Die Reifeprüfung (DVD) Testbericht

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ab 4,54
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  wenig
  • Anspruch:  durchschnittlich
  • Romantik:  durchschnittlich
  • Humor:  durchschnittlich
  • Spannung:  langweilig

Erfahrungsbericht von Corni

● Genialer Kultfilm der Sixties ●

Pro:

Provokante Romanze und Liebesstory zugleich

Kontra:

nichts

Empfehlung:

Ja

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VORGESCHICHTE
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Kurz vor dem großen Tag wird beim Geburtstagskind vorsichtig abgecheckt, was denn an Geschenken so genehm sei. Man bringt ein Gespräch unauffällig auf Dustin Hofmann: nicht wahr, Mama, den magst Du doch? Aber ja, seh’ ich wirklich sehr gerne. Und welch ein Glück, im Radio läuft kurze Zeit später ein Hit von Paul Simon; unbedarft drehe ich voll auf und meine Kinder schauen sich unauffällig an. Nun weiß ich plötzlich, was ich geschenkt bekommen werde! Ich freue mich schon auf MOONLIGHT MILE von Dustin Hoffman und YOU’RE THE ONE von Paul Simon.
Aber es kommt natürlich ganz anders – die DVD, die ich aus dem Geschenkpapier fetze, ist – ich fass es nicht – DIE REIFEPRÜFUNG - Dustin Hofmann in seiner Debütrolle mit der genialen Musik von Simon & Garfunkel. Ich freue mich riesig!!

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DIE REIFEPRÜFUNG
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• Daten zu Cast & Crew •
Vorlage: Die Reifeprüfung von Charles Webb
Darsteller: Dustin Hoffman (Benjamin Braddock), Anne Bancroft (Mrs. Robinson), Katharine Ross (Elaine Robinson)
Produzenten: Mike Nichols, Lawrence Turman
Musik: Dave Grusin, Simon & Garfunkel (Sound of Silence, Mrs. Robinson, Scarborough Fair, April Come She Will)
• Oscar-Nominierungen •
1967 für Dustin Hoffman, Anne Bancroft und Katharine Ross sowie für Regie, Bester Film, Kamera und Drehbuch-Bearbeitung,

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DIE STORY
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Der schüchterne und zurückhaltende 20jährige Benjamin aus gutbürgerlichem Hause hat mit einem brillantem Examen das College beendet – Voraussetzung für eine Karriere als Geschäftsmann. Von seinen stolzen Eltern wird er mit einer großen Willkommensparty überrascht. Ben - ohne jegliche Zukunftsvorstellungen - hat Not, die Erwartungen seiner Eltern und die der Gäste zu erfüllen. Er braucht Ruhe zum Nachdenken und zieht sich auf sein Zimmer zurück. Dort wird er von der attraktiven Mrs. Robinson, Gattin des langjährigen Geschäftspartner vom Vaters, aufgespürt. Der Besuch ist Ben ziemlich lästig und nur unwillig erfüllt er ihre Bitte, sie nach Hause zu fahren. Unter fadenscheinigen Vorwänden lockt die reife erfahrene Frau den jungen Mann ins Haus, wo sie ihn genüsslich zu verführen gedenkt. Irgendwann ahnt auch der verschreckte Ben, welches Spiel hier gespielt werden soll und – wehrt sich nach Kräften. Aber Mrs. Robinson weiß um die Macht ihrer Worte - „Ich bin für dich zu haben, ruf mich einfach an“ - ist ein Angebot, das sich im Kopf von Ben einbrennen wird. Der heimkommende Ehegatte „rettet“ Ben für diesen Abend aus der brenzligen Situation.

Ab jetzt geht alles Schlag auf Schlag: Ben’s 21. Geburtstag, sein Anruf bei Mrs. Robinson, das erstes Treffen im Hotel und die Verwandlung des fast hilflosen „jungfräulichen“ Ben zu einem souveränen Liebhaber.
Ben, der zunächst nur in den Tag hineinlebt und seine Treffen mit Mrs. Robinson genießt, wird eines Tages von seinem Vater mit der Frage nach der Zukunft konfrontiert und damit aus seinen Träumereien gerissen. Unter dem Versuch, Rechenschaft über sich und seine Situation zu geben, leidet letztendlich auch Mrs. Robinson, die in ihrer kühlen souveränen Art nicht mehr als Small Talk mit Ben zu führen gedenkt, aber nun durch seine drängenden Fragen mit ihrer eigenen Vergangenheit, all ihren offen gebliebenen unerfüllten Sehnsüchten und Lebenslügen konfrontiert wird.

Als sich der Besuch von Mrs. Robinsons Tochter Elaine ankündigt und absehbar ist, dass der Kontakt zwischen ihr und Ben erneuert werden wird, eskaliert die Situation. Mrs. Robinson bestätigt Bens Vermutung „Ich bin für Sie gut genug, aber zu schade für Ihre Tochter“ und zwingt ihn zu dem Versprechen, niemals mit Elaine auszugehen.
Das ist natürlich nicht einzuhalten, denn seine Eltern und auch Mr. Robinson erwarten von Ben, dass er den gesellschaftlichen Verpflichtungen Genüge tut. Mürrisch, wortkarg und der Sache völlig überdrüssig führt er die peinlich berührte Elaine in ein Striplokal. All diese schlechten Bedingungen können jedoch nicht verhindern, dass sich die beiden jungen Leute ineinander verlieben und Ben an Zuversicht gewinnt - „Du bist seit langem das Erste, was mich glücklich macht. Mein ganzes Leben ist so vergeudet“.

Am nächsten Tag erscheint zum vereinbarten Date anstelle von Elaine die hasserfüllte Mrs. Robinson, die bereit ist, die Affäre auffliegen zu lassen - es kommt zum Eklat. Und nun weiß Ben auch, was er will – nämlich Elaine. Er reist ihr nach, die beiden finden allmählich wieder zueinander, es scheint sich alles zum Positiven zu wenden, bis Mr. Robinson auftaucht und Benjamin nicht nur den Krieg erklärt, sondern ihm auch versichert, dass er Elaine niemals wiedersehen wird. Verzweifelt fährt Ben in Elaines Elternhaus, wo ihm Mrs. Robinson von der unmittelbar bevorstehenden geheimgehaltenen Hochzeit triumphierend berichtet. Zurück an Elaines Studienort gelingt es Ben, die Informationen zur Trauung in Erfahrung zu bringen. In einem Wahnsinns Run, der mich jedes Mal an den Rand des Herzinfarktes bringt, (obwohl ich doch weiß wie es ausgeht!) überwindet Ben alle Hindernisse und erreicht die Kirche. Nur über einen Seiteneingang kann er eindringen und muss von der Empore die gerade zum Abschluss gebrachte Trauung erleben. Sein Schrei nach Elaine – ihr Schrei nach Ben – bringt die Hochzeitsgesellschaft in einen kurzen Zustand der Fassungslosigkeit, Zeit genug, um die empörte aufgebrachte Gesellschaft knapp hinter sich zu lassen und nach einer spektakulären Flucht in einem Linienbus zu fliehen...

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DIE DVD
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• Daten •
Kinowelt/ARTHAUS DVD, 2001 (Produktion Studio Lawrence+Turman, 1967)
FSK 12, ca. 20 €, 101 Minuten, zuzüglich Features
Sprachen: Deutsch, Englisch, Spanisch und Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Türkisch, Dänisch, Norwegisch, Schwedisch, Finnisch).

• Bildqualität •
Das Bildformat ist anamorph (2.35:1, Widescreen ) und ich bin angenehm überrascht – solch einen sauberen Videotransfer hatte ich bei dem betagten Ausgangsmaterial nicht erwartet. Kein Rauschen, keine Dropouts, eine gute Farbe und ein ebensolcher Kontrast lassen das Schauen zum Vergnügen werden. Mir persönlich hätte etwas mehr Schärfe (Bildschärfe!!) zugesagt.

• Ton •
Einzig der englische Audiokanal wartet mit einer Stereo-Tonspur (Dolby Digital 2.0) auf, die Kanäle Deutsch, Spanisch und Italienisch sind Mono (Dolby Digital 1.0). Dem Ton – gleich ob stereo oder mono – fehlt auf jeden Fall etwas Volumen, wenn man die DVD über die Anlage laufen lässt; am PC störte mich das absolut nicht. Außerdem ist der Ton absolut frei von Verzerrungen, so dass man mit der Qualität durchaus zufrieden sein kann. Höchstens bei den Soundtracks könnte man mal auf den englischen Kanal umschalten.

• Datenrate •
Obwohl die mittlere Bilddatenrate bei ca. 5,6 mbps liegt und damit ein mittleres bis hohes Niveau hat, wäre doch bei der Kapazitätsausnutzung von knapp 75 % (5,91 GB belegt, 2,04 GB frei) sicher eine höhere Codierung möglich gewesen – schade!

• Menü •
Das DVD Menü ist gut designed, zum Teil animiert und mit Sound hinterlegt.

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DVD FEATURES
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• Trailer •
Der etwa knapp 3 ½ Minuten dauernde US-Trailer (nicht-anamorph) ist ein Highlight der Features und auf jeden Fall sehenswert.

• Interview „One on one with Dustin Hoffman“ •
In einem kurzen Interview von nicht einmal 5 Minuten erzählt Dustin Hofmann von seinen Ideen für einen zweiten Teil. Irgendwie nicht spektakulär, wenn auch nicht uninteressant...

• Kurz-Dokumentation \"The Graduate at 25\" •
Dahinter verbirgt sich ein 22-minütiges Special (vor allem Interviews mit Cast & Crew), das aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums der Premiere (also 1992) entstand. Hier wird auch das Kurzinterview mit Dustin Hofmann fortgesetzt. Bedauerlich, dass man Anne Bancroft alias Mrs. Robinson nicht zu Wort kommen ließ. Ansonsten findet man hier recht interessante Fakten zur Filmentstehung, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Die Haare standen mir zu Berge als ich hörte, dass die Filmbesetzung eigentlich aus Robert Redford, Candice Bergen, Ronald Reagan und Doris Day bestehen sollte...

• Fotogalerie •
Die Fotogalerie enthält 14 Bilder - 7 Fotos und 7 Filmplakate – insgesamt nicht überzeugend.

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MEIN FAZIT
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Das erste Mal
sah ich den Film als Teeny in der DDR und erlebte ihn als Liebesfilm. Oh, ich hasste die intrigante, perfekt agierende und so wohl geratene Mrs. Robinson, die Benjamin zum Spielball ihrer sexuellen Gelüste machte. Ich fieberte mit Ben um die Erfüllung seiner reinen Liebe zur wunderschönen Elaine und genoss dabei die phantastische Musik von Simon & Garfunkel. Den gesellschaftlichen Hintergrund des Amerika Mitte der 60ger Jahre ignorierte ich ganz einfach – es war nicht meine Zeit, es war auch nicht meine Gesellschaft und meine Probleme waren es schon gar nicht.

Die weiteren Male
sah ich ihn mit anderen Augen, aber er blieb für mich DER Liebesfilm. Natürlich sah ich jetzt die Hintergründe und verstand, dass dieser Film etwas ganz Neues, Spektakuläres für Amerika gewesen sein musste. Er bricht mit der konservativen tabuisierenden Gesellschaft der 50ger Jahre und zeigt (die mir anfangs so unverständliche) Perspektivlosigkeit der wohlbehüteten Kinder der Reichen in einer Welt der Heuchelei. Trotzdem, es ist für mich eine Geschichte im Kontext ihrer Zeit und das Hauptanliegen ist und bleibt für mich die provokante Romanze, verbunden mit einer anrührenden Liebesstory - und nicht die Gesellschaftssatire.

Das vorletzte Mal
sah ich mir die DVD am vergangenen Wochenende an und wollte die Story endlich einmal so richtig nüchtern betrachten. Geht aber nicht, denn die ersten Takte von „Sound of Silence“ reißen mich wieder mit...auch wenn ich vor dem sachlichen Computer sitze. Aber bewusster schaue ich mir den Film an und überlege, was eigentlich den Erfolg, der bis heute anhält, ausmacht und warum er auch mich immer wieder gefangen nimmt und verzaubert.
Da sind beispielsweise die Szenen in der Kirche: die Darstellung der hassverzerrten und keifenden Gesichter der Hochzeitsgäste, aus denen doch kein Laut kommt; die Symbolik, als Ben während ihrer Flucht aus der Kirche die Türe einfach mit einem mitgenommenen großen Holzkreuz verkeilt und die Verfolger damit gleichsam bannt; die Schlussszene im Autobus, an der wir minutenlang am Glück von Elaine und Benjamin teilhaben können, indem wir einfach in ihre befreiten und staunenden Gesichter sehen.
Ja, genau das ist es, was ich an diesem Film so mag - einerseits sind es die sparsamen und doch so signifikanten Dialoge und andererseits die immer wiederkehrende geniale Metaphorik, die - einzig unterstützt vom satten Soundtrack - keiner Worte mehr bedarf und den Film so einzigartig macht.

Gerade eben
habe ich die DVD noch einmal eingelegt. Nach all dem Hin- und Herfahren, Betrachten und Auswerten der Features, dem Begutachten der technischen Details will ich sie noch einmal genießen - meine Lieblings-CD. Wer mit mir Träumen möchte, kann ganz einfach diese beiden Links aufrufen...

http://www.steffi-line3.de/Audiothek/us01/06_silence.wav
http://www.steffi-line3.de/Audiothek/us01/robinson.wav

(c) Corni

37 Bewertungen, 1 Kommentar

  • sindimindi

    24.04.2006, 01:35 Uhr von sindimindi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein wirklich gelungener Filmbericht! - den Klassiker hab' ich das erste Mal 1983 im Kommunalen Kino gesehen...:-) <br/>LG, Roland <br/>PS: Danke auch für die Links zu den Ohrwürmern von Simon& Garfunkel...au Mist! - die Links sind codiert...schade!