Fräulein Smillas Gespür für Schnee Testbericht

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Erfahrungsbericht von tom.112

Ich mache es zu meiner Sache!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Romanverfilmungen leiden oft darunter, dass sie nicht im entferntesten an das Buch herankommen. Eine der wenigen Ausnahmen ist meiner Meinung nach der von Bernd Eichinger (\"Letzte Ausfahrt Brooklyn\") produzierte Film \"Fräulein Smillas Gespür für Schnee\", der auf dem gleichnamigen Roman des dänischen Autors Peter Hoeg basiert. Hoeg ist 1992 mit diesem Roman eine Kombination aus Thriller und Weltliteratur gelungen, die zahllose Leser in ihren Bann gezogen hat.
Der deutsche Erfolgsproduzent Eichinger hat diese Vorlage zusammen mit Regisseur Bille August (\"Les Misérables\") und Drehbuchautorin Ann Biderman 1997 sehr erfolgreich umgesetzt.

Nachdem ich den Film zum ersten mal in Arte gesehen hatte und von ihm absolut begeistert war, habe ich bei einem Sonderangebot sofort zugegriffen. Ich schreibe hier über die am 1. August 2001 bei MAWA Film & Medien erschienene DVD, die es bei Amazon für 12,89 Euro gibt. Eine bereits 1998 erschiene DVD gibt es nicht mehr im Handel.


Der Film:
Smilla Jaspersen (Julia Ormond, \"Legenden der Leidenschaft\") lebt allein und zurückgezogen in Kopenhagen und will eigentlich nichts mit ihrer Umwelt zu tun haben. Bis zum Tod ihrer Mutter, einer Inuit, wuchs sie in Grönland auf und hat sich dadurch zu einem Experten für Eis und Schnee entwickelt. Ihr Vater Moritz (Robert Loggia, \"Ein Offizier und Gentleman\") hatte sie nach Dänemark geholt, wo sich Smilla mit ihrer schroffen und kompromisslosen Art nicht einfügen konnte und immer wieder negativ auffiel - ein Schicksal, das viele Inuit teilen.
Ihr einziger Kontakt zur Umwelt ist der sechsjährige Isaiah Christiansen (Clipper Milano, \"Alegria\"), der im gleichen Wohnblock wie Smilla wohnt. Nachdem sein Vater bei einer Expedition für die Greenland Mining zum Gela Alta-Gletscher bei einer Explosion ums Leben kam, wächst er bei seiner verwahrlosten Mutter Juliane (Agga Olsen, \"Heart of light\") auf, die ihn vollkommen vernachlässigt. Durch einige unbehandelte Mittelohrentzündungen ist er sogar taub. Er findet in Smilla seine einzige Freundin, und lässt sich von ihr Geschichten aus der gemeinsamen Heimat Grönland erzählen oder einfach nur aus einem Buch über Mathematik vorlesen.
Eines Tages stürzt Isaiah aber vom Dach des Hauses. Die Kriminalpolizei will den Tod des Jungen schnell als Unfall zu den Akten legen, aber Smilla erkennt an den Spuren im Schnee, dass Isaiah tatsächlich vor irgendjemanden oder irgendetwas geflüchtet ist.
Smilla will die Sache nicht ruhen lassen und beginnt selbst, sich auf die Suche nach dem Mörder zu machen. Einen ersten Hinweis erhält sie von dem Pathologen Jean Pierre Lagermann (Jim Broadbent, \"Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück\"), der sie zu Dr. Johannes Loyen (Tom Wilkinson, \"Der Patriot\"), einem Experten für arktische Medizin führt. Dieser hatte den kleinen Jungen ungewöhnlicherweise obduziert und ihn schon zuvor regelmäßig untersucht. Außerdem hat Lagermann entdeckt, dass an Isaiah nach dessen Tod eine Biopsie vorgenommen wurde. Von Loyen wird Smilla schnell abgewiegelt, weshalb sie sich bei der Staatsanwaltschaft beschwert. Schnell bekommt sie von dem zwielichtigen Ravn (Bob Peck, \"Juarassic Park\") Besuch, der sie unter Druck setzt.
Trotzdem sucht Smilla weiter. Hilfe erhält sie dabei von ihrem Nachbarn (Gabriel Byrne, \"Der Staatsfeind Nr.1\") einem stotternden und legasthenischen Mechaniker. Allerdings wird dessen Rolle mit der Zeit immer undurchsichtiger. So bricht Smilla nach einem Besuch bei Elsa Lübing (Vanessa Redgrave, \"Mission Impossible\"), einer früheren Buchhalterin von Greenland Mining, in der Firma ein und trifft dort auf ihn. Trotz seiner zwielichtigen Rolle verliebt sie sich in ihn und vertraut ihm.
Bei ihren Nachforschungen stößt Smilla auch auf Dr. Andreas Tork (Richard Harris, \"Gladiator\"), den Direktor der Greenland Mining, der zusammen mit Loyen eine weitere Expedition nach Grönland plant. Trotz massiver Drohungen und Mordversuchen gelingt es Smilla mit Hilfe des Mechanikers und ihres Vaters, sich an Bord des Forschungsschiffes zu schmuggeln. Kapitän Lukas (Mario Adorf, \"Rossini\") und der Matrose Jakkelsen (Jürgen Vogel, \"Die Apothekerin\") werden dort mit der Zeit zu ihren Verbündeten in dem Komplott um einen unheimlichen Meteoriten, der 1859 in Grönland niederging und schon zahlreichen Menschen das Leben kostete und noch kosten wird.
So viel mal zur Handlung.


Die DVD:
Die DVD, die von MAWA vertrieben wird, wird in einem Amaray Case verkauft. Ihr liegt ein vierseitiges Faltblatt mit der Kapitelübersicht und ein Prospekt von MAWA bei.
Das deutschsprachige Menü, das ohne Hintergrundmusik auskommt, ist sehr übersichtlich gestaltet. Der eigentliche Menüteil ist blau hinterlegt, während seitlich Standbild mit Julia Ormond und dem Filmplakat zu sehen ist.

Ton und Bild:
Leider ist die Bildqualität sehr bescheiden. Schon bei der normalen Wiedergabe ist das Bild (2.35:1) eher unscharf und wirkt verwaschen. Vergrößert man einen Ausschnitt, fängt das Bild sehr schnell an zu zerpixeln.
Außerdem kann man sich den Film auch nur in der deutschen Fassung, die meiner Meinung nach nicht besonders gut synchronisiert ist, anschauen. Laut Cover sollen sowohl Tonspuren in Dolby Digital 5.1 und Dolby Surround vorhanden sein. Auf meiner DVD gab es jedoch nur die 5.1-Version. Die Tonqualität ist dabei einwandfrei und von den Möglichkeiten wird teilweise recht gut Gebrauch gemacht.

Features:
In der Rubrik \"Kapitel\" kann man, wie es der Name sagt, die 23 Kapitel direkt aufrufen. Etwas komisch finde ich die Einteilung: alleine die ersten vier Minuten ergeben schon vier Kapitel, während zum Ende der 116 Minuten die Abstände immer länger werden. Die Auswahl erfolgt über die Titel der Abschnitte, zu denen jeweils ein sehr kleines und kaum erkennbares Standbild gezeigt wird.
Die \"Produktionsnotizen\" beinhalten vier Unterpunkte. Hinter \"Grönland - ein heimlicher Star des Filmes\", \"Ein Film im Eis\", \"Der politische Hintergrund\" und \"Der Roman und sein Autor Peter Hoeg\" verstecken sich vier Texttafeln, die jeweils etwa den halben Bildschirm ausmachen. Was mir nicht ganz einleuchtet: wenn dort schon so wenig steht und noch so viel Platz ist - warum ist die Schrift dann so klein, dass man sie fast nicht lesen kann?
In der Rubrik \"Darsteller und Crew\" sind ebenfalls Texttafeln zu insgesamt acht Schauspielern und Teammitglieder hinterlegt. Dort erfährt man einiges zum Werdegang. Leider sind nicht bei allen Personen Bilder vorhanden.
Unter \"Weitere DVD-Titel\" hat man neun verschiedene deutschsprachige Filmtrailer zur Auswahl. Leider fehlt dabei der Trailer zu \"Fräulein Smillas Gespür für Schnee\".
Untertitel für den Film gibt es gar keine.


Mein Fazit:
\"Fräulein Smillas Gespür für Schnee\" ist ein unheimlich spannender Film. Sicher kommt er keinesfalls völlig an das Buch heran, trotzdem finde ich die Umsetzung sehr gelungen. Obwohl die Handlung recht anspruchsvoll ist und auch - ebenso wie im Buch - viel mit Rückblenden gearbeitet wird, überfordert der Film keinesfalls.
Die Geschichte um den mysteriösen Meteoriten, dessen Einschlag gleich zu Beginn des Filmes gezeigt wird, entwickelt sich durch Smillas Nachforschungen ständig weiter und das große Komplott wird immer deutlicher. Durch diese Entwicklung steigert sich die Spannung in dem Film auch kontinuierlich bis zum Ende.
Zum Ende des Filmes hin bekommen auch die Action-Fans auf ihre Kosten und es wird teilweise auch munter gestorben - allerdings sollte man hier nicht zu viel erwarten. Der Film ist alles andere als ein Action-Streifen sondern ein grundsolider Thriller. Der Schluss, der in Grönland spielt, beschert dem Zuschauer auch unheimlich schöne und beeindruckende Aufnahmen der Landschaft, die leider durch die Bildqualität ziemlich leiden.
Die Schauspieler fand ich allesamt überzeugend. Besonders Julia Ormond in der Rolle der eigenwilligen Smilla spielt einfach klasse - jedoch bemerkt man aber auch gerade bei ihr, dass die Synchronisation nicht besonders gut gelungen ist. Die Lippenbewegungen und die Sprache passen teilweise nicht einmal ansatzweise zusammen. Auch Gabriel Byrne als der Mechaniker, der sich zum Schluss hin als etwas ganz anderes entpuppt, ist wirklich sehenswert und trägt, ebenso wie Mario Adorf zur Qualität des Filmes bei.

Die Filmmusik stammt von Harry Gregson-Williams (\"Shrek\"), der dabei von keinem anderen als Hans Zimmer (\"Gladiator\") unterstützt wurde. Die Musik ist sehr stimmungsvoll und trägt viel zur Spannung im Film bei.

\"Fräulein Smillas Gespür für Schnee\" hat eine FSK-Freigabe von 12, die absolut angemessen ist. Eine höhere Freigabe wäre definitiv übertrieben.

Den Film kann ich uneingeschränkt empfehlen und wer einen spannenden und fesselnden Thriller zu schätzen weiß, der wird mit \"Fräulein Smillas Gespür für Schnee\" sicher gut bedient sein. An für sich hat der Film auch die volle Punktzahl verdient, aber aufgrund er mageren Ausstattung der DVD und der Bildqualität muss es hier Abzug geben. Da aber der Film bei mir klar im Vordergrund steht, ziehe ich nur einen Punkt ab.

Danke fürs Lesen, Wegklicken oder Kopieren!

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