Fickende Fische (DVD) Testbericht

Fickende-fische-dvd-drama
ab 5,18
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Erfahrungsbericht von LilithIbi

„Der Held stirbt und das Stück ist vorbei.“ oder: „Infantil“.

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Mehr aus Zufall wurde ich auf den 103Minuten umfassenden Film

===“Fickende Fische“=== aufmerksam, der sich mit dem Thema „HIV und Jugendliebe“ auseinandersetzen sollte. Alles, was ich zuvor las, berichtete dahingehend, dass es sich hier um einen überaus bewegenden, treffsicheren Film handeln würde, der keineswegs oberflächlich agieren und nicht zuletzt das Prädikat „besonders wertvoll“ tragen würde.

Letzteres mag zwar vom Grunde an stimmen ~ doch meine Meinung zum Gesehenen gestaltet sich in der Tat ein wenig konträr vom vorgenannten.

Hauptproblem hierfür mag sein, dass mir Jan (Tino Mewes) als Hauptfigur schon recht früh beginnt, mir persönlich leicht auf die Nerven zu gehen. Seine überaus verträumte Art, mit der er nicht zuletzt immer wieder in eine Unterwassertraumwelt abdriftet, passt meiner Meinung so gar nicht zu einem Film, der versucht, vollkommen ernst genommen zu werden, während ich darüber hinaus insbesondere damit hadere, wie unreif Jan generell a- wie auch reagiert. Erst durch Sichtung des Interviews inmitten des Bonusmaterials tut sich der Umstand auf, dass der filmische Jan bereits 16 Jahre sein soll ~ seine stoische Art hingegen, an einer Kinderzimmereinrichtung festzuhalten, generell irgendwie „hinterher“ hinkt.... für mich erschafft solcherlei weder ein rundes Bild, noch halte ich es für sonderlich glaubhaft, dass Jan Dank seiner frühen HIV-Infektion nicht vielmehr hätte erwachsener, reifer, ernsthafter durchs Leben schreiten müsste.

Hinzu gesellt sich der Aspekt, dass Jan seiner 15jährigen Zufallsbekannten Nina (Sophie Rogall) gegenüber äußert, schon mit 7 Jahren Suizidversuche unternommen zu haben; nicht zuletzt weisen die Sinnsprüche auf der Zimmerwand ebenfalls auf einen reiferen Geist hin.

Generell habe ich gegen solche Traumfluchten nichts einzuwenden, wie sie in _„Fickende Fische“_ zuhauf dargeboten werden ~ doch in diesem Fall nehmen sie meines Erachtens nach überhand, unterstreichen die unfreiwillige Assoziation mit Kinder-Serien wie _„Schloss Einstein“_ oder gar _„Otto, das Nilpferd“_.

Jener Umstand mag womöglich ebenfalls Drehbuchautorin wie Regisseurin zugleich Almut Getto aufgefallen sein ~ anders kann ich persönlich mir die beinahe krampfhafte Unterbringung von „Erwachsenenthemen“ nicht erklären.

Während der DVD-Klappentext es schaffte, ein völlig mitreißendes Drama zu suggerieren, kämpft sich die filmische Umsetzung von einem Klischee in die nächste Unvorstellbarkeit um meine stellenweise Fassungslosigkeit mit fast schon fahrlässigen Fehleindrücken zu spicken. _„Fickende Fische“_ zieht hier und dort – wenn auch versehentlich – Dinge nicht nur in Lächerliche, sondern weckt darüber hinaus den Anschein, als wäre der Unterschied zwischen HIV und Aids nicht gegeben.

Besonders fatal im weiteren Zusammenhang, das die HIV-Infektion in diesem Fall stellenweise (!) als absolute Dunkelheit dargestellt wird ~ obschon der Zuschauer durchaus ebenfalls vermittelt bekommt, dass Jan völlig umsonst absolut zurückgezogen lebte und das Leben verpasste; finden sich ein paar Details, die meines Erachtens nach hier fehl am Platze sind.

Zum einen erscheint mir der überaus plötzliche Tod eines befreundeten HIV-Infizierten als... unglaubwürdig. Jener Jonas hatte „nur“ HIV, seine Helferzellen erholten sich; und trotzdem ist er von einem munteren Tag auf den anderen an Aids gestorben? Das zuvor geführte Gespräch zwischen den beiden Jungs ließ mir obendrein beinahe die Augäpfel herauskullern ~ wohlweislich ist nachvollziehbar, wie sehr Jan mit sich kämpft, wie er Nina etwas von seiner Erkrankung offenbaren soll.
Doch die Tipps, die er hier bekommt, während darüber hinaus scheinbar beide Jungs im Grunde nur grobe Vorstellungen davon zu haben scheinen, wie genau sich der Virus überträgt und in dem Resümee gipfelt _„Ich brauch das nicht, ich kann's mir gut selber machen“_... die gaben mir doch zu denken.
Statt die Angst vor Ablehnung auf den Zuschauer zu transportieren, wirkt eben jene Szene nicht einmal ansatzweise so, wie sie es könnte. Vielmehr macht sich hier eher nicht zuletzt eine absolute Endzeitstimmung breit, die den Zuschauer mit der Wahrheitsverdrehung zurücklässt, dass es unverantwortlich sei, als HIV-Infizierter auch nur an eine Partnerschaft zu denken.

Ebenfalls nicht genug damit, dass auch Nina im weiteren Verlauf äußert _„du hast diese Schwulenkrankheit?“_, sondern nach einer entsprechenden Informationssuche auch noch triumphierend verkündet,

_„Knutschen ist scheinbar ungefährlich“_

schlägt den Fass den Boden aus. Ich will nicht behaupten, dass es mich sonderlich überrascht, dass es nach wie vor Jugendliche geben wird, die unaufgeklärt sind ~ doch je länger _„Fickende Fische“_ andauerte, desto mehr erschien mir das Ganze wie eine Art Aufklärungsfilm für 12jährige, welcher obendrein in ein Gewand der altbekannten „BRAVO-Foto-Love-Story“ gekleidet wurde.

Die langsam wachsende Beziehung zwischen Jan und Nina will ebenfalls nicht so recht aus sich heraus, wirkt seltsam klinisch und unterkühlt; keinerlei Zärtlichkeiten werden ausgetauscht, bis beide wie aus nicht ganz so heiterem Himmel in die Kissen tauchen und recht zweckmäßig umherfummeln.
Jedwede Einfühlsamkeit lässt sich meiner Ansicht nach hier beinahe völlig vermissen, viele Szenen wirken schlicht und ergreifend zu platt, während nicht zuletzt die die Begleitmusik zur Nacktszene überzogen gruselig gen „Tanz mit dem Tod“ klingt. Darüber hinaus überzeugt mich persönlich Jans anschließende Panik-Verstörung nicht einmal im Ansatz ~ derartige Zusammenbrüche sehen meiner Erfahrung nach schlicht und ergreifend anders aus.

Der damit verbundene Nicht-Dialog des Protagonisten erschien mir an dieser Stelle nicht als tiefschürfender Dramatik-Moment, sondern vielmehr als puristische Darbietrung menschlicher Unbeholfen- und fast schon „Dumm“heit.

_„Fickende Fische“_ greift nicht nur die bedingte Peinlichkeit des Titels immer wieder auf, sondern versucht vermeintlich, mit eben jener großen Frage zu unterhalten.
Ob der damit verbundene Aspekt, in einem Zoogeschäft zu fragen, ob lebendgebährende Fische wirklich ficken, lustig sein soll oder gar nur Verliebte solcherlei witzig finden... es gibt Dinge im Leben, über die ich nicht einmal ernsthaft nachdenken mag, ohne mir dabei automatisch Gedanken über die scheinbar verborgene Logik des Wortes „lebendgebährend“ bzw. den Intelligenzquotienten der Protagonisten zu machen.

Meiner persönlich Ansicht nach lässt sich das Filmchen zwar durchaus gut anschauen, vermag zumindest mit den Auftritten von Jans Eltern (Annette Uhlen, Hans-Martin Stier) und nicht zuletzt Jan's Großvater ( Ferdinand Dux) zu überzeugen... spannend ist das Ganze jedoch nicht wirklich.

Ohne die Nebenhandlung um Ninas ausgewanderte Mutter wäre schlussendlich gar das Gesamtwerk vorhersehbar ~ somit gibt es zumindest die ein oder andere kleine Überraschung, die allerdings über meine Enttäuschung kaum hinwegtrösten kann.
Die irgendwann gestellte Frage nach der „Schuld“ mag einerseits zwar berechtigt und nachempfindbar sein, stellt sich andererseits in der dargebotenen Art und Weise eher müßig dar. Beinahe jedwede weitere Entwicklung liegt nicht nur auf der Hand, sondern schaffen es darüber hinaus tragischerweise nicht, den Schmerz diverser Entscheidungen zu vermitteln.

Manche Details wirken auf mich zu widersprüchlich oder gar widersinnig; die an für sich recht toughe und aufgeklärte Nina sorgt für manche Momente, in denen meine Sympathie für sie ein wenig schwand ~ dass jene ab und an mit der jeweiligen Situation rigoros überfordert ist, muss sich der Zuschauer selbst zusammenreimen und sodann erneut Milde walten lassen.

Besonders hervorzuheben meines Erachtens nach wie bereits ausgeführt der Umstand, dass man erst aus den Interview-Szenen die Information aufschnappt, in welchem Alter sich die beiden Protagonisten befinden. Und ja, ich war überrascht, obschon man ob gewisser Details nicht viel anderes hätte erwarten können. Nichtsdestotrotz drängt sich das meinige Urteil auf, dass Nina wie auch Jan kaum den Reifegrad von 16jährigen erreicht haben mögen ~ ein Umstand, den ich kaum in unterstützende Worte kleiden kann, der sich jedoch nichtsdestoweniger mehr und mehr auftat, je weiter die filmische Handlung voranschritt. Knackpunkt wohl auch der, dass die Jugendlichen meines Erachtens nach mit Sex noch gar nichts zu tun gehabt haben sollten ~ so erfahren Nina hier auch erscheinen soll, so wenig nimmt man der Rolle solcherlei ab.

Nicht minder interessant in diesem Zusammenhang wohl auch mein Eindruck, den ich durch das Kurzinterview erhielt: dass die Darstellerin vor der Kamera überzeugen und liebenswert erscheinen kann, hat man durch _“Fickende Fische“_ erfahren, umso mehr unterstützt ihr quasi-Gestammel auf manche gestellten Fragen meine These, dass Sophie Rogall selbst kaum etwas mit ihrer Rolle, respektive dem Film en detail, anfangen konnte.

Während andere Kritiken von einer _„realitätsnahen schwierigen Jugend eines HIV-infizierten“_ sprechen, teile ich diese Beurteilung nur hälftig.
Zugegeben, mancher Kampf wird aufgegriffen und versuchsweise dargeboten ~ doch mir ist, als wollte viel zu vieles nicht wirklich aus sich herauskommen. Beinahe sämtliche Tragik wird hier nahezu im Keim erstickt; zu sehr gleicht die Umsetzung einem KiKa-Nachmittagsfilm, als dass man hier von einer Gefühlswelt in die andere tauchen könnte.

Hinzu kommt, dass stetig viel zu plump auf die Gefährlichkeit sowie dem (bis dato) unvermeidlichen Ende einer HIV-Infektion eingegangen wird ~ Regisseurin Almut Getto wedelt viel zu vehement mit der Fahne des Todes nach einer lebenslangen Einsamkeit herum, als dass mich _„Fickende Fische“_ tatsächlich authentisch (be)rühren könnte.

===Summa summarum=== hatte ich mich auf einen Film gefasst gemacht, der buchstäblich zu Tränen rührt bzw. ob der behandelten Dramatik schmerzt ~ stattdessen sah ich einen 16jährigen, der sich gemalte Papierfische auf die frisch gestrichenen Wände klebte und nicht einmal zu wissen schien, dass Sperma in der Waschmaschine abstirbt und „verschwindet.“

Versuchsweise liefen bei der Aids-Beratungsstelle nicht ausschließlich Homosexuelle durchs Bild, sondern wurde obendrein der Hinweis eingewoben, dass 80% der Krankenhauspatienten sich irgendeinen (!) Virus einfangen ~ über die bahnbrechende Information _„Knutschen ist scheinbar ungefährlich“_ komme ich persönlich jedoch nicht so schnell hinweg.

Generell erschien mir die Teenager-Lovestory quasi als Drama ohne Drama ~ was in diesem Fall ein eigentliches Drama darstellt. Dramatisch, nicht wahr?

Während ich mich bis fast zuletzt auf 3 „kann man ja mal gucken“ Sterne einigte, sorgte sodann die ultimative Schlusssequenz für weiteren Punktabzug, eben weil jener Ausgang, der das Vorurteil „wer HIV hat, sollte sich direkt umbringen“ nahezu bestärkt, für mich ein absolutes no-go darstellt.

Stattdessen sich Almut Getto darauf beschränkte, die durcheinandrige Gefühlswelten wie auch imaginäre Gefängnisse aller direkt oder „nur“ indirekt Betroffenen intensiv darzustellen, unterstreicht _„Fickende Fische“_ unbeabsichtigt diverse Klischees und rückt eine totale Hoffnungslosigkeit in den Mittelpunkt.

Im Grunde somit kein Film, der Mut macht ~ sondern den Infizierten fast schon eher förmlich die Rasierklinge in die Hand drückt.

Ein Stern, keine Empfehlung.

32 Bewertungen, 5 Kommentare

  • tina08

    27.06.2011, 16:55 Uhr von tina08
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Grüße ... Tina

  • feliciano2009

    26.06.2011, 13:58 Uhr von feliciano2009
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein daemlicher Titel...

  • babygiftzwerg

    26.06.2011, 13:50 Uhr von babygiftzwerg
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich wünsche dir einen schönen Sonntag LG Ulrike

  • Lale

    26.06.2011, 12:47 Uhr von Lale
    Bewertung: sehr hilfreich

    Allerbesten Gruß *~*

  • NsDiNe

    26.06.2011, 11:52 Uhr von NsDiNe
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag! Lg NsDiNe