und übrigens sehr originelle Variante des Dickens-Romans "Scrooge", die den meisten von euch wohl bekannt sein dürfte unter dem Namen "Charles-Dickens-Weihnachtsgeschichte". Und weil dieser etwas andere Verfilmung wirklich gut und erheiternd ist, sehe ich sie mir immer wieder an.
Wer also Spaß an schrägen und skurrilen Komödien hat, der kann sich den Film am 20. Dezember um 20.15 Uhr auf Sat 1 ansehen.


** Die Story **
Frank Cross (Bill Murray), Programmchef eines großen Fernsehsenders, ist ein Ekel, wie es im Buche steht: nach oben duckt er sich, nach unten tritt er ohne Gnade und Rücksicht auf Verluste. Nichts ist ihm heilig, außer den Einschaltquoten. Seine Angestellten behandelt er zynisch und hartherzig, selbst vor seiner eigenen Familie, bzw. dem Rest davon, macht er nicht halt.

Jetzt steht Weihnachten vor der Tür, und der Sender bereitet zum wiederholten Male die Aufführung von "Scrooged" als Bühnenstück vor. Doch Cross hat andere, bei weitem gruseligere Vorstellungen von der Regie-Umsetzung - er plant eine Blut- und Action-Horror-Show von biblischen Ausmaßen. Als ihm der Redakteur Eliot Loudermilk (Bobcat Goldthwait) zu seinem furchteinflößenden Ankündigungsspot die Meinung sagt, fliegt er auf der Stelle aus seinem Job.

Zwischendurch ordert Cross noch für Freunde, Familie, Kunden und Angestellte die Weihnachtsgeschenke: Handtücher für den Bruder, Waschlappen für die Kunden - für mehr reicht seine Zuneigung und Achtung nicht. Selbst seine aufopferungsvolle und wirklich geduldige Assistentin Grace (Alfre Woodard) bekommt die versprochene Gratifikation verweigert, obwohl er weiß, daß sie eine große Familie und einen kranken Sohn zu Hause hat.

Später am Abend klopft es an seiner Tür: herein kommt eine ziemlich verweste Gestalt - sein ehemaliger Chef, der eigentlich schon lange tot ist. Er beklagt die bösartige Veränderung an Frank und kündigt ihm für die nächste Zeit drei Geister an, die ihn heimsuchen werden.
Zunächst nur amüsiert über die "gelungene Maske" bringt das Cross aber schließlich so aus dem Gleichgewicht, daß er vor Schreck jemanden anruft, zu dem er seit Jahren keine Kontakt mehr hatte: seine ehemalige Freundin Claire (Karen Allen).
Die erscheint auf den Hilferuf hin sogleich im Sender, kann gerade noch verhindern, daß dieser Abartige einer Maus ein Geweih an den Kopf tackern läßt und geht wieder, als sie sieht, daß dem Mann, den sie noch immer liebt, eigentlich nicht zu helfen ist. Denn Cross nimmt bei Tageslicht die Sache mit den Geistern nicht mehr allzu ernst.

Als er bald darauf in ein Taxi steigt, sieht er sich plötzlich mit seinen schlimmsten Erinnerungen konfrontiert - der verrückte Fahrer ist niemand anderes, als der Geist der vergangenen Weihnacht. Er führt Frank seine eigene Kindheit vor Augen, sein tristes Heim und die trostlosen Weihnachtsfeste, zu denen er von seinem Vater, einem Fleischer, üblicherweise ein paar Steaks geschenkt bekam und sein Bruder der einzige Halt war. Leider erschüttert das Frank nicht wirklich.

Doch zwei Geister stehen ihm noch bevor: die der gegenwärtigen und der zukünftigen Weihnacht. Ob die ihn läutern können?


** Die Darsteller **
Bill Murray ist eigentlich Mediziner mit einem abgeschlossenen Studium, als er sich spontan einem Ensemble als Komiker anschließt und Erfolg in Rundfunk und Fernsehen hat , u. a. mit Harold Ramis, mit dem er später einige Filme drehte. Seine ersten Filme sind Komödien wie Ivan Reitmans "Ich glaub' mich knutscht ein Elch" (1981) und natürlich "Ghostbusters" (1984). So spielt Murray vorzugsweise den verrückten Typen, meist zynisch und feindselig, wie in "... und täglich grüßt das Murmeltier" (1993). Mit "Ein verrückt genialer Coup" versucht er sich 1990 auch als Regisseur, hat aber als Darsteller mehr Erfolg.
In letzter Zeit sah man ihn dann auch in ernsteren Rollen, so u. a. in "Lost In Translation" (2003), "Die Tiefseetaucher" (2004) und "Broken Flowers" (2005).

Bill Murray trägt diesen Film fast allein. Wie bereits in "... und täglich grüßt das Murmeltier" spielt er sein komödiantisches Talent voll aus. Eigentlich ist er als Fiesling und Zyniker sogar unschlagbar. Die Sprüche sind so obercool und bissig, daß jeder seine Freude daran haben dürfte, der auf scharfen Humor steht. Am Ende hat man allerdings sogar Mitleid mit diesem Scheusal, aber man weiß ja, er leidet für eine gute Sache.

Alle anderen Darsteller spielen eine eher untergeordnete Rolle, sogar Karen Allen, die Murrays Freundin verkörpert.
In einer Nebenrolle ist Robert Mitchum ("Der längste Tag", "Fahr zur Hölle Liebling", "Tote schlafen besser") als Senderchef Preston Rhinelander zu sehen. Alle anderen Schauspieler sind mir weitgehend unbekannt gewesen.
Die drei Geister sind übrigens richtig witzig, und (für die Zeit) von der Maske her einfach Klasse.


** Meine Meinung **
Eigentlich ist es eine wahre Schande, daß ich das Original von Dickens nicht kenne, und jedesmal nehme ich mir nach dem Film vor, es mal endlich einmal zu lesen. Aber ich habe während meines Studiums so viel von ihm lesen müssen, daß es mir eigentlich etwas vergangen ist. Zu langatmig, zu ausufernd. Da schaue ich mir lieber die inzwischen doch recht zahlreichen und teilweise auch guten Verfilmungen an. Jedenfalls ist der Plot in Grundzügen bekannt: die Läuterung eines hartherzigen Mannes, bei Dickens ist das Ebenezer Scrooge, durch die drei Geister der vergangenen, heutigen und zukünftigen Weihnacht.

Diese hier ist für mich aber die bei weitem beste, weil auch lustigste Verfilmung, obwohl sie mit dem Original nicht mehr so ganz übereinstimmt. Aber die Grundidee des Romans ist erhalten und in die schnelllebige, oberflächliche heutige Zeit mit einigen brachialen Anspielungen übertragen.

Trotzdem der Film in erster Linie Vergnügen bietet, hat er aber natürlich auch eine nachdenkliche Komponente. Haben wir nicht zu Weihnachten jemanden vergessen, zu dem wir mal wieder gut sein könnten? Oder den wir einfach lange Zeit vernachlässigte haben? Hat man alles getan, um die Welt für die Benachteiligten ein bißchen schöner zu machen? Sind wir gute Menschen? Ist Weihnachten das, was es sein sollte?

Insofern überbringt der Film eine Botschaft, die sich jeder, und nicht nur zu Weihnachten, zu Herzen nehmen sollte.

Sehr empfehlenswert.


** Daten **
USA 1988
Genre: Komödie
Originaltitel: Scrooged
Regie: Richard Donner
Buch: Michael O'Donoghue, Mitch Glazer
Kamera: Michael Chapman
Musik: Danny Elfman
FSK 6

20 Bewertungen, 2 Kommentare

  • MasterDeniz

    20.12.2005, 16:57 Uhr von MasterDeniz
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr Hilfreich. Gegenlesen macht viel freude, vorallem zur Weichnachtszeit :-) Schöne Grüße

  • fuchsis

    23.12.2004, 14:51 Uhr von fuchsis
    Bewertung: sehr hilfreich

    Dieser Film gehört für mich einfach zu Weihnachten dazu. LG fuchsis