Gottes Werk und Teufels Beitrag (DVD) Testbericht

D
Gottes-werk-und-teufels-beitrag-dvd-drama
ab 3,81
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 11/2011
5 Sterne
(3)
4 Sterne
(2)
3 Sterne
(1)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)
Summe aller Bewertungen
  • Action:  wenig
  • Anspruch:  wenig anspruchsvoll
  • Romantik:  durchschnittlich
  • Humor:  humorvoll
  • Spannung:  spannend

Erfahrungsbericht von w.gruentjens

Gottes Oskars und Teufels Klischees

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Mit „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ erleben wir einen Film nach den Buch und Drehbuch von John Irving, der einerseits ein hervorragend gemachtes Drama ist, der aber andererseits Klischees verwendet, die für jüngere Kinder, die noch keinen kritischen Geist entwickelt haben, nicht unbedingt geeignet sind. Wie dem auch sei, ein Erwachsener oder auch ein kritisches Kind kann mit diesem Film ein wunderbar gemachtes, mit zwei Oskars prämiertes Drama sehen, das zwar Klischees benutzt, aber perfektes Handwerk ist und auch Züge bis hin zur Filmkunst hat.


DATEN (aus http://www.filmberichte.de/2000/werk.html.)

USA 1999 - Regie: Lasse Lasse Hallström - Drehbuch: John Irving - Darsteller: Tobey Maguire, Michael Caine, Charlize Theron, Delroy Lindo, Paul Rudd


INHALT

Im ersten Teil des Films werden die Zuschauer in ein Heim in der Zeit um 1935 geführt, das vor allem ein Waisenhaus ist, in dem aber auch junge Mütter ihre unehelichen Kinder entbinden können. Der Film nimmt sich viel Zeit, die schöne Atmosphäre in dem Heim zu beschreiben. Die Kinder dort fühlen sich wohl. Ab und zu wird auch mal ein Kind adoptiert – wobei ein hübsches, angepasstes Mädchen größere Chancen hat als ein querköpfiger Junge. Was nicht jeder weiß, und was auch der Zuschauer erst ein wenig später erfährt: Ist die Schwangerschaft noch sehr früh, so werden auch – entgegen der Legalität – Abtreibungen vorgenommen. Auch wenn man hier anderer Meinung sein kann, so stellt sich der Film doch von vornherein auf den Standpunkt, dass diese Abtreibungen, wenn auch nicht legal, so doch zu rechtfertigen seien.

Dr. Larch (Michael Caine), der Leiter des Hauses, hat unter seinen Zöglingen einen ganz besonders intelligenten Jungen, Homer (Tobey Maguire). Dieser ist auch eigentlich die Hauptperson dieses Films, denn alle anderen Personen und alle Handlungen sind auf ihn bezogen und werden weitgehend aus seiner Sicht geschildert. Um sein Schicksal, um seinen Weg, um seine Beziehung zu dem Waisenhaus geht es hier. Dieser Homer weigert sich zunächst die Abtreibungen als Hilfe anzuerkennen, denn er lehnt sie aus moralischen Gründen ab. Nach und nach bekommt Dr. Larch ihn dann bei verschiedenen Gelegenheiten dahin, dass er bei Abtreibungen assistiert, und so lernt Homer ganz nebenbei, wie man das macht. Das wird auch im späteren Verlauf des Films noch eine Rolle spielen.

Im zweiten Teil des Films entsteht bei Homer zunächst immer mehr der Wunsch zu wissen, was denn draußen in der übrigen Welt los ist. Als dann ein nettes Pärchen – die süße Candy und der uniformierte Wally - kommt, um sich ihren Nachwuchs wegmachen zu lassen, nutzt er die Gelegenheit, packt seine Sachen und zieht mit ihnen in die große weite Welt hinaus. Hier arbeitet er zunächst als Apfelpflücker zusammen mit farbigen Wanderarbeitern auf dem Gut von Candys Eltern. Hinzu kommt das Entdecken der jugendlichen Unbeschwertheit zusammen mit dem netten Pärchen – vor allem der reizenden Candy (Charlize Theron).

Der dritte Teil des Films erzählt dann das Entdecken der Liebe. Der junge Verlobte musste inzwischen in den Krieg ziehen, und für das nette, verwöhnte, kokette und charakterschwache Mädchen ist „das Eine“ eine ganz besonders wichtige Sache. Das holt sie sich nun bei Homer. Wunderschöne Bilder, das immer charmante Lächeln der beiden, wunderschöne Aufnahmen der Umgebung machen diesen Teil zum gefälligsten Teil des Films.




Achtung: Ab hier nur lesen, wenn man den ein weiteres Stück der Handlung erfahren möchte!

Aber immer, wenn es in einer Handlung besonders ruhig, besonders romantisch wird, hat man vielleicht Anlass, eine neue Problematik einzuführen. Gerade als die beiden in der Bude der Wanderarbeiter ihrer körperlichen Liebe frönen, kommen die schwarzen Wanderarbeiter zurück. Sie kommen aber jetzt nicht nur als Wanderarbeiter zurück, sondern sie kommen mit zwei besonderen Problemen zurück, die auf die bisherige Handlung des Films besonders gut passen:

Die junge Schwarze ist nicht nur ungewollt schwanger, sie ist sogar von ihrem eigenen Vater schwanger. Jetzt kommt Homer zum Zuge, denn er hat von seinem Ziehvater ein Arztköfferchen geschenkt bekommen, und er kann helfen, und er hilft. Um die Dramatik noch ein wenig zu steigern, kommt jetzt noch eine kleine Tragödie zum Zuge: Als der Vater sich – endlich einmal – seiner Tochter nicht als missbrauchender Liebhaber, sondern als guter Vater nähern will, versteht sie das falsch und ersticht ihn.

Zwei Dinge will ich noch berichten, die das Schicksal des Protagonisten beeinflussen: Zum Einen hat sein Ziehvater für ihn eine gefälschte Bewerbung mit gefälschtem Doktordiplom an die Trägerschaft des Heimes gerichtet, zum Anderen kommt auch der Verlobte des jungen Mädchens, nun an den Rollstuhl gefesselt und nicht mehr zeugungsfähig, aus dem Krieg zurück, und sie wird nun aus einem geilen, verwöhnten Ding eine gute Krankenpflegerin.



Jetzt darf wieder gelesen werden, ohne dass man allzu viel von der Handlung erfährt.

Mit so viel Feingefühl, Romantik, Zeitgeschichte, Dramatik und Tragödie entsteht nun die Frage, wie sich das Schicksal des Homer wenden bzw. erfüllen wird.


GOTTES OSKARS …

Der Film hat zwei Oskars erhalten, den einen für das perfekt ausgearbeitet Drehbuch von John Irving nach seinem eigenen Roman – und es ist nicht der einzige Erfolgsroman von ihm. Er hat in diesem Drehbuch und damit auch in diesem Film die Handlungsstränge von Zuneigung, Erotik, Familienproblematik, Abtreibungsproblematik, Missbrauchsproblematik und Schicksalhaftigkeit so gut verwoben, dass schon ein herrlicher Film daraus werden konnte.

Den anderen Oskar hat Michael Caine erhalten, und zwar für seine starke Charakterisierung des helfenden, freundlichen Heimengels, der einerseits ein wunderbarer Mann ist, der aber andererseits sich über die geltenden Gesetze und Normen stellt und also auch als Verbrecher angesehen werden könnte – wenn das der Film auch nie tut. Dieser Arzt, Dr. Larch, stellt sich zwar über die Gesetze, weil ihm die Existenz seines Heimes und das Glück – relative Glück – der Heimbewohner besonders wichtig ist, aber er zahlt seine eingebildete Gottähnlichkeit doch in der Nacht, in der er keine Ruhe findet und diese statt durch ein ruhiges Gewissen durch eine zerbrechliche Ätherflasche aus Glas (!) zu erlangen sucht, meist vergeblich.


… UND TEUFELS KLISCHEES

Bei allem Lob für diesen perfekt konstruierten Film, bei aller Anerkennung der wohl verdienten Oskars muss ich doch einen kleinen Hinweis anbringen, der mir beim zweiten Sehen noch mehr aufgefallen ist als beim ersten Sehen im Kino damals:

Die Stimmigkeit der Personen und der Handlungsstränge ist mir schon fast zu perfekt und damit klischeehaft. Da gibt es nicht nur die Beziehung des Ziehvaters zum Ziehsohn – wobei der Ziehsohn zunächst ein verlorener Sohn wird, bis er, ähem ... Dann gibt es das Pärchen aus verwöhntem, reichen, weißen, koketten Mädchen mit einem schicken Uniformierten. Dann gibt es das Klischee des heimgekehrten, aber nicht mehr voll funktionsfähigen Soldaten, das Klischee, dass die Weißen immer reiche Unternehmer und Schwarze immer Handarbeiter sind, und dass bei ihnen auch noch Dinge passieren, die ohnehin nur in der Unterschicht (wer weiß?) vorkommen.

Und genau das ist es, was mir zu perfekt und zu klischeehaft an dem Film insgesamt ist. Es ist ZU toll, ZU gut ausgedacht, ZU stimmig, ZU zufällig passend.


QUALITÄT

Das Drehbuch ist, wie gesagt, perfekt, auch wenn ich es persönlich ZU perfekt finde. Die Story bietet von der Romanze bis zur Tragödie alle Sparten, die in einem Drama vorkommen können. Die Regie ist perfektes Handwerk; große künstlerische Experimente oder ungewöhnliche Einstellungen, Blickwinkel, Kulissen kommen nicht vor – aber was gemacht wird, ist schon sehr, sehr gut.

So zeigt der Film, handwerklich perfekt gemacht, mit einigen Ausflügen zur Filmkunst und leider auch in Richtung Kitsch, sehr schön die Geschichte des jungen Waisenknaben Homer, seine Aufwachsen, sein Entfliehen in die Welt, seine Erlebnisse dort, die Anwendung seiner Kenntnisse und schließlich ...

In den Vordergrund stellen will ich noch die großartigen Leistungen von Michael Caine, Tobey Maguire und Charlize Theron. Caine spielt den zwiespältigen, liebenswerten, aber seiner Meinung nach über den Gesetzen stehenden alten Arzt und Heimleiter mit deutlicher Ausdruckskraft, ohne jedoch jemals in Übertreibung zu geraten. Tobey Maguire spielt die Hauptperson des Filmes, aus dessen Sicht der Film auch weitgehend betrachtet ist, sehr differenziert, und Charlize Theron vermittelt die Figur der verwöhnten reichen Koketten nahezu perfekt.


FAZIT

Auch wenn mich das Übermaß an Perfektion gestört hat, so ist dieser Film doch einer der besten Filme, die man als Familie mit Kindern ab ca. 10 Jahren sehen kann. Er schildert mit interessant konstruierten Handlungssträngen das Leben des Waisenjungen Homer und seine Entwicklung, seinen Ausflug in die Welt und schließlich ... Regie und Schauspieler sind perfekt, und wenn der Film auch nicht an hohe Filmkunst heranreicht, so zeigt er doch wunderbares Filmhandwerk. Lediglich die Überfülle von Klischees lässt mich ein Pünktchen abziehen, trotz der 2 verdienten Oscars.

50 Bewertungen, 1 Kommentar

  • antjeeule

    06.11.2006, 12:34 Uhr von antjeeule
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wolfgang, das ist eine tolle Rezension. Ich lese derzeit das Buch und werde mir daraufhin bestimmt auch mal den Film ansehen. Schade, dass die Sonderzeichen nicht sinnvoll übertragen wurden. Es macht das Lesen teilweise schon beschwerlich!, schadet abe