Dogville (VHS) Testbericht

Dogville-vhs-drama
ab 20,84
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Erfahrungsbericht von Phobia

Erzählt in neun Kapiteln und einem Prolog

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

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Dogville von Lars von Trier
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Erzählt in 9 Kapiteln und einem Prolog

Dogville ist ein mit minimalistischen Mitteln gestaltetes Bühnenstück.
Bzw., ist es wie eine Bühnenaufführung verfilmt.

Den einzigen Schauplatz stellt das kleine Örtchen Dogville dar, gelegen in den Rocky Mountains, mit dem Mittelpunkt der sogenannten Elmstreet.

Die einzelnen Häuser der Dorfbewohner und andere Elemente sind mit weißer Farbe auf den
Boden aufgezeichnet.
Zu den wenigen Requisiten gehören einige Möbelstücke, mehrere Fahrzeuge und andere Gebrauchsgegenstände.

Weiterhin bedient sich Lars von Trier der Verwendung eines allwissenden Erzählers, der aber nur seinen akustischen Beitrag leistet und mit einer feinsinnigen Ironie durch die Handlung von Dogville führt.


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Facts:
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ein Film von Lars von Trier
mit
Nicole Kidman, Harriet Andersson, Lauren Bacall, Jean-Marc Barr, Paul Bettany, Blair Brown, Chloe Sevigny,...

178 Min.
freigegeben ab 12 (Anmerkung: fragwürdig)



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Zum Ort
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Dogville ist ein von der Außenwelt abgeschnittenes einfaches Örtchen zu Zeiten der Rezession.
Thomas, ein intellektueller Theoretiker, der sich nach eigener Einschätzung als Schriftsteller bezeichnet, aber sich eigentlich vielmehr damit beschäftigt, regelmäßige als Versammlungen titulierte Moralpredigten an die Einwohner Dogvilles zu halten, lebt zusammen mit seinem pensionierten Vater, der früher einmal als Arzt tätig gewesen ist.
Zu den weiteren Einwohnern Dogvilles gehören die
dunkelhäutige Olivia mit ihrer körperlich behinderten Tochter,
Chuck und Vera, die zwar nicht gerade die glückliche Ehe bzw. das Wort Liebe erfunden haben, es aber immerhin zu 7 Kindern gebracht haben,
die etwas begriffsstutzige Martha, die sich um das Missionshaus kümmert,
Ma Ginger und Gloria, die den einzigen und dementsprechend teuren Laden von Dogville führen,
der trunksüchtige Fuhrunternehmer Ben,
Familie Hansen mit ihrem etwas zurückgebliebenen Sohn Bill, der aber trotzdem daran glaubt, irgendwann Ingenieur werden zu können, der etwas bissigen Tochter Liz -im Mittelpunkt des Interesses der männlichen Bewohner- und
der eitle Blinde Jack, der nicht aus dem Hause geht, um seine vermeintlich unbemerkte Blindheit vor den Dorfbewohnern zu verbergen. Falls ich jemanden vergessen haben sollte, bitte ich um Verzeihung.

Dogville, zusammengesetzt aus den unterschiedlichsten Charakteren, stellt alles in allem eine ziemlich eingeschworene und scheinbar rechtschaffene Gemeinde dar. Niemanden hier lässt es kalt, wenn seine Moral in Frage gestellt wird.
Alles in diesem Ort geht seinen gewohnten Gang, womit eigentlich fast jeder zufrieden zu sein scheint, wenn man von dem mürrischen und eigensinnigen Chuck absieht, der als einziger offen ausspricht, wie sehr er auf einen Ort wie Dogville Wert legt (nämlich gar nicht), als auch auf alle anderen Orte der Welt.
Selten kommen Fremde in die Stadt und fast genauso selten verlassen die Bewohner Dogvilles ihre Heimat.



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Die Story
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Als sich Tom eines abends nach einem Besuch bei Bill auf den Weg nach Hause macht und gerade wieder mal verbissen darüber nachdenkt, wie er in seiner nächsten Versammlung Dogvilles Bürgern eine seiner moralischen Predigten veranschaulichen kann, hört er plötzlich Schüsse.
Etwas später trifft er auf die mysteriöse Schönheit Grace. Als unerwartet ein Auto naht, versteckt sie sich auf Anraten Toms in einer Mine. Die Männer aus dem Wagen erkundigen sich bei Tom, ob er eine junge Frau gesehen hätte. Als dieser verneint, drücken sie ihm eine Karte mit ihrer Nummer in die Hand.
Grace erzählt Tom, der sich ihrer annimmt, dass sie nur einen Vater gehabt hätte, der ihr von den Gangstern im Wagen genommen worden wäre.
Tom schlägt Grace nicht ganz uneigennützig vor, in Dogville zu bleiben, in der Hoffnung, die Einwohner des Ortes in seiner Versammlung von der Beherbergung der schönen Fremden überzeugen zu können. Er hat die Idee, Grace solle als Gegenleistung für ein Bleiberecht Dogville ihre Arbeitkraft zur Verfügung stellen.
Tatsächlich gelingt es Tom nach einiger Mühe, die Einwohner Dogvilles davon zu überzeugen, Grace zunächst für eine zweiwöchige Probezeit in Dogville Asyl zu gewähren.


Von allen beäugt, versucht Grace nun, sich in Dogville einzugliedern, indem sie ihre Hilfe anbietet. Eine Stunde täglich in jedem Haushalt, so lautet der Vorschlag von Tom.

Aber, niemand scheint ihre Hilfe zu brauchen. Alle Arbeit, die erledigt werden müsse, wäre
Schon den einzelnen Bewohnern zugeteilt.
Reserviert, aber mit anständiger Freundlichkeit wird die Fremde von einem zum anderen geschickt. Als alles vergeblich scheint, kommt Tom auf den Gedanken, Grace die Arbeiten erledigen zu lassen, die nicht unbedingt gemacht werden müssen. Was nun mit der Pflege wilder Stachelbeersträucher im Auftrag Ma Gingers beginnt, findet recht schnell Nachahmung. So ergibt es sich, dass sich doch recht viele Arbeiten in Dogville finden, die nicht unbedingt erledigt werden müssten.

Tatsächlich schafft es Grace, sich in die eingeschworene Gemeinschaft Dogvilles zu integrieren und scheinbar auch in den Einwohnern Freunde zu finden.
Sie selbst scheint in Dogville etwas gefunden zu haben, was sie scheinbar schon immer gesucht hat.
Obwohl sie offensichtlich aus besseren Verhältnissen stammt, scheint sie die einfachen Lebensumstände in Dogville und seine teilweise sehr eigenen Einwohner schnell in ihr Herz geschlossen zu haben.

So gelingt es ihr tatsächlich, die eingeschworene Gemeinde nach den abgelaufenen zwei Wochen von sich selbst zu überzeugen. Jeder der Bewohner stimmt auf einer Versammlung dafür, dass die genügsame und anpassungsfähige Grace in Dogville bleiben darf.

Überglücklich lebt sich Grace immer mehr in Dogville ein und scheint von jedem gerne gesehen. Einige nennen Grace sogar eine Bereicherung für ihren Ort und scheinen regelrecht aufzublühen durch ihre Anwesenheit.

Als aber Polizisten in Dogville auftauchen, die Fahndungsplakate von Grace aufhängen, ändern sich die Dinge.
Grace wird eines Banküberfalls bezichtigt, und es ist eine Belohnung auf sie ausgesetzt.
Obwohl niemand an ihre Schuld glaubt und jeder weiß, dass Grace die Tat nicht begangen haben kann, wird die Situation zunehmend schwieriger.

Sie stelle nun ein vermehrtes Sicherheitsrisiko für Dogville dar, und niemand wolle in polizeiliche Angelegenheiten verwickelt sein, bzw. die Polizei belügen.
Dieses Sicherheitsrisiko solle Grace mit vermehrter Arbeitsleistung ausgleichen. Außerdem wird ihr zusätzlich Lohn gekürzt, den sie zuvor erhielt. Etwas unverständlich findet Grace diese neuen Forderungen schon, nimmt die neue Situation aber tapfer hin.

Was hier noch relativ harmlos beginnt, führt zu immer unmenschlicheren Verhältnissen für Grace. Es beginnt ein Martyrium von Ausnutzung, Tyrannei, Demütigung und völliger Entwertung. Was Grace nun in den folgenden Wochen erlebt, übersteigt so einiges an Grausamkeiten. Der einzige, der noch zu ihr zu halten scheint, ist der junge Tom, den zu Grace mittlerweile eine Romanze verbindet.

Die Zustände in Dogville werden immer explosiver und führen zu einem Aufsehen erregenden Showdown, bei der sich auch Graces wahre Identität enthüllt.


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Wirkung des Films:
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Dogville stellt durch seine Handlung, durch die schauspielerischen Fähigkeiten, die einzelnen Charakteren, die Kameraführung und die Gestaltung des Films eine absolute Sehenswürdig-keit und Rarität für mich dar.
Ich muss zugeben, dass ich mich zu Beginn des Films nur sehr schwer an die Machart von Dogville gewöhnen konnte (ich muss dazu sagen, dass ich bisher kein Interesse für Lars von Triers Filme wecken konnte. So hat mich „Dancer in the dark“ beispielsweise immer abgeschreckt. Deshalb fehlen mir bezogen auf diesen Filmemacher und Drehbuchautoren auch dieVergleichsmöglichkeiten), aber ich wurde so sehr von der Story und der Ausgestaltung erfasst, dass ich mir dieses Meisterwerk mittlerweile gar nicht anders vorstellen könnte.
Gerade durch die Machart des Filmes lebt seine dramatische und explosive Wirkung.

Ich persönlich kann es somit nur allen Lesern empfehlen, sich Dogville anzuschauen.
Er wird wahrscheinlich nicht jedermanns Ding sein, trotzdem ist es ein sehr interessantes Machwerk, dass man vielleicht einfach gesehen haben muss. Der Film stellt für mich eine absolute Bereicherung jedes Kinoprogramms und jeder Leihvideothek dar.
Aber entscheidet selber und macht euch euer eigenes Bild über dieses Drama.

Allerdings würde ich persönlich davon abraten, sich nach der Altersbeschränkung des Films zu richten. 12 Jahre erscheint mir etwas zu jung für diesen Film.


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Was zeigt sich in Dogville:
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Vorab, ich werde nicht versuchen, eine Interpretation von Dogville zu verfassen. Dies möchte ich jedem selbst überlassen und ist wahrscheinlich auch zu aufwendig.

Nach meiner Meinung wird in Dogville sehr viel dargestellt.
Die trügerische Idylle eines bestimmten Ortes und bestimmter Gegebenheiten, die eigentlich überall zu finden ist.
Dass eben nichts so ist, wie es scheint.
Die Suche nach Rechtschaffenheit und überhaupt die Frage nach Gut und Böse.
Der Anspruch des Menschen, sich moralisch einwandfrei zu verhalten und zu versuchen, sein Handeln auf diesen Anspruch bezogen zu legitimieren.
Der Missbrauch von Macht und die damit verbundene Rechtfertigung.
Die Rolle eines Fremden in einer eingeschworenen Gemeinschaft.
Neid, Eifersucht, Eitelkeit und die Neigung, Dinge nicht anzusprechen, wie sie sind.
Die Demütigung und Entwertung eines Menschen.
Der Wunsch nach Gemeinschaft und Anerkennung, und die damit verbundene Anpassungsfähigkeit und Aufopferung.

Und letztlich die Frage nach Rache, Strafe und ausgleichender Gerechtigkeit und inwiefern diese eigentlich stattfinden muss.

16 Bewertungen, 2 Kommentare

  • nileman

    01.04.2005, 14:24 Uhr von nileman
    Bewertung: sehr hilfreich

    Bericht!! mach weiter so!!!! mfg

  • gangster09

    01.04.2005, 14:03 Uhr von gangster09
    Bewertung: sehr hilfreich

    ..ein toller ebricht von dir! lg rene