Fräulein Smillas Gespür für Schnee Testbericht

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Erfahrungsbericht von Bjoern.Becher

Sometimes it’s better to read!?

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Peter Hoeg schrieb 1992 einen Roman mit dem Titel “Fräulein Smillas Gespür für Schnee“, der ein Welterfolg wurde. Zu Recht meiner Meinung nach, denn ich habe das Buch gelesen, und war, auch wenn es teilweise sehr schwierig ist, dem Inhalt zu folgen, begeistert.
Bei so einem Welterfolg war es nur klar, dass dieses Buch bald verfilmt werden würde, doch völlig überraschend schnappte sich nicht Hollywood den Stoff, sondern ein deutscher Produzent: Bernd Eichinger sicherte sich die Rechte und organisierte die Verfilmung des Buches. Bei den Schauspielern griff er allerdings dann größtenteils wieder auf die Personen aus Hollywood zurück.
So eine Verfilmung eines Buches wird immer sehr zwiespältig aufgenommen. Für Nichtkenner des Buches steht ganz klar der Film im Vordergrund, während Kenner des Buches eigentlich fast alles mit dem Film vergleichen, da sich beim Lesen oft schon Bilder im Kopf entstehen, so dass man meiner Ansicht nach dem Machwerk etwas kritischer gegenüber steht. Ich gehöre also bei diesem Buch zu dieser Gruppe, und deswegen sind alle meine Eindrücke, die nun, nach dem Inhalt kommen, auch auf diese Sichtweise beschränkt.

Der Inhalt
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Smilla Jaspersen (Julia Ormond) ist eine recht harsche und zurückgezogen lebende Frau. Sie ist ein Halbblut, nur halb Dänin und halb Inuit, was ihr in ihrem Leben schon öfter Probleme bereitet hat. Sie fühlt sich selbst aber sogar mehr als Inuit, den als Dänin. Freunde hat sie eigentlich nicht, nur mit dem Jungen Isaiah (Clipper Miano) hat sie sich in letzter Zeit angefreundet. Als sie eines Tages nach Hause kommt, muss sie allerdings etwas schreckliches sehen: Isaiah ist vom Dach gestürzt. Ein Unfall beim Spielen, sagen die zuständigen Behörden. Doch Smilla glaubt daran nicht: Isaiah hatte Höhenangst. Er wäre nie zum Spielen aufs Dach. Auch die Spuren im Schnee deuten nicht gerade auf ein spielendes Kind hin. So nimmt Smilla ganz alleine gegen den Widerstand der Polizei die Ermittlungen auf und ihre erste Spur führt zu dem namhaften Professor Loyen (Tom Wilkinson). Warum hat dieser namhafte Professor Isaiah obduziert und warum hat er den Jungen schon vorher jeden monat untersucht. Immer neue Spuren entdeckt Smilla, die sie schließlich selbst in Lebensgefahr bringen. Und als die Polizei ihr noch droht sie einzusperren, will Smilla schon aufgeben, doch Hilfe findet sie durch ihren Nachbarn, einen Mechaniker (Gabriel Byrne), doch kann sie diesem wirklich trauen?

Meine Meinung
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„Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ ist meiner Ansicht nach ein äußert schwer umzusetzender Roman, da der Roman sehr schwierig ist und die Geschichte einige Sprünge hat. Man hat dabei versucht die Kriminalgeschichte fast 1:1 umzusetzen, was normalerweise ganz gut ist, sich hier aber als problematisch erweist. Einige Wechsel in der Kontinuität der Handlung fand ich sehr schwer nachzuvollziehen und schlussendlich dann nur durch meine Erinnerungen an das Buch. Für einen Nichtkenner des Buches könnte sich dieses aber als sehr problematisch erweisen. Ich kann aber verstehen, dass einiges weggelassen wurde, da das Buch sonst für eine Verfilmung sicherlich viel zu komplex gewesen wäre.

Dabei ist die Verfilmung sowohl wie das Buch ein äußerst spannender Thriller, der mich wieder von der ersten Minute bis zur letzten Fesseln konnte, und das obwohl ich die Lösung schon kannte. Sehr gut gefiel mir dabei, wie auch schon beim Buch, die Machart des Thrillers, nämlich die Spannung baut sich fast komplett ohne reißerische Action und blutrünstige Kämpfe auf, sondern allein durch die langsame und bedächtige Ermittlungsarbeit von Smilla. Weniger gut gefiel mir in dem ganzen Zusammenhang die Eingangssequenz in der gezeigt wird, wie ein Meteorit abstürzt, da diese doch schon etwas von der Spannung nimmt.

Bei Buchverfilmungen wird aber auch viel über die Besetzung gestritten, da man sich die Personen beim Lesen des Buches doch in seinem Kopf vorstellt. Julia Ormond als Smilla ist hier in meinen Augen ein absoluter Knaller. Sie hat in einigen Szenen sogar leichte Züge einer Inuit, sie sieht aber so aus, wie die Smilla in meinem Kopf beim Lesen aussah. Dazu spielt sie ihre Rolle (die einzige richtige Hauptrolle des Films) aber auch noch ausdrucksstark. Ein klarer Pluspunkt des Films.

Als Mechaniker agiert ebenfalls sehr gekonnt Gabriel Byrne. Trotzdem stört mich seine Besetzung. Zum einen wurde der Part des Mechanikers gegenüber dem Buch doch etwas gestaucht, zum anderen konnte ich mich während des ganzen Films nicht mit Byrne als Mechaniker anfreunden, der Mechaniker wird im Buch einfach ganz anders beschrieben und Byrne ist trotz einer sehr guten schauspielerischen Leistung in meinen Augen eine Fehlbesetzung.

Zu überzeugen wissen noch die beiden von Richard Harris und Tom Wilkinson verkörperten Bösewichte, danach muss man sich aber fragen, warum für kleine Auftritte, die teilweise nur wenige Minuten dauern, so Schauspieler, wie Vanessa Redgrave, Jim Broadbent und Mario Adorf besetzt werden, die in ihren Rollen doch sehr unterfordert sind.

Sehr gelungen fand ich aber Jürgen Vogel als Jakkelsen. Auch wenn dies ebenfalls eine kleinere Rolle ist, passt er doch wie die Faust aufs Auge zu dieser.

Äußerst störend fand ich bei diesem Film aber über große Teile die Musik und das obwohl kein geringerer als Hans Zimmer für diese zuständig war, aber teilweise passt die Musik einfach nicht, oder ist viel zu aufdringlich und (wenn man das so sagen kann) viel zu „rasant“, da dies doch eigentlich eher ein bedächtiger Thriller ist, fast ganz ohne Action, ausschließlich das Finale ist richtig actionreich und dort stört mich die Action dann auch, hier hätte man sich (schon beim Buch) vielleicht auch eine andere Lösung gewünscht.

„Sometimes it’s better to read“, eine Aussage hinter, die ich aber ein Fragezeichen gesetzt habe. Ist dies hier wirklich der Fall. Eingeschränkt Ja, kann ich sagen. Mir hat das Buch besser gefallen als der Film, was aber mit der noch höheren Komplexität zusammenhängt, die – soweit lehne ich mich jetzt mal aus dem Fenster – filmisch nicht zu 100% umsetzbar war. Für bekennende Nichtleser und lesefaule Menschen ist der Film aber durchaus zu empfehlen, denn es ist ein höchst spannender, wenn auch anspruchsvoller Film, der durchweg fesseln kann und nur beim Showdown nachlässt, und wenn einem Byrne als Mechaniker nicht stört, weil man nur Byrne als Mechaniker kennt, hat man schon mal einen meiner Kritikpunkte weg. Ergo: Buch lesen, aber wer das nicht so gerne tut: Film schauen!

Schneeverwehte 7 von 10 Punkten!

Daten
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Titel Deutschland: Fräulein Smillas Gespür für Schnee
Originaltitel: Frøken Smillas fornemmelse for sne
Genre: Thriller
Deutschland, Dänemark 1996, FSK 12, Laufzeit: 121 Minuten

Darsteller: Julia Ormond (Smilla Jasperson), Gabriel Byrne (Mechaniker), Richard Harris (Andreas Tork), Mario Adorf (Captain Sigmund Lukas), Jürgen Vogel (Nils Jakkelsen), Agga Olsen (Juliane Christiansen ), Clipper Miano (Isaiah Christiansen), Vanessa Redgrave (Elsa Lübing), Jim Broadbent (Dr. Lagermann), Tom Wilkinson (Prof. Loyen), Robert Loggia (Moritz Jasperon), Bob Peck (Ravn), David Hayman (Telling), Alvin Ing (Licht), Peter Capaldi (Birgo Lander)

Regie: Bille August
Produzenten: Bernd Eichinger, Martin Moszkowicz
Drehbuch: Ann Biderman nach dem Roman \"Fräulein Smillas Gespür für Schnee\" von Peter Hoeg
Musik: Hans Zimmer, Harry Gregson-Williams
Kamera: Jörgen Persson
Ausstattung: Anna Asp
Schnitt: Janus Billeskov Jansen
Kostüme: Barbara Baum
Make Up: Horst Stadlinger, Gerlinde Kunz
Ton: Chris Munro
Stunts: Paul Weston (Koordinator)


Weiterführende Informationen:
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Internet Movie Database: http://german.imdb.com/Title?0120152

© Björn Becher 2003

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