Erbarmungslos (DVD) Testbericht

D
Erbarmungslos-dvd-western
ab 5,10
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 11/2010

5 Sterne
(4)
4 Sterne
(0)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von philippspecht

Es gibt keine zweite Chance

Pro:

Dichte, überzeugende Erzählung . Schöne Bilder .

Kontra:

Nichts

Empfehlung:

Ja

Beschreibung:
Erbarmungslos ist ein Film der oberflächlich betrachtet alle Clischees des Western erfüllt.

In der kleinen Stadt Big Wiskey im Westen der USA zerschneidet der Cowboy Quick Mike das Gesicht der Hure Delilah weil sie ihn ausgelacht hat. Der korrupte Sherif Little Bill Daggett (Gene Hackman) läßt ihn mit seinem Kumpan gegen Zahlung einiger Ponies an den geldgierigen Salonbesitzer und Zuhälter Skinny (Anthony James)entkommen. Gedemütigt beschließen die Huren unter der Führung von Strawberry Alice angeführt, Geld zu sammeln und einen Revolverhelden anzuheuern, der für Gerechtigkeit sorgen soll. Nachdem Little Bill den eintreffenden Auftragskiller English Bob (Robert Harris) besiegt und gefangen nimmt, scheint dieser Plan gescheitert.

Bald darauf trifft jedoch William Munney (Clint Eastwood), ein ehemaliger Revolverheld, mit seinem Freund Ned Logan (Morgan Freeman) und dem jungen Schofield Kid (Jaimz Woolvett). Sie erschießen die beiden Cowboys. Als der Sherif Ned Logan fängt und zu tode peitschen läßt, kommt es zum großen Showdown. William Munney tötet seinen Kontrahenten Little Bill. Er nimmt es mit mehreren Gegnern gleichzeitig auf und bestätigt die Gerüchte, dass er ein hervorragender Revolverschütze ist. Bevor er die Stadt verläßt richtet er dass Wort an die Bewohner von Big Whiskey. Er fordert alle auf, die Huren anständig zu behandeln, da er sonst zurückkehren und für Ordnung sorgen werde. William Munney verschwindet mit seinem Lohn aus Big Whiskey und wird nie mehr gesehen.

Dies alles klingt nach einer Standardgeschichte mit den gängigen Rollenverteilungen von Helden und Bösewichtern. Näher betrachtet ist Erbarmungslos jedoch das Gegenteil eines normalen Westerns (siehe Kommentar).

Kommentar: und Spoiler:
Erbarmungslos ist ein Film über Täter und Opferrollen, über Recht und Unrecht, und vor allem über Vorurteile.
Clint Eastwood arbeitet mit den gelernten Gewohnheiten der Zuschauer in Bezug auf Westernfilme. Er bedient nach und nach alle Klischees des klassischen Westernfilmes. Die anfangs sehr konventionell erscheinende Geschichte führt den Zuschauer jedoch bald in Situationen, wo die Unterscheidung in die Guten und die Bösen nicht mehr passt. Jeder trägt zur Eskalation der Gewalt bei, die den Film in einer Schießerei mit Toten und Verletzten führt.

Der Film beleuchtet dabei auch, dass jeder der Darsteller eine andere Motivation für seinen Beitrag zur Gewalt hat.
Der Cowboy Quick Mike mißhandelt die Hure aus gekränkter Eitelkeit. Strawberry Alice verhindert eine Versöhnung von Davie mit Delilah aus Rachsucht und Verbitterung. Munney hat früher im (Alkohol)rausch getötet und tut es diesmal für Geld. er rechtfertigt sich damit, seinen Kindern eine Zukunft bieten zu wollen. Der junge Schofield Kid tötet aus jugendlicher Unvernunft. Er erkennt erst nach seiner Tat, was Töten bedeutet und kommt mit seiner "Heldentat" überhaupt nicht klar. Ned Logan (Morgan Freeman) unterstützt Munney aus falsch verstandener Loyalität. Der Sherif Little Bill beugt das Recht für Ruhm und um einen Journalisten zu beeindrucken.
Entscheidend dabei ist, dass jeder in diesem Film eine feste Vorstellung von der Rolle der anderen hat. Für Little Bill und den Salonbesitzer Skinny sind die Huren eben "nur" Huren und damit rechtlos. Die Cowboys sind für sie gute, hart arbeitende Jungs, auch wenn einer offensichtlich recht gewaltbereit ist. Für Strawberry Alice ist Davie ein Mistkerl, obwohl er Delilah eine Wiedergutmachung anbietet. Für seine Mitmenschen ist William Munney kalt wie Schnee und ein gewissenloser Killer, auch wenn er seit Jahren als Farmer lebt. Der Film erzählt eine Geschichte, in der niemand eine zweite Chance bekommt. Keiner löst sich von seinem scheinbaren Recht und gesteht anderen zu, dass sie sich ändern und aus Ihrem Klische ausbrechen können, außer dem Opfer, dem Mädchen. Sie ist am wenigsten Schuld, aber auf Ihre Ansicht hört niemand mehr. Der einmal in Gang gesetzte Automatismus ist erbamungslos.

Dabei führt der Film uns vor Augen, was diese Erwartungen bedeuten und wie "erbarmungslos" wir selber sein können.
Mir selbst ging es so, dass ich die Personen im Film zunächst nach den üblichen Klischees eingeordnet habe. Der Film verleitet auch dazu. Damit wird der Zuschauer in die Geschichte einbezogen und es wird klar, dass man selbst in Bezugn auf dieses Rollendenken kaum besser ist als die Menschen im Film.

Im Grunde sind davon nur die beiden Kinder William Munneys ausgenommen. Sie vertrauen ihrem Daddy, der für Sie ein guter Mensch ist und stecken ihn nicht in eine Schublade. Interessanterweise ist nämlich Munneys Tochter die einzige im Film, die fragt ob William Munney wirklich so viele Leute erschossen hat. Für alle anderen im Film und die Zuschauer steht das außer Frage. Man kann ahnen, wieso William Munney durch seine Frau von Alkohol und Gewalt loskam. Das Verschwinden Munneys mit seinen Kindern am Ende des Filmes steht für einen Neuanfang. Nur unter Menschen, die ihm Vertrauen und seine Vergangenheit nicht kennen, kann William Munney ein neues Leben beginnen und der Legende von vergangenen Heldentaten und den damit verbundenen Erwartungen entfliehen.

Empfehlung:
Der Film bietet sowohl eine Menge Action inkl. eines Showdown im klassischen Sinne als auch sehr schöne Impressionen von Menschen und Natur. Aus meiner Sicht ist aber die dichte und psychologisch überzeugende Handlung
und die Entwicklung der Personen. Wer daran Interesse hat, bekommt mit Erbarmungslos einen Film, über den man lange Nachdenken kann.
Andererseits kann ich den Film überhaupt nicht empfehlen, wenn man einfach einen normalen Western zur einfachen Unterhaltung möchte. Dafür steht die innere Handlung zu häufig im Vordergrund.

USA 1992
131 Minuten
Regie: Clint Eastwood
FSK: 16 J
Oscars:
Bester Film,
Beste Regie (Clint Eastwood)
Bester Nebendarsteller (Gene Hackman)
Bester Schnitt

25 Bewertungen, 15 Kommentare

  • tanja2003

    20.08.2006, 19:56 Uhr von tanja2003
    Bewertung: sehr hilfreich

    ~~~ sh ~~~

  • anonym

    07.05.2006, 13:40 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh :o)

  • anonym

    02.05.2006, 00:40 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    <<* SH *>> <br/> LG, Manuela :o))

  • Venezianerin_2005

    29.04.2006, 17:11 Uhr von Venezianerin_2005
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Filmbericht. <br/>SH + LG <br/>Ina

  • bubbelchen05

    18.02.2006, 18:49 Uhr von bubbelchen05
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH <br/>Liebe Grüße <br/>Marina

  • mausi4

    08.02.2006, 19:23 Uhr von mausi4
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg...freu mich über Gegenlesungen!

  • t_durden

    01.02.2006, 15:19 Uhr von t_durden
    Bewertung: sehr hilfreich

    toller bericht *lg rene

  • anonym

    31.01.2006, 14:16 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Auch ein sehr schöner und nützlicher Bericht .

  • Connector

    30.01.2006, 13:27 Uhr von Connector
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich

  • Lidlefood

    29.01.2006, 17:31 Uhr von Lidlefood
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich

  • tobbbbi

    29.01.2006, 12:40 Uhr von tobbbbi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Guter Bericht. Gefällt mir! Über Gegenlesungen würde ich mich immer freuen. LG Tobias

  • Damk1x

    29.01.2006, 12:16 Uhr von Damk1x
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh by Damk1x

  • morla

    29.01.2006, 11:27 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich

  • anonym

    29.01.2006, 09:47 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    ***SH und LG***

  • sindimindi

    29.01.2006, 09:00 Uhr von sindimindi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gut geschriebene Filmbesprechung! <br/>RS