Glauben ist Alles! (VHS) Testbericht
Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
Erfahrungsbericht von Gemeinwesen
Stilsicheres Regiedebüt von Edward Norton
Pro:
Gut aufgelegte, treffend besetzte Schauspieler in einem unterhaltsamen Film nach einem gescheiten Drehbuch.
Kontra:
Der Film bietet wenig Überraschungen - aber die bietet mancher Sommertag, den man vielleicht gerade deswegen als gelungen empfindet, ja auch nicht.
Empfehlung:
Ja
Was ist da geschehen? Das erfahren wir in einer langen Rückblende, und die ist stilsicherer in Szene gesetzt und unterhält weitaus besser und klamaukfreier, als ich angesichts des wochenendlichen Blicks in die Fernsehzeitschrift des Vertrauens zunächst befürchtet hatte. Tatsächlich hatte ich befürchtet, „Glauben ist alles“, von dem ich vorher noch nie gehört hatte, sei eine Neuauflage von „Verrückt nach Mary“. Den habe ich zwar seinerzeit gesehen, aber besonders toll fand ich den nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass in beiden Filmen Ben Stiller eine tragende Rolle spielt. Leider mag ich Ben Stiller nicht besonders. Einen besonderen Grund dafür gibt es zwar nicht, aber so ist das nun mal: Ben Stiller ist mir in den Rollen, in denen ich ihn bisher gesehen habe, nie sonderlich sympathisch gewesen. Trotzdem habe ich mir „Glauben ist alles“ angesehen und bin im Nachhinein froh darüber.
Brian und Jake kennen sich aus Kindertagen, und aus der gemeinsamen Schulzeit kennen die beiden auch Anna Riley (Jenna Elfman). Beide Jungs haben seinerzeit ziemlich für Anna geschwärmt, und gemeinsam sind die drei durch dick und dünn gegangen. Als Anna zarte 13 war, hat Annas Vater jedoch leider einen Job in einem anderen Bundesstaat angenommen, ist mit seiner Familie aus New Yort fortgezogen, und seither hat man nichts voneinander gehört. Inzwischen sind Brian und Finn gestandene Männer, die jeweils einer Gemeinde vorstehen, und Anna hat Karriere als Unternehmensberaterin gemacht. Plötzlich meldet sich die Freundin aus Jugendtagen bei Brian und kündigt ihren Besuch in New York an. Gemeinsam schwelgen die drei Thirtysomethings in Erinnerungen und streifen durch New York. Schnell hat Anna ein Auge auf Jake geworfen, der wie sie noch Single ist. Brian ist zwar auch solo, aber das ist bei einem katholischen Priester ja auch eher die Regel als die Ausnahme. Im Gegensatz zu Brian ist Rabbi Jake auch tatsächlich auf Brautschau – wenngleich auch vielleicht nicht ganz freiwillig, denn hinter den Heiratsplänen stecken eher Jakes Mutter Ruth (die 2005 verstorbene Anne Bancroft in einer ihrer letzten Rollen) und eine erkleckliche Zahl von Eltern aus Jakes Gemeinde, die ihre Töchter gern unter die Haube bringen möchten.
Jake allerdings möchte den Freuden des Junggesellendaseins noch gar nicht entsagen und bandelt mit Anna an – was insofern problematisch ist, als Anna, konfessionell gesehen, nicht kompatibel ist. Umso wichtiger ist es natürlich, die Affäre geheim zu halten. Ganz offiziell zeigt sich Rabbi Jake den Eheanbahnungsversuchen der Gemeindemütter gegenüber aufgeschlossen, klammheimlich bildet er zusammen mit Anna das Tier mit den zwei Rücken. Gemeinderat wie bester Freund bleiben erstmal ahnungslos – der eine, um einen Skandal zu vermeiden, der andere … nun ja – warum sollte man die Dinge komplizierter machen als sie sind? Was Brian nicht weiß, macht ihn nicht heiß. Sagen sich jedenfalls Anna und Jake.
Brian hat inzwischen, wie könnte es anders sein, schon genug Probleme – oder besser gesagt: eines, das groß genug ist und das natürlich sein Keuschheitsgelübde betrifft. Nächtens träumt Brian von Anna, und was er da träumt, ist, na ja, nicht mehr so ganz astrein zölibatär.
Als Anna dann irgendwann ganz aufgelöst bei Brian hereinschneit, weil sie ihm unbedingt ein Geständnis machen müsse, zieht Brian auch erst einmal prompt die falschen Schlüsse und nimmt an, Anna sei ihrerseits für ihn entflammt, habe sich aber bisher nicht getraut, ihm ihre Liebe zu gestehen, um ihn, den Mann im Priesterkleid, nicht in eine Zwickmühle zu bringen. Als Anna dem Redeschwall des Jugendfreundes dann endlich mit einem wohl platzierten Satz Einhalt gebieten kann, ist dem die Situation erst einmal furchtbar peinlich – bis er begreift, warum Anna sich an ihn gewandt hat: Er, Brian, ist ihr bester Freund, und dessen bester Freund Jake hat sie soeben ziemlich schnöde abblitzen lassen.
Was ist da passiert?
Anna will mehr als nur eine Affäre mit Jake, und dafür ist die beruflich höchst erfolgreiche Frau sogar bereit, auf die bereits avisierte Beförderung zu pfeifen und die nächste Stufe auf der Karriereleiter eine/m/r anderen zu überlassen. Und Jake? Stößt Anna gehörig vor den Kopf, weil er das Verhältnis nicht offiziell machen möchte – aus Angst, sich mit seinen Schäfchen zu überwerfen.
Brian sucht erst einmal Trost und Rat an der Biegung des Tresens, und nach durchwachter und durchzechter Nacht stellt er Jake zur Rede – und zwar coram publico: Im Beisein von Gemeinde und Ältestenrat lässt Brian die sprichwörtliche Katze aus dem Sack. Anna hat derweil beschlossen, zu Plan A zurückzukehren, aus der Heirats-Not die Karriere-Tugend zu machen und ziemlich bald abzureisen.
Und wie geht die Sache aus … ?
Natürlich hat die Geschichte ein Happy End, und ebenso selbstverständlich folgt die Dramaturgie des Geschehens bekannten Mustern – retardierendes Moment inklusive: Bevor alles ein gutes Ende nehmen darf, muss der geläuterte Held Jake erst noch eine Mutprobe bestehen, um dann, kurz vor knapp, das Objekt der Begierde doch noch umzustimmen und ergo auch offiziell zur Braut machen zu dürfen (wir kennen das ja aus dem klassischen Drama: am Ende wird meist geheiratet oder gestorben).
Edward Norton („Fight Club“), der hier nicht nur eine der Hauptrollen spielt, sondern auch Regie führt, setzt in seinem Regiedebüt auf ein im besten Sinne flott geschriebenes Drehbuch, das auch altbekannten Standardsituationen der romantischen Komödie neuen (Wort-)Witz abgewinnt.
Ein Rabbi, ein Priester und eine schöne Frau – das ist eine Exposition, die wie geschaffen dafür ist, in einen abendfüllenden Herrenwitz abzugleiten. Zum Glück scheint Regisseur Norton und seinem Drehbuchautor Stuart Blumberg das in jedem Moment sehr bewusst gewesen zu sein: Die Jonglage mit ethnischen Klischees ist elegant, amüsant und rutscht auch in den wenigen gewagteren Momenten des Films nie ins Peinliche ab.
R e s ü m e e
Edward Nortons Regiedebüt ist unterhaltsam, stilsicher inszeniert und prima besetzt (neben Anne Bancroft sind Regisseur Milos Forman („Amadeus“, „Hair“) und Eli Wallach (Tuco, der “ugly one“ aus Sergio Leones legendärem Western “The Good, the Bad and the Ugly“) in Nebenrollen zu sehen). Aus einem Stoff, aus dem andere Regisseure wie zum Beispiel die für ihren Brachial-Humor berüchtigten Brüder Peter und Bobby Farrelly („Verrückt nach Mary“, „Dumm und dümmer“) wahrscheinlich ein Stück für Pennäler gemacht hätten, wird in den Händen von Norton eine leichtfüßige Komödie, die den Vergleich mit Genre-Klassikern wie Rob Reiners „Harry & Sally“ und „Notting Hill“ nicht zu scheuen braucht.
31 Bewertungen, 10 Kommentare
-
03.01.2007, 20:18 Uhr von hjid55
Bewertung: sehr hilfreichsh & lg Sarah
-
29.06.2006, 19:45 Uhr von darras76
Bewertung: sehr hilfreich*haben wollen*
-
23.06.2006, 16:14 Uhr von Cicila
Bewertung: sehr hilfreichIch kenne und mag den Film sehr gerne :) LG Cicila
-
21.06.2006, 03:42 Uhr von schokofan
Bewertung: sehr hilfreichsh und glg Dagmar
-
20.06.2006, 18:14 Uhr von Gemini_
Bewertung: sehr hilfreichLieben Gruß von mir! ---Inka---
-
19.06.2006, 21:55 Uhr von tanja2003
Bewertung: sehr hilfreichsh und einen lieben Gruss....Tanja
-
19.06.2006, 20:59 Uhr von Django006
Bewertung: sehr hilfreichsh & *lg* Alan :>))))
-
19.06.2006, 16:14 Uhr von SuicideToday
Bewertung: sehr hilfreich~*~sehr hilfreich~*~man liest sich~*~
-
19.06.2006, 16:03 Uhr von Estha
Bewertung: sehr hilfreich۩...sh...۩
-
19.06.2006, 15:35 Uhr von himmelsstuermerin
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich und liebe Grüße Ariane
Bewerten / Kommentar schreiben