Die Jury (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von sabolein

schwarz/weiss... schuld/nichtschuld?

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Ich habe mir bewusst jetzt nur die Hauptdarsteller, ohne Besitzungstitel und großes Storybord ausgesucht.
Wer eine „normale“ Filmkritik erwartet, sollte bitte diesen Beitrag beenden oder lesen und dann im Sinne der Meinung und nicht im Sinne einer üblichen Filmkritik urteilen.

Ich habe mir soeben wieder einen Film angesehen, bei dem mir viele Dinge bewusst geworden sind.
Nicht nur, der Verstand, den Hollywood-Regisseure aufbringen, um Zuschauer zu beeinflussen.
Nicht nur die Unterschiede zwischen amerikanischem und Deutschem Rechtssystem.
Nicht nur der Unterschied zwischen Justiz und Selbstjustiz.
Nicht nur der Unterschied zwischen schwarz und weiß.
Nicht nur der Unterschied zwischen verstehen und verstanden werden.


Um welchen Film geht es? Wie der Titel schon sagt, um „Die Jury“ eine Verfilmung von John Grishams Roman.
Meine sehr spärlichen Informationen. Denn es ist schon vieles über Story und Schauspieler geschrieben worden:
Darsteller: u.A. Samuel L. Jackson, Matthew McConaughey, Sandra Bullock, Kevin Spacey, Donald Sutherland
Regie: Joel Schumacher (habe ich ihn richtig geschrieben?)

Kurzer Storyumriss: (ich komme nicht umhin)
Ein Vater übt nach der Vergewaltigung seiner minderjährigen Tochter Selbstjustiz und kommt somit vor Gericht. Vor ein amerikanisches Gericht. Sein Nachteil: Er ist schwarz, die Täter waren weiß.

Mehr möchte ich über die Story gar nicht verlieren.
Sondern mir meine anfänglichen Frage aufgreifen:

Nicht nur die Unterschiede zwischen amerikanischem und Deutschem Rechtssystem.
In Amerika bestimmt eine Jury über die Schuld des Angeklagten. Sie ist normalerweise aus „normalen und neutralen“ Bürgern zusammengesetzt. Aber was bitte ist normal? Wer ist neutral?
In Deutschland sind zwar bei Verbrechen auch Schöffen zur Urteilsfindung mit einbezogen, aber das sind meist nur zwei Personen, und die werden nicht hauptsächlich für das Urteil zuständig sein. Sondern zur Urteilsfindung.

Nicht nur der Unterschied zwischen schwarz und weiß.
Wer hat heutzutage nicht schon über Toleranz, Rassismus und ähnlich gelagerte Themen geredet, diskutiert sich vielleicht sogar gestritten?
Nicht die Hautfarbe macht den Menschen. Nicht das Geschlecht bestimmt die Wertigkeit. Alleine die Persönlichkeit ist das, was jeden von uns ausmacht. Und da gibt es schwarze und weiße Schafe. (Wobei ich hier bewusst den farblichen Vergleich als Denkanstoss herbeiziehe)
Es ist nun mal nicht jeder, der nicht unbedingt mit blonden Haaren, blauen Augen und einer Größe von mindestens... mit ausreichend Intelligenz gesegnet, um Recht von Unrecht zu unterscheiden.
Ich selber bin mit braunen Augen, dunklen Haaren und einer Durchschnittsgröße von 1,74 m nicht das Abbild der typischen „weißen“ Frau. Aber bin ich deshalb ein schlechter Mensch? Bin ich deshalb minderwertig?
Vor ein paar Jahrzehnten wäre die Frage noch wesentlich brennender gewesen. (im wahrsten Sinne des Wortes)
Nein. Wie ich schon anfänglich gesagt habe, meiner Meinung nach ist es einzig und allein die Persönlichkeit, die gut oder böse (um so krass zu sein) zu bewerten ist.
Und glaubt mir. Ich kenne genügend Beispiele, um hautfarbenbezogene oder auch staatszugehörigkeitsbezogene Vorurteile zu widerlegen.

Nicht nur der Unterschied zwischen Justiz und Selbstjustiz.
Meiner Meinung nach der O-Ton des Filmes.
Vater tötet die Vergewaltiger seiner Tochter.
Als ich den Film das erste Mal sah, war ich noch lange nicht so weit, mich mit dem Gedanken an Fortpflanzung annähernd anzufreunden. Und doch konnte ich die Selbstjustiz verstehen. Ich dachte damals: Wenn das einem meiner Lieben angetan wird, wie reagierst du dann?
Beim wiederholten Sehen, war ich gerade schwanger. Und mir ging das Messer in der Tasche auf. Häuften sich auch hierzulande die Berichte über Kindesmisshandlungen, Kindesentführungen und sexuelle Gewalt gegen Kinder.
Ich konnte es immer weniger verstehen.
Heute, mein Sohn ist 19 Monate alt. Unschuldig, neugierig und noch so kindlich vertrauensselig. Möge er sich einiges davon auch weiterhin bewahren können.
Würde ihm heute jemand etwas antun. Ihn entführen. Ihn vielleicht vergewaltigen. Oder gar töten. Und ich hätte diese Leute von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde.
Würde ich zur Selbstjustiz greifen?
Ich würde sicherlich (zumindest verbal) zum Tier werden.

Ich wollte hiermit mal wieder zum Nahdenken anregen.
Wer diese Art Bericht falsch verstehen sollte, den bitte ich nicht um Abwertung, sondern um Kommentare, um evtl. ins Gespräch zu kommen.
Wer nur abklickt, und den Bericht nichtmal liest, der ist selber daran schuld.
Ansonsten freue ich mich wie immer über Lesen & Kommentieren.

(Update... einige Stunden später)Ich vergaß einen Nachtrag. Es gibt ein ausgezeichnetes Schlussplaydoyer (oh welch schwieriges Wort) Bei dem mir in nicht gestaffeleter reihenfolge Tränen in die Augen treten. Tränen der Ohnmacht, Tränen der Wut,Tränen der Verzweiflung, Tränen des Verständnisses, Tränen der Trauer... Tränen... über die Unfähigkeit, glücklich zu sein, andere glücklich sein zu lassen, Tränen der Verständnislosigkeit...

Und jetzt aktueller denn je... Tänen der absoluten Unverständnis, was Rassenhass und Hautfarbe, religion und Glauben ... Menschen scheinbar zwingt, irrigen Lehren zu folgen....
Nachdenkliche Grüße,
Sabo

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