Enigma - Das Geheimnis (DVD) Testbericht

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ab 7,62
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  wenig
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  durchschnittlich
  • Humor:  durchschnittlich
  • Spannung:  spannend

Erfahrungsbericht von dalia

Von Menschen und Maschinen

Pro:

Kate Winslet, verworrene Erzählstruktur

Kontra:

nicht überzeugend, langatmig

Empfehlung:

Nein

Ich wollte \"Enigma-Das Geheimnis\" eigentlich unter keinen Umständen sehen. Ganz zu Schweigen davon dass ich den Titel schon schrecklich langweilig fand konnte ich mir eine Geschichte um eine Decodierungsmaschine einfach nicht wirklich abendfüllend vorstellen.
Zusätzlich hasste ich Kate Winslet, die in dem Film eine nicht unwesentliche Rolle spielen sollte. Seitdem ich sie auf dem Bug der Titanic ( oder war es das Heck ? *grübel* ) mit dem aufgedunsenen Leo di Caprio habe hängen sehen, schwur ich ihre Filme zu meiden.
Tja dennoch zwang mich eine gute Freundin, mir diesen Film anzuschauen, einzig und allein aus dem Grund weil Mick Jagger kurz darin auftauchen sollte ( \"Enigma\" ist übrigens der erste Film seiner Produktionsfirma \"Jagged Films\" ).

117 Minuten wurde ich dann mit folgender Story bombardiert:

Hauptspielort des Films ist England, genauer gesagt ein geheimgehaltener Ort mit einer Menge Entschlüsslungskünstler für feindliche Funksprüche. Unter Ihnen tummelte sich einst auch Tom Jericho (Dougray Scott) musste jedoch das Team verlassen, da er einen Nervenzusammenbruch erlitt - darüber aber später mehr.
1943 stehen die ganzen Experten jedoch vor einem großen Problem: Die Nazis ändern völlig überraschend ihren U-Boot-Code, um ihn nun erneut zuknacken brauchen sie die Hilfe von Jericho, der zuvor schon den ursprünglichen Code gelöst hatte. All die Hoffnung lastet nun also auf unserem kleinen Mathematikerhelden, der durch de Entschlüsslung, einen Nachschubkonvoi mit 10.000 Passagieren und lebenswichtigen Lebensmittellieferungen vor den Angriffen der deutschen Unterwasserflotte beschützen könnte.
Tja dramatisch geht es also nun daran wild Buchstabenreihen in die Enigma ( Name der gaaanz tollen Decodierungsmaschine ) zu tippen.
Wie wir aber wissen hatte jedoch unser kleines Mathegenie einigen Jahren zuvor, einen Nervenzusammenbruch, der eine nicht gerade unwesentliche Rolle im Film spielen sollte. Der Grund für seinen damaligen Zustand , der während seiner Arbeit ihm wieder ins Gedächtnis gerufen wird ist ....: ja natürlich eine Frau, die Mr.Jericho verlassen und damit in den Wahnsinn getrieben hat :-)
Bei solchen Einblicken in die männliche Psyche ist es natürlich auch klar dass ein Mann Regie führte. In diesem Fall war es Michael Apted, der auch schon Macho James Bond ( \"DIE WELT IST NICHT GENUG\" ) in Szene setzte, und im Film zeitweise leider vergas dass Tom Jericho nicht 007 ist.

Aber nun zurück zu unserem \"Helden\" ? der hat die blonde Schönheit Claire Denn ( Saffron Burrows) natürlich nie vergessen, muss jedoch nach seiner Rückkehr feststellen, dass sie spurlos verschwunden ist. Mit ihrer Mitbewohnerin Hester (Kate Winslet) macht er sich auf die Suche nach seinem ?Babe?.
Diese Suche wird lebensgefährlich als sich der britische Geheimdienst in die Angelegenheit einmischt und die beiden feststellen das Clarie´s Geheimnis mit dem der Enigma zusammenhängt...
Der Film \"Enigma-Das Geheimnis\" basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Robert Harris. Man weiß nicht wirklich, ob es nun ein Spionagethriller oder eine Liebeschnulze sein soll. Ich glaube der Regisseur war sich dessen auch nicht wirklich sicher.
Außer dass ich Mick Jagger natürlich in keiner Szenen des Films habe erkennen können ( was natürlich nicht bedeutet dass ich besonders scharf darauf gewesen wäre ), ist das einzige faszinierende der GANZEN 117 Minuten der Einblick in die Arbeitsweisen der Decodierungsteams aus dem 2.Weltkrieg.
Aber auch diese Information langweilt einen schon nachdem die Kerle das dritte Mal an der Enigma rumgeschraubt hat.

Dazu muss man vielleicht wissen wie eine Enigma funktioniert ? sie sieht aus wie eine große Schreibmaschine mit einer Menge Walzen und Rädchen dran. Das System an sich ist ganz einfach., man gibt zum Beispiel ein D ein , dass von der Maschine dann als A ausgegeben wird, dieses Prinzip ist jedoch nicht vorhersehbar, je nachdem wie die \"Eingma\" eingestellt ist spuckt sie halt andere Buchstaben aus. Das Problem der Decodierer das dadurch tausend verschiedene Kombinationsmöglichkeiten entstanden, die eine richtige ( in diesem Fall eben die von den Nazis verwendete ) Kombination zu finden war das \"Geheimnis\" der Enigma, dass im Film nun gelöst werden musste.
Trotz dieser interessanten historischen Fakten schafft es der Regisseur nicht den Film spannend zu gestalten. Obwohl ich auch zugeben muss dass das Thema \"Decodieren\" an sich kein besonderer Knüller ist.
Auch der Versuch das Ganze mit einer dramatischen Liebesgeschichte aufzupeppen misslingt in meinen Augen.

Zwar hat \"Enigma\" typisch englischen Flair aber die Suche nach dem richtigen Code ist vielleicht für Mathematiker atemberaubend, ich fand es jedoch nicht wirklich umwerfend. Die Lovestory ist zwar nett gemeint, schafft es aber nicht gegen die Suche nach dem \"richtigen Code\" anzukommen, wirkt daher unausgearbeitet.

Was mir sehr gut an dem Film gefallen hat war jedoch die Musik von John Barry, sie unterstützt die Melancholie, die den Film gerade durch die herrschende Kriegsstimmung dominiert. In \"Enigma\" erlebt man keine grellen Farben und so ist es auch mit der Musik - im Gedächtnis geblieben sind mir vor allem die romantisch ruhigen Stücke.

Was mich wohl im Nachhinein vor allem an dem Film stört, ist dass er eigentlich nach einer wahren Begebenheit erzählt wird, dies aber nicht wirklich deutlich wird.
Damals hieß der \"Entschlüsselungsheld\" Alan Turing und war nach dem was ich bisher gelesen habe eine wirklich interessante Persönlichkeit, die vom dem Regisseur aber nur als Nerven.wrack mit Begabung dargestellt wird. Die Rolle die Michael Apted dem Helden des Films gibt, verkörpert Dougray Scott ( Mission Impossible 2 ) wirklich gut.
Dennoch hätte eine bessere Identifizierung mit dem Hauptträger der Story seitens des Regisseurs bestimmt auch zu einem besseren Ergebnis geführt, er hätte ja einen anderen Schauspieler aussuchen können wenn er Dougray diese charakterlichen Nuancen nicht zugetraut hätte ( ich wäre übrigens für Johnny Depp gewesen ;-)))
Überraschender Weise fand ich jedoch vor allem Kate Winslet absolut überzeugend. Sie spielte die Rolle der schüchternen Mitbewohnerin, die jedoch im richtigen Moment weiß was sie will, absolut mitreißend und verleiht dem Film somit einen Hauch von angenehmer Frische. Nix erinnert mehr an das platt stupide Wasserplanschen aus Titanictagen und hat mich davon überzeugt, dass diese Frau es drauf hat, wenn sie nur will.

Sie ist auch der Grund warum ich den Film nicht als vollkommen \"unsehenswert\" abtue. Kate und die sehr verworrenen Erzählweise (die Szenen springen in verwirrender Art und Weise zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her ) haben mich davon abgehalten geistig vollkommen abzuschalten. Zusammen mit dem überraschenden Ende und den doch sehr interessanten historischen Hintergründen ist ein netter Film entstanden den ich dennoch nicht erneut ansehen würde.

Mit den Worten von Andrew Hodges, Biograf des wirklichen Codebrechers Alan Turing, will ich somit meinen Bericht über einen mittelmäßigen Film beenden:

\"Wenn Sie einen Mathematiker erleben wollen, der auf der Flucht vor seinen Verfolgern im Auto über Landstraßen rast, dann voll bekleidet bei hohem Wellengang im Meer schwimmt und dabei seinen spionierenden Kollegen erschießt, der ein auftauchendes U-Boot erreichen will, dann sollten Sie \"Enigma\" sehen.\"

25 Bewertungen, 1 Kommentar

  • LiFo

    21.03.2009, 12:40 Uhr von LiFo
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich. Liebe Grüße, Lifo