Die Königin der Verdammten (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von wildheart

Krude, langweilige Genre-Variation

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Was ist an Vampirfilmen noch möglich? Michael Rymer versuchte sich an einer Art »Rocky-Horror Picture Show« mit »modernen« Special-Effects. Doch herausgekommen ist ein wenig überzeugender Aufguss sattsam bekannter Genre-Klischees.

Inhalt
»Sex, Blut und Rock’n’Roll« – darauf steht der Vampir Lestat (Stuart Townsend), den es nicht mehr in seiner Gruft hält. Es ist ihm langweilig geworden, und irgendwo in ihm schlummern noch menschliche Emotionen – außergewöhnlich für einen Blutsauger. Schnell findet er die Band auf Erden, in der er zum Star wird: »Lestat the Vampire« fasziniert Millionen Menschen auf der ganzen Erde. In einer Pressekonferenz verkündet Lestat, dass er nur ein einziges, großes Konzert im »Death Valley« geben wolle.

Jesse Reeves (Marguerite Moreau), die sich wissenschaftlich mit Vampiren beschäftigt, vermutet, dass – wenn es sich bei Lestat wirklich um einen Vampir handelt – ihn die anderen Blutsauger verfolgen werden. Denn es gibt ein Gesetz, das besagt, dass Vampire sich nicht in der menschlichen Öffentlichkeit präsentieren dürfen. Jesse wurde in ihrer Kindheit von ihrer Tante Maharet (Lena Olin) verlassen; denn Maharet, die Jesse vor dem ewigen Untoten-Dasein der Vampire schützen wollte, war selbst Vampirin – und der Rest der Familie auch. Schnell kommt Jesse der Geschichte Lestats auf die Spur. Sein »Ziehvater« ist Marius (Vincent Perez), den Lestat seit fast zweihundert Jahren nicht mehr gesehen hat. Damals hatte Lestat das Geheimnis der Geschichte aller Vampire entdeckt: Königin Akasha (Aaliyah), die Urmutter aller Vampire, deren einziges Ziel die Herrschaft der Vampire über die Welt und damit auch über die Menschen war und ist. Von ihrem Blut hatte Lestat gesaugt und damit königliche Kräfte erworben.

Jesse wagt sich in die Vampirkneipe »Admiral’s Arms« in London, wo die Vampire sie verfolgen. Mit knapper Not entkommt sie deren Angriffen durch die Hilfe Lestats, der gehört hat, dass sie seine Geschichte und die des Marius kennt. Er lässt sie ungeschoren.

Für Jesse, die dies alles aus dem Tagebuch Lestats weiß, gibt es nur ein Ziel: Sie will – trotz der Warnungen ihres Vorgesetzten David Talbot (Paul McGann) – an dem Konzert im »Death Valley« teilnehmen, von dem inneren Wunsch beseelt, selbst Vampir zu werden. Lestat aber ist nicht nur von den anderen Vampiren bedroht. Königin Akasha will ihn zum Gefährten ihrer Weltherrschaft. Es beginnt ein Kampf der Untoten gegeneinander ...

Inszenierung
Michael Rymer bediente sich für seine Vampirgeschichte aller möglichen Anleihen aus klassischen Horrorfilmen über »Rocky Horror« bis zu schwarzer Magie und Vampirkulten der Gegenwart. Die Geschichte selbst ist mit allerlei Beiwerk über Regeln des Vampirdaseins ausgeschmückt. Umrandet wird der Streifen mit Gothic-Nu-Metal-Sounds und einigen schon oft und besser gesehenen Spezialeffekten. Das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die krude Story kaum einen Hund hinterm Ofen hervorlocken wird.

Die teilweise theatralisch aufgemotzten Dialoge bleiben in seichtem Fahrwasser. Man wird den Eindruck nicht los, der Regisseur habe kein großes Interesse am Genre selbst gehabt, sondern vor allem an lauter (wenn auch nicht unbedingt schlechter) Musik und pathetischem Gehabe. Durch die gequält anstrengende Dramaturgie macht sich ziemlich bald Langeweile breit. Es wirkt schon fast grotesk, dass sich der Film – obwohl Rymer offensichtlich nicht einmal ein satirisches Interesse am Genre hatte – an einigen Stellen selbst wie ein ungewolltes Eingeständnis der eigenen Lächerlichkeit preisgibt.

Die bluttriefenden Szenen des Streifens – wenn etwa Aaliyah das Herz eines Vampirs herausreißt und isst – lassen eher den Eindruck »Metzgerei« oder »Pathologie« entstehen, als dass sie irgendwo etwas mit Grusel zu tun hätten.

Das Drehbuch ist angehäuft mit etlichen gekünstelten Weisheiten über Vampire, die sich in ihrer Gesamtheit als so über-konstruiert darstellen, dass man die Geschichte – selbst als Vampirstory – kaum noch ernst nehmen kann.

Schauspieler
Stuart Townsend mimt einen total gekünstelten Vampir. Offenbar scheint die Blutarmut auch die Rolle ergriffen zu haben. Der Kälte des Vampirs entspricht die Charakterlosigkeit der Figur. Marguerite Moreau kann man einfach nicht abnehmen, dass sie das Vampirdasein an sich selbst erfahren will. Vincent Perez müht sich redlich als Vaterfigur von Lestat, aber alles Abmühen scheitert auch hier am seichten Drehbuch. Einzig die inzwischen bei einem Flugzeugabsturz verstorbene Sängerin Aaliyah als lüsterne, brutale Ur-Vampirin bringt ein wenig Spannung und Überzeugungskraft in den Streifen – zu wenig, um ihn zu retten.

Fazit
Schade, dass aus der Chronik der Vampire von Anne Rice nicht mehr gemacht wurde. Wieder ein Film, der den Geschmack des Publikums offenbar völlig missversteht. Vielleicht hat man auch nur an schnelles Geld und die damit verbundene Wirkung von Aaliyah gedacht. Zu kurz gedacht, und man kann nur hoffen, dass das Kinopublikum den Film meidet.

Die Königin der Verdammten
(The Queen of the Damned)
USA 2002, 103 Minuten
Regie: Michael Rymer
Hauptdarsteller: Stuart Townsend (Lestat de Lioncourt), Marguerite Moreau (Jesse Reeves), Aaliyah (Königin Akasha), Vincent Perez (Marius), Paul McGann (David Talbot), Lena Olin (Maharet), Christian Manon (Mael), Claudia Black (Pandora), Bruce Spence (Khayman), Matthew Newton (Armand), Tiriel Mora (Roger Smythe), Megan Dorman (Maudy)


© Ulrich Behrens 2002
(dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in www.ciao.com unter dem Mitgliedsnamen Posdole)

16 Bewertungen, 4 Kommentare

  • XXLALF

    02.05.2010, 11:19 Uhr von XXLALF
    Bewertung: besonders wertvoll

    hört sich dennoch recht interessant an, auch wenn du diesen film nicht als empfehlenswert einstufst. das ändert aber nichts an deinem tollen bericht. bw und ganz liebe grüße

  • frankensteins

    17.01.2009, 16:41 Uhr von frankensteins
    Bewertung: sehr hilfreich

    ganz liebe Grüße Werner

  • Puenktchen3844

    29.09.2007, 21:50 Uhr von Puenktchen3844
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein ausführlicher Bericht. LG

  • Sayenna

    15.12.2006, 12:25 Uhr von Sayenna
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & Kuss :-)