Dolores (DVD) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 03/2011
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Erfahrungsbericht von catmother
Manchmal mußt du als Frau ein Miststück sein!
Pro:
zwei grandiose Darstellerinnen, spannden, tragisch, bewegende Geschichte
Kontra:
nichts
Empfehlung:
Ja
Heute gibt es mal wieder einen Filmtip von mir – leider schon für das heutige Abendprogramm. Ich hab es nicht geschafft, den Bericht eher einzustellen. Für alle, die das noch lesen und Freund von guten Psychodramen sind, gilt diese Empfehlung.
Zwar habe ich schon vor einigen Jahren aufgehört, Stephen King zu lesen. Dafür liebe ich aber nach wie vor viele der Verfilmungen seiner Bücher. Bei manchen Streifen würde man noch nicht einmal vermuten, daß das Buch von King ist. So wie bei diesem hier.
** Die Story **
Die Journalistin Selena St. George (Jennifer Jason Leigh) bekommt ein Fax aus der Heimat. Es geht um einen Artikel in der Zeitung Boston Dayly News, in dem von einer Haushälterin die Rede ist, die ihre Dienstherrin erschlagen hat. Es handelt sich um Selenas Mutter.
Also macht sich die junge ehrgeizige Journalistin von New York auf zu der winzigen Insel Little Tall Island vor der Küste von Maine, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, und begibt sich schnurstracks zur Polizeistation.
Offensichtlich hatten die beiden schon lange keinen Kontakt mehr, denn Dolores Claiborne (Kathy Bates) erkennt ihre eigene Tochter nicht wieder. Dolores ist zwar nicht verhaftet, aber vorerst in Gewahrsam, bis der Fall geklärt ist. Doch ihre Tochter holt sie erst einmal raus. Sehr zum Ärger von Detective Mackey (Christopher Plummer), der den Fall untersuchen soll und jetzt endlich die Gelegenheit sieht, Dolores Claiborne hinter Gitter zu bekommen. Denn bis heute kann er es nicht verkraften, dass sie ihm nach dem rätselhaften Verschwinden ihres Mannes durch die Lappen ging, weil er nichts beweisen konnte.
Mutter und Tochter sind gereizt und aggressiv im Umgang miteinander. Dolores behauptet zwar, unschuldig zu sein, aber Selena glaubt ihr schon aus Prinzip nicht. Außerdem stört sie das kaltschnäuzige, sarkastische und wütende Verhalten ihrer Mutter. Denn damit macht sie sich in ihrer Situation doch nur noch mehr Feinde.
Als die nach Haushälterin-Art die Tasche ihrer Tochter auspackt, vermutlich auch um ein wenig zu schnüffeln, findet sie eine Menge Pillen. Auch der Alkohol spielt wohl eine Rolle bei Selena, was Dolores nicht gern sieht. Immerhin war ihr Mann auch ein Säufer.
Damit kommt man auf das nächste Thema: Selena ist auch überzeugt, daß ihre Mutter ihren geliebten Dad vor Jahren umgebracht hat. Was sie verdrängt hat: Joe St. George (David Strathairne) hat ihre Mutter schwer mißhandelt, seelisch und körperlich, woran sie sich natürlich nicht mehr erinnern kann. Denn mit ihr selbst hat er immer gescherzt und gespielt.
Doch Dolores hat sich schließlich auch gewehrt und damit natürlich die familiäre Gewaltspirale weiter angeheizt.
Doch selbst, als Dolores diese ihre Erinnerungen an ihre Tochter weitergibt, bekommt sie wenig Verständnis, ja sogar Vorwürfe zu hören, sie würde lügen.
Und so beginnt sowohl zwischen den beiden Frauen als auch zwischen Dolores und Mackey ein erbitterter Psychokrieg um die Wahrheit.
** Darsteller **
Zwei außerordentlich starke Frauen bestimmen den Film, die sich in ihrem expressiven Spiel gegenseitig übertreffen.
Allen voran ist da natürlich Kathy Bates (Misery, Mit aller Macht) zu nennen. Eigentlich konnte ich sie seit ihrer Rolle in „Misery“ (für die sie den Oscar bekam) überhaupt nicht leiden, aber das lag ja nicht an ihr. Auf jeden Fall ist diese eher unscheinbare, so gar nicht attraktive Darstellerin eine der großen Charakter-Schauspielerinnen und stellt das hier eindeutig unter Beweis.
Jennifer Jason Leigh (eXistenZ, Jung, weiblich, ledig sucht) kann mindestens eine ebensolche Anzahl an Filmen aufweisen. Vor allem die Bandbreite ihrer Rollen ist beeindruckend. Hier überzeugt sie als widerspenstige Tochter, die von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt wird.
In den wichtigsten Nebenrollen sind zu sehen: Christopher Plummer (Insider, A beautiful mind) als hartnäckiger, fanatischer Gesetzesvertreter, David Strathairne (Am wilden Fluß, L.A. Confidential) als saufender und prügelnder Ehegatte von Dolores sowie Judy Parfitt als zänkische Millionärin Vera Donovan.
** Filmkritik **
Vorab muß ich schon mal sagen, daß ich das Buch nicht gelesen habe. Nach Es, Sie, Friedhof der Kuscheltiere und diversen anderen kleineren Geschichten hörte mein Interesse an King-Romanen einfach auf. Insofern ist es mir nicht möglich, eine Übereinstimmung von Roman und Film zu beurteilen.
Von Stephen King sind wir ja eher haarsträubenden Horror gewohnt. Damit kann dieser Film auf jeden Fall nicht dienen. Aber er ist in anderer Hinsicht spannend als gute Mischung zwischen Thriller und Drama.
Schauen wir uns die Geschichte und die Figuren an:
Eine Frau fällt die Treppe runter, nachdem man heftigen Streit gehört hat. Dann greift die andere auch noch zum Nudelholz und wird nur durch den eintreffenden Postboten dabei gestört. So die Anfangsszene. Und auf die Vermutungen, die der Zuschauer daraufhin anstellt, setzt der Film seine Spannung. Ist Dolores eine Mörderin? Warum ist ihre Tochter vor 15 Jahren davongelaufen? Warum sind die Frauen zueinander so aggressiv und welches Geheimnis verbergen sie? Und warum ist der Detective dermaßen besessen von der Aufgabe, Dolores Claiborne eine Schuld nachzuweisen?
Soweit der Beginn des Films. Was sich dann entwickelt, ist ein ausgefeilter Psychokrieg zwischen den Beteiligten.
Die Tochter misstraut der Mutter, ist überzeugt, sie hätte ihren Vater umgebracht, den sie toll fand. Die Mutter kann nicht glauben, daß ihre Tochter alles vergessen hat. Was vergessen? Irgendwas ist passiert, was Dolores zu wissen glaubt, die Tochter sich aber nicht erinnern kann. Verdrängung? Oder falsche Beschuldigung der Mutter, um ihr Verbrechen zu kaschieren?
Und auf diesen Vermutungen und Geheimnissen beruht das ganze Verhalten der beiden zueinander, das geprägt ist von Sarkasmus, Schuldzuweisung, Feindseligkeit und Entfremdung. Immerhin hat es Selena vor 15 Jahren geschafft, aus diesem gottverdammten Nest wegzukommen und Karriere zu machen. Daß sie keine Beziehungen hat, haufenweise Tabletten nimmt und auf dem besten Weg ist, Alkoholikerin zu werden, ignoriert sie. Denn die Parallelen zu ihrem Vater hat sie ja vergessen.
Auch wenn Dolores alt und abgehärmt aussieht, nötigt sie einem doch ungeheuren Respekt ab. Sie hat die Hölle einer Ehe mit einem Säufer und Schläger ertragen und die Hölle einer 8 Jahre langen Pflege ihrer streitsüchtigen und unerträglichen Dienstherrin, die aber letztendlich sogar so etwas wie eine Seelenverwandte war. Sie hat gelernt, zu ignorieren oder sich zu verteidigen, notfalls mit Gewalt. Wie ein Vulkan, der bis zum Rand gefüllt sein muß, ehe er ausbricht. Eine wirklich starke Frauengestalt.
Überhaupt, die Beziehungen zwischen den Frauen stehen hier im Vordergrund: Mutter und Tochter (darüber hab ich bereits gesprochen), aber auch Dolores und Vera Donovan. Auch diese ungewöhnliche Beziehung hat mehr Substanz, wenn man dahinter blickt. Auch wenn Vera ein Miststück ist, sie hat doch eines: Respekt vor der gequälten Frau und eine Art Solidarität, die sie gekonnt hinter einem herrischen und nörglerischen Verhalten versteckt. Vermutlich, weil es ihr mit ihrem Mann auch so gegangen ist – was wir allerdings nicht detailliert erfahren.
Ihr Motto, das sie am Ende auch Dolores vermittelt: „Als Frau mußt du ein Miststück sein, wenn du in dieser Welt nicht untergehen willst.“ Da ist was Wahres dran.
Spannung bekommt die Geschichte durch den Aufbau. Während wir uns in der Gegenwart bewegen, erfahren wir die Einzelheiten, die zu diesen Ereignissen führten, durch eingeblendete Erinnerungen zutage treten. Eine künstlerische Freiheit, die der Regisseur vornehmen mußte, weil im Buch die Vergangenheit lediglich durch das Verhör von Dolores offenbart wird.
Und hier sind Kameraführung und Bildgestaltung sehr eindrucksvoll: die aktuellen Szenen sind in ein kaltes blaues Licht getaucht, die der Vergangenheit sind bunt. Ein perfektes Stimmungsbild, obwohl auch die Vergangenheit nicht gerade bunt oder rosig war.
Und die Einblendungen der Erinnerungen verwischen derartig mit den Bildern der Gegenwart, daß man fast nur durch die Farbe erkennt, in welcher Ebene man sich befindet.
Erst kurz vor dem Ende erfahren wir die ganze furchtbare Wahrheit. Obwohl Happy Ends bei King recht selten sind, hier könnte man es fast so bezeichnen und man geht doch recht befriedigt aus dem Film.
** Meine Meinung **
Eine grandiose Verfilmung mit zwei außergewöhnlichen weiblichen Darstellerinnen, die sich gegenseitig nichts schenken. Die Spannung ist auch ohne Blut und Geschrei enorm hoch, so daß man atemlos am Geschehen bleibt.
Ein perfekt inszenierter Psychokrieg und eine Hetzjagd auf eine gequälte und starke Frau und ein Film über eine ungewöhnliche Frauenbeziehung, die auf Wut und Machtgebaren, aber auch auf Mitleid und Loyalität beruht.
** Daten **
USA 1995
Genre: Thriller, Drama
Originaltitel: Dolores Claiborne
Regie: Taylor Hackford
Drehbuch: David Gilroy
Musik: Danny Elfman
FSK 12
Zwar habe ich schon vor einigen Jahren aufgehört, Stephen King zu lesen. Dafür liebe ich aber nach wie vor viele der Verfilmungen seiner Bücher. Bei manchen Streifen würde man noch nicht einmal vermuten, daß das Buch von King ist. So wie bei diesem hier.
** Die Story **
Die Journalistin Selena St. George (Jennifer Jason Leigh) bekommt ein Fax aus der Heimat. Es geht um einen Artikel in der Zeitung Boston Dayly News, in dem von einer Haushälterin die Rede ist, die ihre Dienstherrin erschlagen hat. Es handelt sich um Selenas Mutter.
Also macht sich die junge ehrgeizige Journalistin von New York auf zu der winzigen Insel Little Tall Island vor der Küste von Maine, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, und begibt sich schnurstracks zur Polizeistation.
Offensichtlich hatten die beiden schon lange keinen Kontakt mehr, denn Dolores Claiborne (Kathy Bates) erkennt ihre eigene Tochter nicht wieder. Dolores ist zwar nicht verhaftet, aber vorerst in Gewahrsam, bis der Fall geklärt ist. Doch ihre Tochter holt sie erst einmal raus. Sehr zum Ärger von Detective Mackey (Christopher Plummer), der den Fall untersuchen soll und jetzt endlich die Gelegenheit sieht, Dolores Claiborne hinter Gitter zu bekommen. Denn bis heute kann er es nicht verkraften, dass sie ihm nach dem rätselhaften Verschwinden ihres Mannes durch die Lappen ging, weil er nichts beweisen konnte.
Mutter und Tochter sind gereizt und aggressiv im Umgang miteinander. Dolores behauptet zwar, unschuldig zu sein, aber Selena glaubt ihr schon aus Prinzip nicht. Außerdem stört sie das kaltschnäuzige, sarkastische und wütende Verhalten ihrer Mutter. Denn damit macht sie sich in ihrer Situation doch nur noch mehr Feinde.
Als die nach Haushälterin-Art die Tasche ihrer Tochter auspackt, vermutlich auch um ein wenig zu schnüffeln, findet sie eine Menge Pillen. Auch der Alkohol spielt wohl eine Rolle bei Selena, was Dolores nicht gern sieht. Immerhin war ihr Mann auch ein Säufer.
Damit kommt man auf das nächste Thema: Selena ist auch überzeugt, daß ihre Mutter ihren geliebten Dad vor Jahren umgebracht hat. Was sie verdrängt hat: Joe St. George (David Strathairne) hat ihre Mutter schwer mißhandelt, seelisch und körperlich, woran sie sich natürlich nicht mehr erinnern kann. Denn mit ihr selbst hat er immer gescherzt und gespielt.
Doch Dolores hat sich schließlich auch gewehrt und damit natürlich die familiäre Gewaltspirale weiter angeheizt.
Doch selbst, als Dolores diese ihre Erinnerungen an ihre Tochter weitergibt, bekommt sie wenig Verständnis, ja sogar Vorwürfe zu hören, sie würde lügen.
Und so beginnt sowohl zwischen den beiden Frauen als auch zwischen Dolores und Mackey ein erbitterter Psychokrieg um die Wahrheit.
** Darsteller **
Zwei außerordentlich starke Frauen bestimmen den Film, die sich in ihrem expressiven Spiel gegenseitig übertreffen.
Allen voran ist da natürlich Kathy Bates (Misery, Mit aller Macht) zu nennen. Eigentlich konnte ich sie seit ihrer Rolle in „Misery“ (für die sie den Oscar bekam) überhaupt nicht leiden, aber das lag ja nicht an ihr. Auf jeden Fall ist diese eher unscheinbare, so gar nicht attraktive Darstellerin eine der großen Charakter-Schauspielerinnen und stellt das hier eindeutig unter Beweis.
Jennifer Jason Leigh (eXistenZ, Jung, weiblich, ledig sucht) kann mindestens eine ebensolche Anzahl an Filmen aufweisen. Vor allem die Bandbreite ihrer Rollen ist beeindruckend. Hier überzeugt sie als widerspenstige Tochter, die von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt wird.
In den wichtigsten Nebenrollen sind zu sehen: Christopher Plummer (Insider, A beautiful mind) als hartnäckiger, fanatischer Gesetzesvertreter, David Strathairne (Am wilden Fluß, L.A. Confidential) als saufender und prügelnder Ehegatte von Dolores sowie Judy Parfitt als zänkische Millionärin Vera Donovan.
** Filmkritik **
Vorab muß ich schon mal sagen, daß ich das Buch nicht gelesen habe. Nach Es, Sie, Friedhof der Kuscheltiere und diversen anderen kleineren Geschichten hörte mein Interesse an King-Romanen einfach auf. Insofern ist es mir nicht möglich, eine Übereinstimmung von Roman und Film zu beurteilen.
Von Stephen King sind wir ja eher haarsträubenden Horror gewohnt. Damit kann dieser Film auf jeden Fall nicht dienen. Aber er ist in anderer Hinsicht spannend als gute Mischung zwischen Thriller und Drama.
Schauen wir uns die Geschichte und die Figuren an:
Eine Frau fällt die Treppe runter, nachdem man heftigen Streit gehört hat. Dann greift die andere auch noch zum Nudelholz und wird nur durch den eintreffenden Postboten dabei gestört. So die Anfangsszene. Und auf die Vermutungen, die der Zuschauer daraufhin anstellt, setzt der Film seine Spannung. Ist Dolores eine Mörderin? Warum ist ihre Tochter vor 15 Jahren davongelaufen? Warum sind die Frauen zueinander so aggressiv und welches Geheimnis verbergen sie? Und warum ist der Detective dermaßen besessen von der Aufgabe, Dolores Claiborne eine Schuld nachzuweisen?
Soweit der Beginn des Films. Was sich dann entwickelt, ist ein ausgefeilter Psychokrieg zwischen den Beteiligten.
Die Tochter misstraut der Mutter, ist überzeugt, sie hätte ihren Vater umgebracht, den sie toll fand. Die Mutter kann nicht glauben, daß ihre Tochter alles vergessen hat. Was vergessen? Irgendwas ist passiert, was Dolores zu wissen glaubt, die Tochter sich aber nicht erinnern kann. Verdrängung? Oder falsche Beschuldigung der Mutter, um ihr Verbrechen zu kaschieren?
Und auf diesen Vermutungen und Geheimnissen beruht das ganze Verhalten der beiden zueinander, das geprägt ist von Sarkasmus, Schuldzuweisung, Feindseligkeit und Entfremdung. Immerhin hat es Selena vor 15 Jahren geschafft, aus diesem gottverdammten Nest wegzukommen und Karriere zu machen. Daß sie keine Beziehungen hat, haufenweise Tabletten nimmt und auf dem besten Weg ist, Alkoholikerin zu werden, ignoriert sie. Denn die Parallelen zu ihrem Vater hat sie ja vergessen.
Auch wenn Dolores alt und abgehärmt aussieht, nötigt sie einem doch ungeheuren Respekt ab. Sie hat die Hölle einer Ehe mit einem Säufer und Schläger ertragen und die Hölle einer 8 Jahre langen Pflege ihrer streitsüchtigen und unerträglichen Dienstherrin, die aber letztendlich sogar so etwas wie eine Seelenverwandte war. Sie hat gelernt, zu ignorieren oder sich zu verteidigen, notfalls mit Gewalt. Wie ein Vulkan, der bis zum Rand gefüllt sein muß, ehe er ausbricht. Eine wirklich starke Frauengestalt.
Überhaupt, die Beziehungen zwischen den Frauen stehen hier im Vordergrund: Mutter und Tochter (darüber hab ich bereits gesprochen), aber auch Dolores und Vera Donovan. Auch diese ungewöhnliche Beziehung hat mehr Substanz, wenn man dahinter blickt. Auch wenn Vera ein Miststück ist, sie hat doch eines: Respekt vor der gequälten Frau und eine Art Solidarität, die sie gekonnt hinter einem herrischen und nörglerischen Verhalten versteckt. Vermutlich, weil es ihr mit ihrem Mann auch so gegangen ist – was wir allerdings nicht detailliert erfahren.
Ihr Motto, das sie am Ende auch Dolores vermittelt: „Als Frau mußt du ein Miststück sein, wenn du in dieser Welt nicht untergehen willst.“ Da ist was Wahres dran.
Spannung bekommt die Geschichte durch den Aufbau. Während wir uns in der Gegenwart bewegen, erfahren wir die Einzelheiten, die zu diesen Ereignissen führten, durch eingeblendete Erinnerungen zutage treten. Eine künstlerische Freiheit, die der Regisseur vornehmen mußte, weil im Buch die Vergangenheit lediglich durch das Verhör von Dolores offenbart wird.
Und hier sind Kameraführung und Bildgestaltung sehr eindrucksvoll: die aktuellen Szenen sind in ein kaltes blaues Licht getaucht, die der Vergangenheit sind bunt. Ein perfektes Stimmungsbild, obwohl auch die Vergangenheit nicht gerade bunt oder rosig war.
Und die Einblendungen der Erinnerungen verwischen derartig mit den Bildern der Gegenwart, daß man fast nur durch die Farbe erkennt, in welcher Ebene man sich befindet.
Erst kurz vor dem Ende erfahren wir die ganze furchtbare Wahrheit. Obwohl Happy Ends bei King recht selten sind, hier könnte man es fast so bezeichnen und man geht doch recht befriedigt aus dem Film.
** Meine Meinung **
Eine grandiose Verfilmung mit zwei außergewöhnlichen weiblichen Darstellerinnen, die sich gegenseitig nichts schenken. Die Spannung ist auch ohne Blut und Geschrei enorm hoch, so daß man atemlos am Geschehen bleibt.
Ein perfekt inszenierter Psychokrieg und eine Hetzjagd auf eine gequälte und starke Frau und ein Film über eine ungewöhnliche Frauenbeziehung, die auf Wut und Machtgebaren, aber auch auf Mitleid und Loyalität beruht.
** Daten **
USA 1995
Genre: Thriller, Drama
Originaltitel: Dolores Claiborne
Regie: Taylor Hackford
Drehbuch: David Gilroy
Musik: Danny Elfman
FSK 12
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