Die Königin der Verdammten (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von aldobar

Die Königin der Trash-Filme

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Hoch geht es her. Wütende Kinogänger schreiben bitterböse Verrisse und fordern ihr Eintrittsgeld zurück, begeisterte Fans antworten mit Lobeshymnen.
Was war passiert?

Ein schlauer Produzent hatte die Idee, der außerordentlich erfolgreichen Anne Rice – Verfilmung INTERVIEW MIT EINEM VAMPIR ein Sequel folgen zu lassen. Allerdings entschied man sich aus Geldmangel, das Projekt vier bis fünf Nummern kleiner anzusiedeln, als das Original. Die A-Klasse-Darsteller wurden durch solche aus der zweiten Reihe ersetzt. Die Effekte erfüllen ihren Zweck, ohne besonders zu begeistern und die Story – nun ja, dazu kommen wir noch.

Als nun der Film fertig war, kam ein ebenfalls sehr gerissener Verleiher auf die Idee, den Film doch vor der Video-Auswertung (wofür er ursprünglich gedreht wurde) doch noch kurz in die Kinos zu schicken. So ein klein bißchen müßte man doch vom Erfolg des Originals profitieren können.
Kurz nachdem der offizielle Starttermin der geneigten Öffentlichkeit kundgetan wurde, starb die Sängerin und (Neben -) Darstellerin Aaliyah bei einem Flugzeugabsturz. Wie in Hollywood üblich, nutzte man die Tragödie, indem QUEEN OF THE DAMNED (so der Originaltitel) nun nicht mehr nur als Anne Rice – Film, sondern auch als Vermächtnis der tragisch ums Leben gekommenen Aaliyah vermarktet wurde.

Und so kam es, daß ein Film, der nicht mehr sein sollte, als ein Vampirspektakel für eine eingeschworene Fangemeinde, auf das große Publikum losgelassen wurde.
Und dementsprechend sind dann auch die Reaktionen: die schwarzen Seelen, die Vampir – und Trash – Fans lieben den Film, alle anderen hassen ihn.

Eine ungewöhnliche lange Einleitung diesmal, aber ich denke, um zu verstehen, warum der Film so ist, wie er ist, sollte man diese Vorgeschichte kennen.
Nun aber, wie üblich an dieser Stelle, zur:


STORY

Der Vampir Lestat (die Tom Cruise – Rolle, hier gespielt von Stuart Townsend) hat die Nase gestrichen voll vom ewigen Leben; alles was es auszuprobieren gibt, hat er längst getan, es gibt nichts Neues mehr. So legt er sich für längere Zeit in seiner Gruft zur Ruhe.
Er erwacht – heute.
Die Zeiten haben sich geändert und Lestat hat nicht übel Lust, sich diese neue Zeit genauer anzuschauen. Keine Lust hat er allerdings, wie es der Kodex der Vampire verlangt, im Verborgenen, unsichtbar für die Augen der Menschen, zu wirken. Er will gesehen werden, teilhaben am wirklichen Leben und nicht als Schattengestalt ein verstecktes Dasein fristen.

Gedacht getan – und wie könnte ein Vampir besser im Mittelpunkt stehen, denn als Sänger einer Black-Metall-Band? Er verheimlicht sein wahres Ich keineswegs, allerdings glaubt ihm kein Mensch seine Geschichte. Ein Marketing – Scherz, denken die Ahnungslosen.
Allerdings gibt es da noch seine Artgenossen, und die sind ganz und gar nicht begeistert davon, daß einer der Ihren da in der Öffentlichkeit steht.

Die junge Jesse Reeves (Marguerite Moreau) arbeitet für die Geheimorganisation der Talamascan, deren Aufgabe es ist, das Wirken der Vampire zu beobachten und aufzuzeichnen. Was aber eine richtige Van Helsing – Adeptin ist, der genügt es natürlich nicht, nur im Hintergrund zu wirken, sie will dahin, wo es wirklich etwas zu sehen gibt: in den Club, in dem sich die Vampire treffen.
Dieser Club-Besuch kommt ihr fast teuer zu stehen, erst im allerletzten Augenblick wird sie von Lestat gerettet, der sich auf seltsame Art zu ihr hingezogen fühlt. Der Zuschauer weiß bereits mehr an dieser Stelle – Jesse hat ebenfalls ein dunkles Geheimnis, eines allerdings, von dem sie selbst nur noch in ihren Träumen weiß.

Aus Lestats Tagebuch erfährt Jesse seine Geschichte – wie er von Marius (Vincent Perez) zum Vampir gemacht wurde, wie dieser ihn ausgebildet hat; von der Freundschaft, die die beiden ungleichen Vampire seitdem verbindet.
Aber auch von Akasha, der sagenumwobenen Königin der Vampire, die im vorzeitlichen Ägypten mit eiserner Hand (und keineswegs verborgen) regierte.

Akasha fühlt in der Gegenwart die Präsenz Lestats, fühlt, daß er, wie sie, keinen Gefallen daran findet, sich zu verstecken. Sie fühlt seine Kraft, die Urgewalt, die in ihm steckt.
Akasha erwacht und will – mit Lestat an ihrer Seite – ihre Schreckensherrschaft neu errichten.

Nun mag man einwenden, daß diese Geschichte (die ich hier nur ansatzweise wiedergegeben habe) geradezu hanebüchen dämlich ist. Gar keine Frage, ich habe schon Fertiggerichte gegessen, die intelligenter waren.
Aber: sie bietet auch Raum für überraschende Wendungen und vielfältige Spekulationen. Kein Platz für Langeweile.
Widersprechen muß ich im Übrigen all jenen Rezensenten, die meinten, die Vorlage von Anne Rice sei hier geradezu vergewaltigt worden – der Film hält sich sogar sehr eng an den Roman. Es ist halt (nach ihrer eigenen Aussage) ihr mit Abstand schlechtestes Werk. Dies dürfte auch der Grund gewesen sein, warum sie angeboten hat, daß Drehbuch für den Film höchst selbst (und ohne Gage!) zu verfassen. Warum man dieses Angebot abgelehnt hat, entzieht sich meiner Kenntnis (falls jemand von Euch da Näheres weiß, wäre ich für einen Kommentar sehr dankbar).


DARSTELLER

Wie bereits eingangs erwähnt, sucht man die Stars aus INTERVIEW MIT EINEM VAMPIR vergebens. Stattdessen darf man sich an Hollywoods B-Garde und einigen Newcomern erfreuen.

Stuart Towsend macht seine Sache recht gut, er overacted ein wenig, was aber bei der Rolle kaum stört, im Gegenteil. Düster, erotisch, sinnlich – wie ein Vampir halt sein soll.

Aaliyah ist (auch wenn man über Tote nicht schlecht sprechen soll) sicher alles andere als eine gute Schauspielerin, aber die Rolle der blutgierigen und skrupellosen, aber auch betörend schönen Königin Akasha nimmt man ihr durchaus ab.
Geschmälert wird die Freude über ihre Szenen nur durch den seltsam wiegenden Gang; wer sich das ausgedacht hat (und warum!), wüßte ich wirklich gern!

Lestats Freund, Marius, wird von Vincent Perez gegeben – ein Schweizer, der eher den Freunden französischer Dramen als den Vampir-Fans ein Begriff sein dürfte; vielleicht erinnert sich ja Jemand an den wirklich schönen FANFAN & ALEXANDRE, wo er an der Seite von Sophie Marceau die männliche Hauptrolle spielt? Auch die Vampirrolle meistert er mit Bravour – ein echter Lichtblick!

Marguerite Moreau hat als Jesse Reeves ihre erste Hauptrolle. Wenn es denn einen Gott gibt, bleibt es auch ihre einzige. Möchte mich nicht länger über ihre Leistungen auslassen, die Frau hat so viel Talent wie ein Eisbein mit Sauerkraut!


FAZIT

Michael Rymer hat mit DIE KÖNIGIN DER VERDAMMTEN ein überaus unterhaltsames Trash-Filmchen gedreht.
Die Geschichte ist Humbug, die Effekte sind ganz nett, aber sicher kein Grund, sich den Film ihretwegen anzuschauen.
Die Musik wird allen dunklen Seelen gefallen, ohne zu Begeisterungsstürmen hinzureißen. Wer also meint, er kann sich an einem chaotisch - düsteren Spektakel ohne jede tiefere Bedeutung erfreuen, dem sei der Film wärmstens ans dunkle Herz gelegt.
Wer aber eine nachvollziehbare Geschichte braucht und so etwas wie BRAM STOKERS DRACULA erwartet, der meide QUEEN OF THE DAMNED wie der Vampir den Knoblauch;

empfiehlt aldobar

(In diesem Sinne ist auch die Bewertung zu verstehen – für die Fans ganz klar die Höchstpunktzahl, für alle anderen die niedrigste Wertung; ergibt nach Adam Riese einen Durchschnitt von 3!)


CREDITS
OT: Queen of the Damned
Regie: Michael Rymer
Darsteller: Stuart Townsend, Vincent Perez, Aaliyah, Marguerite Moreau
Musik: Jonathan H. Davis, Richard Gibbs
USA, Australien / 2002

34 Bewertungen, 6 Kommentare

  • anonym

    12.09.2002, 14:33 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich habe alle Bücher diese Serie gelesen, fand dieses das komischste, wollte aberdennoch den Film sehen. Leider war ich damit alleine, sah ihn somit nie. Sollte ihc nun froh darüber sein? Wer weiß... Gruß, nosianai

  • Finron

    12.06.2002, 15:37 Uhr von Finron
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich bin überhaupt kein so großer Fan von Anne Rice und fand eigentlichs chon "Interview mit einem Vampir" eher mittelmäßig. Da lob ich mir doch Tarantinos Titty Twister Bar ;o)

  • Libraia

    16.05.2002, 01:58 Uhr von Libraia
    Bewertung: sehr hilfreich

    hallo, erkennst du mich?

  • Crazy666

    21.04.2002, 16:43 Uhr von Crazy666
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich fand schon das Buch nicht sooo doll, eher eines der schlechteren der Chronik - aber den Film tu' ich mir trotzdem an! ;-)

  • schnuppi

    21.04.2002, 16:43 Uhr von schnuppi
    Bewertung: sehr hilfreich

    gut formuliert

  • anonym

    21.04.2002, 16:41 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr guter Bericht :-)