Ernst sein ist alles (VHS) Testbericht

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Erfahrungsbericht von mima007

Zwei Hallodris auf dem Lande: Heirat, ja bitte!

Pro:

unterhaltsam, witzig, gute Darsteller & Musical-Inszenierung, sehr gutes Bonusmaterial

Kontra:

kaum Action, sehr viel Gerede, keine Extras auf der Leihversion

Empfehlung:

Ja

Der Untertitel sagt schon alles: \"Alle lieben Ernst, wer auch immer er ist.\" Zwei Hallodris der englischen Oberklasse haben sich in zwei relativ unschuldige Damen verliebt, doch als eine echte Lady von altem Schrot und Korn (gespielt von Judi Dench) auftaucht, drohen ihre Lügen aufzufliegen und sie um alle Blütenträume zu bringen.

Filminfos
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O-Titel: The Importance of Being Earnest (GB 2002)
DVD-Erscheinungstermin: 6. August 2003 (ASIN: B000067FZ0)
FSK: ohne Einschränkung
Länge: ca. 97 Min.
Regisseur: Oliver Parker
Drehbuch: Oliver Parker nach dem Bühnenstück v. Oscar Wilde
Musik: Charlie Mole
Darsteller: Judi Dench, Reese Witherspoon, Colin Firth, Rupert Everett, Frances O\'Connor u.a.

Handlung
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Jack Worthing (Colin Firth) und sein bester Freund Algy Moncrieff (\'Algy\' ist die Kurzform von \'Algernon\'; Rupert Everett) sind Freunde und führen beide unter falschem Namen ein Doppelleben, wenn das eigene zur Last wird - vor allem in finanzieller Hinsicht. Jack lebt auf dem Lande und Algy in London, doch das ist nur ein Unterschied von vielen. Als der Dandy Algy auf der Flucht vor seinen Gläubigern bei Jack in dessen Herrenhaus auftaucht, wird die Lage kritisch.

Die praktische Notlüge wird zum Problem, als sich Jack in Algys Cousine Gwendolen Fairfax (Frances O\'Connor) und Algy sich in Jacks Mündel Cecily Cardew (Reese Witherspoon) verliebt. Denn die ahnungslosen Frauen kennen ihre Verehrer nur als \"Ernst\" und reagieren bockig, als die Wahrheit und einige Enthüllungen mehr ans Licht kommen.

Auf Jacks Landsitz ereignen sich etliche Konfrontationen, und nicht die geringste davon ist jene zwischen Jack und seiner Tante, die höchst eindrucksvoll und bedrohlich von Dame Judi Dench gespielt wird. Jack sollte sich ins Zeug legen, will er noch seine Liebe zu Gwendolen retten.

Die DVD
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Technische Infos

- Sprachen: Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0) Englisch (Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0)
- Bildformat: 2.35:1
- Tonformate: Dt. in DTS und DD 5.1/2.0, Engl. in DD 5.1/2.0 (dt. Untertitel nicht ausblendbar)
- Sprachen: D, GB
- Untertitel: Dt. (\"Aus lizenzrechtlichen Gründen sind die deutschen Untertitel nicht ausblendbar\"

Extras:

- Audiokommentar von Regisseur Oliver Parker (englisch ohne Untertitel)
- Making Of (englisch mit deutschen Untertiteln)
- Behind-the Scenes-Featurette (englisch ohne Untertitel)
- Produktionsnotizen
- Fotogalerie
- Informationen zu Cast & Crew
- Deutscher Kinotrailer
- Trailer weiterer Filme auf DVD-Rom-Applikation

Mein Eindruck
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Oliver Parker hatte mit \"Ein perfekter Ehemann\" bereits eine Oscar-Wilde-Komödie verfilmt, sich allerdings ganz dem Stück untergeordnet. Hier nun aber ahmt er den Stil von Baz Luhrmann nach und nimmt sich allerlei Freiheiten heraus: Statt Shakespeare bekommt wir ein Musical in modernem Gewand. Wir bekommen Verfolgungsjagden, Jazz aus den Goldenen Zwanzigern und sogar Tätowierungen vorgesetzt. Cecilys allerliebste Traumfantasie-Szenen, in denen ein Ritter in schimmernder Rüstung zu ihrer Rettung erscheint, sind höchst ironische Parodien auf die viktorianischen Präraffaeliten mit ihrer Mittelalter-Begeisterung. Dass Cecily ein Poesiealbum mit tausend Bildern darin führt, passt wie angegossen.

Die Komödie scheint sich zunehmend in Irrungen und Wirrungen zu verlieren und wirkt wie ein luftiges Nichts, doch darum geht es nicht. Schein und Sein sind keine Sache von Tod oder Leben, allenfalls von Reich oder Arm. Allein schon der Umstand, dass die beiden Angebeteten meinen, nur einen Mann lieben zu können, der Ernst heißt, führt die absurden Vorlieben weltfremder Ladies vor Augen. Dass ihre zwei Verehrer Hallodris mit Geldproblemen sind, hilft ihnen auch nicht weiter.

Oliver Parker treibt die Albernheiten der englischen Salonkomödie auf die Spitze, um den Zuschauer mit geschliffenen Dialogen unterhalten zu können. Dass der Sprachwitz dabei in der deutschen Übersetzung mitunter auf der Strecke bleibt, ist leider eine traurige Tatsache. Am besten schaut man sich daher die Originalfassung an, bei der man automatisch die deutschen Untertitel mitgeliefert bekommt - sie sind nicht ausblendbar.

Rupert Everett ist der geborene Wilde-Schauspieler, quasi die Reinkarnation des ewigen Dandys: Er schert sich einen Teufel um Konventionen wie Wahrheit, Ehrlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und ähnlichen Unsinn, bringt aber der (relativ) unschuldigen Cecily aufrichtiges Interesse entgegen (vielleicht wegen ihrer Mitgift?).

Colin Firth, der Jack Worthing spielt, kennt man bereits aus \"Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück\" und wirkt in seiner stets leicht verunsicherten Art nicht sonderlich vertrauenerweckend. Frances O\'Connor füllt die Rolle der tätowierten Gwendolen so gut aus, dass sie kaum auffällt, doch Witherspoons Cecily ist allerliebst und die klassische Alice-im-Wunderland-Figur. Leider wird sie gegen Schluss von Gwendolen bevormundet und überschattet.

Eine der schönsten Szenen ist jene, in der die zwei Verehrer ihren Angebeteten ein Jazz-Ständchen darbringen: im Treppenhaus. Oben auf der Treppe erwägen die Damen die Vor- und Nachteile der beiden und ob sie sich herablassen sollen, ihnen ihre Hand zu gewähren. Das ist Musical pur und überzeugt voll und ganz.

Die DVD

In der Special Edition Fassung ist die DVD durchaus einen Kauf wert, in der Normalversion, die man in den Videotheken findet, jedoch nicht. Der Unterschied liegt im Bonusmaterial.

Der Audiokommentar von Regisseur Oliver Parker, das Making-Of, die Behind-the Scenes-Featurette, die Produktionsnotizen und die Fotogalerie sowie die Informationen zu Cast & Crew liefern zahlreiche Hintergrundinformationen zu der Produktion des Films und zu seinen Mitwirkenden. Der Umfang dieses Materials ist ungewöhnlich und rechtfertigt den Kauf.

Unterm Strich
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\"Ernst sein ist alles\" ist eine heitere Adaption einer viktorianischen Komödie und spricht schon aufgrunddessen vor allem Komödien-, Theater- und Musicalliebhaber an. Die FSK-Freigabe ohne Einschränkung lässt schon ahnen, dass es hier - außer in versteckten Andeutungen im Dialog - recht züchtig und wohlanständig zugeht. Hier heißt es also: Ohren spitzen und möglichst die Originalfassung sehen! Da aber die Dialoge recht schnell gesprochen werden, damit sie funktionieren können, sollte man den Film am besten mehrmals ansehen, damit man die Feinheiten entdeckt.

Das Bonusmaterial ist ungewöhnlich umfangreich und lohnt den Kauf für den Liebhaber gut ausgestatteter DVDs. Die technische Umsetzung reicht aber nicht an Baz Luhrmanns Musical-DVD \"Moulin Rouge\" heran.

Fazit: vier von fünf Sternen

Michael Matzer (c) 2003ff

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