Gacy (DVD) Testbericht
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Erfahrungsbericht von LilithIbi
Ich muss dir was sagen: ich habe jemanden umgebracht. Vielleicht waren es auch 20. Oder 30?
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
//DIE FAKTEN//
wie schon gesagt, bei "Gacy" handelt es sich um eine weitere Verfilmung des Lebens eines Serienmörders. John Wayne Gacy ist zwar noch längst nicht so bekannt wie Ted Bundy , Charles Manson, Andrej Chikatilo oder neuerdings der sog. "Kannibale von Rothenburg" ~ die soll aber nicht heißen, dass er deswegen weniger Morde verübt hat. Genauer gesagt, ist nichtmal klar, wie viele junge Männer Gacy getötet hat ~ er selbst schätze die Zahl auf "so um die 40".
Glauben wir dem Film, der im übrigen für 9,99 EUR im Saturn zu haben ist, hat Gacy im Laufe seiner zweifelhaften Karriere über 2.000 Jungs in sein Haus gelockt und erdrosselt, ertränkt, erschlagen oder zu Tode gefoltert.
//DIE UMSETZUNG//
verlief dann doch eher schlecht als recht. Zwar kann der Zuschauer gleich zu Anfang einen Einblick und gar Eindruck von Johns Kindheit bzw. Erziehung erhaschen; kommt dieser körperliche Missbrauch hier viel zu wenig rüber.
Nicht, dass man unbedingt hätte detailliert zeigen müssen, wie sehr John (Mark Holton) unter seinem Vater litt ~ aber dass Gacy sen. aufgrund seines Hohnes "du traust dich ja eh nicht!" erschlagen wird.... nuja. Wo wir dann auch direkt beim ersten heftigen Kritikpunkt wären: ich für meinen Teil habe regelrecht "verpasst", dass John seinen Vater überhaupt umbrachte.
In der einen Sekunde saßen die beiden noch mehr oder minder beim Lagerfeuer; und zack ~ wird eine Schrift eingeblendet die uns besagt, dass John Wayne Gacy 1968 zu einer Haftstrafe wegen sexuellen Missbrauch eines Jugendlichen verurteilt wurde. Lustigerweise wurde diese Strafe auf 2 Jahre minimiert, so dass Gacy fluchs wieder draußen herumspazieren - und weitere Jugendliche missbrauchen - konnte.
Der Zuschauer an sich wird sodann in eine Szenerie hineingeworfen; die Gacy als erfolgreichen und berühmten Unternehmer zeigt, der fast überall beliebt und gern gesehen ist.
Typische Ausnahme: die Nachbarn. Denen stinkts nämlich gewaltig. Und zwar wortwörtlich!
Nun, die direkten Nachbarn kann Gacy nicht so schnell begeistern; auch von einer seiner vielen Gartenparties bleiben sie nu allzu gerne fern. Grund hierfür ist ein bestialischer Gestank, der aus dem Keller Gacy's dringt ~ und als die Maden schon in Nachbarns Garten kriechen, beschließt Gacy dann doch, endlich mal zu handeln.
~ Oben genanntes mag sich albern anhören, was es im Endeffekt auch ist.
Obschon dieser Umstand tatsächlich Mitschuld war an Gacys Überführung, wird er meines Erachtens nach viel zu sehr aufgebauscht und auf den gesamten Film erstreckt.
Die ganze Raffinesse Gacys, immer wieder für "jugendlichen Nachschub" zu sorgen, ohne das wirklich mal jemand genauer hinschaut; seine Familie, die zusehends Angst vor ihm hat und eben auch die Tötungen an sich kommen meiner Meinung nach viel zu kurz.
Es geht nichtmal darum, explizite Folterszenen zu sehen ~ doch wer den Film "Gacy" als ausgereifte "Reportage" über die geschehene Mordserie bezeichnet, der denkt auch, dass die diversen "Schulmädchen Report"e wahrliche Pornofilme waren.
Die Aushilfskräfte Gacys wirken nicht nur naiv; sondern vollkommen dämlich. Dicker Patzer auch, dass Gacy versucht, einen seiner Lustknaben mit einem Hammer zu erschlagen, sich anschließend entschuldigt und diesen sodann verarztet. Obzwar der Junge in der nächsten Szene seinen Kopfverband noch weiter trägt, ist dieser in der übernächsten Szene, als er seine Freunde vor Gacy warnen will, hinfort ~ nur um wenig später wieder blutdurchlaufen um seinen Kopf gewickelt zu sein.
Es hätte so interessant werden können; als Gacy einen seiner jungen Freunde bei sich einziehen lässt und die Freundin achtkantig hinauswirft. Wenig später zeigt Gacy seiner Aushilfskraft Videoaufnahmen, die ihn als Clown zeigen. "Rein zufällig" befinden sich auf eben diesem Video auch noch Aufnahmen von zwei Männern; und als Gacy "zugreift", springt sein Mitbewohner auf und läuft davon.
Völlig unglaubwürdig ist dann das folgende: der Handlanger (im doppelten Sinne) meldet sich nicht mehr bei seiner Freundin und macht sich des weiteren auch keinerlei Gedanken, als er in Gacys Keller durch Maden und diverse Käfer robbt.
Ein weiterer "gekaufter" Bengel flüchtet noch mit dem Folterinstrument um den Hals in den Garten; doch auch das scheint niemanden zu interessieren. Genauso wenig wie der Umstand, dass Mrs. Gacy mitsamt der Kinder das Weite gesucht hat oder die Polizei Gacy des öfteren schon mal nach bestimmten Jungs fragt, die "plötzlich verschwunden" sind.
~ Grade letzteres ist ein Aspekt an dem Leben Gacys, der viel filigraner hätte aufgegriffen und eben auch dargestellt werden müssen. Bei John Wayne Gacy handelt es sich um einen Menschen, von dem keiner so recht glaubt, dass er je jemanden etwas böses tun könnte.
Insbesondere weil er so oft als Clown auftrat und den "hoffnungslosen Fällen" Arbeit beschaffte, ständig Gartenpartys gab und nebenbei noch Geschäftsmann war ~ grad dies ließ ihn als Träger einer weißen Weste erscheinen. Das eben diese Weste blutverschmiert war, glaubte ihm zunächst nicht einmal sein bester Freund: als Gacy diesem beichtete, dass er jemanden getötet hat, fragte dieser zunächst, ob er sich sicher sei.....
//ERGO//
Im Grunde kann ich eigentlich nur das wiederholen, was auch realjackass in seinem Bericht schon ansprach: an und für sich ist der Film nicht schlecht; nur konzentriert er sich einfach zu wenig auf die Fakten.
Natürlich kann man nicht jedes Detail verwerten; und auch hier wurde einiges verändert, ausgebaut, hinzugedichtet oder eben entfernt. Leider jedoch ist genau dies ein Umstand, dem ich nicht allzu begeistert entgegenstehe ~ wenn man schon ein "Leben" verfilmt, dann bitte doch so genau wie möglich.
Es scheint stellenweise so zu sein, dass dem Regisseur dann und wann noch etwas einfiel, was er unbedingt noch einbauen musste: so sehen bzw. hören wir z. B. in einer Szene, dass John Wayne "Stimmen hört" ~ nur leider wirkt dieser Zusatz eher fehl am Platze als informativ.
Fehl am Platze ist weiterhin die FSK18 Angabe ~ zwar wundert mich nach dem Film "Angst" überhaupt rein gar nichts mehr; doch da es sich hier um einen neueren Film handelt, hätte ich doch eher die FSK16 erwartet. Im Grunde kann mir das zwar völlig egal sein; dennoch frage ich mich, welche Szene die freiwillige Selbstkontrolle zu diesem Urteil bewogen haben mag.
Die Mordszenen wirken stellenweise eher lächerlich denn gruselig; und als dann obendrein noch Gacy von jemanden vermöbelt wird, der bei dieser Gelegenheit einen gefesselten Knaben auf dem Wohnzimmerboden sieht, dazu aber rein gar keine Regung zeigt ~ spätestens da merke ich, dass ich was "unblutige, unlaute Morde" anbelangt, genauso abgestumpft zu sein scheine wie die Gesellschaft, die dort Gacy zujubelt und sich nie die Mühe macht, mal genauer hinzusehen.
Zwar ist es auch krass, dass man heutzutage nicht mal den Müll runterbringen kann ohne das die Nachbarin einen mit altklugen Ratschlägen auflauert ~ doch dass anno Tobak (1978) nicht nur getuschelt, sondern sogar beobachtet wurde, dass John Wayne Gacy's Hilfskräfte verprügelt werden und / oder "verschwinden" ohne das nur einer mal genauer nachgeforscht hat.... das find ich dann schon mehr als heftig.
Was muss in den Jungen vorgegangen sein, die sich sogar gegenseitig damit aufzogen, dass sie ganz andere Leistungen für ihr Geld zu bieten hatten? Was ging ihnen vor allem durch den Kopf, als sie im Keller ständig über Maden krochen und dort Kalk drüber schütten sollten? Als sie bemerkten, dass immer mehr und mehr nicht wiederkamen?
//ERGO DES ERGOS//
Ich erwartete sicherlich keine regelrechten Frage- und Antwortspiele auf all meine Gedanken, wie sowas überhaupt möglich sein könnte. Zumal man sich diese Fragen quasi jeden Tag aufs neue stellen könnte.
Was ich aber erwartet hatte, war einfach eine "genauere" Verfilmung der Tatsachen; und nicht nur eine Vermarktung mit reißerischen Titeln wie "basierend auf der wahren Geschichte einer der größten Serienmörder alle Zeiten".
An und für sich kann man sich den Film mal ansehen ~ doch Fans der blutigen Filmkunst oder gar Serienmörderinteressenten werden hier eher enttäuscht sein.
16 Bewertungen, 5 Kommentare
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17.06.2006, 17:42 Uhr von topfmops
Bewertung: sehr hilfreich. . . und dann war da noch der Boxer, der sich an die christliche Regel hielt, anders als viele Schreiber- und Leserlinge hier, und meinte: „Geben ist seliger denn Nehmen!“
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17.06.2006, 16:58 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSH - Freue mich über Gegenbewertungen - Mfg Stompy2k
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17.06.2006, 16:41 Uhr von panico
Bewertung: sehr hilfreichKlasse geschrieben :-)sh+ lg panico :-)
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17.06.2006, 16:35 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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17.06.2006, 16:13 Uhr von Eurovision
Bewertung: sehr hilfreich♫ ♫ ♫ ... ♪ ..E.. ♪ ..U.. ♪ ..R.. ♪ ..O.. ♪ ..V.. ♪ ..I.. ♪ ..S.. ♪ ..I.. ♪ ..O.. ♪ ..N.. ♪ ... ♫ ♫ ♫
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