Erkan & Stefan (VHS) Testbericht

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Erfahrungsbericht von suppengirl

Alles roger in Kambodscha?

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Bevor ich zum Film selbst schreibe, möchte ich euch heute mit einer "kleinen" Vorgeschichte belästigen. Sollte euch diese nicht interessieren, überspringt einfach die nächsten paar Absätze! Ihr wisst ja, im Kurzfassen ist euer Suppengirl nicht besonders talentiert!

Das erste Mal kam ich mit Erkan und Stefan bei der "Bullyparade" in Berührung, wo sie vor einigen Jahren ein paar Gastauftritte hatten. Und ich war alles andere als begeistert. Diese beiden krassen Abchecker mit ihrer bescheuerten Sprache (Und das Schlimme ist ja, junge Leute sprechen heute tatsächlich so! Aber das ist ein anderes Thema.) kamen mir einfach zu amateurhaft daher. Die Witze waren nicht besonders lustig, die Pointen als solche nicht zu erkennen und die beiden Comedians hatten kein Charisma.

Das ist mittlerweile sicher drei Jahre her. Seither habe ich sie oft im Radio gehört (auf Bayern 3 werden in unregelmäßigen Abständen "Audio-Sketche" der beiden gesendet), anfangs habe ich wohlwollend weg gehört, doch nach und nach wurde aus dem Weg- ein Zuhören. Und nach und nach wurde aus dem analytisch-kritischen Kopfschütteln meinerseits eines, das mehr und mehr von einem Lächeln und mit der Zeit gar von vereinzeltem Lachen aufgehellt wurde.

Heute freue ich mich richtig, wenn ich zufällig das Radio dann laufen habe, wenn Erkan und Stefan ihre neuesten Erkenntnisse zu den Themen Friseurbesuch, Fitnessstudio oder Funkanlagen zum Besten geben (dass alle diese Beispiele mit "F" beginnen, ist eigentlich ein Zufall, ihr dürft es aber gerne als beabsichtigte und literarisch höchst wertvolle Alliteration betrachten ;o)). Sicher gibt es auch schwächere Folgen, aber im Großen und Ganzen habe ich die Beiden richtig lieb gewonnen. Woran es liegt, dass sich meine Einstellung so geändert hat, kann ich nicht sagen, vielleicht muss man sich erst an Erkan und Stefan gewöhnen, um sie zu mögen. Auf alle Fälle aber sind sie auch besser geworden, Routine und Erfahrung haben ihnen wohl nicht geschadet. Sie wirken auf mich nicht mehr wie Amateure, ihre Sprache nicht mehr aufgesetzt. Nein, sie scheinen ihre Rollen derart verinnerlicht zu haben, dass man sich mittlerweile einfach nicht mehr vorstellen kann, dass Erkan Maria Mosleitner (der heißt wirklich so!!!) und Stefan Lust im "realen" Leben zwei ganz normale durchaus gebildete Studenten sind. Ich weiß allerdings nicht, ob sie tatsächlich noch studieren oder mittlerweile doch Profi-Comedians sind; Geld verdienen tun sie sicherlich genug damit!

Obwohl ich wie gesagt ein kleiner (ein gaaanz kleiner ;o)) Fan von Erkan und Stefan bin, war ich entsetzt, als ich hörte, es solle einen Kino-Film mit den beiden geben. Oh mein Gott, wieder ein zum Flop vorbestimmter Versuch zweier Comedians, die meinen, sie hätten genug Ausstrahlung und Klasse, um eine ganze Kinoleinwand neunzig Minuten auszufüllen, ohne damit das Publikum zu langweilen. Daran sind schon wesentlich renommiertere Kollegen gescheitert. Für mich stand außer Frage, dass ich mir den Kino-Eintritt sicher sparen würde.

Als der Film schließlich anlief, erlebte ich einige Überraschungen. Erst einmal stieß ich auf Kritiken (wie zum Beispiel auch in der meist verlässlichen Cinema), die mehr als nur wohl wollend waren. Regelrechte Lobeshymnen konnten meine mehr und mehr an ihrer Sehkraft zweifelnden Augen erspähen! Und auch Freunde, die sich den Film im Kino ansahen, waren durchwegs positiv überrascht, manche geradezu begeistert. Naja, ich hatte trotzdem noch ziemliche Zweifel, erinnerte mich an den Reinfall "Bean - Der Film", von dem ich im Vorfeld ebenfalls nichts Negatives gehört hatte und der mich im Kino kein einziges Mal wirklich zum Lachen brachte. Humor ist nun einmal Geschmackssache, mehr noch als Musik oder Essen, denn man kann nicht rational erklären, warum man manches lustig findet, anderes wieder nicht. Dann hörte ich auch noch, dass der von mir angebetete Michael "Bully" Herbig Regie geführt hatte (warum hatte mir das auch vorher keiner gesagt?), trotzdem hat auch das mich nicht wirklich überzeugt. "Bully" ist im Sketch-Format unschlagbar, aber ein ganzer Kinofilm, na ja ich weiß nicht. Aber ich war zumindest neugierig und beschloss mit einigen Freunden, dass wir, sobald "Erkan und Stefan" als Video erhältlich wäre, einen Videoabend veranstalten würden, um ihn ultimativ zu testen. Und gestern war es soweit und somit komme ich endlich zum Film.


Inhalt
*****

Erkan (Erkan Maria Mosleitner) und Stefan (Stefan Lust) sind zwei "krasse" Typen, die den ganzen Tag in München rumhängen, dann und wann mal ein Bunny abchecken und einen auf konkret cool machen. Ach wie gerne wären sie böse Jungs (Michael Jackson lässt grüßen!), aber irgendwie nimmt sie keiner Ernst (mit Recht!) und so fliehen sie statt vor der Polizei meist nur vor Stefans Mama (die überraschenderweise ganz normales Bayerisch spricht!). Und sie träumen von ihrer nonexistenten Traumfrau...

Doch bald soll sich alles ändern.

In Hamburg gelangt ein großer Pressefritze in den Besitz eines brisanten Tonbands, auf dem die letzten Minuten im Leben des Uwe Barschel fest gehalten sind. Bevor er dies jedoch der versammelten Presselandschaft vorführen kann, nimmt seine Tochter Nina (Alexandra Neldel, glücklich der Serie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" entronnen!) das Band versehentlich mit, als sie nach München fliegt, um ihre kranke Mutter zu besuchen. Papa bemerkt das Malheur. Da sowohl BND als auch CIA hinter dem Band her sind, veranlasst er, dass Nina in München von Bodyguards empfangen wird. Dummerweise fallen Papa und sein Mitarbeiter in die Hände des BND, der sicher stellt, dass die angeforderten Bodyguards die letzten Idioten von der Straße sind.

Tja, Zufälle gibts: Erkan und Stefan bekommen den Job und holen "Ninja" vom Flughafen ab. Und nun beginnt eine aberwitzige Verfolgungsjagd durch die ganze Isarmetropole, durch Museen, durch die Küche von Mama Lust und zuletzt durch die amerikanische Botschaft. Immer bleibt die Frage: Wo ist das Tonband?, denn das wechselt natürlich mehrfach den Besitzer. Problematisiert wird die verworrene Situation dadurch, dass sich sowohl Erkan als auch Stefan - trotz gegenteiliger Bodyguard-Schwüre - in die "Ninja"-Braut "reinverlieben tun", und ihre Freundschaft deshalb herbe Rückschläge einstecken muss...


Umsetzung
*********

Ob man mit der Art von Erkan und Stefan viel anfangen kann, ist und bleibt Geschmackssache. Grundsätzlich ist der Film aber gut gemacht, neben vielen komischen Elementen, erzeugt er durchaus auch Spannung und kleine und große politische Spitzen verleihen der Story auch noch eine gewisse Würze. Kameraeinstellungen und Bildzusammenschnitte lassen dem geübten "Bullyparade"-Auge auch erkennen, wer bei diesem Film das Sagen hatte, nämlich Michael "Bully" Herbig, der seine Sache wirklich ganz gut gemacht hat. (Und ich verneige mich noch mehr vor ihm!)


Darsteller
********

Über die beiden Titelhelden ist eigentlich schon genug geschrieben, besonders viel schauspielischeres Talent mussten sie für diesen Film nicht mehr mitbringen, denn wie gesagt, scheinen sie die Rollen der vertrottelten Loser schon mehr als einverleibt zu haben. Dramtisches Talent fehlt ihnen vollends (was vor allem bei der Szene auf dem Hochhaus deutlich wird), aber das will doch hier auch keiner sehen.

Alexandra Neldel hat noch einen langen Weg vor sich, wenn sie wirklich einmal so etwas wie eine klassische Schauspielerin werden will, aber gemessen an den übrigen Pappnasen, die den Daily Soaps bisher entstiegen sind, wirkt sie schon jetzt wie Katherine Hepburn. "Bang Boom Bang" und "Erkan und Stefan" zeigen jedenfalls, dass sie über ein gewisses Potenzial verfügt, auch wenn ihr und ihrem Publikum sicher klar ist, dass sie an diese Rollen nur wegen ihres Aussehens gekommen ist.

Die Besetzungsliste wartet gar mit ein paar renommierten deutschen Seriendarstellern auf (wie Manfred Zapatka oder Charles Huber), aber besonders gefreut hat mich natürlich noch ein bekanntes Gesicht: Christian Tramitz (der "Ranger" in "Der Schuh des Manitu") in einer Nebenrolle als BND-Mitarbeiter.


Regisseur
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Obwohl ich auch zu ihm schon ein paar Takte geschrieben habe, sei noch einmal gesagt, dass Michael Herbig sein Debut wirklich mehr als nur zufrieden stellend gemeistert hat. Meines Wissens hat er den Film auch mitproduziert und das ist gut so (;o)), denn auf diese Weise konnte ihm wohl keiner vorschreiben, wie er das Drehbuch umzusetzen hat. Wer also die Art von Humor (auch optisch!) der "Bullyparade" mag, der dürfte von "Erkan und Stefan" nicht enttäuscht werden. Wenn doch: Tja, Humor ist eben Geschmackssache.


Fazit
****

Mit größeren Vorbehalten als ich kann man an einen Film kaum heran gehen. Umso größer die Leistung der gesamten Crew, dass sie es geschafft hat, mich eines Besseren zu belehren. "Erkan und Stefan" gehört sicher nicht zu den zehn, wahrscheinlich nicht zu den hundert besten Filmen, die ich je gesehen habe. Aber es handelt sich um einen Streifen, der genau das tut, was er sich wohl vorgenommen hat: Er unterhält. Dies passiert mit mitunter ziemlich doofen Sprüchen, aber meist auch mit überraschendem Wortwitz, mit "krasser" Mimik und mit interessanter Bildführung. Zudem ist die Story zwar nicht besonders vielschichtig und intellektuell fordernd, aber doch spannend. Und es sei noch einmal gesagt: Humor ist Geschmackssache, wenn jemand über die Beiden nicht lachen kann, dann kann man ihm keinen Vorwurf daraus machen. Wenn er sie aber witzig findet, dann garantiert "Erkan und Stefan" einen äußerst kurzweiligen und amüsanten Filmabend.

34 Bewertungen, 6 Kommentare

  • Finron

    07.06.2002, 00:24 Uhr von Finron
    Bewertung: sehr hilfreich

    Alles cool in Kabul? Alles brontal im Senegal? Mordsfetter Bericht!

  • Urquhart

    01.05.2002, 01:36 Uhr von Urquhart
    Bewertung: sehr hilfreich

    Der Film war für mich ein Graus, dafür dein Beitrag umso besser....

  • Herzkine

    13.04.2002, 19:34 Uhr von Herzkine
    Bewertung: sehr hilfreich

    Also so für zwischendurch nicht schlecht der Film, aber man muss schon genau dosieren bei solchen Dummheiten.

  • MaxTheCB

    13.04.2002, 16:52 Uhr von MaxTheCB
    Bewertung: sehr hilfreich

    Nun ja, sehr flache Comedy, und die eh schon so schlechten Schüler lernen noch mehr Mist !

  • Olli201

    13.04.2002, 16:44 Uhr von Olli201
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich kann über deren Humor nicht lachen.

  • unauffaellig007

    13.04.2002, 16:37 Uhr von unauffaellig007
    Bewertung: sehr hilfreich

    Live sind die der Hammer