Ernst sein ist alles (VHS) Testbericht
ab 13,86 €
Billiger bei eBay?
Bei Amazon bestellen
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
Erfahrungsbericht von 0-8-15
Vom Un-"Ernst" des Lebens
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Ja, ich muss es ehrlich zugeben, ich bin ein riesiger Fan von Oscar Wilde. Kaum jemand bringt Sozialkritik und schwarzen Humor so faszinierend an sein Publikum, wie der Engländer Wilde. Und da seine Werke zeitlos sind, lebt sein „Ruhm“ nun schon seit einigen Jahren und es ist noch kein Ende in Sicht. Leider war die damalige englische Gesellschaft nicht allzu offen für Kritik und Satire, ebenso wenig wie für Homosexualität, weswegen Wilde damals auch der Prozess gemacht wurde. Doch nun werden wir ernst…
Schon vom Buch in der Orginalsprache war ich hingerissen, aber auch die deutsche Filmversion von Wildes „The Importance of Being Earnest“ („Wie wichtig es ist ernst zu sein“) ist auf alle Fälle ein ganz besonderes Vergnügen.
*****************************************
Worum geht es denn eigentlich?
*****************************************
Schauplatz ist England um 1900. Jack Worthing (Colin Firth) ist ein wohlhabender Mann, der mit seinem Mündel Cecily (Reese Witherspoon) auf einem Landsitz lebt. Um der dortigen Einöde zu entfliehen und gelegentlich die „Sau rauszulassen“ erfindet er seinen Bruder Ernst, der in der Stadt lebt und dort ständig von einem Problem ins nächste schliddert. So muss er ihn oft besuchen und unter die Arme greifen, in Wahrheit aber treibt er sich unter dem Namen seines imaginären Bruders in der Londoner Society herum und umgibt sich dort unter anderem mit Algy (Rupert Everett). Dieser ist ein richtiger Lebemann. Er hat eigentlich kein Geld um seine Diener zu bezahlen, wird auch schon von Gläubigern verfolgt, scheut aber trotzdem keine Clubs und Restaurants und lässt es sich auch sonst richtig gut gehen. Um seiner Tante, der Lady Bracknell, zu entkommen hat er, ähnlich wie Jack, das Bunburrying erfunden, einen nicht-existenten Freund namens Bunburry, der bedingt durch seine labile Gesundheit ständiger Besuche von Seiten Algys bedarf.
Wie es so kommt verliebt sich Jack alias Ernst in Algys Cousine Gwendolyn (Frances O’Connor), die ihrerseits von dem Namen Ernst so eingenommen ist, dass sie sich entschließen zu heiraten, was durch Lady Bracknell vorerst verhindert wird. Also reist er wieder aufs Land, wo er bereits von seinem Bruder Ernst erwartet wird. Wie, den gibt es gar nicht? Das dachte Jack auch, aber als er plötzlich Algy vor sich sieht, der sich als Ernst ausgibt, muss er das Spiel wohl mitspielen. Um das Fass voll zu machen verspricht sich sein Mündel Cecily, wie auch Gwendolyn, dem Namen Ernst und somit Algy. Als es dann Gwendolyn aber vor Liebe nicht mehr in der Stadt aushält und zu Ernst aufs Land fährt ist natürlich der Ärger (und der Spaß) vorprogrammiert.
So, und wer das alles auf Anhieb verstanden hat, der soll sich bitte melden. Konfusität ist nur ein Grund, warum man von dem Film so gefesselt wird. So verworren die Story auch sein mag, so schön und geschickt ist sie auch in Szene gesetzt. Flache Witze wird man hier lange suchen müssen, der Film sprüht eher vor Zwischen-den-Zeilen-Komik und Böswitz.
*****************************************
Wollen wir nun noch den Titel näher betrachten:
*****************************************
„Wie wichtig es ist ernst zu sein“ hat natürlich eine ganz offensichtliche Bedeutung, nämlich den Ernst als Charakterzug, bzw. als Verhaltensweise. Dies wird in dem Film eher von der anderen Seite betrachtet, man sieht eigentlich nur was passiert, wenn man eben nicht ernst sein kann.
Weiterhin deutet der Titel bereits darauf hin, dass es besonders wichtig ist Ernst zu sein, also „Ernst“ zu heißen. Beide weiblichen Hauptfiguren scheinen nur zur Liebe fähig, wenn das Objekt ihrer Begierde „Ernst“ heißt. Also auch hier wieder eine abstruse Komik ohne gleichen, typisch Wilde eben.
Die dritte und nicht so ganz offensichtliche Bedeutung geht aus Wildes Homosexualität hervor. Ernst, in der Originalsprache „Earnest“, ist wohl mit dem deutschen „Detlef“ vergleichbar (ich möchte wirklich niemandem zu nahe treten!), also eine Art „Synonym-Name“ für einen homosexuellen Menschen. Die Hauptfiguren aber geben hier zu weiteren Spekulationen keinerlei Anlass. Wer mehr Hinweise auf Wildes sexuelle Ausrichtung sucht, der sollte sich mit seinem Skandal-Werk „Das Bildnis des Dorian Gray“ auseinandersetzen.
*****************************************
Und warum ist es nun so wichtig ernst zu sein?
*****************************************
Zum Glück ist der Film nicht wirklich ernst. Er verdeutlicht nur was alles so passieren kann, wenn man nicht ernst ist. Die einzig ernste ist eigentlich Lady Bracknell, aber auch diese wird zum Ende hin zu einem Schmunzeln angeregt, warum wird nicht verraten. Glücklicherweise ist es dem Publikum nahezu durchgehend vergönnt zumindest zu lächeln.
Tja irgendwie hab ich aber die wirklich beabsichtigte Botschaft Wildes nicht gefunden, vielleicht gab es auch gar keine Moral, sicher ist, dass er es wieder mit ein paar Seitenhieben auf die Gesellschaft abgesehen hat, aber im Großen und Ganzen ist es wohl doch einfach eine Komödie mit viel und gutem Witz, der schon auch mal ein wenig schwarz sein darf.
Die filmische Umsetzung hat mich überzeugt. Sie ist solide, aber nicht spektakulär, ausgereift, aber nicht übertrieben. Ich finde sie genau richtig, da man in der Handlung nicht von filmischen Highlights abgelenkt wird. Sie passt einfach genauso ins Bild wie die Schauspieler, die hier ausgewählt wurden. Also hier ein Lob an den Regisseur und Drehbuchautor Oliver Parker.
*****************************************
Nun noch ein zwei Worte zum Schluss
*****************************************
Ich glaube, meine Begeisterung ist ganz gut rübergekommen, auch wenn sie sich hauptsächlich auf das englische Buch bezieht. In der Übersetzung gehen halt doch immer ein paar kleine Witze und Wortspielchen verloren, und gerade diese sind es, die Wildes eigentliche Genialität erstrahlen lassen. Aber auch in dem übersetzten Kinofilm ist noch genug Witz übrig um sich einen heitern Abend zu machen. Also, auf auf ins Kino mit euch!
*****************************************
*****************************************
Offizielle Homepage: http://www.miramax.com/theimportanceofbeingearnest/index.html
*****************************************
*****************************************
Gruß 0-8-15
Schon vom Buch in der Orginalsprache war ich hingerissen, aber auch die deutsche Filmversion von Wildes „The Importance of Being Earnest“ („Wie wichtig es ist ernst zu sein“) ist auf alle Fälle ein ganz besonderes Vergnügen.
*****************************************
Worum geht es denn eigentlich?
*****************************************
Schauplatz ist England um 1900. Jack Worthing (Colin Firth) ist ein wohlhabender Mann, der mit seinem Mündel Cecily (Reese Witherspoon) auf einem Landsitz lebt. Um der dortigen Einöde zu entfliehen und gelegentlich die „Sau rauszulassen“ erfindet er seinen Bruder Ernst, der in der Stadt lebt und dort ständig von einem Problem ins nächste schliddert. So muss er ihn oft besuchen und unter die Arme greifen, in Wahrheit aber treibt er sich unter dem Namen seines imaginären Bruders in der Londoner Society herum und umgibt sich dort unter anderem mit Algy (Rupert Everett). Dieser ist ein richtiger Lebemann. Er hat eigentlich kein Geld um seine Diener zu bezahlen, wird auch schon von Gläubigern verfolgt, scheut aber trotzdem keine Clubs und Restaurants und lässt es sich auch sonst richtig gut gehen. Um seiner Tante, der Lady Bracknell, zu entkommen hat er, ähnlich wie Jack, das Bunburrying erfunden, einen nicht-existenten Freund namens Bunburry, der bedingt durch seine labile Gesundheit ständiger Besuche von Seiten Algys bedarf.
Wie es so kommt verliebt sich Jack alias Ernst in Algys Cousine Gwendolyn (Frances O’Connor), die ihrerseits von dem Namen Ernst so eingenommen ist, dass sie sich entschließen zu heiraten, was durch Lady Bracknell vorerst verhindert wird. Also reist er wieder aufs Land, wo er bereits von seinem Bruder Ernst erwartet wird. Wie, den gibt es gar nicht? Das dachte Jack auch, aber als er plötzlich Algy vor sich sieht, der sich als Ernst ausgibt, muss er das Spiel wohl mitspielen. Um das Fass voll zu machen verspricht sich sein Mündel Cecily, wie auch Gwendolyn, dem Namen Ernst und somit Algy. Als es dann Gwendolyn aber vor Liebe nicht mehr in der Stadt aushält und zu Ernst aufs Land fährt ist natürlich der Ärger (und der Spaß) vorprogrammiert.
So, und wer das alles auf Anhieb verstanden hat, der soll sich bitte melden. Konfusität ist nur ein Grund, warum man von dem Film so gefesselt wird. So verworren die Story auch sein mag, so schön und geschickt ist sie auch in Szene gesetzt. Flache Witze wird man hier lange suchen müssen, der Film sprüht eher vor Zwischen-den-Zeilen-Komik und Böswitz.
*****************************************
Wollen wir nun noch den Titel näher betrachten:
*****************************************
„Wie wichtig es ist ernst zu sein“ hat natürlich eine ganz offensichtliche Bedeutung, nämlich den Ernst als Charakterzug, bzw. als Verhaltensweise. Dies wird in dem Film eher von der anderen Seite betrachtet, man sieht eigentlich nur was passiert, wenn man eben nicht ernst sein kann.
Weiterhin deutet der Titel bereits darauf hin, dass es besonders wichtig ist Ernst zu sein, also „Ernst“ zu heißen. Beide weiblichen Hauptfiguren scheinen nur zur Liebe fähig, wenn das Objekt ihrer Begierde „Ernst“ heißt. Also auch hier wieder eine abstruse Komik ohne gleichen, typisch Wilde eben.
Die dritte und nicht so ganz offensichtliche Bedeutung geht aus Wildes Homosexualität hervor. Ernst, in der Originalsprache „Earnest“, ist wohl mit dem deutschen „Detlef“ vergleichbar (ich möchte wirklich niemandem zu nahe treten!), also eine Art „Synonym-Name“ für einen homosexuellen Menschen. Die Hauptfiguren aber geben hier zu weiteren Spekulationen keinerlei Anlass. Wer mehr Hinweise auf Wildes sexuelle Ausrichtung sucht, der sollte sich mit seinem Skandal-Werk „Das Bildnis des Dorian Gray“ auseinandersetzen.
*****************************************
Und warum ist es nun so wichtig ernst zu sein?
*****************************************
Zum Glück ist der Film nicht wirklich ernst. Er verdeutlicht nur was alles so passieren kann, wenn man nicht ernst ist. Die einzig ernste ist eigentlich Lady Bracknell, aber auch diese wird zum Ende hin zu einem Schmunzeln angeregt, warum wird nicht verraten. Glücklicherweise ist es dem Publikum nahezu durchgehend vergönnt zumindest zu lächeln.
Tja irgendwie hab ich aber die wirklich beabsichtigte Botschaft Wildes nicht gefunden, vielleicht gab es auch gar keine Moral, sicher ist, dass er es wieder mit ein paar Seitenhieben auf die Gesellschaft abgesehen hat, aber im Großen und Ganzen ist es wohl doch einfach eine Komödie mit viel und gutem Witz, der schon auch mal ein wenig schwarz sein darf.
Die filmische Umsetzung hat mich überzeugt. Sie ist solide, aber nicht spektakulär, ausgereift, aber nicht übertrieben. Ich finde sie genau richtig, da man in der Handlung nicht von filmischen Highlights abgelenkt wird. Sie passt einfach genauso ins Bild wie die Schauspieler, die hier ausgewählt wurden. Also hier ein Lob an den Regisseur und Drehbuchautor Oliver Parker.
*****************************************
Nun noch ein zwei Worte zum Schluss
*****************************************
Ich glaube, meine Begeisterung ist ganz gut rübergekommen, auch wenn sie sich hauptsächlich auf das englische Buch bezieht. In der Übersetzung gehen halt doch immer ein paar kleine Witze und Wortspielchen verloren, und gerade diese sind es, die Wildes eigentliche Genialität erstrahlen lassen. Aber auch in dem übersetzten Kinofilm ist noch genug Witz übrig um sich einen heitern Abend zu machen. Also, auf auf ins Kino mit euch!
*****************************************
*****************************************
Offizielle Homepage: http://www.miramax.com/theimportanceofbeingearnest/index.html
*****************************************
*****************************************
Gruß 0-8-15
Bewerten / Kommentar schreiben