Dogville (VHS) Testbericht
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Erfahrungsbericht von SVoigt3000
Grace: Sklavin und Hure
Pro:
Sehr interessantes, fesselndes und ergreifendes Thema, sehr gute und realistische Darstellung der menschlichen Abgründe, hervorragende Schauspieler, experimentelle Darstellungsweise
Kontra:
Nichts
Empfehlung:
Ja
-----HANDLUNG:-----
Dogville ist ein kleines Kaff in den Rocky Mountains. Dort wohnen nur ein paar Leute, denen es finanziell auch alles andere als gut geht. Besuch kommt kaum nach Dogville, weil es am Ende einer kleinen Straße an einem gefährlichen Berg liegt. Die Bewohner von Dogville sind ruhig, gehen still und bescheiden ihrer Arbeit nach und werden von der Welt in Ruhe gelassen.
Doch eines Tages hört Tom (Paul Bettany) einige Schüsse in der Ferne, kann aber nirgendwo etwas auffälliges sehen. Wenig später erscheint eine fremde Frau, Grace (Nicole Kidman), in Dogville und sieht dabei sehr verstört aus. Tom spricht sie an und versteckt sie, als kurze Zeit später offensichtlich ein Mafia-Boss mit seinem Wagen durch Dogville fährt und nach Grace fragt.
Grace bleibt dann in Dogville und möchte sich für die Gastfreundschaft bedanken, indem sie den Einwohnern bei ihrer Arbeit behilflich ist. Es gibt aber nichts, was unbedingt zu tun wäre und so fragt Grace nach Dingen, die nicht unbedingt getan werden müssen, die sie aber trotzdem erledigen könnte. Und schon hat Grace Arbeit bei den Bürgern Dogvilles gefunden. Sie schaut nun regelmäßig bei jedem Einwohner vorbei, hilft hier und da und bekommt etwas Geld dafür.
Doch so friedlich bleibt es nicht lange. Irgendwann kommt die Polizei nach Dogville und hängt Fahndungsplakate mit Grace Bild auf. Die Bewohner des kleinen Kaffes in den Rockys halten Grace aber weiterhin versteckt, bis die Polizei ein zweites Mal auftaucht und den Bürgern mitteilt, Grave würde wegen Banküberfällen gesucht und sei sehr gefährlich. Da dies offensichtlich Unsinn ist, darf Grace aber weiterhin versteckt in Dogville bleiben. Allerdings verlangen die Bürger einen Ausgleich dafür, dass sie sich dadurch strafbar machen, dass sie der Polizei nicht sagen, wo Grace ist. Fortan muss Grace bei jedem Bürger zwei Mal am Tag vorbei schauen und bekommt auch weniger Geld für ihre Dienste.
Grace trägt das noch mit Fassung, doch die Bürger Dogvilles werden immer unverschämter, weil sie wissen, dass Grace verletzbar ist und weil sie erpressbar ist. Also wird sie bald schickaniert, sexuell belästigt und auf schlimmste Art ausgebeutet und misshandelt...
-----KOMMENTAR:-----
Lars von Trier gehört zu den bekanntesten dänischen Regisseuren überhaupt. Unter anderem er hat das Dogma-Postulat aufgestellt und ist für den Dogma-Film "Idioten" (1998) verantwortlich. Im Jahr 2000 kam dann der Film "Dancer in the dark". Es hagelte zwar Kritik, von Trier könne keinen Film über Amerika drehen, ohne selbst jemals dort gewesen zu sein. Das schreckte ihn aber nicht ab, mit "Dogville" (2003) den ersten Teil seiner Amerika-Trilogie vorzulegen, die noch im Jahr 2005 mit "Manderlay" fortgesetzt und im nächsten oder übernächsten Jahr mit "Washington" abgeschlossen wird.
Die Dogma-Zeiten sind zwar längst vorbei, doch Lars von Trier hält sich weiterhin daran, seine Filme möglichst puristisch, mit wenigen Requisiten oder Effekten, zu drehen. Bertold Brechts Theater lässt grüßen.
"Dogville" wurde nämlich komplett in einer Fabrikhalle gedreht. Das kleine Kaff, in dem die Handlung nahezu komplett stattfindet, existiert nur in den Köpfen der Zuschauer und in Form von Grundrisslinien der Häuser und Straßen Dogvilles auf dem Fabrikboden. Lediglich einige Möbel etc. stehen wirklich in der Halle. Auf diese Weise kann man stets ganz Dogville überblicken, sieht, was in den einzelnen Häusern passiert und kann somit quasi hinter die Fassade sehen.
Und hinter eben dieser sprichwörtlichen Fassade geschehen bekanntlich die schlimmsten Dinge. So auch in Dogville, das anfangs so beschaulich und verschlafen wirkt. Lässt man die Menschen nur machen, dann werden sie aber zu Monstern, die rücksichtslos die liebenswerte Grace zu einem Ding, einer Sache oder - passend zum Stadtnamen - einem Hund degradieren.
Wichtig dabei ist, dass Dogville eben kein Auffanglager für Vergewaltiger, Betrüger und Mörder ist, sondern ein wirkliches Kaff, in dem viele Jedermanns leben. Jeder von uns wohnt irgendwie in Dogville. Und so fragt sich Grace am Ende, nachdem sie zur Sklavin und Hure gemacht worden ist, ob sie, würde sie schon immer in Dogville gewohnt haben und jemand Fremdes wäre gekommen, nicht genauso gehandelt hätte. Und tatsächlich: Das Opfer Grace, das eigentlich wissen muss, was Leiden sind, rächt sich am Ende für alles, was ihr angetan wurde, mit einer erbarmungslosen und ebenso unmenschlichen Härte und Kälte, dass dem Letzten klar wird: Wir alle können die Täter sein.
Lars von Trier muss man wirklich großes Lob dafür aussprechen, dass er den Wandel, der in den Köpfen der Menschen von Dogville vorgeht, so gut beschreibt und darstellt. Anfangs sind alle nett zu Grace und nehmen sie freundlich in ihrer Mitte auf, dann fangen sie langsam an, sie auszunutzen, um sie später als Sklavin und Hure wie einen Hund zu halten. Diese Verwandlung von Dogville - vom verschlafenen Nest zum sadistischen Schreckensort - geht natürlich nicht von heute auf morgen von sich und so braucht Lars von Trier auch 178 Minuten, um dies alles darzustellen. Trotzdem wird der Film niemals langweilig. Dafür ist zum Einen das Thema viel zu interessant, fesselnd, aufwühlend und spannend und zum Anderen ist die experimentelle filmische Umsetzung äußerst sehenswert.
Das bedeutet neben der Tatsache, dass Dogville nur aus Linien auf dem Fabrikhallenboden besteht, dass der Film sehr spärlich instrumentalisiert ist. Insgesamt ist der Film eher ruhig, der Fokus liegt auf den Schauspielern, dem was sie sagen und vor allem dem was sie tun. Wer also lieber effektvolles Hollywoodkino sieht, wird bei "Dogville" bitter enttäuscht werden.
Als Krönung des Ganzen kommen noch die großartigen Schauspieler hinzu, von denen mir bisher nur Nicole Kidman, die leider in "Manderlay" nicht mehr die Rolle der Grace übernehmen wird, bekannt war. Aber auch die anderen spielen ihre Rollen wirklich unglaublich gut, fesselnd und vor allem glaubwürdig.
-----FAZIT:-----
Lars von Trier hat hier ein wirklich unglaubliches Psychogramm über uns Menschen geschaffen. Wer "Dogville" gesehen hat, sieht sich am Ende vielleicht auch in einem etwas anderen Licht. Denn "Dogville" zeigt, welche Abgründe in uns allen lauern. Wollen wir hoffen, dass sie nie zu Tage treten...
19 Bewertungen, 7 Kommentare
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16.12.2005, 23:19 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichsh, LG Birgit :-)
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13.11.2005, 15:23 Uhr von sape26
Bewertung: sehr hilfreichDogville hat mir sehr sehr gut gefallen!Ein sehr eindrucksvoller Film!genauso wie Dein Bericht!:)Lg,Sandra
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11.11.2005, 16:39 Uhr von marina71
Bewertung: sehr hilfreichHab ich aufgenommen. Werd ich bald anschauen. Freu mich schon drauf. lg
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10.11.2005, 07:07 Uhr von animaldream
Bewertung: sehr hilfreichsehr informativ! LG animaldream
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10.11.2005, 00:09 Uhr von NancyNoack
Bewertung: sehr hilfreichKlingt interessant
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09.11.2005, 23:58 Uhr von sindimindi
Bewertung: sehr hilfreichAlllein schon wegen Nicole Kidman würde ich mir den Film anschauen - die Story und die Umsetzung scheinen gelungen zu sein - Du hast mich immerhin neugierig gemacht! :-) <br/>LG, Roland
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09.11.2005, 23:40 Uhr von waltraud.d
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich. w.
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