Dolores (DVD) Testbericht

Dolores-dvd-thriller
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Erfahrungsbericht von galeria

Porträt einer starken Frau

Pro:

literarische Kostbarkeit von King

Kontra:

nix

Empfehlung:

Ja

Eine andere Überschrift ist mir nicht eingefallen, aber genau das ist es, was Stephen King mit "Dolores" geschaffen hat; keine seiner üblichen Horrorgeschichten, die natürlich nicht zu verachten sind, sondern ein kleines literarisches Meisterwerk.

Unlängst sah ich die ziemlich gutgemachte Verfilmung mit Kathy Bates (eine begnadete Schauspielerin) und da fiel mir ein, dass ich ja das Buch dazu habe. Und wie der Zufall so mitspielt: "Das Spiel" über das ich letztens schrieb, ist sogar ein klein wenig verbunden mit "Dolores". Aber dazu später...

Dolores ist eine Frau Mitte 60 und wird verdächtigt, die reiche Witwe Vera Donovan ermordet zu haben. Vera war alt, gebrechlich und bettlägerig und Dolores versorgte seit 30 Jahren den Haushalt und am Ende eben auch Vera. Nun sitzt Dolores bei der Polizei und erzählt Frank Proulx und Andy Bissette, den beiden Polizisten, ihre gesamte Lebensgeschichte. Mit anwesend die Stenographin Nancy Bannister. Die drei, die Dolores nun zuhören, spielen aber in der ganzen Geschichte keine Rolle. Nur Dolores redet, und das wie ein Wasserfall. Sie redet sich alles von der Seele, alles, was sie je bedrückt und gehetzt hat, was sie hasste und liebte.

Begonnen hat ihre Geschichte mit dem größten Fehler ihres Lebens, nämlich Joe St.George zu heiraten. Es folgten 3 Kinder und ihre sklavenartig schwere Arbeit als Haushälterin bei Vera Donovan, damit sie Geld für die Kinder beiseite legen konnte. Ihr Mann soff sich die Hucke voll, schlug und beleidigte seine Frau nach Strich und Faden. Eines Tages aber wehrt Dolores sich und schlägt zurück, droht Joe an, dass einer sterben wird, wenn er sie noch einmal anfässt.

Und dann war da die Sache mit Selena, ihrer minderjährigen Tochter, die regelmäßig missbraucht wurde von ihrem Vater. Als Dolores das heraus fand, sah sie rot und von da an war der Tod ihres Mannes beschlossene Sache...

Vera Donovan war eine stinkreiche Frau und eine richtige Ziege. Dolores hatte unter diesem Drachen sagenhaft zu leiden. Jeder andere von uns hätte sich das niemals bieten lassen. Bestes Beispiel: Dolores hängt Wäsche auf und Laken mussten grundsätzlich mit 6 Klammern, nicht mit 4 aufgehangen werden. Das kontrollierte Madame vom Balkon ihres Schlafzimmerfensters ganz genau.

Aber erstens waren die Zeiten damals anders, zweitens brauchte Dolores das Geld und vor harter Arbeit hat sie sich noch nie gescheut und drittens war Dolores eine starke, harte Frau, die lieber die Zähne zusammengebissen hat, als einmal zu klagen. Und so gehörte sie im Laufe der Zeit schon fast zum Inventar des riesigen Ansitzes der Familie Donovan. Sie gewöhnte sich an die ständigen Tyranneien der Vera Donovan und später wurden die beiden fast so etwas wie heimliche Freundinnen.

Und dann fiel Vera eines schönen Tages auf mysteriöse Art (sie konnte doch gar nicht mehr laufen) die Treppe runter und starb...

Das ganze Buch ist in der Ich-Form geschrieben. Dolores gibt ihr Leben preis und das macht Stephen King auf beeindruckende Art und Weise, als würde er diese Frau gekannt haben, als hätte es sie wirklich gegeben. Er schildert mit ihrer Stimme die Gedanken und Emotionen, die in ihr vorgingen, als wäre er sie selbst gewesen in einem früheren Leben. Das kann King sowieso am besten, das Innerste eines Menschen zu Tage fördern, die Seele regelrecht auf einem Tablett darbieten. Und nur, indem er Dolores 350 Seiten lang ihr Leben erzählen lässt, schafft er ein Porträt einer Frau, die viel aushalten konnte, sich aber letztendlich doch nicht alles gefallen ließ.

Und auch Vera Donovan wird zu einem offenen Buch, weil scheinbar Dolores die einzige war, die sie in- und auswendig gekannt hatte. Zwei Charaktere, zwei harte Frauen, die in so unterschiedlichen Positionen ihr Leben lebten und doch so viele Gemeinsamkeiten hatten - und auch ihre Geheimnisse, denn spannend war dieses Buch allemal. Ich hab`s mit Vergnügen gelesen, Dolores bewundert und, da ich zuerst den Film sah, mir Kathy Bates immer wieder in der Rolle der Dolores vorgestellt. Auch wenn sie im eigentlichen Roman dürr und hässlich sein sollte, was Kathy Bates ja beides nicht ist, so hat man die ganze Zeit das Gefühl, die Rolle wäre ihr auf den Leib geschrieben. Vielleicht wär die Sache anders gewesen, wenn ich erst das Buch gelesen hätte.

Um noch einmal die Verbindung zwischen "Dolores" und "Das Spiel" anklingen zu lassen - ich werd sie nicht vollständig aufdecken, weil dann irgendwie das Vergnügen beim Entdecken verloren ginge. Ich sag nur folgende Begriffe: metallischer kupferartiger Geruch, Sonnenfinsternis und ein Mädchen sitzt beim Daddy auf dem Schoß...den Rest müsst ihr selbst rausfinden *g*.

Und zum Letzten noch für treue Leser: ich lese zwar immer noch am "Rad der Zeit", hab aber absolut keinen Bock mehr, drüber zu schreiben. Also lese ich zwischendurch mal was anderes, worüber ich dann auch berichten werde.

Vielen Dank für`s Lesen.

Eure Galeria.

43 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Mondlicht1957

    29.01.2009, 02:54 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich und liebe Grüsse Jeder Besuch auf meiner Seite wird auch von mir belohnt :o)